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XVIII. Jahrgang

JRarfiurg, Sonntag, 28. Januar 1883.

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Der falsche Prinz.

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rtrfdieint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirte« SountagSblatt" durch die Expedition IK och'sche Zuchdruckerei) bezogen 2'A Statt, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Start 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr., - Jnsertronsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

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Reichstag.

Berlin, den 26. Januar.

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Kriegsminister v. Kameke erklärt, daß am 6. August nicht anders verfahren fei, als an allen anderen Sonntagen dck Jahres. In die Kirche kommandiert feien die Soldaten nicht, von den betreffenden 2 Kompagnien feien den katho« lifchen Mannschaften wie immer vollständig überlasten, die Kirche zu besuchen oder nicht. Die in dem ersten Teile der Interpellation behauptete Thatfachc fei also nicht zutreffend. Was den zweiten Punkt betreffe, so bestehen die StaatS- hsarrcr zu Recht in Preußen. Aenderungen in dieser Bc- jikhung könnten also nicht durch die Militärverwaltung, auch nicht durch den Rcichkanzler herbeigeführt, sondern müßten tnrch den preußischen Staat veranlaßt werden. Die Militär- derwaltung komme, soweit eS in ihrer Macht liege, den

durch die Not des katholischen Volkes, welcher die preußische Regierung mit verschränkten Armen gegenüberstehe. ES sei eine miserable Verleumdung, daß das Zentrum Ver­handlungen zwischen der Kurie und dem Staate störe.

Abg. Meyer (Jena) bemerkt, daß der Interpellant nicht nachgewiesen habe, daß gegen die betreffenden katho­lischen Soldaten ein Zwang geübt sei. Die Staatspfarrer beruhten auf Gesetz und könnten vom Kriegsminister, wo sie im Nebenamt in seiner Verwaltung angestellt, nicht entfernt werden.

Abg. Fürst Hatzfeldt hält dafür, daß kein Katholik, er möge die Absicht deS Zentrums teilen oder nicht, den Gottesdienst eines Staatspfarrers besuchen dürfe. Die Frage der „Staatspfarrer" überhaupt will er hier nicht diskutieren, sie gehöre in den preußischen Landtag. Er bittet aber den Herrn Kriegsminister, aus den betreffenden Fonds den Staatspfarrern keine Remuneration mehr zu zahlen.

Abg. v. S ch a l f ch a hält seine thatsächlichen Anführungen aufrecht. Abg. Frhr. v. Stauffenberg betont, daß da« Ergebnis der Debatte jedenfalls sei, daß der Reichstag weder einen direkten, noch indirekten Zwang bezüglich des Besuches des Gottesdienstes wolle.

Kriegs Minister v. Kameke betont aufS bestimmteste, daß kein Soldat gezwungen werde, die Kirche zu besuchen, und fordert den Abg. v. Schalscha auf, ihm Beweise de« Gegenteils anzuführen, damit die Sache gründlich unter­sucht werde.

Abg. Richter beschränkt seine vorigen Ausführungen dahin, daß er für den Krieg auch besondere militärische Seelsorge beibehalten will.

Abg. Lipke hält seine Behauptung betreffs der Hal­tung der Zentrumsfraktion gegenüber den Verhandlungen des Staats mit der-Kurie aufrecht; ebenso diejenige, daß es Sache des Fürstbischofs von BreSlau sei, für die Seel­sorge in Kosel bedacht zu sein.

Bei der hierauf fortgesetzten Etatsberatung bringt Abg. Büchtemann zum Etat der Reichsbahnen den durch die Gotthardtbahn stetig wachsenden Import italienischer Gemüse zur Sprache und bedauert, daß der Import anscheinend durch billigere Tarifierung begünstigt gewesen sei. Bundes- kommisfar Schultz erwidert, eS schwebten mit den Schweizer Bahnen Verhandlungen, um durch Herabsetzung von deren Tarifen auch die deutsche Exportindustrie zu unterstützen. Abg. Ham mach er betont die Wichtigkeit einer solchen Konvention für den Kohlenexport nach Italien. Deutsch­land habe leider bei seinen Subventionen sich keine Mit­wirkung bet Festsetzung der Tarife Vorbehalten.

