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Marburg, Sonntag, 4. Februar 1883

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Der falsche Prinz.

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Erscheint täglich außer an bew Werktagen nach 6onni und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS Somrtaa»blatt" durch die Expedition (Ä o ch'sch« Kuchdruckere») bezogen 8V. Marl, durch die Postämter de« Deutschen Reiches 8 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.

_________________Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Erzählung von Th. von Aschenberg.

Die unglückliche Tiana zog sich in ihre Gemächer zurück, ®o sie alsbald ihre Kammerfrauen entließ und sich, gebrochen d«n Schmerz und Verzweiflung, ganz dem Ausbruche der Schmach und Enttäuschung hingab, die ihr wiederfahren ®ar. So kam cs, daß sie nicht gehört hatte, wie die Thür hinter ibr leise geöffnet wurde und Diana plötzlich Carlo, den falschen Prinzen vor sich sah, ohne sein Kommen be« ®ettt zu haben.

** weder sehen noch hören I Gehen Sie doch endlich I Waffen Sie meine Gemächer, oder ich laste Sie von den ^»ern meines Onkels entfernen I'

Allgemeinen deutschen Handwerkerbundes-, dessen Sitz hier in Berlin ist, fand, wie wir hören, gestern abend eine Brr» sammlung von Vertretern des selbständigen Handwerk» im Kaffee Klein, Alte Jakobsstraße 75, statt, zu der trotz der eiligen Einladung doch eine stattliche Reihe von Delegierten au« einer großen Anzahl deutscher Städte, u. a. aus Bremen, Hamburg, München, Altona, Köln, Leipzig, Dresden, Han­nover, Bromberg erschienen war. Die Verhandlungen fanden unter Ausschluß der Oiffentlichkeit statt; von 70 Reichstags-Abgeordneten aller Fraktionen, die dazu geladen waren, hatten sich indes nur sechs Herren der konserva­tiven Partei, nämlich die Herren Ackermann, v. Köller, Staudy, Gra' Holstein, v. Lüveritz und Günther (Sachsen), eingefunden und bedeuteten dadurch, sowie durch ihre all- seitige Teilnahme an den bis nach Mitternacht dauernden Debatten das lebhafte Jntereffe für die gewerbliche Reform im Allgemeinen und die Arbeitsbücherfrage im Besonderen. Die Verhandlungen konstatieren vollständige Einmütigkeit der anwesenden Vertreter des Handwerks in der Forderung nach Einführung obligatorischer Arbeitsbücher für alle ge­werblichen Arbeiter ohne Unterschied deS Alters, und sprach die Versammlung zum Schluß der konservativen Partei ihren Dank aus für die Förderung der Jntereffen des Gewerbestandes, die seitens der Liberalen bisher so wenig Verständnis gefunden hätten, trotzdem mit ihnen da« allge­meine Wohl in Staat und Gesellschaft so eng verbunden sei. Man hat der am Sonntag im kaiserlichen Palais unter Vorsitz des Kaisers stattgehabten militärischen Konferenz, an welcher Moltke, Kameke, Chef des MilitärkabinettS Albedyll und kommandierender General Pape, Chef der Admiralität Stofch, Generaladjutant des Kaiser« Graf Lehndorf teil nahmen, eine große Bedeutung beigelegt. Nach zuverlässigen Angaben standen lediglich militärisch- technische Angelegenheiten zur Behandlung.

Nach dem Bericht der Kommission de« Reichstag» zur Vorberatung des Gesetzentwurfs, betreffend die Ab­änderung des MilitärpenstonS-GesetzeS vom 27. Juni 1871, äußerte sich im Namen der verbündeten Regierungen die preußische Militärverwaltung über diese Novelle wie folgt: Die Vorlage dieses Gesetzentwurfes erforderte einmal die Notwendigkeit, weil sich herauSgestellt hat, daß die bi«, hcrigen, für die Offiziere bestehenden PensionSverhältniffe auf die Dauer unhaltbar sind; dann aber auch erfordert die Gerechtigkeit, mit der Vorlage nicht länger zu zögern, nachdem durch das Gesetz vom 31. März v. I. den Staat»« dienern, welche unter preußischer Verwaltung stehen, da» bereit« gewährt ist, woS jetzt für die Offiziere deS Reich». Heere» erbeten wird. Bezüglich der Notwendigkeit ist an­zuführen, wie dieselbe für die Militärverwaltung eine so fühlbare geworben ist, daß sie mit der Vorlage auch dann hätte hervortreten müffen, wenn die preußische Regierung nicht mit der Gesetzesänderung betreff« der Beamten vor-

