xvm. Jahrgaug
Alarüurg, Sonnabend, 27. Januar 1883.
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Der falsche Prinz.
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.Nicht einen Heller!
(gottfetuM folgt.)
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Abg. Kayser erklärt, daß der Abg- v. Göler nur Anerkennung dafür verdiene, daß er die vorjährigen großen Unfälle zur Sprache gebracht. Mit der Vertuschung bei Abg. Gerwig sei nichts gethan; mit Recht habe der erste Redner die Ueberbürdung der unteren Eisenbahnbeamten betont. Der Redner wünscht eine allgemeine Statistik der Eisenbahnarbeitszeit überhaupt; die übermäßige Arbeitszeit schädige die Arbeiter wie das reifende Publikum gleicher Weife.
Abg. Niethammer plaidiert für Einschränkung de« Güterverkehrs am Sonntage, worauf die Debatte ge- fchlofsen wird. Der Etat des Reichseisenbahnamtes wird genehmigt, ausgenommen die neue Sekretärstelle und die Verstärkung des Dispositionsfonds, welche das HauS ablehnt, der Etat der ReichSschuld wird ohne Debatte genehmigt. Zum Etat des Rechnungshofes wird ein zweiter, neuer Direktor verlangt, welche Stelle Abg. Richter abzulehnen b ttet. Nach längerer Debatte wird die neue Stelle gegen die Stimmen der Konservativen gestrichen. Die Etats des Jnvalidenfonds und deS Pensionsfond« werden an die Budgetkommisston verwiesen. Der Etat der Stempelabgaben wird ohne Debatte erledigt. — Fortsetzung morgen. .
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Reichstag.
Berlin, den 26. Januar.
Die heutige (38) Plenarsitzung de« Reichstag« er» «tc Präsident v. Levetzow mit folgenden Worten: Wine Herren! Dem Reichstage ist e« durch die beglichen Umstände leider verfagt, an dem heutigen Tage n hohen Jubelpaare im Silberkranze die Glückwünsche MlandS zu überbringen. Umsomehr glaube ich den Aschen des HauseS zu entsprechen, wenn ich Sie bitte, , Sie sich zum Zeichen unserer Teilnahme zu Ehren de« itn Jubelpaares von ihren Sitzen erheben. (Dies war loischm schon von dem allergrößten Teil de« HanseS ge» Ä Präsident machte dann Mitteilung von weiteren Magen für die Ueberfchwemmten au« Amerika (40 000 M. t Newyork, 9000 M. aus St. Francisco).
Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation i Abg. Dr. Schulze-Delitzsch wegen Einführung engerer Maßregeln im internen Rebverkehr in bezug auf n ReichStagSbeschluß vom 16 Jan. 1882. Der Jnter- llmt begründet dieselbe und hält strengere Maßregeln, menllich auch mit Rücksicht auf die in den Rheinlanden \xt) das Hochwasser schwer geschädigten Existenzen der seinbergbesitzer für geboten.
BundkSkommifsar Geheimrat Weymann bemerkt, daß kurzer Zeit ein entsprechender Gesetzentwurf dem Bundes Itt zur Beschlußsassung werde unterbreitet werden. — lamit ist die Interpellation erledigt.
Das Haus setzt darauf die EtatSberatung fort; zunächst mmt der Etat deS Reich». EifenbahnamtS zur Verhandlung.
Abg. Fahr. v. Göler weist auf die bekannten, im der» mgenen Jahre stattgehabten großen Eifenbahnunfälle in Mdeutsürland hin, an denen der Ueberbürdung deS unteren il-nbahnpersonalS wesentlich die Schuld beizumesien sei,
Die Krifis in Frankreich.
Nur scheinbar hat das Manifest deS Prinzen Napoleon die Krisis zum Ausbruch gebracht. Thatsächlich bestand dieselbe schon lange zuvor. Die anarchistischen Unruhen, die Ratlosigkeit und Zersetzung der herrschenden Kammerparteien nach GambettaS Tode, die Versuche auS republikanischen Kreisen, die Verfassung auf legalem Wege zu beseitigen, die permanente Bedrohung der aktuellen Regierungen, die absichtliche oder durch Umstände herbeigeführte Verhinderung jeder positiven Aklion in der innern und äußern Politik, waren laut redende Symptome derselben. Sie wurden nur von denjenigen nicht bemerkt und gewürdigt, welche selbst im lauten Getriebe des Streites, um die eigene Herrschaft kämpfend, standen. Die republikanischen Parteien waren zu sehr mit ihren eigenen Jntriguen beschäftigt, die zum größeren Teil auf Personalfragen au«» liefen, als daß sie die Wetterzeichen erkannt hätten, welche sich auf allen Seiten des Horizonts bemerkbar machten. Jeder, der die Entstehungsweise einer Erscheinung und ihren Zusammenhang mit vorhergegangenen Vorkommnisieu und Zuständen nicht kennt, ist geneigt, dieselbe in der Natur für ein Wunder, in der Politik für einen plötzlichen Zwischenfall zu halten. AIS solchen betrachteten die Republikaner anfänglich das plötzliche Hervortreten des Prinzen Napoleon. Die furchtbare Verwirrung, welche unter den herrschenden Parteien dadurch anzerichtet wurde, ist der beste Bewei«
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genur waren? Sie hat nichts Geringeres vor, als nach der Königin die Vornehmste im Lande zu sein."
