XMI. Jahrgang.
Marburg, Sonnabend, 20. Januar 1883.
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Jnstitus verkennen. Die internationale Bedeutung der Berliner Börse werde unter dem Anträge, wenn er ange- nommen werde, schwer leiden. DaS Ausland könne heute schon ohne Mitwirkung der Berliner Börse keine Anleihe aufnehmen. Dieser Verkehr werde aber erschwert vier ausgeschlossen, wenn man die Berliner Börse mit der Fessel deS Antrages an der freien Bewegung bindere.
Fürst H a tz f e l d t ist mit dem Projekte der Börseiisteuer zufrieden; dieselbe müsse sich innerhalb mäßiger Grenzen
Mit Hilfe seiner Erfindung pflegte Papin schon in einem niedlichen offenen Boote auf der Seine, und später auf der Lahn — welche an Marburg vorbeifließt — umher zu dampfen, zum Erstaunen unv Ergötzen der Einwohner und der Bauern der umliegenden Dörfer. Als der Landgraf davon hörte, befahl er Papin, die Wirkung seiner wunderbaren Erfindung aus dem schiffbaren Fulda-Fluß bei Hessen- Kaffe! vor ihm zu zeigen. DaS wurde bekannt und Tausende von Leuten strömten an dem Tage, an welchem Papin durch seine bloße Willenskraft, ohne Ruder und Segel, auf dem Fluß umhrrfahren sollte, nach der Stadt hin. Aber siehe dal ein Unfall ereignete sich. DaS Kesselchen zerplatzte und tötete einen Mann an Bord. Darüber erschrack die Menge; die Bauern waren erbittert und zerstörten da« Boot und die Trümmer der Maschine gänzlich, weil sie eS für das Werk der Zauberei hielten. Papin mußte von Kaffel fliehen. Der Eifer des Landgrafen war gedämpft, Hilfe war weder von ihm noch von den anderen Fürsten und Magnaten Deutschlands zu erwarten; und selbst in England konnte er keinen Beistand erlangen, um seine Erfindung einzuführen und inö Werk zu setzen. Andere wurden jedoch dadurch bereichert und Papin starb als ein verhältnismäßig armer Mann.
Watt ist geehrt worden, und da« mit Recht, durch die Errichtung von zahlreichen Statuen und technischen Schulen, die seinen Namen führen, und unlängst ist Robert Stephenson, eine Lokomotiv- und Eisenbahn-Berühmtheit, eine Statue in Newcastle-upon-Tyne unter großem Jubel des Volke« errichtet worden. Die Franzosen sind sehr langsam gewesen, die Verdienste ihre« LandSmanneS Papin öffentlich anzuerkennen, aber endlich haben str kürzlich seinen Namen ge-
vielen Eingaben geschehen, jedes Geschäft, was nickt sofort erfüllt werde. ES handle sich also in seinem Anträge lediglich um börsen-usancemäßige Zeitgeschäfte. Der Redner erläutert ferner, weshalb er die Worte: „an der Börse" und „außerhalb der Börse" im 8 6 der Novelle gebraucht habe. Bezüglich deS Taris« (2/io pro Mille) werde er event. sich zu einer geringen Ermäßigung bereit finden laffen müffen. Besonderen Anstoß habe die Forderung der Führung eines Registers erregt; man vergesse aber, daß beispielsweise das Brauereigewerbe noch einer ganz anderen Kontrolle unterworfen werde. Die Besorgnis der Doppelbesteuerung wäre unbegründet. Er empfiehlt schließlich, wegen der Schwierigkeit deS Gegenstandes die Vorberatung deS Entwurfs durch eine Kommission von 21 Mitgliedern. (Beifall rechts.)
Abg. Schlutow bekämpft den Entwurf mit großer Entschiedenheit; der Entwurf müßte richtig genannt werden „Gesetzentwurf betreffend die Einführung kaufmännischer Arbeitsbücher"; der Entwurf sei ein Produkt ter weiteren Entwickelung der in 1879 injcenierten Jnteressenpolilik; die Spielsucht, die leider eine weite Ausdehnung angenommen habe, werde der Gesetzentwurf nicht verhindern, nach wie vor fortzudauern; nur dem reellen Geschäfts- Verkehre würden Fesseln angelegt. Der Antrag werde den berechtigten Interessen der Börse nicht nur gerecht, sondern verrate sogar durchaus eine erhebliche Unkenntnis der an bet Börse gebräuchlichen Verkehrs- und GeschäslSformen.
