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XVIII. Jahrgang.

Marburg, Dienstag, 30. Januar 1883

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Ltadk """orfibeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirle» CfontttagUfaft** durch die Expedition (A o ch'sche a»r: - ^' ^uchdruckerei) bezogen 8*/4 Mark, durch di« Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (erd. Bestellgebühr.) - Jnsertronsgebühr für die gespaltene Znle 10 Pf,.

aiii Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Abreffen werden 25 Pfg- berechnet.

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y , btlr, Zivile-emeinde in Spandau und deshalb wenigstens für jetzt die Ablehnung der Forderung für geboten. Die Abgg. i)ur t,( Khr. v. Minnigerode und Majunke sprechen für die ' 1° " öewilligung. Ersterer hält daS Bedürfnis in Spandau für L ® mchgcwieien und besondere Garnisonktrchcn für notwendig. Der Pcs brtzlercr hofft, daß der Kriegsminister demnächst auch Lhn-

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Reichstag.

Berlin, den 27. Januar.

feine Rolle ganz richtig erfaßt und führte sie den ganzen Abend mit merkwürdiger Geschicklichkeit durch. Er sprach nur wenig, aber alle-, waS er sagte, war klar, glänzend und gefühlvoll, ja fürstlich zu nennen. Sein Erfolg im Hause deS Grasen Haumont war daher großartig. Der alt« Graf war entzückt über seinen hohen Besuch, seine vornehmen Gäste bewunderten ebenfalls den Prinzen und nahmen sich vor, besten geistreiche und ungezwungene Unter­haltung nachzuahmen; aber am meisten war Diana von dem Prinzen entzückt. Ganz htngeristen war ste von besten Schönheit, Anmut, Ritterlichkeit und Geist und viel schneller, alS man eS bet der stolzen Dame je geahnt hätte, war ihr Herz von einer wahren und edlen Liede zu dem Prin­zen erfüllt.

Von diefer Liebe ergriffen und bewegt, verließen DianaS Blicke fast nicht mehr den Prinzen und wenn ihre vom feelifchrn Feuer sprühenden Angensterne den seinen begeg­neten, so senkten sich ihre Augen, indem gleichzeitig eine dunkle Röte ihre Stirne und Wangen überflutete. Stolz und glücklich über diese noch stumme Liebe, die urplötzlich in ihr Herz etngezogen war, fühlte sich Diana gehoben und veredelt und lebte in einer bisher ungekannten seligen Gefühlswelt, deren Reize ste mit Wonne schlürfte.

Den Bitten des Grafen Haumont nachgebend, versprach der Prinz oen ganzen nächsten Tag im Schlöffe zuzu­bringen und beim Abschiebnehmen dankte Gras Haumont dem Baron Trevis durch verbindliche und freundliche Worte dafür, daß er den Prinzen in sein Schloß geführt. Auch Diana, die sonst bat Baron Trevis sehr kalt behandelte, hatte einen süßen, dankbaren Blick für ihn, dem sie ja da« Glück der Bckauntschast des Prinzen verdankte. Aber

in einen Gottesdienst geführt werde. Abg. Richter be­antragt bei der prinzipiellen Bedeutung der Frage nament­liche Abstimmung. Abg. Frhr. v. Minnigerode tritt noch einmal für die prinzipielle Notwendigkeit besonderer Garnifonkirchen ein. Abg. v. Kardorff ist prinzipiell mit dem Vorredner einverstanden, hält aber im konkreten Fall noch den weiteren Versuch einer Verständigung mit den Spandauer Zivilgemeinden für wünschenswert. RegierungS- Kommiffar Oberstleutnant Sckultz bemerkt, daß die Ver­handlungen mit der Spandauer Johannisgemeinde seit Jahren geführt und fruchtlos gewesen. Abg. Richter (Hagen) entgegnet, es käme eben auf die Grundlagen an, auf welchen diese Verhandlungen geführt würden. Der Referent Abg. v. Köller empfiehlt den KommtssionSbeschluß. Bei der Abstimmung wird die Streichung der Worte:erste Rate" genehmigt, dann in namentlicher Abstimmung der Kom- missionSantrag mit 109 gegen 99 Stimmen angenommen. (Die Abgg. v. Kardorff und Lasker enthielten sich der Ab­stimmung.)