Minister Maybach bemerkt, sein Bemühen, billigere Kohlentarife nach Italien zu erhalten, sei bisher an dem Widerstande der Gotthardtbahn gescheitert. Gleichwohl werde Deutschland sein Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Erzählung von Th. von Aschenberg. .

Der Edelmann näherte sich dem Jünglinge, betrachtete ihn einen Augenblick aufmerksam und sagt« dann:

„Sie sind kühn.....Sie haben Vertrauen in da«

Glück!"

,Ja, ich habe Vertrauen darauf; denn was ich einmal 6'0, das hoffe ich auch zu erlangen."

.Und ist es Ihnen gleich, durch welches Mittel?"

Der Student zauderte einen Moment und antwortete ^Nn: „Je nachdem I"

.Gur, Sie gefallen mir — ick will Ihnen dienen.

„Daß glaube ich, wenn Sie nämlich irgend einen Vor- ifil für sich dabei entdecken werden," erwiderte der Student schein d.

Der Edelmann that, als ob er die harte Bemerkung dicht gehört hätte, und lachte teuflisch, wie jemand, der das Gelingen eines bösen Plane« voraussteht.

...Herr Cwlo," fragte er nach einer Pause, „wollen Sie °iffts stolze und vornehme Fräulein heiraten?"

.Ich?" fragte der Student verwundert.

-Ja, Sie, ich gebe sie Ihnen, sie soll Ihre Frau sein, denn «s Ihnen gelingt, ihr zu gefallen und wenn Sie mir Mgen." —

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rburg, 44.

„Prinz von Savoyen, oder von Parma, wie Sie wollen. Wenn man doch einmal wählt, so wählt man gern noble Namen.

„Nehmen wir von Parma. Parma liegt unserem Lande ziemlich fern und wird niemand den Prinzen von Parma kennen." —

„Gut, ich heiße Prinz Conti, Herzog von Parma! be­kräftigte der Student.

Alsbald folgte auch der neuernannte Prinz dem Baron Trevis aus dem Walde und beide schlugen den Weg nach dem Schlosse des letzteren ein.

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Einige Wochen später versammelten sich die zahlreichm Gäste des Grafen Haumont in dem groß>n Rittersaale de« Schlosses, wo die schöne Diana als Königin thronte. Ob­gleich sie auf das prächtigste geschmückt und von einem großen Schwarm Edelleute umgeben war, die ihr ihre zarten und achtungsvollen Huldigungen darbrachtcn, schien sie doch gänzlich von einer tiefen Melancholie beherrscht.

Eine einzige Person fehlte noch in der glänzenden Ver­sammlung und schon hatte sich der alte Graf zu dem Ohre seiner schönen Nichte gebeugt und mit einigem Bedauern geflüstert: „Der arme Baron Trevis tröstet sich nicht über Deine Weigerung und flieht Dich, um die Heilung seines enttäuschten Herzens zu suchen," worauf Diana gleichgültig antwortete: „DaS wird ihm leicht werden und ich werde ihm sehr dankbar dafür sein," als plötzlich die Flügrlthürm weit aufgeriffen wurden und ein Diener ankündigte:

„Der Herr Baron Trevis und sein Freund, der Prinz Conti, Herzog von Parma."

(Fortsetzung folgt.)

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Wünschen der Interpellanten dadurch entgegen, daß ein Zwang gegen die katholischen Mannschaften zum Besuch des Gottesdienstes eben nicht geübt werde. Die allgemeinen Klagen über mangelnde Militär-Seelsorge seien übertrieben; augenblicklich seien 7 Stellen unbesetzt, von denen aber in allernächster Zeit schon 3 wieder besetzt werden würden.

