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XVlll. Jahrgaui.

JRaröurg, Mittwoch, 24. Januar !883.

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heutige (36.) Plenarsitzung de« Reichstag« er-

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Berlin, den 22. Januar.

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KricgSminister v. Kamele entgegnet namentlich, daß Al humane Behandlung der Mannschaften den Vorgesetzten gemein zur Pflicht gemacht sei, und daß Se. Majestät Äerhöchstselbst für eine wohlwollende Behandlung derselben Serge trage und sich regelmäßig die Listen der wegen roher

Behandlung erfolgten Bestrafungen vorlegen lasie. Betreff« de« Geldmachen« der Unteroffizier« könne er versichern, daß diesem Uebelstande energisch entgegrngetreten werde. Man möge nur spezielle Fälle zur Anzeige bringen; eS werde sofort rtngeschrittm werden. Di« Bevorzugungen adeliger Avantageurs kann der Minister nicht zugeben; der Andrang der Avantageurs zu gewiffen Regimenter», besonder« mit angenehmen Garnisonen, sei zu groß, als daß nicht die Rückweisung erfolgen müfle.

Abg. v. Minnigerode stimmt diesen Ausführungen bet und «endet sich gegen die von Schott geforderte O-ffent» lichkeit de« Mtlitärstrasprozeffe«. Abg. Richter (Hagen) zweifelt nicht an dem guten Willen der Militärverwaltung, glaubt aber, daß die Mißhandlungen von Mannschaften noch sehr oft vorkommen. In den meisten Fällen unter­bleibe die Anzeige au« Furcht. Auch die Geschenke an Unteroffiziere hätten einen sehr bedenklichen Umfang an­genommen und belasteten die Einjährigen schwer.

Abg. Windthorst widerspricht der Aeußerung von Minnigerode«, daß Schott „zum Glück" der Versuchung widerstanden hätte, auf das Gebiet der auswärtigen Politik einzugehen; das fei nicht ein der Stellung des Parlaments entsprechender Standpunkt. Nicht alle Tage, wohl aber bei wichtigen Gelegenheiten müffe da« Parlament dies Ge­biet betreten. Abg. v. Vollmar (Soz.-Dem.) klagt über die schlechte Behandlung und Verpflegung der Mannschaften und über da« Ueberwuchern der Duelle. Abg. v. M a l tz a h n- Gültz tritt diesen Borwürfen entgegen und bestreitet namentlich den Einfluß der Behandlung der Mannschaften auf die Zahl der Selbstmorde in der Armee. Abg. Richter (Hagen) hält die Zurücksetzung de« bürgerlichen Element«, namentlich bei der Garde und der Kavallerie, für erwiesen und für eine nicht begründete Verleugnung deS Grundsatzes der Gleichheit vor dem Gesetze. Auch bezüglich der Be­handlung der Mannschaften sei noch manches zu wünschen. Die heutige öffentliche Verhandlung werde vielleicht beffernd wirken.

Abg. Windthorst verteidigt die Abgg. v. Minnigerode und v. Maltzahn gegenüber wiederholt die Ansicht, daß das Parlament ex professo sich mit der auswärtigen Politik beschäftigen folle und nicht nur au«nahm«weise. Die De­batte wird geschloffen. Eine Reihe von Kapiteln deS Militäretats wird genehmigt. Abg. Richter (Hagen) bringt die Vffaire der Schlcinitzschen Erpresserbande zur Sprache und fragt, ob da« Mttitärgericht«ver'ahren mit seinen Mängeln die Schuld daran trage, daß der flüchtige Hauptmann a. D. von Schleinitz weder in Berlin, noch in London verhaftet werden konnte. Auch über die Affaire deS Füsilier» Gärtner, der in der Hasenhaide einen Mann erschoß und über den Verlauf der Affaire an der Jn-

