Mr. 26.
Markmrg, Donnerstag, 1. Februar 1883.
XVIII. Jahrgallg.
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Der falsche Prinz.
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kammern seien den BundeSratSanSschüssen überwiesen, welche noch nichts beschlossen hätten. Abg. Payer trat für da« württembergische Rescrvatrecht ein und sprach gegen den Antrag Lingens, welchen der Abg. Arnold noch eingehend empfahl. Darauf wurde die Debatte geschlossen; der Antrag Lingens gelangt erst in dritter Lesung zur Abstimmung.
Bei Feststellung der Tagesordnung zieht Windthorst seinen Antrag wegen Aufhebung des SxpatriierungS-Gesetze« mit Rücksicht auf die Publikation deS kaiserlichen Briefe« an den Papst vorläufig zurück. Morgen Antrag Ackermann (Innungen) und AuSfclb (Zuckersteuer).
Einige Wock en später war alle« festlich geschmückt in reichen Schlosse Haumont, denn man war am Vor- °°knde der Trauung DtanaS von Haumont mit dem Prinzen "»n Conti. .
jubiläumS entgegengenommen. Se. kaiserl. und königliche Hoheit, zugleich im Namen der Frau Kronprinzessin, dankte für die Glückwünsche mit dem Ausdrucke besonderer Freude über die Teilnahme der Vertreter deS gesamten deutschen Volkes, die an dem Familienfeste in seinem Hause zum Ausdruck gekommen sei: eine Teilnahme, von welcher au« nah md fern unzählige Beweise eingelaufen waren. — Se. königl. Hoheit der Kronprinz bemerkte ferner, daß insofern eS ihm vergönnt gewesen sei, an der Herstellung deS Deutschen Reiches handelnd mitzuwirken, er weiter nicht« als seine Schuldigkeit gethan habe. Diese seine Schuldigkeit werde er auch ferner jederzeit bethätigen, wenn eS sich darum handele, das Deutsche Reich zu schützen und zu befestigen. Se. kaiserliche und königliche Hoheit beauftragten den Vorstand, dem Reichstage für die Aufmerksamkeit und Glückdünsche den herzlichsten Dank auSzuvrücken. Demnächst beehrte Se. kaiserl. und königl. Hoheit jede« einzelne Mitglied deS Vorstandes noch mit einer besonderen Unterhaltung.
Bei Fortsetzung der Beratung deS außerordentlichen Etat« bcr Militärverwaltung kommt zunächst die Position von 350000 Mk. zum Neubau rc. eines KasernementS für zwei EdkadronS in Kasiel, zweite Rate (erste Baurate), zur Verhandlung. Die Gesamtkosten dieses Baues sind auf
Erzählung von Th. von Aschenberg.
In diesem Augenblicke näherte sich der Graf Haumont ferner Nichte und deren Gespräch mit dem Prinzen Conti dar unterbrochen; aber Carlo, der falsche Prinz, hatte alles i" hoffen; denn Diana hatte bei seinem Geständnisse weder Zorn noch Verachtung gezeigt.
Dianas schöne Augen hatten sich im Gegenteil voll Uzender Verwirurg zu ihm erhoben und ein süßeS Lächeln Wte um ihren Mund geschwebt.
Carlo, vor Freude ganz außer sich, dachte: Sie urbt mich! Uno gleichsam um seinen Gedanken zu beantworten, jagte der hinter ihm stehende Trevis schadenfroh "chelnd zu ihm:
»Schon am Ziel, Prinz? Nun, da« ist Ihre Sache!*
Reichstag.
Berlin, den 30. Januar.
Die heutige (42.) Plenarsitzung de« Reichstag« eröffnete der Präsident v. Levetzow mit folgenden Worten:
Dem hohen Hause habe ich namens seines Vorstandes folgenden Bericht zu erstatten. Ihre kaiserl. und königl.