„Und sie könnte vielleicht einen Hirten heiraten," meinte der fremde Jüngling.
„Ah, Sie glauben noch an die Prinzessinnen, die Hirten heiraten, an eine romantische Liebe?" versetzte der Edelmann spöttisch.
„Ich glaube, daß die Liebe die Frau erhebt und veredett, oder"sie erniedrigt und verdirbt, je nach dem Manne, den sie liebt." —
„Sie sind verrückt," entgegnete der Edelmann.
„Nein, aber ich studiere feit langem das Frauenherz," sagte der junge Mann ruhig.
„Ein hartes, undankbares Studium fürwahr," spottete der Kavalier.
„Nein, ein weises Studium, gnädiger Herr," antwortete der fahrende Student.
„Und Ihre ganze Wisienschaft steckt wohl in diesem Felleisen?" fuhr der Edelmann höhnisch fort und wie« auf da» dürftige Reisegepäck des JünglingS.
„Nicht doch 1 In meinem Herzen und in meinem Kopfe steckt da«, was ich gelernt habe," sagte der junge Mann trocken.
„Da« ist Ihr ganzer Reichtum?"
„Mein einziger!" —
„Sonderbarer Mensch! AuS welchem Lande sind Sie?"
„Aus Italien!"
„Ihr Name?"
„Carlo!"
„Ihr Stand?"
„Ich bin Student und durchziehe jetzt die Linder, um Reiststudien zu machen."
„Und haben wahrscheinlich kein Geld?"
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' Illustriertes Sourrtagsblatt
Seit unser Vorrat reicht, fügen wir Neubestellungen Nr. 20 vom 25. Januar d. I. mit den Bildnissen Kronprinzen und der Kronprinzessin, sowie einen lmber für 1883 gratis bet.
Die Expedition der Oberhess. Ztg.
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^And. Blatt-S. Eon-en-Bureauk ^Dietrich “• Se'*n
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie b.Annvneen-Bureimx oen 8. Daube u E» in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; tzermanfche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendankin
Berlin; W. Iktene# in Elberfeld: k- Schlotte in
Bremen.
und richtet an die RetchSregierung die Bitte, auf eine Beschränkung der Vergnügungszüge, namentlich an Sonn» und Festtagen, hinzuwirken. — Ein zweiter Punkt, auf Den Reoner eingeht, ist der Nachweis des Widerspruches, in dem sich unser Eilenbahntarif mit unserer Zollgesetzgebung befinde.
Bundesbevollmächtigter Geh. Rat Körte erwidert, daß eine Beschränkung oder Beseitigung des Sonntags - Ver- gnügungSverkehrs event. nur Sache der Landesregierungen sein könne. WaS aber die Ueberbürdung der Beamten betreffe, so habe bereits im Jahre 1875 das Reichs-Eifen- bahnamt der Sache seine volle Aufmerksamkeit geschenkt. Bei den beiden angezogenen Eisenbahnunfällen sei übrigens thatsächlich die Ursache nicht in der Ueberbürdung der betreffenden Unterbeamten zu erblicken. Soweit ferner es die reichSverfassungSmäßiqe Kompetenz deS Reichs - Eisenbahn« amtS zulaffe, übe dasselbe feinen Einfluß bezüglich der Tanf- bildung im Sinne des Vorredners aus.
Abg. Gerwig nimmt die badische Eisenbahnverwaltung gegen etwaige Vorwürfe wegen der qu. Unglücksfälle in Schutz.
Abg. Dr. Perrot wünscht vom Reichs - Eisenbahnamt eine übersichtliche ReichS-Eisenbahnstatistik, auch einen konzentrierten Bericht über deffen Thätigkeit, sowie über die Veränderungen deS Tarifwesens.
Bundesbevollmächtigter Geh. Rat Körte entgegnet, daß das Reich« - Eisenbahnamt diesen Wünschen nur, soweit e« in seiner Kompetenz liege, nachkommen könne.
Abg. Schrader tritt den Ausführung de« Abg. v.Göler entgegen; der Notlage der großen Landwirtschaft könne das ReichS-Eifenbahnamt mit feinen Machtbefugniffen nicht ab- helfen; jene liege auch auf ganz anderem Gebiete als dem de« Tarifwesen«. „ ~ „
Abg. Büchtemann bestreitet, daß die neueste Tarifpolitik heilsame Folgen gehabt habe. Es würde auch bedauerlich fein, wenn die preußische Eisenbahn - Verwaltung den Bestrebungen der Freunde de« Herrn v. Göler folgen würde. ES würde eine schwere Schädigung de« nationalen wirtschaftlichen Interesses sein, wenn man die Eisenbahnen abhalten wollte, bei billigen Frachtsätzen den Import zu heben. Die Stellung des ReichS-EiseubahnamtS sei übrigens sowohl nach seiner richterlichen Seite, als nach seiner Ver- waltungSthätigkeit der Reform dringend bedürftig.