bierzetm Tagen in Aussicht genommen wurde. In der Kommission für das MilitärpenstonSgesetz, in der die Frage, ob vom 17. ober 20. Lebensjahre an die Pension berechnet werben soll, eine hervorragende Rolle gespielt hat, wurden unter anderem folgende Nachweisungen von Jntereffe regie­rungsseitig übergeben. Von sämtlichen am letzten März 1882 im preußischen KriegSministertum verzeichneten Osfizier- bensionären, in Summa 5433, sind eingetreten vor dem 17. Lebensjahre 782, nach dem 17. Jahre 1905, nach dem 18. Jahre 1266, nach dem 19. 763, nach dem 20. 717. Pensioniert sind davon mit einer Dienstzeit von unter 10 Jahren 5064; mit einer solchen von 40 und mehr als 10 Jahren 369 ES erhellt daraus, daß die Offiziere durchschnittlich 2,57 Jahre vor vollendetem 20. Lebensjahre in Dienst treten und daß von den 5433 Pensionären nur 6.79 Prozent eine Dienstzeit von 40 Jahren und darüber, dogeaen 93,21 Prozent eine solche von 40 Jahren nicht Michl haben. DieNeue Preußische Ztg." resümiert

_ i 1883.

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Soweit unser Vorrat reicht, fügen wir Neubestellungen unsere Nr. 20 vom 25. Januar d. I. mit den Bildnissen des Kronprinzen und der Kronprinzessin, sowie einen Kalender für 1883 gratis bei.

Die Expedition der Oberhess. Ztg.

Wie, weder meine Bitten noch meine Reue vermögen etwas über Sie, meine Diana? Alle Ihre Liebe zu mir ist erlosch'n . . . jede« Andenk n verwischt... Sie hassen mich jetzt, weil ich kein Prinz, sondern nur ein einfacher Student bin, der Sie dcsh lb nicht minder lieb hat. Sie haben also nur einen glänzenden Titel geliebt, aber nicht meine Person, meinen Geist, meine Eigenschaften als Mnsch?"

Nein, ich Haffe Sie nicht, ich verachte Sie!" erwiderte Diana standhaft und wie» nach der Thür.

Carlo erzitterte und wurde leichenblaß, doch alsbald nahm er ganz ruhig einen Stuhl und setzte sich Diana gegenüber mit den Worten:

Ick bleibe!-

Wie, Sie wagen, sich hier Rechte anzumaffen!?- rief Diana entrüstet.

Ich bin Dein Gatte und ich mache von meinem Rechte Gebrauch!- errokerte Carlo ruhig.

Wollen Sie denn, caß ich um Hülfe rufe und Sie von den Dienern foribringen lasse?"

Rufe nur, Diana! Zeugen werden mich, Deinen Ge­mahl, dann re« nachiS in Deinen Gemächern finden. Was ist va schrecklich s für mich dabei? Over willst Du mich dann wirklich in» öffentliche Gefängnis werfen lassen? Wird dadurch Dein cleS Herz befriedigt, daß der arme Carlo im Kerker schmachtet, weil er auS Liebe zu Dir einen falschen Namen annahm?"

Dann werde ich Sie wenigstens nicht mehr sehen, wenn Sie im Gefängnis sind!- erwiderte Diana kalt.