linke Arm desselben führt zum Potsdamerplatz, der rechte auf Umwegen zum Gendarmenmarkt. Wir wählen den linken Arm. Di« Strömung de« Kanalwaffer« ist außer­ordentlich stark, fast reißend, und nur langsam kommen wir in der Strömung vorwärts. Die Kugellaternen, die wir tragen, erleuchten die Wölbung de« eiförmig gemauerten Kanal« (die Spitze de« EtcS nach unten), in dem wir aufrecht gehen können. Grau umspült uns bi« zum Leib das strömende Kanalwaffer, grau sind die Kanalwände, an welchen sich der Straßenschmutz, den heftige Regengüffe herein verschwemmen, in klebriger Maffe festgesetzt hat. Ein unangenehmer Geruch ist nicht wahrzunehmen. Gase sind nicht vorhanden, da« Atmen nicht erschwert und die Luft hier unten zehnmal reiner als in einem Restauration«» lokal, in welche« sich zwanzig cigarrenrauchende Menschen aufhalten. Von der Deckenwölbung de« Kanal« hängen sonderbare Gebilde von Strohhalmen herab, die sich hier festsetzen, ungefähr in unferer Schulterhöhe plätschert e« recht« und link«, di« «nschlußröhrrn der HauSgrundstücke, der Bedürfnisanstalten und der Regengoffen senden ihren Inhalt in dm Kanal. Diese Anschlußröhren haben sämt­lich einen Durchmesier von 16 Centimeter lichter Weite. Einige Schritte weiter stoßm wir auf ein mächtiges Thon­rohr von 57 Centimeter Weite, da« die Sammelwäffer der Deffauerstraße dem Kanal zuführt. In der Nähe dies:« Rohre« fühlen wir unter den Füßen nicht mehr den harten gepflasterten Boden de« Kanals, wir wandeln auf — Kaffeegrund. Eine von der Sohle de« Kanal« herauf, geholte Probe überzeugt un«, daß hier in der That zollhoch Scheuerfaad und Kaffcegrund, in frieslicher Eintracht zu- sammenlirgen. Durch den «üchenau«guß und die Thon- rohrleituag gelangten Sand und Kaffee auf den Kanalboden, aber sie finden hiyt keine Ruhe. Einmal wöchentlich durch- zieht dm «anal eine Arbeiterkolonne, welche deu Bodensatz

mit Krücken vor sich herstößt und bis zum Sammclbassin der Station treibt. Im langsamsten Tempo geht es weiter. Die schweren Stiefel, die doppelten Kleider und vor allem dar Ankämpfen gegen die Strömung bringen un« gewaltig in Schweiß. Um so unangenehmer ist der Aufenthalt unter den geöffneten AuSsteigclöchern und Luftfchächten, welche zum Straßenniveau emporführen. Zwei Arbeiter begleiten uns nämlich oberirdisch und öffnen vor uns die in dem Straßenpflaster liegenden Deckel, eine Maßregel der Vorsicht. Der Kanal selbst bringt keine Gefahren für un«, aber eS kann ein GaSrohr außerhalb der Kanalmauer un­dicht geworden, do« GaS kann in den Kanal geströmt fein, die Hilfe „von oben" würde uns dann sehr not thun. Hin und wieder ertönt donnernd die Kanalwölbung, ein Wagen fährt oben über uns hin, eS klingt wie da« dumpfe Grollen eine« schweren Gewitters. Wir haben den Hafenplatz in seiner ganzen Länge unterirdisch durchschritten und wmdcn un« jetzt rechts tn die Köthenerstraße. Die Kurven der Kanäle haben einen RaoiuS von 10 Metern, um einen möglichst geringen Stau deS WafferS zu erzielen, an der Ecke mündet das Sammelrohr der Königin-Augustastraße ein, ein« Strecke weiter da« der Potsdamer Bahnhofs« aulage. Einige Schritte weiter und wir bekommen durch ein Anschlußrohr von rechts ein Douchebalv von Seifen« waffer. Das Dienstmädchen, welches oben in dem Haufe der Köthenerstraße bei der Wäsche beschäftigt, mit Energie da« Seifenwaff r in den Ausguß spedierte, ahnte wohl nicht, daß eS uns dasselbe auf die wafferdichte Jacke goß. Recht lang zieht sich für unS bei dem langfamcn Marsch die Köthenerstraße dahin. Vergeblich sehen wir un« in dem Kanal nach R ttcn nm. Der Glaube, daß in den Berliner Kanälen und Anschlußröhren Ratten vorhanden seien, ist absolut unrichtig. In der reißende» Strömung, die bei plötzlichem Regen ben ganzen K nal erfüllt, kann sich keine

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.-^gtnnimmt «ntaege»: ■WZebitton b.CUtte«, Iiinnonc-n-vure.nl ?k Dietrich u. «•. t» und Hannover; I». h in Frankfurt a M.;

-w-. u Bögler tu sr, Berti», ■ Breal jfel Köln «.; Rudolf mrrftn. Krank.

Wkscht ■ und li bei 6||T W «■> « Ätit »sucht.