Auf Antrag des Abg. Grafen v. Ballestrem wird in eine Besprechung der Interpellation eingetreten. Derselbe sucht darzuthun, daß die Militär-Seelsorge für das preu­ßische Militär Reichssache und nicht Sache des preußischen Staates sei. Mit dem bloßen Wohlwollen des Kriegs­ministers, das anzuerkennen sei, werde nichts erreicht; die prinzipielle Stellungnahme zu der Frage muffe geändert werden. Neben der rechtlichen Seite der Frage komme die moralische Wirkung solcher Maßnahmen in Betracht. DaS ärgste aber sei, daß ein gläubiger Katholik dem von einem exkommunizierten Priester in sakrilegischer Weise dargebrachten Meßopfer nicht beiwohnen dürfe.

Abg. Lipke findet die Antwort deö KriegSministers durchaus korrekt. Die Interpellation habe nur den Zweck, die Gemüter zu erhitzen. Sobald eine Annäherung zwischen dem Staate und der Kurie sich anzubahnen scheine (Ruse im Zentrum: Norddeutschei!), trete das Zentrum störend dazwischen. Für die Seelsorge zu sorgen, fei Sache deS Bischofs, im konkreten Falle also deS Fürstbischofs von Breslau; an diesen oder in noch höherer Instanz, an die Kurie sollten also die Herren sich mit ihren Wünschen wenden.

Abg. vr. v. Komierowski bittet um Abhilfe für die mangelnde Seelsorge in Gnesen.

Abg. Richter (Hagen) betont, daß es hier allein dar­auf ankomme, ob die betreffenden Militärs freiwillig oder nicht in den Gottesdienst gegangen fti n. Er will jeden Zwang in diesen Verhältnissen, auch den evangelischen Sol­daten gegenüber vermieden wissen, überhaupt jede besondere Militärseelsorge beseitigen.

O Abg. Dr. Windthorst hält bei geordneten Verhält- niffen und so lange der Staat nicht „gottlos", die be­sondere Militärseelsorge für berechtigt. An die „Frei­willigkeit" der den quäst. Gottesdienst besuchenden Mann­schaften will er im Hinblick auf die notwendige militärische Disziplin nicht recht glauben. Es sei eine zweifellos ge­rechte Forderung, daß die im ParoxiSmus geschaffene In­stitution der Staatspfarrer jetzt, wo der Paroxismus etwas nachgelaffen habe, wieder beseitigt werde. Der Kriegsminister möge nur seinen Einfluß auf den Reichskanzler, der ja zugleich auch preußischer Ministerpräsident sei, nach dieser Richtung üben. Der Abg. Lipke sei offenbar ein gelehriger Schüler der „Nordd. Allg. Ztg.". Wenn man Verhand­lungen stören solle, müsse man doch zunächst wiffen, ob welche da seien, und dann, welcher Art sie seien. Die Zentrumsfraktion werde zu ihren Anträgen nur bestimmt passenden Namen wählen. Ihre Jugend, Ihre schwär­merische Schönheit werden das übrige thun und Diana wird Ihre Frau."

„Ah, Sie stempeln mich im Handumdrehen zu einem Prinzen! Was soll das bedeuten?"

„Nun, eS geschieht zu dem einzigen Zwecke, Ihnen Diana von Haumont zur Gemahlin zu verschaffen, wie ich Ihnen schon gesagt habe."

„Und warum nehmen Sie an mir solches Jntereffe, warum wollen Sie mir zu dieser glänzenden Partie ver­helfen?" fragte der Student mißtrauisch.

„DaS ist mein Geheimnis. Später sollen Sie es er­fahren. Entschließen Sie sich kurz!" sagte Baron Trevis.

„Und wenn das Abenteuer mißlingt?"