Für Erweiterung des Garnisonexerzierplatzes in Spandau erscheinen im Etat 48100 Mk. Die Budgetkommission be­antragt, diese Forderung für ein Jahr noch abzulehnen. Die Position führt zu einer längeren Debatte, worin der Bundesbevollmächtigte General-Leutnant v. Verdu du VernotS die Dringlichkeit der Erweiterung des qu. Exer­zierplatzes im militärischen Jntereffe nachweist. Der Abg. Freiherr v. Maltzahn-Gültz beantragt die Forderung mit einer Ermäßigung von ca. 6000 Mk. sofort zu be­willigen Die Militärverwaltung erklärt sich mit diesem Amendement einverstanden. Bet Auszählung des Hauses wird dieser Antrag mit 109 gegen 99 Stimmen angenommen.

Zum Neubau eine« Dienstwohngebäudes für den kom­mandierenden General des 5. Armeekorps in Posen werden im Etat alserste Rate" (zur Projektbearbeitung) 20 000 Mk. gefordert. DaS Hau» stretcht die Worteerste Rate" und bewilligt nur 10000 Mark, wie es die Kommission be­antragte.

Der Rest des Kapitels toitb nach den Anträgen der Budgetkommisston erledigt. Titel 1 bis 4 des Kapitels 6 deS außerordentlichen Etats werden unverändert genehmigt. Titel 5 enthält die Bewilligung für die Unteroffizieranstalt zu Neubreisach. An den Debatten beteiligen sich die Abgg. Gerwig, HermeS und der Kr i e g S m i n i st e r, ber entschieden für die im Vorjahre vom Reichstage abgelehnte Forderung nach den jetzt erfolgten Modifikationen eintritt. Abg. Schrader erkennt die letzteren an und wird, seinem vorjährigen Votum entgegen, jetzt für daS Projekt stimmen. Abg. Richter (Hagen) widerspricht der Bewilligung auch nach dem Wegfälle der Unteroffizier » Knabenschule. Abg. Sander tritt für die Bewilligung ein, die vom Hause mit 110 gegen 98 Stimmen abgelehnt wird. Nächste Sitzung Montag. __________

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Der falsche Prinz.

Erzählung von Th. von Aschenberg.

t , Berlin, Köln ic.; Rudolf in Berlin, Frank-

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Jan. Der Kaiser hatte gestern eine län­gere Konferenz mit dem Fürsten Bismarck. Der Groß­fürst Nikolaus empfing nach Verabschiedung von den Majestäten in der rusfischen Botschaft den Besuch des Fürsten Bismarck; derselbe dauerte dreiviertel Stunden. Der Großfürst reiste abends 8 Uhr nach Stuttgart ab. Der Kronprinz, Saburow, alle Mitglieder der Botschaft, sowie ein Ehrendienst waren am Bahnhofe anwesend. Zu dem Briefe deS Kaisers an den Papst schreibt die Germania": DaS kaiserliche Schreiben stellt selbst eine scharfe Unterscheidung von zwei Klassen der Kulturkamps­gesetze auf. Als die Gesetze, welche daS Schreibenfür friedliche Beziehungen dauernd notwendig" erachtet, müssen wir wohl die grundlegenden Maigefetze von 1873 mit der Anzcigepflicht, deren Einspruchsrecht und dem kirchlichen Gerichtshof rc. betrachten. Daneben stehen dieim Zu­stande de« Kampfes zum Schutze streitiger Rechte erforder­lichen" Gesetze, welche die Kampfmittel zur Ueberwindung deS passiven Widerstandes enthalten. Der maßgebende Unterschied beider Klaffen der Gesetze ist der, daß die organisatorischen Gesetze erst dann in Wirksamkeit treten, wenn der passive Widerstand aufhört, während die Kampf­gesetze in diesem Falle selbst ihre Wirksamkeit verlieren. Wir haben schon wiederholl betont, daß der Friede durch Konzessionen von beiden Seiten herbeigeführt werden kann und muß, und zwar durch gleichartige und gleichwertige Konzessionen. Zugeständnisse der Kirche in betreff der An­zeigepflicht sind von Zugcständisscn des Staate- auf dem­selben Gebiete abhängig. Eine Annäherung in betreff der Anzeigepflicht, wie sie das kaiserliche Schreiben wünscht, ist von kirchlicher Seite bereits gegeben in dem Schreiben deS Papste« an den Erzbischof Paulus Melchers. Wenn die Kirche die Garantie hat, daß der Staat nicht bloß auf dem Gebiete der Kampfmittel, sondern auch auf dem Gebiete der streitigen Rechte einen wirklichen Ausgleich will und also auch zu einer Revision der organisatorischen Maigesetze, welche den Existenzbedingungen der Kirche Rechnung trägt, zu schreiten gedenkt, so werden die Zugeständnisse der Kirche an die organisatorischen Forderungen deS Staates sofort in minbestenS gleichem Schritte eintreten." DieKreuz­zeitung" schreibt:ES wird ausdrücklich zugestanden, daß, sofern auS einem Entgegenkommen der Geistlichkeit auf dem Gebiete der Anzeigepflicht die Ueberzeugung entnommen werden konnte, daß die Bereitwilligkeit zur Annäherung eine gegenseitige sei, die Theorie der auf den Fechtboden wohlgeölt zu deponierenden Waffen verlaffen und eine organische Revision der Maigestze in Anspruch genommen werden soll. Da man au« dem bekannten Breve Leos XIII. hinsichtlich der Möglichkeit, die Anzeige der pfarramtlich anzustellenden Geistlichen zuzugestehen, die Hoffnung ent­nehme, daß der Nachweis der erwarteten Bereitwilligkeit

