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XVIII. Jahrgang.

Marburg, Donnerstag, 18. Januar 1883.

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| der Antrag Struckmann-Dcrnburg und mit ihm der § 22

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Keibente Gläubiger berechtigt, die Abtretung der ersteren

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Anzeigen nimmt entgegen: btt Expedition d Blattet, sowie d.Annoncen-Bureanx von G 8. Daube u E» in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendanki»

Berlin; D. Thienes in

Elberfeld: 6- Schlotte in

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12 Ter treue Diener.

Humoristische Novelle von Hermann Langer.

Der alte Gras war besiegt; sein Kurt mußte glücklich werden.

Tollkops 1" sprach er.Vergelte mir meine Liebe, zum Bettler will ich Deinetwegen werden, um Rückgabe meine- Wertes will und muß ich betteln gehen."

Eine weiche Stimmung wellte er aber durchaus nicht aufkommen lassen, de-halb füg e er hinzu:

Arnold und Du, Ihr rührt Euch nicht vom Fleck, bis ich von Eeuard von Halden zurückgckehrt bin!"

Dann ging er fort, drehte sich aber in der Thür noch um und rief mit listigem Blinzeln:

Werve auch wegen Arnold mein Wort anbringenI

Obgleich nun die zurückdleibenden Freunde sehr viel einander zu erzählen hatten UN» bei ihren Bekenntnissen einander oft freundschaftlich schalten, die Zeit wurde ihnen denn doch ein wenig gar zu lang, denn Stunde um Stunde verfloß und der alte Gras kehrte nicht wieder.

Nachmittag« 3 Uhr war e« bereit«, al« er mit äußerst gleichgültigem Gesicht wiederkehrtr; erwartungsvoll sahen ihn die Freunde an, aber sie erfuhren von ihm kein Wort. Der alte Graf war indessen sehr guter Laune, er bestellte Mi taghrod, erzählte von allerlei Dingen, die kein Interesse beten, rühmte nebenbei, daß eine tüchtige Bewegung de« Körper« und Geistes da« Podagra zu vertreiben scheine Uns sprech s men Vorsatz au«, bei ähnlichen Krankheits­fällen sich duellieren O'et eine sonstige Aufregung durch­wachen zu wollen u. s. w. Endlich konnte sich Kurt nicht wehr halten, er sagte ungeduldig:

angenommen.

Die §§ 2344 werden debattelos von dem Hause nach den Anträgen der Kommission genehmigt und einige zu den §§ 2438 vorliegende Petitionen von den Maurern, Steinhauern und Schornsteinfegern bezüglich der Sicher­stellung der Baubandwerker bei Neu- und Reparaturbauten abgelehnt. Morgen steht die Notstandsvorlage zur Be­ratung.

In der heutigen (22.) Plenarsitzung des Abgeord­netenhauses wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Bewilligung »von Staatsmitteln zur Beseitigung der im Stromgebiete deS RheineS durch die Hochwasser herbeige­führten Verheerungen nach unerheblicher Debatte in dritter Beratung definitiv angenommen und die Allgemeine Rech­nung über den Staatshaushalt de« Jahres 1. April 1879/80 der Rechnungskommission überwiesen.