ßhesÄ der "Prästdent"'v?L«v e'tz o w mit folgenden Worten:

./u..,** fs,rr,nf @e. Maieffät der Kaiser (die

Anzeigen nimmt nttgeg«: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Amlvneen-Bnreank een ®. L. Daube u. 6o. in Frankfurt a. M.; JLgerfche Buchhandlung daselbst; Hermanfche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendankin

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; t- Schlotte in

Bremen.

Hosen und Zecke von wasserdichtem Stoff werden über die '0™ ?l.idung gezogen und dann steigen wir in bk Riesenwafser«

Aesel, die bi« an den Leib hinaufgehen und an den schnallen de« starken Ledergurtr«, der die Taille um fließt, noch mit besonderen Riemen befestigt werden. Eine Äappe mit Nackenschirm vervollständigt da« Kostüm. Im Ne der Station befindet sich da« mächtige Sammelbassin, « dem die Senkwaffer de« ganzen System« zusammen« "i'ßen, um von hier au« durch die Pumpen in bk nach D«dorf führenden Rohrleitungen gedrückt zu »erden. Der । Nr Inspektor übernimmt die Führung, auf schwanker Miter geht t8 hinab und unten strhen wir sofort bi« an gn Leib im Kanalwaffer. Wir gehen in dm Hauptkanal Wnein, der sich unter der Schönebergerstraße gabelt. Der

V in Berlin, Frank- 'flirt --- M. -c.

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Deichmann erwartet UN« »achmitt«g« 3 Uhr zur „Fahrt" 10011 «vd in seinem Bureau gehen wir sofort an die Toilette. KMilf-' * ' " -------- •*-“ - ““ vl-

>altu»°L' Meine Herren! Se. Majestät der Kaiser (die Beter« mMi-oer deS Reichstag» erheben sich von ihren Sitzen) M Rein hohe- Hau« hat ein schmerzlichen Trauerfall be» Sit Gestern nachmittag bald nach 1'« Uhr wurde ?königl. Hoheit Prinz Karl von Preußen, der noch lebende innig geliebte Stuber unseres Kaiser«, —A dieser Welt abberufen. Der Reichstag hat sicherlich i,n Wunsch und das Bedürfnis, Sr. Majestät dem Kaiser, ®ltt kir,n Leid unser Leid und besten Freude unsere Freude ist, ; .MrchtSvolleu Ausdruck zu geben von der herzlichen Tril- . h •8 welche un« erfüllt. Ich nehme an, daß da«HanS sw । i-S Präsidium beauftragen will, die zur Vermittelung diese« ‘ [ Mesches erforderlichen Schritte einzuleiten. — Ich ton» MMSW datiere die Zustimmung de« Hanse« und werde da« weiter >Ri Widerliche veranlassen.

Demnächst teilt der Präsident mit, daß die LiebeS- onAMEi «6m für die Ueberschwemmten am Rhein au« den Ver- i (ioiattn Staaten reichlich weiterfiießen. So seien vorgestern BF Wl P wiederum 100000 Mk. von dem Zcntral-Hilfskomitee phiets. t jz Newyork teb graphisch überwiesen (Lebhaftes Bravo!) 7is heute 12000 Mk. von Traugott Schmidt in Dettoit Michigan). Diese Gelder werden in der früheren Weise «rioendet und den Gebern der Dank de« Reichstag« au6«

kialich aut« be» Werktagen na» Som- und Feiertage«. Preis für ba» Quartal mit b« wöchentlich«. Beilag« „Jllustrirt^ SountagSblatt- durch die Expedition (« o ch'sche Buch druck.r7i) bergen -V. Nark. durch die Postämt« des Deutschen Reiche« 8 1R«t ÜO Pfg. (-k-l. Bestellgebühr.)->s«tt°nsg-bühr für bte gespalten- Z-,l- 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

fes: t tzr'ktn: Im nuterirdischen verli«.

Rom hat seine Katakomben, Pari« steht auf einem sichtigen Sttinbruche und London hat seine unterirbischen Eiraßen und Eisenbahnen. Da» unterirdische Berlin be» sieht in dem Netz von Kanälen, jenen unterirdischen Fluß» Ruten, welche.die Verwirklichung der «chwemmkanalisation lüden. Wie e« in einem solchen Kanäle auSsteht, wenn er im Betriebe ist, davon hat «an auf der Berliner Ober» Siche nur sehr irrige Ansichten. Immer und immer wieder schreiben Leute, .beten Blick durch Sachkenntnis nicht ge- üübt jst", ungeheuerlichen Unsinn über alle« wa« zur Wifation gehört. Ein Zeitung«»Berichterstattet war der Wt Journalist, der dieser Tage eine Fahrt durch die Kanäle .gewagt" hat. Wir geben in folgendem seinen