Lu bemerken, sodaß thatsächlich alle über den Prinzen ich waren und Baron von Trevis bei mehreren Ge-
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Für die Monate
Februar und März
nehmen alle Postanstalten, auf dem Lande auch die Land- postboten, Bestellungen auf die
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Illustriertes SormtagSblatt
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Soweit unser Vorrat reicht, fügen wir,Neubestellungen unsere Nr. 20 vom 25. Januar d. I. mit den Bildnissen des Kronprinzen und der Kronprinzessin, sowie einen Kalender für 1883 gratis bei.
Die Expedition der Oberhess. Ztg.
»meiflen nimmt entgegen: 5? Expedition d. Blattes, Le d.Ännoncen-Bureauk ' 25. Diettich u. Co. in und Hannover; Th.
Diettich in Frankfurt a M.; Saasenstein u. Vogler in Aankfurt a. M., Berlm, z„.zig, Köln rc.; Rudolf Seife m Berlin, Frank- furt a. Ui- rc.
. Alle seine Nebenbuhler hatten sich ehrfurchtsvoll vor E? glücklichen Prinzen beugen müsien und mußten zugeben, er een Vorzug verdiene, die schöne Diana al« seine ^fvahlin heimzuführcn; denn ganz abgesehen von seinem Z^uchten Namen, hatte der Prinz Conti alle anderen ottier Dianas durch seine ritterlichen Eigenschaften und b-onzendcn Geistes gaben in Schatten gestellt und nicht der Ängste Makel, keine Untugend war während des mehr- "olfjv nl^en Verkehres des Prinzen auf dem Schlöffe gg |'5Umont, bei den Festlichkeiten u-id Jagden, die Graf gyii Ä*Utnotlt zu Ehren seine« hohen Gastes veranstaltete, an
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b Matte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube u 6e. in Frankfurt a. M.; Hägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalide,-dank in Berlin; W. Tdiene» in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.
ben 6ln"'. Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage »Jllnstrirte« EnmltagSblatt" durch die Expedition (KoL'lche
Buchdruckerei) bezogen 2*/* Wort, bur^ bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark SO Pfg. (excl. Besteklzebichr.j — Jnsertionsgebühr für die gespaltene »teile 10 Bin
8ür tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Hoheiten der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin haben gestern nachmittag den Vorstand deS Hauses zu empfangen geruht und von demselben die ehrerbietigen ■I Glückwünsche des Reichstags zur Feier de« silbernen Ehe-
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| 1203270 Mk. festgestellt; darauf ist bereits angesetzt für 1879/80 die Summe von 125000 Mk. Die Kommission beantragt, diese Position zu genchmigen; der Reichstag lehnt dieselbe indes nach längerer Debatte mit schwacher Majorität ab. — Desgleichen werden dem Anträge der Budgetkom- misflon entgegen die für Umbau eines KasernementS für zwei EskadronS in Hofgeismar als zweite Rate (erste Baurate) von 300000 Mk. abgelehnt.
Im Etat der sächsischen Militärverwaltung sind für Neubau eines KasernementS mit Stallung für eine 4. Eskadron deS 1. Husarenregiments Nr. 18 in Großenhain 200000 Mk. als erste Nate eingestellt. Die Position veranlaßt längere Debatte; dem Anträge auf Ablehnung (begründet dadurch, daß eine besondere Wohnung für einen älteren Leutnant oder Rittmeister vorgesehen ist) wird der auf Rückverweisung in die Kommission entgegengestellt und letzterer mit 148 gegen 105 Stimmen angenommen.
Die beiden Positionen de« württembergischen Etats (dritte Rate) veranlafien keine Debatte.