Darauf wurde die erste Beratung der Verwaltungs­gesetze fortgesetzt. Abg. vr. v. H e y d e b r a n d ging zunächst auf die gestrige Rede de« Abg. vr. Gneist ein, der sich der Uebertreibung schuldig gemacht und der nötigen Objektivität ermangelt habe. Die sittliche Entrüstung deS Abg. Gneist über die Vorlagen der Regierung sei um so weniger be­rechtigt, alS derselbe 1879 noch selbst dieselbe Anschauung gehabt habe. Das Bedürfnis für die Einbringung dieser Vorlagen sei zweifellos. Der größere Teil der Bevölkerung fordere die Vereinfachung dieser Gesetzgebung. Wer es mit der Selbstverwaltung gut meine, der gerade müsse bestrebt sein, da« Ueberflüsstge aus diesen Gesetzen zu entfernen. Von poli­tischen Hintergedanken wüßten sich seine konservativen Freunde bei ihrem Streben nach Vereinfachung vollständig frei. Die Gutachten der Provinziallandtage seien jedenfall von größerem Werte, alö die Vorschläge des Abg. Gneist bezüglich der Einsetzung ständiger Kommissionen. Die Vereinfachung der Vorlagen betreffe nun zunächst die Bchördenorgani- sation. Mit Beseitigung des Provinzialrats werde gewiß jeder einverstanden sein, daß es aber richtig sei, den Be­zirksrat mit dem Verwaltungsgerichte zu verschmelzen, sei längst erkannt und 1880 von seinen Freunden urgiert. Daß der Vorsitz des Regierungspräsidenten das Vertrauen in die Behörde erschüttern werde, sei nicht zu besorgen; wäre das richtig, würde man ja ein Mißtrauen gegen unsere Selbstverwaltung überhaupt aussprechen. Eine er­hebliche GeschästSvermehrung werde in einigen großen Re­gierungsbezirken allerdings eintreten, aber einerseits würden weitere Arbeitskräfte gewährt, andererseits würde vielfach Vereinfachung deS Verfahrens eintreten. Die Vorlagen bezwecken ferner eine Aenderung der Kompetenzen; prin­zipiell sei dieselbe zu billigen, im Einzelnen habe nähere Prüfung einzutreten. Endlich wollen die Vorlagen das Verfahren ändern. Im Allgemeinen werde auch hier wohl das Richtige vorgeschlagen. Der Redner schloß seine Rede mit dem Wunsche, daß alle Seiten deS Hauses sine

Quäle uns nicht länger, Vater I Erzähle von Deinem Gange!*

Ja so l Hm! Verstehe zwar von solchen Dummheiten blutwenig, aber Alma, ein prächtige» Mädel, schickt mir hier für Dich ein paar Blumen; auch Amalie, die jetzt bei Alma ist, schickt ein paar solche Blümchen für Arnold!"

Damit zog er o Frevel über Frevel! anS der Rocktasche zwei Sträußchen Vergißmeinnicht und warf sie auf den Tisch. Sowohl Kurt als auch Arnold griffen hastig barnadi, aber welcher Strauß ist von Alma? welcher von Amalie? r, u

Kostbar war die Verlegenheit der Freunde, schallend das Lachen de« alten Grafen, der sich nicht länger halten konnte:

Da« ist die Strafe, welche die beiden Mädchen über Euch verhängt haben 1 Herrlich, hätt' nicht gedacht, daß der Spaß so viel wert ist!"

Mehr aber war wieder für lange Zeit nicht au« ihm herauszubekommen, der redselige Alte geizte an diesem Nachmittag gewaltig mit den Worten. Erst als Arnow und Kurt aufbrechen wollten, umspazieren zu gehen , kommandierte er wieder:Hier geblieben l Die verehrten Herren haben al« fernere Strafe Hausarrest bi« sieben Ubr ru welcher Stunde sie wieder vor dem Antlitz ihrer Damen erscheinen dürfen." ,

Hierbei blieb'« uns die ganzen entsetzlich langen Stun­den verkürzte der alte Graf nur durch die Mitteilungen, daß er sich mit Karl von der Halden vollständig au«ge- söhnt, eigentlich ihm nie gezürnt, sondern nur durch die Ungunst der Verhältnisse ihn so lange^Jahre nicht gesehen,

Berlin, den 16. Januar.

^«5)errenhauS setzte in seiner heutigen (6.) Sitzung , Sveiialberatung der SubhastationS-Ordnung bei 8 22 »Mo ( hm Struckmann beantragt, diesem Paragraphen 2'endm Absatz 2 hinzuzufügen:Ist bei Feststellung des ,.,a® clfnften Gebots eine Forderung, welche auf mehreren ub J 2 tücken ungeteilt haftet, berücksichtigt worden, und ist 'reisbläi in uläfsiges Gebot nicht abgegeben worden, so ist der be- .retsvtli! tnjuwi'ö , die Bbtretuna der elfteren