^röffentlichten Bericht:

.Am Hafenplatz liegt die Pumpstation be« Radial- Wema III der städtischen Kanalisation. Herr Inspektor i’eljL- _____Ll ___A - Q 11t- «UC Strthrt*

validensäule in Berlin wünscht Redner Auskunft. Kriegs­minister v. Kameke erklärt, Über den Fall Schleinitz könne er Auskunft erst nach einiger Zeit wegen mangelnder Information geben. Bei dem Soldaten in der Hasenhaide sei der Eintritt plötzlichen Irrsinns konstatiert worden, als er schoß, er ist al« unzurechnungsfähig entlasten worden. Der Posten an der Jnvalidensäule habe, als er von dem Knaben gereizt und geworfen wurde, instruktionSmäßig ge­handelt und fei in der Untersuchung freigesprochen worden.

Nach einer Entgegnung Richters sagt der KriegS- minister die Unterstützung der Witwe deS erschostenen Ar­beiters zu. Abg. Richter beantragt die Vorlegung einer Statistik über die Militärmnstk und die dabei verwendeten Mannschaften. Nach längerer Debatte wird der Antrag abgelehnt, dagegen der Titel „über Militärmustk" an die Budgetkommisston verwiesen. Abg. Hirsch bringt die Frage bet Militär-Handwerker zur Sprache und rügt, daß dadurch die Privatindustrie benachteiligt werde. Die Abgg. Rickert und Richter treten diesen Ausführungen bei.

Abg. v. Köller kann oie Berechtigung dieser Be­schwerden in erheblichem Umfange nicht anerkennen. Abg. Dohrn bestätigt die Klagen über die weitgehende Kon­kurrenz der Militärarbeiten. Ein hierauf bezüglicher An­trag deS Abg. Richter wird an die Budgetkommisston verwiesen. Bei der Debatte über die Bewaffnung und Organisation der Kavallerie, woran die Abgg. Möller, v. Schorlemer-Alst und Richter teilnehmen, äußert der Abg. Richter: Die Garde du Eorps sei Überflüssig. Der KriegSmtnister protestiert gegen die Behauptung. Diese Truppe habe seit ihrer Gründung ihre Fahnen stets mit Ruhm bedeckt. Der Abg. Richter bezeichnet diese Ent­gegnung als Redensarten und wird wegen dieses unparla­mentarischen Ausdrucks rektifiziert. Nachdem das HauS noch einige weitere Kapitel des OtdinariumS erledigt hat, wird die Sitzung auf morgen vertagt.

Die vörfcnsteuer-kbatte

im Reichstage hat da« allgemeinste Jntereste erregt und der AuSgang ist ein sehr befriedigender. AuS der Mitte der konservativen Partei hat der Abg. v. Wedell- Malchow, treu seiner langjährigen Wirksamkeit im Jntereste unsere« Volkes, mit fester Hand in da« Wespennest ge­griffen, er hat als Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit einen Beitrag des Börsengeschäftes, des großen immobilen Kapitals zur Tragung der Staatslasten zur Erleichterung der Abgaben der Minderbegüterten verlangt und hat damit dem Worte gegeben und praktische Anwendung, was in fast allen Kreisen des konservativen Volkes lebhaft ge­fühlt und gewünscht worden ist. Unterstützt ist derselbe von dem konservativen Abgeordneten Dr. Arnold (die

ng gesell «sprechen werden.

«WWW Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Etat«» -—- tatung, in erster Reihe der Etat der Militärverwaltung. lllkM! Abg. Schott (Volk«partei) suchte darzuthun, daß tn r scht Verwaltung alljährlich Ersparniste gemacht werden ilt. I ganten, ohne die Schlagfertigkeit de« deutschen Heere» zu Einträchtigen. Namentlich hält er den Luxus in der Uni- fetmietung, sowie in den Kasernenbauten und den der OWerkastno« für zu groß. Demnächst hielt er die kost» Mgen Kürassicrregiementer für entbehrlich und bemängelte zu frühen Pensionierungen dar Offiziere. Weiter be- Sagt er, daß . die Reorganisation D Militärgerichtsbarkeit »ch nicht ungetreten, ferner, daß'dissNannfchaften vielfach . Sl,6on ten Unteroffizieren schlecht behandelt werden. Endlich e 'rJlto'It er daS' Äeldmachen ket Unteroffiziere den Einjährig» miwilligen gegenüber, soM''hij-. Bevorzugung adeliger Üvantageur«, namentlich bei bett Kavallerie- und Garde»