Abg. Reichensperger (Olpe) erklärt sich mit einer recht hohen Börsensteuer einverstanden, die daS gesunde Geschäft nicht stören, aber daS Börsenspiel recht scharf treffen müßte. Er habe allerdings Bedenken, ob der Antrag von Wedell diesen Zweck zu erreichen geeignet sei. Der Antrag unterscheide nicht genügend zwischen Zeitgeschäften und Differenzgeschäften, werfe vielmehr beide in einen Topf und werde damit dem Welthandel nicht gerecht, welcher der
ehrt, indem sie eine besonders künstlerische Bildsäule in seiner Vaterstadt BloiS errichtet haben. WaS haben indeffen Amerika und Großbritannien — die durch feine großartige Erfindung so reich geworden sind — oder Deutschland und andere Länder ge'.han für den armen, vernachlässigten und fast vergeffeneii Papin? Wäre eS nicht ein schöne« und billige« Werk des dankbaren Britanniens, eine monumentale Bildsäulengruppe von Papin, Stephenson uns Watt vor dem Bahnhofe zu errichten, welcher, nur durch die Lahn getrennt, dem reizend gelegenen Marburg gegenüber liegt, wo der große Franzose seine denkwürdige Erfindung gemacht hat. Wenn die Lordprofosse und bet Staktrat von Edin- bürg und Glasgow, und die Hafenprofoffe am Clyde, und der Bürgermeister und die Ratsherreu von Newcastle-upon- Tyne, und Herren wie Lord Shand, die Profefforen Fleeming, Jenkin and Tait in Evinburg; die Profefforen Sir Wm. Thomson and Jas. Thomson in Glasgow; ferner die Gebrüder Siemens, Sir Joseph Whitworth, Sir. Wm. Armstrong, und Boikow & Vaughan die Sache in großmütigem und dankbarem Geiste in die Hand nähmen, so sollte Großbritannien, Amerika rc. nut stolz darauf sein, eine Nationalschuld abzutragen, die nur zu lange unbezahlt geblieben ist. Die Banken würden ohne Zweifel gern Zeichnungen für einen so lobenswerten Zweck annehmen. Der verstorbene Robert Napier of Shandon, welchem ich einmal die schändliche Vernachlässigung der Ansprüche PapinS auseinander setzte, sagte, er würde gern 100 Lst. beisteuern, wenn solch ein Plan in« Werk gesetzt würde.
Ich kann weiter erwähnen, daß eine geeignetere Stelle für eine solche monumentale Gruppe sich nirgend- finden würde; überdies ist Marburg von besonderem Interesse für
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zu Ka! ar 1881 garo'sH
Reichstag.
Berlin, den 18. Januar.
Bor Eintritt in die Tagesordnung der heutigen (33.) Sitzung des R e i ch S t a g ö erbat der Präsident v. L e v e tz o w kür den Vorstand des Reichstags die Ermächtigung, den kionprinzlicken Herrschaften zu der silbernen Hochzeitsfeier m 25. d. M. die Glückwünsche de« Reichstags darzn- bringc». — Abg. Graf v. Behr-Negendank hat infolge der Ernennung zum Oberprästdenten von Pommern nn Mandat niebcrgelegt.
Der Präsident machte dem Hause ferner die erfreuliche Mitteilung, daß aus St. Louis in Missouri un» aus Louisville in Kentucki ihm von deutschen Landsleuten 30000 M., rcsp. 18000 M. zugegangen seien für die durch sie Hochfluten Betroffenen. Der Präsident hat diese Summe sofort in demselben ModuS zur Verteilung gelangen lassen, in welchem e« mit dem kaiserlichen Dispositionsfonds geschehen, und wird den Gebern seinen Dank aussprcchcn, dem auf Antrag deS Abg. Kapp noch ausdrücklich bet Dank des Reichstags hinzugefügt werben wirb.
