XVIII. Jahrgang.
Marburg, Freitag, 2. Februar 1883.
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„Sie g«stehen also, meine liehe Braut, daß ich außer »einem Prinzentitel in Ihr n Augen gar kein Verdienst uud keinen Wert habe, gar keine Eigenschaft, die mir Ihre H»nd hätte verschaffen können?" fuhr der falsche Prinz wehmütig fort.
vergessen konnte."
Diano.S Bräutigam runzelte aber die Stirne.
„Reicht es nicht hin, Herzm-adel zu befltzen?" sagte er ®tt ernster Stimme; „zählt die Liebe die Ahnen?"
„Wer adelig dem Namen nach ist, der ist eS auch in ber Regel dem Herzen nach, Prinz!" sagte Diana, indem fte ihren schönen Kopf zu ihrem Bräutigam erhob uud zärtlich lächelte.
Aber der falsche Prinz achtete nicht auf ihr süßes ^äch'ln, sondern sagte ernst:
„Wenn ich also arm und unscheinbar gewesen wäre wie lener obsrure Beamte, der die hohe Dame geheiratet....'
Das wäre ein großes Unglück . . . Aber dann hätte
von der Innung, zur Hälfte von der Aufsichtsbehörde berufen werden. Die Bestimmungen sind widerruflich.
Als Antragsteller erhielt zuerst der Abg. Ackermann das Wort, welcher zunächst darauf htnwicS, daß die Vorlage der Regierung seiner Zett die jetzt beantragte Bestimmung enthalten -habe, und daß dieselbe nur mit sehr geringer Majorität abgelehnt worden. Die Wohlthaten deS Gesetzes vom 18. Juli 1881 würden so lange bedeutungslos, als bis die Aufnahme der qu. Bestimmung zur Bildung freier Innungen anrege. Die handwerksmäßige Ausbildung der Lehrlinge sei keine reaktionäre Forderung, sei vielmehr gleichmäßig sowohl im Interesse der Lehrlinge wie des Handwerks überhaupt, al« auch im Interesse der Großindustrie.
Abg. Baumbach betont, daß, wie der Abg. Ackermann seinen Standpunkt von 1881 aufrecht erhalte, so auch die Liberalen an dem ihrigen festhalten. Sie wollen die Gewerbefreiheit nicht beschränken und die Befugnisse, die hier begehrt weiden, nicht von dem Ermessen einer Verwaltungsbehörde abhängig machen. Freie Innungen könnten allen Ausgaben gerecht werden, wie man sie nur an obligatorische stellen könnte, wenn man nur obligatorische Fortbildungsschulen schaffe. Der vorliegende Antrag sei ein vollständiger Anachronismus. Er bitte also dringend um Ablehnung des Antrages Ackermann.
Abg. Frhr. v. Hertling ist dagegen überzeugt, daß die Ausführungen des Vorredners die Freunde des Antrages nicht abhalten werden, denselben anzunehmen. Ohne die Nr. 3 des § 100« verliere das ganze Gesetz vom 18. Juli 1881 wenn auch nicht seinen ganzen Wert, doch einen wesentlichen Teil desselben. ES handle sich darum, den Handwerkerstand durch organisatorische Institutionen zu schützen und zu stärken. Wenn die Innungen nicht mit gewissen Vorteilen für deren Genossen verbunden wären, würde naturgemäß eine gedeihliche Entwickelung derselben nicht zu erwarten sein. Normativ- bestimmungcn hätten sich bei der Schwierigkeit der Sache allerdings al« Voraussetzungen für die Eventualitäten des 8 100« nicht aufstcllen lassen; aber cS sei doch die sehr wichtige Bedingung gestellt, daß sich die Thätigkeit der betreffenden Innung auf dem Gebiete des LehrlingSwesenS bewährt haben müsse. Den Verwaltungsbehörden müsse man doch das Zutrauen schenken, daß sie im konkreten Falle das Richtige treffen.
Abg. Walter bekämpft den Antrag als sachlich unzweckmäßig und dem LehrltngSwcsen nicht förderlich. Auch bringe er unnötige Unruhe in die betreffenden Verhältnisse. Abg. Lohr en 'ührte an der Hand der Bestimmungen des Gesetzes selbst aus, daß die neuen Innungen im Gegensätze zu den alten nicht für die Meister, sondern für die Lehrlinge geschaffen seien, daß sie einen sozialen Zweck hätten und Lehrlings - ErziehungS - Anstalten sein sollten. DaS Gesetz fordere von dem JnnungSmeister ein große« Opfer an Geld und Zeit, und der Antrag Ackermann
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mit vor Rührung thränenfeuchten Augen um de« Himmels S gen für das Brautpaar und alle Anwesenden waren von der Feier tief ergriffen, nur der Baron TreviS ließ manchmal ein teuflische« Lächeln um seinen Mund spielen, welche« indessen von niemanden weiter bemerkt wurde.