_____J rLtUIw gegen vollständige Berichtigung derselben zu -iälwsi Ln" - Der Referent vr. Dernburg empfiehlt ofort ei, °inaend die Annahme des Antrages; da« geringste Gebot - -- uJL, iedesmal mit der Korrealhypothek in Kollision, und

z uckffe hier Abhilfe geschaffen werden. Nach der land- ne Exph Etlichen Bestimmung sei auch die Fälligkeit der Hypothek betracht zu ziehen. Wenn auch nicht vollständig, so be- t!ae der Struckmannsche Antrag im großen und ganzen ieie Schwierigkeiten. Graf zur Lippe erklärt sich Jen den Antrag, denn wenn der postlozierte Gläubiger ., -n die Rechte deS Korrealgläubigers trete, so werde dadurch 'mVciniba6 mitverMndete Grundstück in Mitleidenschaft gezogen.

a« jus offerendi greife in die RechtSsphäre anderer ein.

_ ,r Gedanke sei dem römischen Recht entnommen, und ZTTJman sei im römischen Recht dazu gekommen, weil der Post- lofterte Gläubiger gar nicht daS Recht gehabt habe, daS rnn ."^Grundstück zum Verkauf zu bringen. Bet uns s-i das M anders, und darum fehle auch die wirtschaftliche Grundlage des ins offerendi. Der Antrag werde nur In einzelnen Sailen zu gunsten eines einzelnen Gläubigers die vorhan­denen Schwierigkeiten beseitigen, und darum sei er gegen denselben und bitte, die Regierungsvorlage anzunehmen. Herr Struckmann empfiehlt die Annahme seiner An- ichiand »trage«, bei dem eS sich nur um die Sicherung deS Real- kredit« handle, weil sonst schwerlich jemand noch eine Hypo- "thek erkalten werde, wenn eine Korrealhypothek vorangehe.

Ein absolutes Heilmittel gegen alle Schwierigkeiten solle sein Antrag nicht bieten. Ein Eingriff in die Rechte anderer fei allerdings nicht zu vermeiden, werde jedoch durch seinen Antrag sehr gemildert. RegierungS Kommissar Geh. Rat Kurlbanm II hält die Struckmannschen Bedenken für sachlich nicht begründet. Er stehe dem Anträge zwar nicht unsympathisch gegenüber, aber er glaube, daß die Vorteile, welche er gewähre, den Nachteilen, die er mit sich führe, die Wage halten. Nach einigen kurzen Bemerkungen der Herren Graf zur Lippe uno Meyer (Celle) beantragt vr. Dernburg, dem Anträge Struckmann folgenden Zu- , satz zu machen:Ist die Forderung nicht fällig, so kann

Id 11 da« R nur mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten und der Verpflichtung zur pünktlichen Zahlung auSgeübt werden". Herr Struckmann erklärte sich mit diesem Anträge einverstanden, und nachdem vr. Dernburg den­selben dadurch begründet, daß derselbe dir vorhandenen Be­denken gegen den Antrag Struckmann beseitigen solle, wird

ira et Studio die Regierungsvorlagen prüfen möchten. (Lebhafter Beifall rechts.)