Demnächst berichtete der Referent v. Köller über den Antrag deS Abg. Richter, welcher der Budgetkommilsion überwiesen war, und welcher dahin geht, die Militärverwaltung zu ersuchen, dem Reichstage eine Ueberstcht vorzulegen über die Zahl der Mannschaften, welche gegenwärtig al« Hoboisten, Spielleute rc. bei den Regimentsstäben und Truppenteilen Dienste thun, sodann über die Aufwendungen, welchen zur Unterhaltung dieser Mannschaften im Etatö- jahr 1882/83 au« Ersparnissen am Bekleidungsfonds gemacht worden sind. Der Referent teilte die in der Kommission von der Militärverwaltung gemachten Aufklärungen mit und empfiehlt namens der Kommission, den qu. Antrag durch dieselbe für erledigt zu erklären. Die Ersparnisse aus cem Bekleidungsfonds würden vorzugsweise für die Unterhaltung der Instrumente verwendet. Nähere Angaben übek diese Ersparnisse werden übrigens betreffs eines Teiles der Armee im nächsten Jahre vorgelegt werden. Abg. Richter (Hagen) behält sich event. Anträge für das nächste Jahr vor, wenn die zugesagten Mitteilungen erfolgt sein werden. ES knüpfte sich indeS an die Frage eine längere Debatte, die sich schließlich wesentlich in eine persönliche Auseinandersetzung zwischen den Abgg. R i ch t e r und Frhrn. v. Minnigerode zuspitzte. Der Antrag der Kommission, der von keiner Seite bekämpft war, wurde genehmigt.
Bei dem Etat der Post- und Telegraphen Verwaltung kam zunächst der Antrag deS Abg. Lingens betreffend die Sonntagsruhe zur Verhandlung. Staatssekretär Stephan bekämpfte denselben, ebenso der Abg. Böttcher, welcher auch die Frage der Postreservatrechte berührte. Staatssekretär Stephan erwiderte, die Petitionen der HaudelS- lezenh.iten Mühe hatte, feine innere Schadenfreude zu verbergen und da« Geheimnis des falschen Prinzen zu wahren; denn der Baron war zeitweilig durch das meisterhafte BerstellungSfpiel feines jungen Freundes Carlo, der als Prinz Conti die größten Erfolge erzielte, ganz verblüfft und konnte kaum ruhig den weiteren AuSgang der wag halstgen Affaire abwarten.
Verhältnismäßig sehr einfach waren auch die Formalitäten geordnet worden, welche der Abschließung deS Ehe- bunde« mit Diana vorhergehen mußten.
Der Prinz Conti hatte dem Grafen Haumont erklärt, daß er in allen seinen Entschließungen souverain sei, denn sein Vater und seine Mutter, der Herzog und die Herzogin von Parma, seien bereits vor Jahr und Tag an einer damals in Italien pestartig auftretenden Krankheit gestorben, er, Carlo, sei ihr einziger Erbe und führe mit Vorliebe den Titel Prinz von Conti, da ihr Geschlecht ein Seitenzweig der regierenden Herzöge von Parma sei, weshalb sie schon länger zur Unterscheidung nach einem alten Stammschlosse den Titel Prinzen von Conti angenommen hätten und den Herzogstitel nur nebenbei führten. Da Baron Trevis diese Angaben bestätigte und auch sonst der Prinz durch sein Verhalten nicht den geringsten Argwohn weckte, so konnte seine Vermählung mit Diana von Haumont unge- hindert vor sich gehen.
Außerordentlich würdevoll benahm sich auch Carlo, der falsche Prinz während der Hochzeit. Er zeigte sich glücklich; aber feine Freude war ernst wie diejenige eine« erfahrenen ManneS, der weiß, was der wichtige Akt bedeutet, den er vollbringen sollte.
Diana, voll Vertrauen in ihr Geschick und stolz auf die Liebe deS Prinzen, suchte dagegen ihr Glück nicht zu verbergen und , sie strahlte förmlich vor Glückseligkeit, Wonne um Güte. Ihre Schönheit wurde durch ihre innere Befriedigung noch erhöht und voll Glück im Herzen
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ICH 10* 101, 1011:
3»r handelspolitischen Lage Frankreichs.
(Aus Paris.)