Nach beendeter Trauung begab man sich in den großen Saal zurück, wo alle Gäste Platz an einer reichgedeckten Tafel nahmen und unter lauter Lustbarkeit die Freuden einer ausgezeichneten Mahlzeit genossen.
Nur das Neuvermählte Paar blieb still und in sich gekehrt; bei Diana und Carlo hatte das wahre, tiefgefühlte Glück keine Worte, keine laute Freude.
Baron TreviS gab sich einer seltsamen Lustigkeit hi« und trank wiederholt unter auffallendem Geberdenspiel auf daS Wohl des jungen Paares.
Als der Abend gekommen war, wurde da« Zeichen zum Anfänge deS Balles gegeben. Diana sollte ihn, einer alten Sitte gemäß, mit dem vornehmsten Hochzeitsgaste, n it dem Statthalter von Elsaß eröffnen und schritt eben mit ihrem Tänzer der Mitte deS Saale« zu, als Baron Trevi- plötzlich vor sie trat und mit einer tiefen Verbeugung, aber listigen, schadenfrohen Blickes sagte:
„Schöne, junge, gnädige Frau und Prinzessin! E« ist mir äußerst schmerzhaft, diesen schönen Tag durch eine Eröffnung stören zu müssen, die ich Ihnen nicht mehr vorenthalten kann."
Carlo, der falsche Prinz, stand einige Schritte von Diana entfernt. Eine leichte Blässe überzog sein ernste« Gestcht, als der Baron sprach, aber sonst verlor er durchaus die Fassung nicht.
(Fortsetzung folgt.)
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Erzählung von Th. von Aschenberg.
Gegen abend, al« Diana in ein-m Lehnstuhle saß und Carlo sich auf die Rückwand desselben stützend, hinter ihr And, alle Gäste um da« Brautpaar versammelt waren und jeder nach Kräften die Unterhaltung zu beleben suchte, fiel dar Gespräch zufällig auf eine hohe Dame Lothringens, die in zweiter Ehe einen Bürgerlichen geheiratet hatte, einen ebscuren Beamten, sagte man, und die ganze adelige Versammlung eiferte gegen diese sogenannte Me-allicmce.
„Ich habe nie begriffen," sagte auch Diana stolz, „wie dne Frau, nie einen großen Namen besitzt, sich 1° weit
Stör die Monate
Februar und März
fordere nur daS Allermindeste, was der JnnungSmeister, wenn er auf Grund des Gesetzes einer Innung beitrete, für sein Opfer fordern müsse. DaS Prinzip der Gewerbefreiheit werde von dem Anträge nicht im geringsten tangiert. Für die Annahme desselben sprechen danach vor Allem sozialpolitische Gründe. Nur durch Annahme dieses Antrages ließen die guten Intentionen deS Gesetze- für die gedeihliche Entwickelung des Handwerks sich verwirklichen.
Abg. Köhl (DolkSp) ist gegen den Antrag, dessen Anhänger die Lage des Kleingewerbes zu schwarz und trübe darstellten, um dann auf diesem dunklen Hintergründe ihre sozialpolitischen Reformpläne desto heller her- vortrcten zu lassen. Abg. v. Kleist-Retzow (kous.) als Mitantragsteller spricht in seinem Schlußworte für den Antrag.
Die kommissarische Vorberatung deS Anträge« wird nicht beantragt, das Hau« beginnt daher sofort die zweite Lesung. Abg. Böttcher (nat-llb.) verteidigt ote Liberalen gegen die konservative Unterstellung, als ob fie kein Herz und kein Verständnis für die Interessen deS Handwerkerstandes hätten. Aber gerade im Interesse der Gewerbetreibenden lehnten sie diesen Vorschlag als eine unberechtigte Belästigung und unzeitgemäße Idee ab.
Abg. Frhr. v. Langwerth-Simmern (Welfe) spricht sich anscheinend im Sinne deS Antrages aus, ist aber im Zusammenhänge unverständlich. Abg. Frohme (Soz.-Demvkr.) giebt der Abneigung der Arbeiter gegen diese Art der Arbeiterbeglückung Ausdruck und bittet um Ablehnung des Antrages, worauf die zweite Beratung geschlossen wird. Die namentliche Abstimmung ergiebt die Ablehnung des Antrages mit 170 gegen 148 Stimmen. Für morgen steht auf der Tagesordnung: Die Interpellation, betreffend den Untergang der „Cimbria", und Fortsetzung der Etatsberatung. _______________________________
Deutsches Reich.
Berlin, 31. Jan. Die „Prov.-Corresp." begleitet die Wiedergabe des kürzlich von un« mitgeteilten Schreibendes Kaisers und Königs an den Papst mit folgenden Bemerkungen: Mit vollem Rechte wird von der inländischen und ausländischen Preffe in diesem Schreiben eine hochwichtige Kundgebung erblickt. Dasselbe legt von neuem Zeugnis ab von der steten Fürsorge unseres Königs für feine katholischen Unterthanen und von seinen unablässigen Bemühungen zur Wiederherstellung deS kirchlichen Friedens. Zugleich ist dieses Schreiben auch ein Beweis dafür, daß die Regierung des Königs bei dem Oberhaupte der katholischen Kirche gleichen friedliebenden Gesinnungen zu begegnen hofft. Freilich ist, wie auch die Worte des Königs erkennen lassen, diesen friedlichen Gesinnungen von Seiten der Kurie bisher nicht dasjenige Maß praktischer Bethä.