Der Abg. Wölfel begründete feinen Antrag, baß Stimmzettel, welche im Wege btt Vervielfältigung herge- stellt sind uns nur bie Bezeichnung ber zu wählenben Person enthalten, nicht als Druckschriften im Sinne ber Reichs- uns der LandeSgefetze gelten sollen. Abg. Freiherr v. He crem an unterstützt ben Antrag, der durch Vorgänge bei ber letzten Wahl veranlaßt ist. Auch Abg. vr. Matquarbsen ist mit bem Anträge durchaus einverstanden ; derselbe wird anscheinend einstimmig in zweiter Lesung angenommen.
Der Hauptgegenstand der Tagesordnung ist der von dem Abg. v. Wedell-Malckow eingebrachte Gesetzentwurf, betreffend die prozentuale Börsensteuet. Der Antragsteller schickte ber eigentlichen Begründung einige Bemerkungen voraus, in denen er seine persönliche Stellung zu dem Anträge und bie vielfachen Schwierigkeiten barlegte, welche sich diesem Anträge entgegenstellen. Trotzdem sei er bestimmt worden zu deffen Einbringung zunächst durch bie geringen Erträge der bestehenden Börsensteuer; er habe Grund, anzunehmen, daß der Stempel von 1 M. für Zeitgeschäfte nur ben Ertrag von 1400000 M. ergebe. Dazu käme, daß sein Antrag auf prozentuale Steuer im Jahre 1881 nur mit einer Stimme Majorität abgelehnt worden fei. Vor Allem aber sei bie prozentuale Steuer eine Forberung ber Gerechtigkeit. Die Möglichkeit ber Erhebung einer prozentualen Börsensteuer werbe mit Unrecht bestritten. In diesem Falle müsse schon aus steuerpolitischen unv finanziellen Gründen festgestellt werden, ob auS der Börsensteuer hövere Erträge als bisher zu erzielen thunlich sei oder nicht. Zu den Spezialieu des Antrages übergehend, legte der Antragsteller dar, daß unter „Zeitgeschäft" doch nur daS, was usancemäßig darunter verstanden werde, zu denken sei; keineswegs, wie eS selbst in
Die Erfiuduug der Dampfmaschine.
Von Friedrich Schenck, Lehrer der deutschen Sprache inSdinburg, (Schluß)
Newcomen trat mit seiner Dampfmaschine später auf, unterstützt von John Cawsiy und Kapitän Savery (Savery brachte 1698 eine Dampfmaschine hervor, welche auf Papin« System basierte), und nahm 1705 ein Patent. Diese« war indeffen nichts anderes, als PapinS Maschine etwas verändert und derbeffert; aber da sie von Newcomen vielfach in den Kohlen- minen Cornwalls und anderer Teile Großbritanniens als Dampfpumpe eingeführt wurde, um da« Waffer aus den Gruben zu heben, so wurde sie nach Newcomen benannt.
Ein Modell dieser NewcomewMaschine wurde von dem Professor der Naturwiffenschaft auf der Universität Glasgow für die Belehrung der Studenten in ber Dampfkrast gebraucht. Eine« Tage« a. 1765 kam ber Professor spät, und während die Studenten sich herumbalgten, trat einer derselben mit bem Fuße ein Loch in die Maschine. Man Ueß Watt, den Verfertiger ber philosophischen Instrumente ber Universität, kommen, um sie roieber herzustellen; aber da er in diesem Modell ben Traum seiner Jugenb verwirklicht fand, nämlich ba« Oszillieren des Deckel« eine« fiedendcn Kessel« u. s. w., so stellte er sie nicht wieder her, fenbern machte sich baran und fügte nach vielem und langem Nachdenken einen zweiten Kolben hinzu und erfand den Separatkondensator. So gebührt Watt unzweifelhaft bie hohe Ehre, die Dampfmaschine zu einer unermeßlich praktischen Wirklichkeit — ja zu einem großen Revolutionären gemacht zu Haden, welcher ber Welt ganz außerordentlichen Nutzen bringt.
Zeitgesckäste nicht entraten könne. Dieser Teil deS trage« fd unannehmbar; jedenfalls werbe ber Antrag sehr eingehende kommissarische Prüfung erheischen.