Als vor einigen Jahren in ben Kammern der Plan zur Ausführung der großen öffentlichen Arbeiten nach dem Programm deS Ministers Freycinet im Prinzip angenommen worden war, dessen ganze Vollendung die Kleinigkeit von 6 bis 8 Milliarden erfordert hätte, da wußte die Presse in und außerhalb Frankreichs nicht genug Rühmen« zu machen von der unerschöpflichen Finanzkraft deS Lande« und von der volkswirtschaftlichen Weisheit feines Gouvernements, welches durch diese Maßnahme die Produktivkraft der Nation zur Schaffung immer neuer Reichtümer entwickle und hebe. Die Republik begann für eine Zeit laug populär zu werden, sogar bei den Bauern. Neben in Aussicht gestelltem Steuer-Erlaß sollten alle Bedürfnisse deS Verkehrs befriedigt werden. Zunächst sollte das Eisenbahnnetz ausgebaut, mit Zwifcheufäden von Sekundärbahnen versehen und die Vizinalwege verbessert werden. Dann wurde die Vervollständigung des Kanalsystems und der Flußregulierungen in Angriff genommen, während eine ganze Milliarde für den Ausbau der Häfen bestimmt war. Außerdem wurden noch Summen bewilligt zur Subvention für den Neubau von Handelsschiffen, für überseeische Dampferlinien, für Expeditionen, Errichtungen von Faktoreien, kurz für Handelszwecke aller Art. ES kamen die Tage, wo jeder Deputierte ein Projekt über die Verwendung von bewilligten Staatsgeldern in der Tasche trug; wo jedes Arrondiffkment von seinen Abgeordneten eine wirtschaftliche Thal für den heimatlichen Kirchturm erwartete; wo die Bittschriften und Gesuche in den verschiedenen Refforts der Regierung so zahlreich einliefen, daß eine neue Kategorie von Beamten geschaffen werden mußte, welche deren Beantwortung, soweit sie Parlamentsmitglieder betraf, zu besorgen hatten. Es kamen die Tage, wo die Börse und die Korruption ihre Orgien feierte, an der sich die Politiker und Staatsmänner aller Farben, der monarchischen und klerikalen, der konservativ- und der fortschritt- war sie gegen ihre Umgebung herablassenter und gütiger, als gewöhnlich.
Sogar Baron Trevis, den Diana früher mit au«ge- suchiester Kälte behandelt hatte, bekam einen reichlichen Anteil von ihrer Freundlichkeit. Sie verdankte ihm ja die Bekannschaft deS Prinzen; sie war dem Baron auch ferner zu danken verpflichtet für die achtungsvolle Ehrfurcht, mit welcher der Baron vor der Welt seinen glücklichen Nebenbuhler, den Prinzen, behandlte, für die Freude, die er an der geplanten Hei.at zeigte unv besonder« dafür, daß der Baron die Hochzeit so sehr befchleunigen half, denn Diana hätte sich um alles in der Welt nicht wieder von dem Prinzen trennen mögen
»DaS ist schön, das Ist edelsinnig von Baron Trevi»," sagte sie oft, „er hätte nie meine Liebe erwerben können, und jetzt rächt er sich, indem er mein Glück begründet und nun muß ich ihn verehren und ihm Zeit meine« Leben« dankbar dafür fein/
Armes, betrogenes Herzl Diana war weit davon entfernt, die schreckliche Rache des verräterischen Baron« zu ahnen I —
Der nächste Morgen sollte die so sehr gewünschte Verbindung bringen. Diana befand sich, anckthan mit herrlichem Brautschmuck, wieder in dem großen Saale, wo sie den Prinzen zuerst begrüßt hatte. Ihr Onkel, der alte ®raf, konnte kaum seine Freude bezähmen, wenn er so boller Anmut seine schöne Nichte die Glückwünsche der von nah und fern geladenen Gäste entgegennehmen sah und nur Carlo, der falsche Prinz, war ernst und träumerisch und fein unruhiges Auge ruhte stets ängstlich auf feiner Braut. Baron Trevi« blieb stet« in feiner nächsten Nähe, al« ob er fürchte, daß eine unvorhergesehene Gewissensangst des falschen Prinzen noch im letzten Augenblick seine Rache vereiteln könne. iFortsetzung folgt.)