Marburg, Mittwoch, 31. Januar 1883.
XVlll. Jahrgang
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ketten auf denselben, sowie zur Erwerbung und Einrichtung von zwei neuen Artillerie-Schießplätzen hält die Militärverwaltung im ganzen die Summe von 10975418 Mk. für erforderlich. Sie will diese Summe auf drei Jahre so verteilen, daß für 1883—84 in den Etat eingestellt werden sollen 5630679 Mk, in den von 1884-85 3 860 326 Mk. und endlich in den Etat von 1885—86 1484313 Mk. Die von der Militärverwaltung für 1883—84 geforderte Summe verteilt sich folgendermaßen: für Tegel (Erweiterung des Platzes mit Einschluß für die Baulichkeiten) 939 327 Mk.; für Jüterbog (desgleichen) 1243686 Mk.; für Griesheim 36340 M.; für Lockstedt (für Wegeverlegungen) 7850 Mk.; für Wesel (Erweiterung deS Platzes mit Einschluß für die Baulichkeiten) 1441326 Mk.; für Wahn (desgleichen) 1109520 Mk.; für Hammerstein (für Neuerwcrb und Einrichtung) 200124 Mk.; für Gruppe (keSgl.) 652 506 Mk. Die Budgetkommisston beantragt für dieses Jahr den Posten für Wahn mit 1109520 Mk. abzusetzcn; im übrigen die geforderte Summe in Höhe von 4521159 Mk. zu bewilligen.
Abg. Hermes (Parchim) spricht sich gegen die Forderung für Tegel aus, da ein Bedürfnis für die Erweiterung diese» Schießplatzes thatsächlich nicht vorliege und die letztere der Entwicklung von Berlin überaus nachteilich sein würde.
Abg. v. Forckenbeck erklärt sich gleichfalls gegen die Position für Tegel, da dieselbe der Erhaltung und Erweiterung der Tegeler Wasserwerke entgegcnstehe, zumal gerade auf den Tegeler Wasserwerken wesentlich die Unterhaltung Berlins mit Wasser beruhe. Diesem dringenden Interesse Berlins gegenüber müsse doch das Interesse der Militärverwaltung wegen der Erweiterung des Tegeler Schießplatzes zurücktreten.
RegierungSKommissar Hauptmann Radtke bemerkt, daß die Anlage der Tegeler Wasserwerke ohne eine Verständigung mit der Militärverwaltung erfolgt sei, daß die Sachverständigen der städtischen Behörden sich mit der Erweiterung des Tegeler Schießplatzes einverstanden erklärt hätten, daß aber die Verhandlungen mit dem Berliner Magistrat zu einem formellen Abschlusie nicht geführt hätten.
Abg. Richter (Hagen) begründet den formellen Antrag, die Position für Tegel abzulehnen.
Abg. W i n d t h o r st will die Forderung für den Schießplatz Tegel nicht eher bewilligen, als bis die Bedenken der Stadt Berlin durch weitere Verhandlungen widerlegt seien.
Abg. v. Forckenbeck wiederholt, das Bedürfnis der Erweiterung deS Tegeler Schießplatzes anerkennend, daß nach Lage der Sache doch der Anspruch Berlins auf genügende Wasierversorgung doch den Vorrang haben müsse.
Abg. v. Kardorff und Frhr. v. Minnigerode anerkennen, daß die Frage der Wasierversorgung Berlins in der Kommission allerdings nicht so wie heute in den
Vordergrund getreten sei; eö sei deshalb eine Zurückverweisung an die Kommission angezeigt. Abg. Richter (Hagen) kann geschäftlich nur eine sofortige Ablehnung für zweckmäßig erachten.
Regierungskommissar Hauptmann Radtke bemerk verschiedenen Vorrednern gegenüber, daß der Schießplatz bei Zossen eine ganz andere Bestimmung (für Prüfungs- Versuche) erfülle, als der Tegeler Schießplatz, welcher nur der Abhaltung der regelmäßigen Truppenübungen diene. Die Erwerbung des Schießplatzes bezwecke lediglich, da« crfahrungsmäßig gefährdete Terrain zu erwerben, ohne die Ucbungen selbst auszudehnen.
Abg. Prinz Caro la th spricht für Ablehnung der qu. Position; abgesehen von allgemeinen Jnteresien, hebt er besonders die Rücksicht auf den dendrologischen Garten auf der Insel Schar'cnberg im Tegeler See hervor. Nach weiterer kurzer Debatte, an welcher sich der Abg. v. Bennigsen, Kriegsminister v. Kämeke und Abg. Freiherr v. Minnigerode beteiligen, wird bet der Abstimmung dem Anträge Richter gemäß außer der von der Kommission beantragten Absetzung von 1109 520 Mark für Wahn auch die Absetzung von 939 327 Mark für Tegel br- schlosien.