Abg. Büsing giebt zu, baß bei Zeitgeschäften Mißbrauch vorkomme; im ganzen aber seien sie besser, ihr Ruf und für den Welthandel unentbehrlich. Bei gesetzgeberischen Akten dürfe man sich nicht bloß von Rücksichten auf die Schattenseiten ber Börse leiten lassen und darüber die eminente soziale, wie volkswirtschaftliche Bedeutung dieses
en.eiacn nimmt entgegen: Expedition d.Blatte«, d.Ännoncen-Bureaur
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Di-trich in Frankfurt a.M.; A.nfenitein u. Vogler tn f St a. M., Berlin, K Köln ec-; Rudolf We in Berlin, Frank- llen furt a. Dt-K-_______
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux Den ® L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M; Jigersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.
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Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet- _________________________
halten, um da« deutsche Kapital nicht zur Auswanderung in bas Ausland zu nötigen. Der Antrag von Wedell scheine ihm zu weit zu gehen.
Finanzminifter Scholz: Der Antrag habe in seinem Zwecke, neue Mittel für den Staat zu gewinnen, die Sympathie der Regierung durchaus. Die Heranziehung des mobilen Kapital« innerhalb solcher Grenzen, daß Handel und Industrie nicht geschädigt würden, sei durchaus gerechtfertigt. Aber der Antrag enthalte Unklarheiten; der Antragsteller habe auch seine Tragweite nicht ausreichend bargelegt. Der Minister geht historisch auf den früheren, im Reichstage mit Stimmengleichheit abgelehnten Börsensteuerantrag des Abg. von Wedell ein und führt aus, daß im Vergleiche zu jenem Anträge der diesmalige noch bedeutend mehr Bedenken erregen muffe; die jetzige Formulierung deS Antrages eigne sich nicht zur Annahme; Sache der Kommission werde es sein, den guten, gesunden Kern herau-zuschälen. Ein Vertagungsantrag wird hierauf angenommen. Fortsetzung der Verhandlung morgen.
Die Verhaftung des Priuze« Napoleon.
So sehr sich einzelne gambettistische und radikale Blätt-r bemühen, ba« Manifest lächerlich zu machen, sie könnm nicht leugnen, baß selbst bie republikanischen Kreise ernst sind, uns daß e« Eindruck gemacht hat. Nicht um feines Autors willen, aber durch seinen Inhalt. Alle die Schäden, an denen die Republik erkrankt, werden schonungslos aufgeführt und nachdrücklich zufarnmengestellt. Die „Times" meint, der Prinz habe durch fein Manifest niemandem etwa« genützt, ausgenommen ber republikanischen Regierung, denn et habe den Repulikanern eine Warnung erteilt, welche sie schleunigst beherzigen würden, falls sie politisch klug seien. Zum Unglück ist politische Klugheit keine Eigenschaft jener Republikaner.
Für den Prinzen selbst wird seine Handlung schwerlich Erfolg haben. Er ist nicht der Mann dazu, den erblichenen Glanz des Bonapartismus wiederherzustellen. Einen verbummelten Cäsar nennt ihn das eine Blatt, ein anderes: moralisch und politisch längst tot. Außerdem steht ihm ein großer Teil ber eigenen Partei ausS schroffste entgegen. KeinS der republikanischen ober legilimistischen Blätter (welche letztere maßlos entrüstet sind, weil er mit seinem Manifest bem beS Grafen Chambord zuvorgekommen ist) höhnt ihn bergeftalt, wie ein Bonapartistenorgan CassagnacS „Pays". „Wir bezweifelten bis zur letzten Stunde bie Aechtheit dieses Dokuments, das wir lächerlich finden. Wenn man ein Land retten will, so besteigt man ein Pferd und stellt sich an bie Spitze beS Volkes. Prinz Jerome wollte nur seine Existenz darthun. Ihre Existenz schadet leider weniger den Republikanern als den Imperialisten, Ihr Manifest, Prinz, ist eine feierliche Kinderei und eine koloffale Dummheit (betiie). Wozu sind Sie bereit? Weiche materielle Organisation haben Sie gemacht, auf welche Regt«