Diana, so höre doch, nur einen einzigen Au -enblick," flehte Carlo,uns wenn Du mir dann noch befiehlst zu gehen, nun, so werde ich Dir gehorchen und ich werde selbst an der Auflösung unserer Vermählung arbeiten. Du wirst

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Deutsches Reich.

Berlin, 2. Febr. Der Kaiser leidet infolge einer leichten Erkältung an Heiserkeit; er empfing deshalb nicht die zur Vorstellung hierher beorderten Kadetten und unterließ auch dir Ausfahrt. Gestern abend hat unter dem Vorsitze des Rrichstagsprästdenten eine weitere Beratung der Abgeord- neten aus den überschwemmten Gegenden stattgefunden. Beim Reichstage sind schon über hunderttausend Mark für diesen Zweck eingelaufen, während auf der andern Seite festgestellt tourte, daß für die augenblickliche Not überall gesorgt ist. Da aber der Umfang so mancher Verluste sich erst später, toi) Ablauf der Gewässer von den überschwemmten Aeckern, Herausstellen wird und neben den Milderungen der Schäden durch die Staatshilfe noch so mancher Verlust der Deckung bedarf, ist es von dem größten Werte, auch für die frei® willige Hilfeleistung eine stattliche Reserve zu haben. In diesem Sinne hat sich auch die gestrige Versammlung an»-

die Verhandlungen de» Reichstage» über den Etat der Militärverwaltung; dabei sagt sie u. a.:Die ganze De­batte über all dergleichen Fragen liefert den Beweis, daß die in sich homogene und gerade dadurch so gewaltige Macht der Armee den regierungsfeindlichen Parteien ein unbehag­liche« Gefühl verursacht. Da sucht man nun von allen Seiten an den Institutionen zu Mängeln, welche die Trieb­kraft für diese vorzüglich arbeitende Maschine sind, sucht in der Armee selbst Fermente der Unzufriedenheit in über­spannten Köpfen zu erzeugen, um ihre innere Kraft zu schwächen. Der Geist de« Offizierkorps mit seinen strengen, lauteren Begriffen von Ehre, die Pflege dieses Geistes, die Pflege der Subordination, der strengen Erziehung im mili­tärischen Gesetz, die möglichste Absonderung von Elementen, welche verderblich auf die Gemüter der Soldaten und da die Armee bekanntlich die beste Volksschule Ist, auch auf die des Volke» wirken könnten, allen diesen heilsamen Erzlehungs- und Förderungsmitteln für die höchsten und edelsten Ziele möchte man eine andere, abweichende Richtung geben, und da dies vorerst nicht möglich, sie doch in ihren Wirkungen abschwächen. Daher daö sortgefetzte Geschrei über mangelnde Humanität, verengten Gesichtskreis, Kasten­geist und dergleichen haltlose Dinge mehr.- Am Schluffe heißt es dann:Wenn wir nun auch Herrn Eugen Richter niemals das Recht bestreiten wollen, im Reichstage die Jn- teriora der Armeeorganisation zu beleuchten, so müffen wir ihm, nach dem, was wir gehört haben, doch ganz gewiß die Fähigkeit hierzu absprechen. Diese Fähigkeit ohne seinen sonstigen Fähigkeiten zu nahe treten zu wollen fehlt ihm vollkommen, und er wird sie sich auch so leicht nicht er­werben; denn dergleichen erlernt sich nicht im Fluge. Auch sind manche Menschen von vorn herein ungeeignet für militärische Studien, weil ihnen die Prämlffen der Beurteilungsfähigkeit militärischer Verhältniffe fehlen.- Die Frage der obligatorischen Arbeitsbücher ist bekanntlich in letzter Zeit vielfach Gegenstand von Erörterungen in Versammlungen und Vereinen gewesen, und sind be­sonder» die Führer der Gewerkvereine und der Sozial­demokraten, die sich die Gelegenheit nicht haben entgehen kaffen, um au» ihr Kapital für die Bearbeitung der Maffen zu schlagen. ES konnte daneben einigermaßen befremdlich erscheinen, daß ans den Kreisen der Arbeitgeber, dc» Klein­gewerbes wie der Fabrikindustrie, neuerdings wenig ober keine Kundgebungen in der beregten Frage erfolgt waren, die durch den Antrag des Abg. Ackermann und Genoffen wiederum auf dir Tagesordnung des Reichstags gebracht worden ist, und für die sich die GewerbeordnuligSkommis- ston des letzteren mit allerdings nur einer Stimme Majori­tät ausgesprochen hat. Dem Bedürfnis, auch ihrerseits Stellung dazu zu nehmen, scheint man in letzter Stunde noch in den Kreisen der Handwerker Rechnung getragen zu haben. Auf Einladung deS Zentralvorstandes de»