Bet den für Kasernenbauten gestellten Forderungen wird der Bau einer Trainkaserne tn Tempelhof nach längerer Debatte mit 116 gegen 101 Stimmen angenommen. Titel 17 bis 41 werden nach den Kommissions- Vorschlägen angenommen. Die für eine Kaserne in WandS- beck geforderten 300000 Mark werden gestrichen. Fortsetzung der Etatsberatung morgen'
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Reichstag.
Berlin, den 29. Januar.
Die heutige (41.) Plenarsitzung des Reichstag» er« jffnete Präsident v. Levetzow mit folgender Mitteilung:
Se. Majestät der Kaiser (die Mitglieder erheben fich) haben gestern mittag das Präsidium de» Reichstags zu empfangen geruht, um von demselben den Ausdruck der ehrfurchtsvollen Teilnahme deS Reichstage» aus Anlaß deS betrübenden Todes Sr. königl. Hoheit deS Prinzen Karl v v n P r e u ß e n huldreichst entgegenzunehmen. Se. Majestät beauftragten das Präsidium, dem Reichstage herzlichst zu danken, und fügten hinzu, daß die Teilnahme des Reichstages und deS ganzen Volkes, welche überall wahrzunehmen fei, Ihn um so mehr wohlthuend berühre, al» Er durch den Verlust des treuen Bruders und beständigen Gefährten eines langen Lebens tiefschmerzlich berührt sei. Dieses Allerhöchsten Auftrages entledige ich mich hiermit neunen» de» Präsidiums.
Der Präsident machte dann Mitteilung, daß au» den Vereinigten Staaten Nordamerika» an Geldspenden für die Ueberschwemmten am Rhein und an der Donau weiter eingegangen seien: 8000 Mk. aus Memphis (Tennessee) durch ein Komitee, an besten Spitze Josef Specht steht, und außerdem 20000 Mk. aus St. Loui», wiederum durch den Vorsitzenden des fertigen Komitees, Hrn. PrätoriuS. (Beifall.)
Auf der Tagesordnung steht in erster Reihe Fortsetzung der Beratung deS außerordentlichen Etat» der Militärverwaltung.
Bei den Positionen für die Umgestaltung und Ausrüstung der Festungen spricht Abg. Reichensperger (Crcfeld) den Wunsch nach Erweiterung der Festungswerke von Coblcnz aus. Der Herr Kriegsminister ist dem Wunsche zwar prinzipiell nicht entgegen, weist aber auf die stnanziellen Gesichtspunkte hin, die hierbei in Betracht kommen.
Zur Erweiterung der Artillerie-Schießplätze, Herstellung bezw. Verlegung von UebungSwerken und sonstigen Baultch-
4 Der falsche Prinz.
Erzählung von Th. von Aschenberg.
Nachdem der Prinz dieser Pflicht der damaligen Mode gmügt, begab er sich zu Diana und verlor sich mit ihr in rin langes Zwiegespräch, während besten sich daS junge Mädchen förmlich umwandelte. Sie war nicht mehr die glänzende, sich selbst beherrschende Dame von ehedem, die mit unerbittlicher Käste über die Schüchternheit ihrer Verehrer oder über deren Albernheit spöttelte und ihr in der Gegenwart des Prinzen bewegtes und verirrte» Herz gab ihrem Geiste eine noch nicht an ihr beobachtete mädchen- hafte Schüchternheit.
Zuerst wechselte man einige alltägliche Redensarten; dann leitete der Prinz geschickt bat Gespräch auf daS Glück, daS er empfand, bei Etikette be? Hofes für einige Zeit ledig zu sein und schilderte, wie seh.' ihn diese steife Etikette oft bedrücke. Diana begann, ohne eS selbst recht zu wisten, wa» üe sprach, mit einer ähnlichen Klage, indem sie die Leere und Traurigkrit, welche die ihr unerwünschten Huldigungen vieler geckenhaften Herrn in ihrem Herzen hervorriefen, ^klagte. Dann sprach der Prinz von seinen allgemeinen Ansichten über die Liebe und Diana stellte ihnen die ihrigen gegenüber. Hingeristen von dem Interesse de» Gegenstands, vertraute sie dem Pinzen ihre Träume, ihre Hoff- tUnflen: sie zeigte sich einfach und ergeben bis zur Leidenschaft. Der falsche Prinz hörte ihr lange bewegt uns glücklich zu.
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Deutsches Reich.