daselbst; ynöttlibenbantin Berlin: W. ThieneS in Elberfeld: 6- Schlotte in Bremen.

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Baron Trevis, der für seine verschmähte Liebe an Diana furchtbare Rache nehmen wollte, freute sich unendlich für da« Gelingen seines teuflischen Planes und war der Aus­übung seiner Rache gewiß.

Bravo!" sagte Baron Trevis zu Carlo, seinem neu« jungen Freunde und Helfershelfer seiner Ränke, al« sie in seinem eigenen Schlöffe angekommen waren.Str haben Ihre Rolle als Prinz sehr gut durchgesührt."

Carlo zuckte mit den Achseln.

Mein Gott, Herr Baron", sagte er gleichgültig,nichts ist leichter, als ein Vorbild nachzuahmen, das man sich stets vor Augen hält, und Sie werden leichter au« einem Tölpel einen großen Herrn machen, al» au» einem großen Herrn einen Tölpel, denn alle Kreaturen wollen sich er­heben und ein armer Teufel wie ich natürlich erst recht."

Ste haben Recht, aber Sie scheinen mir wie zum Prinzen geboren und ich glaube, daß Ihre Vorfahren irgend einem vornehmen Hause entstammen, aber vielleicht durch Unglück und Kriegsnot zur Aufgabe ihre« edlen Stande» veranlaßt wurden."

Der italienische Student runzelte die Stirn und sagte dann trüb:Ste können vielleicht nicht Unrecht haben, aber ich persönlich weiß von meiner erlauchten Abstam­mung nichts und bin weder in der Lage, auf meinen alten Adel, nochauf meinen Reichtum stolz zu sein."

Am anderen Tage kehrte Baron Trevis mit seinem Gaste ins Schloß des Grafen Haumont zurück, wo der falsche Prinz neue Triumphe feierte. Er spielte mit den anwe­senden Edelleuten und verlor mit großem Gleichmute die Goldstücke, die ihm der Baron TreviS gegeben hatte.

(Fortsetzung folgt.»

-kür die Monate

8 Februar und März

<mEtt alle Postanstalten, auf dem Lande auch die Land- Aboten, Bestellungen auf die

Sberhelflsche Zettung

h bereu Gratisbeilage

Illustrierte» LorurtagSblatt

.Migen.

Soweit unser Vorrat reicht, fügen wir Neubestellungen unsere Nr. 20 vom 25. Januar d. I. mit den Bildniffen »ä Kronprinzen und der Kronprinzessin, sowie einen Mnder für 1883 gratis bei.