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Sind Sie in Mensch ober ein Teufel, daß Sie Ihr Mttngria verl -ffen un - ungehindert hier einbringen können? wehen Sie! Gehen Sie ober ich rufe um Hülfe!"

Diana!" fkbte Carlo,höre mich I"

LNie! Niemals! Gehen Sie!" erwiderte da» Schloß- Mwtin j tzc stolz und verächllich.

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3 erst war Diana über das plötzliche Auftauchen Carlo» "Wen in der N >cht in ihren Gemächern zu Tode erschrocken en') rief ihn bebend an:

bann frei fein,... aber höre mich erst, höre meine Leben»« g-schichte!"

Nun, so sprechen Sie denn,- antwortete Diana.

Ich habe e» Ihnen schon früher gesagt: Leidenschaftlich in meinem Herzen und He ebetürftig von Natur au«, habe ich nie eine aufrichtige Freundschaft und Liebe in meiner früheren Umgebung gefunben. Männer und Frauen, die ich kennen lernte, alle haben mich betrogen, alle haben mein Vertrauen getäuscht. Ich habe grausam gelitten, denn in meiner Stellung, die nicht so nichtig war, wie sie Ihnen heute erscheint, empfand ich den Mangel von Liebe und Freundschaft doppelt. Eine» Tage» verließ ich daher meine falschen Freunde und mein Vat.rland, wo ich nicht glücklich gewesen wat. Ich kam in den Elsaß, wo mich der Zufall In Deine Nähe führte, und sobald ich Dich sah, Dich, Tiana, hatte ich den gewaltigen Eindruck, al» ob Du unter demselben Schmerze wie ich littest und e» öffnete sich mein arme» Herz wieder der Hoffnung. Ich fühlte nur noch, daß ich lebte und liebte. Alles nach Außen verschönerte sich in meinen Augen, alles nach Innen wurde zu einer himmlischen M lvdie. Mein ganzes Wesen sch werte nur vor Wonne. Ich hätte D-ine Fußtapfen im Sande küssen mögen. Ich liebte Dich mehr, al« Dich je ein Mensch geliebt! AuS dieser LlebeScxtase wurde ich durch einen Mann gerissen . . . einen Teufel, den Baton von Trevi«, der meine Liebe zum Instrumente seiner Rache machte. Er machte mich adelig, er machte mich zum Prinzen er sagte mir: Sie wird Dein fein! Ein Schwindel ergriff mich, denn Dich auch besitzen zu tönnen, daran hatte ich früher trotz meiner großen Liebe zu Dir niemals gedacht. Ich wurde von meiner Leidenschaft hingerissen und ich willigte ein, dem Baron Trevis zu folgen." (Fortsetzung folgt)

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'Ihre Siebe? Wie, Sie Feigling und Betrüger wagen - . J "och, diese« Wort mir gegenüber au«zusprechen? Ihre ~ [i die das Unglück meines ganzen Lebens verursacht idblia^ < 3 Te Lieb-, di mtch dem allgemeinen Gespötte preiS- jkbt! Ihre Liebe, die mich entehrt! . . . Nein, ich will

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* LTia a, ich bin schuldig, sehr schuldig .... ich habe , ' 'ch g täuscht," fudt C tlo oemütig fort,aber meine Liebe Ii W Dir ist meine Entschuldigung."