Bundesbevollmächtigter Geh. Rat Körte konstatiert den bezüglichen Bemerkungen des Vorredners gegenüber, daß die amtliche Thätigkeit deS EifenbahnamtS von seinem Bestehen an unverändert dieselbe geblieben sei.
Abg. Freiherr v. Minnigerode muß zugeben, daß da« ReichSeisenbahnamt bisher nicht den geringsten Erwartungen entsprochen habe. Namentlich fehle daS Reichs» Eisenbahngesetz; eine gesetzlicheStärkung deS Reichs Eisenbahn- amtS fei im Interesse dcS allgemeinen Verkehrs zu wünschen.
Sie haben einen guten Geschmack, junger Mann, nur schade, daß Ihre Liebe auf einen schönen Stein gefallen ist," erwiderte der Edelmann spöttisch.
„So ist die Dame keiner Liebe fähig?" fragte träumerisch der Jüngling.
Bis jetzt hat wenigsten« noch kein Graf ober Edel» mann ihre Gunst erwerben können, doch ist es vielleicht möglich, daß Sie, der fahrende Sänger, da« Herz Dianas von Haumont, gewinnen, wenn Sie nur nicht zu bescheiden gekleidet wären," entgegnete der Edelmann verschmitzt.
„Was liegt demjenigen an dem Kleide, der die Seele sucht'" versetzte der Jüngling resigniert.
Der schönen Diana liegt aber viel am äußeren Prunke, ich weiß die«. Sie hat bis jetzt die reichsten und edelsten Barone de« Reiche« auSgeschlagen und würden Sie jeden- sall« nicht die geringste Hoffnung in diesem Aufzuge und dieser Kleidung h gen dürfen."
.Ach, wahre Liebe kennt keine Hinderniffe," antwortete der Student mit keckem Tone."
„Glauben Sie die« bestimmt?"
Und der Edelmann betrachtete neugierig den kühnen Jüngling, der bereit schien, sich um Diana von Haumont zu bewerben. ,
Ich glaube e« so fest," erwiderte der Jüngling, „daß ich seit einem Augenblick auf Mittel sinne, mich dem Fräulein nähern zu können."
Wirklich! ? Aber wiffen Sie denn auch, wie Diana von Haumont ist? Wissen Sie, daß sie stolzer ist, al« eine Königin, eitel, hochmütig und ehrgeizig?"
„Die Liebe kann daö alles ändern," meinte der fahrende @tUbyber wiffen Sie, daß Diana bi« jetzt alle großen Herren au«geschlagen hat, weil sie ihr noch nicht vomehm
,fir hie Monate
8 Februar und Marz
- alle Postanstalten, auf dem Lande auch die Santo» Bestellungen auf die
Slierhelsischk Zeitung
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Erzählung von Th. von Aschenberg.
»Schade, schade!" meinte Graf Haumont, „daß der nie Bursche sich vor un« fürchtet, er hätte nn« noch itbr seiner Lieder in dem Schlöffe singen können, ich habe ie einen schöneren Gesang gehört!"
,34) bebaute e« auch," sagte bt« Grafen schöne Nichte ihrer wohltinenben Stimme. »Dieser arme, fahrenbe finget hätte un« die herrlichen Zeiten de« ritterlichen Mange« auf einige Stunden zurückzaubern können.
' Sie bebaute ich, baß keiner unter ben edlen Herren so ' 441 Mn fingen kann! Bei einer solchen herrlichen, ebekn stimme muß auch ein große« edele« Herz zu finden semi
.. Die Herten bet nächsten Umgebung suchten diese -öe» M "ttfung re« Ebeisräulein« zu entkräften und unter Scherzen 1001) mb heitren Gesprächen über den metkwütbigen Vorfall toll itzie ^t Jagbzug feinen Weg nach dem Schlöffe fort, inöii Elber einer der ebeln Herren war doch unbemerkt zurück»
Wieben und trieb bald sein Pferd kühn durch ben Wald 1 der Richtung vorwärts, nach welcher bet Sänger ge» '»hen war. Nach wenigen Minuten hatte der Edelmann ttch ben Sänget entdeckt und eingeholt; aber wenn jener glaubte, einen schüchternen und verzagten Jüngling zu ben er durch gutmütige« Zureden beschwichtigen ^sst, so irrte er sehr.
. .Warum flohen Sie, junger Mann?" fragte forschend Edelmann den Jüngling.
.Weil ich die Dame zu schön sand, um bei ihrem lä». Anblick nicht zu ihren Füßen zu fallen," antwortete fremde Jüngling keck, „und da« hätte möglicherweise ""t schlimme Szene gegeben, denn e« waren wohl noch "t Herten dort, welche die Dame entzückend schön
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SB U 0) »U O v ‘ gül in bet Expedition zu eriheilenbe Auskunft und Annahme von Abreflen werden 25 Pfg. berechnet. ____________