„So werden Sie wieder ein armer Student, wie zuvor." Nach kurzem Nachdenken sagte Carlo mit fester Stimme: „Ich nehme Ihren Vorschlag an."

„Ich danke Ihnen. Wollen Sie aber auch das Unter­nehmen zu Ende führen?"

„Vollständig!"

„Doch muß ich Ihren nochmals bemerken, daß Diana hochmütig ist und ihr Vormund sie liebt, wie ein Vater; wenn also vor der Hochzeit etwas von der Sache ruchbar wird, so riskieren sie den Galgen."

„Seien Sie außer Sorgen, man wird nichts erfahren." „Wenn man Sie nach der Hochzeit entlarvt, so riskieren

Sie höchstens Gefängnis."

„Und soll ich vor ein bischen Gefängnis erschrecken?" meinte spöttisch der Student.

„Sie sind kühn wie —*

„Wie ein Edelmann ober ein Spitzbube!" bekräftigte der Student.

„Folgen Sie mir! ... . Wie soll ich Sie nennen?"

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte«, sowie d.Annonren-Bnreanx von G L. Daube u So. in Frankfurt a. M; Jägerfche Buchhandlung daselost; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Invaliden dank in

Berlin; W. Thienes in

Elberfeld; 6. Schlotte in

Bremen-

„Was das erste anbelangt, so will ich mir alle Mühe Wen; aber war das zweite angeht, so muß ich erst wiffen, man von mir verlangt."

»Hören Sie, Carlo! Der arme Student kann nicht l Schwelle deS Schlosses de« Grafen Haumont über- \ Metten und noch weniger sich der schönen Diana nähern.

der Baron Trevis, werde Sie einführen al« dm Herzog P°n den Prinzen von--nun, wir werden einen

fäe»c4 Zn der heutigen (39 ) Plena,sitzung des Reichstags v der Präsident v. L e v e tz o w Mitteilung von weiteren Eingängen für die Ueberfchwemmten am Rhein.

Der erste Gegenstand der Tagesordnung ist die Inter- Mion des Abg. v. Schalscha, betreffend die Seelsorge fyr königlichen Soldaten in Kosel, welche am 6. Aug. v. I. ijn den Gottesdienst kommandiert worden seien, der von einem Matspfarrer abgehalten worden. Der Interpellant be- inlchtet des Näheren die thatsächlichen Verhältnisse; ihm uttb jedoch, als er den Staatspfarrer Grünastl als einen i,Meineidigen" bezeichnet, weil er den seinem Bischöfe ge- ileiftcten Eid der Treue nicht gehalten, von der Linken leb- baftcr Widerspruch entgegengesetzt. Der Präsident fordert U|U9CJ dm Redner auf, Abwesende, die nicht in der Lage seien, sich l. 1.3h zu verteidigen, nicht in solcher Weise anzugreifen. Der Jn- CJ dipellant findet die radikale Abhilfe der vielfachen Mißstände ßeto nur darin, daß der Staatspfarrer Grünastl au« dem Neben- ‘ amte als Militärpfarrer entfernt werde, und er geht schließ­lich auf die Mißstände der katholischen Seelsorge in Gnesen

Sür die Monate

Februar und März

>bmen alle Postanstalten, auf dem Lande auch die Land- , . - Moten, Bestellungen auf die

Mierhksflschk Zeitung

...„nimmt entgegen: Prozr, «ZAtion d. Blattes, tret. ^dÄnnoncen-Bureaux tücke j Dietrich u. Co. in o ’ *• und Hannover; Th.

' Frankfurt a M ;

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ßs Mib deren Gratisbeilage

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Soweit unser Vorrat reicht, fügen wir Neubestellungen unta Nr. 20 vom 25. Januar d. I. mit den Bildniffen ?n aufs L Kronprinzen und der Kronprinzessin, sowie einen le nnu« Mnber für 1883 gratis bei.

.. Die Expedition der Oberhess. Ztg.

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