„Ich habe das nicht gesagt," antwortete Diana errötend, „aber die Liebe lebt von Ruhm, von Ehre und von Bewunderung. Ich bin stolz auf Sie, mein Prinz, Ihre Liebe ehrt und erhebt mich, ich vergesse mich, wenn ich Sic von allen bewundert sehe. Ist da» ein Verbrechen?"
Und Diana lächelte immer zärtlicher, aber Carlo wurde stets ernster, so daß der Baron TreviS sich zu beunruhigen anfing.
„Die Liebe, auf diese Weise erklärt," sagte Carlo, der falsche Prinz, nach einer Pause wieder, „könnte wohl einen anderen Namen erhalten und der Ehrzeiz, der Stolz..."
„Oh, der abscheuliche Gedanke," rief Diana. „Wenn Sie atm gewesen wären, so hätte ich Sie gar nicht kennen gelernt nnv also auch nicht wissen können, welches Herz ich verlor ... Aber wenn Sic heute noch plötzlich arm würden, so wären Sie dennoch der Mann meiner Wahl und meines Herzens."
Diana hatte diese letzten Worte so leise gesprochen, daß nur der Prinz sie hören konnte, und ihnen dadurch noch größere Zärtlichkeit verlieben; allein dieser gab sich nicht so bald gefangen. Seine Züae blieben noch einige Minuten lang ernst; dann erhob der Prinz plötzlich lebhaft den Kopf, wie um lästige Gedanken abzuschütteln, küßte seiner Braut zirllich die Hand als Zeichen vollständigen glücklichen Ein- Verständnisse«, und der noch übrige Teil des Abend« verfloß heiler und froh in Gegenwart der zahlreichen und vornehmen HochzettSgäste.
Am nächsten Tage um die Mittagsstunde knieten da« stolze Schloßfräulein Diana von Haumont und Carlo, der falsche Prinz, vor dem Traualtar in der Schloßkapelle. Der beste Adel Lothringens und aus dem Elsaß war bei dem feierlichen Akte vertreten. Der alte Gras Haumont flehte
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Die Expedition der Oberhess. Ztg.
Reichstag.
Berlin, den 31. Januar.
Fn der heutigen (43.) Plenarsitzung des Reichstags „achte der Präsident v. Levetzow Mitteilung von wet- tnen Eingängen für die Ueberfchwernrnten am Rhein.
Der Gesetzentwurf, betreffend die Stimmzettel für öffentliche Wahlen, welcher vom Abg. Wölfel eingebracht ist, wurde in dritter Beratung definitiv debattelos angenommen.
ES folgte die Beratung des Anträge« der Abgg. 86 er» wann, Freytag, Frhr. v. Gagern, vr.Hartmann, Horn, v. Kleist-Retzow, Lucius, und v. Schalscha wegen Ergänzung des 8 100« des Gesetzes, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung vom 18. Juli 1881, dahingehend, daß nach dem zweiten Absatz von Nr. 2 ein- Maltet werde: 3. daß der Arbeitgeber der unter Nr. 1 bezeichneten Art von einem bestimmten Zeitpunkte an Lehr- linqe nicht mehr annehmen dürfen.
'Der 8 100« deS Gesetzes vom 18. Juli 1881 lautet wie folgt: Für den Bezirk einer Innung, deren Thätigkeit auf dem Gebiete deS LehrsingSwesenS sichbewährt hat, kann durch die höhere Verwaltungsbehörde nach Anhörung der Aufsichtsbehörde bestimmt werden: 1. daß Streitigkeiten aus den Lehrverhältnissen der in 8 120a bezeichneten Art auf Anrufen eines der streitenden Teile von der zuständigen Jnnungsbehörde auch dann zu entscheiden sind, wenn der Arbeitgeber, obwohl er ein in der Innung vertretenes Ge- »erbe betreibt und selbst zur Aufnahme in die Innung fähig sein würde, gleichwohl der Innung nicht angehört; 2. :ajj und inwieweit die von der Innung erlassenen Vor- schristen über die Regelung deS LehrlingSverhältnisse», sowie über die Ausbildung und Prüfung der Lehrlinge auch dann bindend sind, wenn deren Lehrherr zu den unter Nr. 1 bezeichneten Arbeitgebern gehört. Haben sich hiernach Lehrlinge solcher Gewerbetreibenden, welche der Innung nicht »»gehören, einer Prüfung zu unterziehen, so ist dieselbe von einer Kommission vorzunehmen, deren Mitglieder zur Hälfte
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