Die Expedition der Oberhess. Ztg.

Es ist nicht der Zufall", entgegnete der Prinz lächelnd, -daron Trevi« ließ sich bet seiner vorjährigen Reise in z Men am Hofe meine« Vater« vorstrllen und ich machte °>ir das Vergnügen, seinen Besuch zu erwidern."

Sehr gut!" flüsterte der Baron dem angeblichen ^kmzen zu.

z Der kühne und geistig hochbegabte falsche Prinz hatte

eröffnet.

Das Haus setzte zunächst die Beratung der einmaligen Ausgaben des Wilitäretat« fort. Zum Neubau und zur Ausstattung einer evangelischen Garnisonkirche in Spandau b gch guM der Etat eine erste Rate (zur Projektbearbeitung) bett. Mt 10000Mk. Die Budgetkommisston beantragt, die Be- climti Billigung unter Streichung der Worteerste Rate* au«- zchrcchen. Abg. Hermes (Parchim) beantragt die Ab­lehnung der Position; er hält, wenn nicht die prinzipielle Ablehnung beliebt werde, jedenfalls eine Einigung mit der

Die heutige (40.) Plenarsitzung des ReichtagS wurde w ersten Vizepräsidenten Freiherrn zu Franckenstein, Crtftokt in Abwesenheit deS für heute mtschuldigten Präsidenten t, Seeefcoro, um x/il Uhr mit geschäftlichen Mitteilungen

______ In dem Saale entstand eine große Bewegung; alle nnterfi Nicke richteten sich auf den angeblichen Prinzen von Conti, bfn niemand kannte. Der Baron TreviS näherte sich oem

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaur oen®. L.Daube u Es. in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung

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w ;nnimmt entgegen: ««»tBÄition d. Blattes. 1H- ^«nnoncen-Bureaux

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liihe Bewilligungen für katholische Garnisonkirchen beantragen »erbe.Abg. Richter (Hagen) ist prinzipiell gegen jede besondere militärische Kirche; waS Spandau speziell betrifft, stetch hi» er sich den Anführungen des Abg. HermeS an. Ehe man solche Kirchenbaute bewillige, sollte man doch erst dafür sorzen, daß die noch fehlenden Kasernenbauten auSgeführt «erben. Seine Bemerkung, daß das Zentrum heute eine R andere Stellung in dieser Frage einnehme, als gestern, --bestreitet Abg. Majunke. Das Zentrum habe auch gestern ciiie be'onvcre Mtlitär-Seelsorge für nötig erklärt; er billige csim Prinzip allerdings, daß jeder katholische Soldat zwang«- «eise zum Besuche deS Gottesdienste» angehalten werde. 8bg. Windthorst dagegen stellt seine gestrigen AuS- iührungen dahin richtig, daß et bett Zwang insofern nicht Smllt, al« kein Soldat gegen feine religiöfe Ueberzeugung

rhiscB ^würdigen Schloßberrn, verbeugte sich tief und sagte:

Der Herr Graf und feine schöne Nichte werden mir ^fsenilich Dank wissen, wenn ich ihnen Seine Hoheit den Prinzen von Conti vorstelle, der in unser Land gekommen ft um dessen Sitten kennen zu lernen. Seine Hoheit der drinz konnte gewiß nicht bester anfangen, al» den tapfersten Mfaiet seines Königs und die schönste Dame seine» Lanoe« begrüßen."

Wir fühlen un« sehr geschmeichelt durch diesen hohen I- besuch-, erwiderte der alte Graf,und wir hoff«, daß jhandlö «eine Hoheitjldie Zeit nickt bereuen wird, die Sie un« widmet."

Und ich", sagte der Prinz mit ausgesuchtester Höflich- rftich fürchte, daß ich schon auf meiner ersten Halte- fttion in diesem Lande so viel Schöne» sehe, daß ich Darüber vergeste, noch weitere Wunder aufzusuchen."

Ich danke dem Zufall, der Sie in unsere Gegend ge- ftrt, vle Ihnen jedoch wild und traurig vorkommen muß", We mietet der alte Graf.