Berit«, 29. Jan. Der „Reichs-Anzeiger" bringt folgende Danksagung des kronprinzlichen Paare»: „Tief gerührt durch die vielen Beweise der Liebe und Teilnahme, welche uns am fünfundzwanzigsten Jahrestage unserer Vermählung erfreuten, fühlen wir uns zugleich durch da» Bewußtsein, beglückt und gehoben, daß in der Hauptstadt, wie im ganzen deutscheir Vaterlande, ja weit über dessen Grenzen hinaus, unser-Familien-Fest den Anlaß geboten hat, daS Gefühl fester Gemeinschaft ohne Ansehen von Rang und Stand, ohne Unterschied des Stammes oder Bekenntnisses in der Treue zu Kaiser und Reich, in der Anhänglichkeit an den Träger der deutschen Krone und sein HauS aufs neue zu bekunden. Die Beglückwünschungen in Briefen und Telegrammen, in dichterischen und sonstigen künstlerischen Gaben, in Blumenspenden und Huldigungen maunlgfachster Art gingen uns in solcher Fülle zu, daß wir darauf verzichten müsten, den Vertretern städtischer und anderer Gemeinwesen, den Körperschaften, Vereinen und Anstalten einzeln zu danken. Wir wählen diesen Weg, um alle diejenigen unserer herzlichen Erkenntlichkeit zu
Koketterie. An diesen Klippen sind oll' meine Träume von Glück und Liebe zerschellt."
„Aber wer sollte denn glücklich sein, wenn Sie eS nicht sind, Prinz?" entgegnete Diana von Haumont in seltsamer Erregung.
„Ach, Sie wissen nicht, welche Enttäuschungen mein Glück zerstört haben! Sie sind glücklicher als ich, Sie hoffm noch, Sie warten noch auf den Rechten."
„Ich wartete . . . ." sagte Diana schüchtern.
„Was sagen Sie? Hätten Sic Den gefunden, den Ihre schöne Seele erträumt hat?" fragte der falsche Prinz beinahe stürmisch.
„Vielleicht," antwortete Diana leise und unter tiefem Erröten. „Vielleicht habe ich mich auch getäuscht und werde von dem Rechten, welchen ich gefunden zu haben glaube, verkannt."
„Oh, da» ist unmöglich! Wenn er Sie gesehen hat, wenn er, wie ich, in Ihrer schönen Seele gelesen, wie ich Ihrer sanften Stimme gelauscht hat, dann liebt er Sie auch, wie ich Sie liebte, gnädige» Fräulein!" beteuerte der falsche Prinz und zog stürmisch Diana« Hand an sein Herz.
„Prinz!" hauchte diese in freudigem Schreck.
„Ach, Verzeihung, wenn das jüngste Geheimnis meine« Herzens meinen Lippen entschlüpft ist," erwiderte der Prinz in wehmütigem Tone. „Mögen meine vorausgegangenen Leiden meine Entschuldigung fein! Ich war so unglücklich, daß ich mich blindlings dem ersten Glücke hingob, das sich mir bot; ich konnte dem Glücke nicht widerstehen, eine würdige Dame zu lieben, nicht der Wonne, e« ihr zu sagen." (Fortsetzung folgt.)
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Gelegenheit gehabt, die Herren meiner Umgebung zu prüfen; glauben Sie, baß ein einziger darunter sei, der die zärtliche und vollkommene Hingebung verdient, die ich meinem künftigen Gatten spenden möchte? Jene Herren sind reich und vornehm; aber werde ich unter ihren schönen Kleidern ein Herz finden, welches das meine versteht? Jene Herren beschuldigen mich des Stolzes. Ja, ich bin stolz, in meinem Innern so viel Hingebung zu finden, die sie nicht einmal erraten, und weil ich mich nicht jedem vornehmen Gecken an den Hals werfen will. Jene Herren sagen, ich sei ehrgeizig. Ja, will geliebt fein, wie ich lieben würde; darin setze ich meine Ehre. Ich will nicht ein bloßes Spielzeug meines Gatten sein, sondern beffen Gefährtin, besten Freunsin. Der Mann meiner Wahl muß größer fein, al» alle anberen Durchschnittsmenschen, größer bem Herzen und Geiste nach, damit ich mich zu ihm erheben kann und muß. Um aber einen Freier aus meiner Umgebung zu nehmen, müßte ich in geistiger Weise herab- steigen, und die Liebe, welche herabsteigt, um den Gegenstand ihrer Träume zu finden, wirb bald von der Verachtung erdrückt. Ich muß mit edler, stolzer Leidenschaft lieben können; denn ohne diese Liebe hat eine Ehe für mich keinen Zweck."
„Ihre Gedanken und Wünsche sind in diesem Punkte ganz die meinigen," entgegnete der falsche Prinz mit meisterhafter Verstellung. „Ich habe auch schon lange vergeblich gesucht unv mein Herz hat sich endlich enttäuscht in sich selbst zurückgezogen. Ich habe meine Ansprüche zu hoch gespannt; ich habe geglaubt, baß die Frau, die der Zufall ober bie Geburt über ihre Mitschwestern gestellt, auch in ihrer Seele so erhaben als glänzend sei, und ich fand nicht« al» Enttäuschungen, Melkest, Kälte, Herzlosigkeit und
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Februar und März
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Soweit unser Vorrat reicht, fügen wir Neubestellungen unsere Nr. 20 vom 25. Januar d. I. mit den Bildnissen des Kronprinzen und der Kronprinzessin, sowie einen Kalender für 1883 gratis bei.
Die Expedition der Oberbeff. Ztg.
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-^1. haben Sie nie geliebt, gnädige« Fräulein."
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