Abg. Di richtet betont, daß er als Freund der Selbst­verwaltung im Gegensatz zum Vorredner es für seine Pflicht halte, der Regierungsvorlage Widerstand entgegenzusetzen. Der Redner suchte darzuthun, daß der Herr Minister deS Innern seine Vorgänger im Amte nicht bloS in materieller, sondern auch in formeller Beziehung verleugne. Wenn e» wahr wäre, daß der Regierungspräsident der geborne Vor­sitzende deS Bezirksausschusses resp. des Verwaltungsgerichts sei, dann würde konsequenter Weise auch der Minister de« Innern bei Berufungssachen der Vorsitzende deS Ober­verwaltungsgerichts sein müssen. Die Exemplifikation aber auf den KreiSanSschuß paffe durchaus nicht, hier sprächen für die Verschmelzung allein praktische Gründe. Die Ge- schäftSüberbürdung der Regierungspräsidenten sei bedenk­lich; die Heranziehung der Stellvertreter aber würde zu noch größeren Unzuträglichkeiten führen. Sei ferner die beabsichtigte Einschränkung der Instanzen schon an sich ein gefährliches Experiment, so sei es am aller bedenklichsten, die Armensachen auf die eine unterste Instanz deS Kreis« ausschuffeS zu beschränken. Die Unpopularität des be­stehenden Verwaltungsgesetzes sei vielfach künstlich geschaffen und beruhe zum großen Teile auf der Abneigung deS be­rufsmäßigen Beamtentums gegen die Mitwirkung der Selbstverwaltungsorgane. Man habe die Wirkung deS vereinfachenden OrganifationSgesetzes von 1880 nicht ein­mal abgewartet, sondern es von vornherein zu diskutieren gesucht. Nach einer Kritik verschiedener Details der Vor­lagen betont er es als eine unabweisbare Forderung der Gerechtigkeit, daß bei Entscheidungen über Fragen be« öffentlichen Rechts, wenn man sie, statt wie früher dem ordentlichen Richter, jetzt dem Verwaltungsgerichtsverfahren unterwerfe, Richter und Parteien auch personell von einan­der getrennt seien.

Abg. Tiedemann wendet sich zunächst in einigen Bemerkungen gegen einzelne Ausführungen des Vorredner« und erklärt bann namens bet freikonservativen Partei, daß dieselbe bte Vorlage mit großer Sympathie begrüße. Sie habe auch schon seit Langem bk Vereinigung be« Bezirk«- rat« uno .des Verwaltungsgerichts erstrebt unb er selbst habe gerade heute vor 3 Jahren eine Rebe in diesem Sinne gehalten. Der Herr Abgeordnete ging dabei be« Näheren auf bie damaligen Verhandlungen und Gründe ein, weshalb vor 3 Jahren die Verschmelzung deS BezirkS- rat« und des BezirkrverwaltnngSgerichtS nicht erreicht sei. ES sei gewiß sehr zweckmäßig, wenn die Herren Juristen nicht von den Verwaltung«beamten getrennt, sondern mit den Verhältnissen deS praktischen Lebens in Verbindung gebracht würden, andererseits wäre eS auch den Verwal­tungsbeamten sehr dienlich, sich das formelle Recht gegen­wärtig zu halten. Beiden Teilen werde diese Verbindung nur zugute kommen. Die politischen Gefahren, welche der Abgeordnete Gneist in dieser Verbindung erblickt, seien in auch feine Versetzung nach der Schlacht bei La Rothiere sei eine unfreiwillige gewesen; ferner erzählte er, daß die beiden Halden nicht mit einander verwandt feien.

So langweilig auch die Zeit verging, sie verging doch und die siebente Stunde brachte nicht eine Verlobung, son- dem zwei:

Alma mit Kurt, Amalie mit Arnold.

ES war ein schönes, frohes Fest, daS an dem Abend be« Tage«, der so unglückverheitzend begonnen hatte, in bei Wohnung de« Ritters Karl von der Halden gefeiert wurde. Von Stunde zu Stunde flieg die Fröhlichkeit, welche ihren Höhepunkt erreichte, als Kurt und feine Braut mit dem anderen Brautpaar ansiiehen und nach verfchiedenen Toasten auf die anwesenden Freunde auch bochleben ließen Michel, den treuesten und besten aller Diener, welcher in seiner heiligen Einfalt zwei glückliche Paare einander zugeführt und zwei alte grimmige Feinde, den alten Grasen Latten und Major von Halden auSgesöhnt hatte.

Kurt und Arnold haben später, al« sie bereit« beide glücklich vermählt waren, noch oft deS seltsamen Zufall- gedacht und sind auch bemüht gewesen, bie Einzelheiten der AuSsöhnungSszene zwischen dem alten Grafen Latten und dem Major von Halben an das Tageslicht zu bringen, denn tragikomisch genug mußte die Aussöhnungrszene zwi­schen den beiden alten Haudegen gewesen sein. Alle Mühe war jedoch in dieser Beziehung vergeblich, die beiden alten Herren hatten hierüber, wie eS schien, einander unverbrüch­liches Schweigen gelobt uno dasselbe auch gehalten.

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