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Marburg, Mittwoch, 17. Januar 1883.

XVffl. Jahrgang.

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läge meldeten sich 14 Redner zum Worte, während gegen dieselbe niemand eingeschrieben ist.

Abg. Bachem will die Gründe für die Verzögerung der Vorlage um so mehr auf sich beruhen lassen, als er mit derselben und deren Begründung an sich einverstanden ist, wenn er auch die geforderte Summe viel zu gering hält, um auch nur den von der Regierung gewollten Zweck zu erreichen. ES käme darauf an, die zahlreichen selb' ständigen kleinen Existenzen vor dem vollständigen wirtschaft­lichen Rlltn zu bewahren. Der Redner kündigt zugleich für die zweite Beratung einen Antrag an, worin die Re­gierung ersucht wird, schleunigst die außerordentlichen Not­stände in mehreren Eifelkreisen feststellen und zu deren Be­seitigung die geeigneten Anträge an die Landesvertretung gelangen zu lassen.

Auch die Abgg. MoSler und Menken halten die in der Vorlage beantragten Summen für zu niedrig, bitten aber die Ausführung der Vorlage jedenfalls zu beschleunigen.

Abg. Berger (Witten) regt die Frage an, ob die Staatsregierung sich gesetzlich berechtigt halte, einen Erlaß der Gebäudesteuer etntreten zu lasten. Eventuell würde er einen bezüglichen Antrag für die zweite Lesung einbringen.

Abg. Dr. Hammacher konstatiert mit Befriedigung die allgemeine Teilnahme für das Unglück der Rheinlande. Nach den ihm gewordenen Mitteilungen seien indes die Schäden bei der zweiten Ueberschwemmung teilweise größer gewesen, als bei der ersten; auf jene sei aber in der Vor­lage nicht Rücksicht genommen. Er bitt deshalb um so mehr die Summe von 1200000 Mk. ä fonds perdu im 8 2 für zu niedrig gegriffen. — Der Redner geht dann schließlich auf die Ursachen solcher Kalamitäten ein.

Der Minister des Innern v. Puttkamer fürchtet, daß man vergebens danach suchen werde, die allgemeinen Ursachen solcher Schäden zu erforschen, um ihnen dauernd abzuhelfen. Seitens der preußischen Verwaltung sei Übri­gens der Entwaldung der betroffenen Gegenden seit Langem entgegengcwirkt. Keiner der Vorredner habe die Vorlage bekämpft, mau habe nur die Besorgnis ausgesprochen, daß die Regierung nicht genug gefordert habe. Demgegenüber weist der Minister jedoch darauf hin, was bisher bereits geschehen, und giebt die nicht unerheblichen Mittel an, welche unter Mitwirkung der Privathülfe, abgesehen von den Mitteln der Vorlage, noch zur Verfügung stehen. Heute ist bereits eine Summe von 6 Millionen Mark disponibel, um den Schaden zu decken. Eine volle und objektive Schadloshaltung der Betroffenen könne aber — darüber werde kein Zweifel sein — doch nicht beabsichtigt sein. Den Eindruck, daß die zweite Ueberschwemmung eine noch größere Verheerung angerichtet habe als die erste, habe er, abweichend von der Auffassung des Abgeordneten Ham­macher, nicht. Er halte an der Hoffnung fest, daß die in der Vorlage geforderten 3 Millionen dem Bedürfniste ge-

Snjeigen nimmt entgegen: die Expedition d BlatleS, sowie d.Annoncen-Burenttk »•n®. L. Daube u 6«. in

nügen werden. Dem Wunsche gegenüber, die al» i fonds perdu geforderten 1200000 Mark zu erhöhen, hält der Minister den Gesichtspunkt entgegen, daß man bet solchen Fonds vorsichtig vorgehen muffe, um nicht demorali­sierend auf die Betroffenen zu wirken. Die Verpflichtung zur Rückzahlung sei im Allgemeinen als geboten anzusehen.

Finanzminister Scholz stellt in Anknüpfung an die bezüglichen Bemerkungen des Abg. Berger wegen des Er- laffeS der Gebäudesteuer für die betroffenen Gegenden, wenn es nötig werden sollte, weitere gesetzliche Maßnahmen in Aussicht, ist aber der Ansicht, daß eS derselben nicht be­dürfen werde.

Das HauS tritt darauf sofort in die zweite Beratung der Vorlage ein. Abg. Reichensperger (Krefeld) hält eS für am besten, die Vorlage unverändert anzunehmen. Den Sitz des UebelS dieser Ueberschwemmungen findet er in der Schweiz. ES werde Sache der einzelnen betr. Staaten und des Reichs sein, diesen Kalamitäten dauernd vorzubeugen. — Abg. Biesenbach führt aus, daß die Aussicht auf die Mitwirkung der Regierung nicht abhalten dürse, die nötigen Maßnahmen zur Regulierung des Rhein­stromes zu treffen. Die Vorlage will auch er unverändert annehmen, wenn von derselben auch lange nicht alle wirk­lich stattgehabten Schäden berücksichtigt würden. Nach kur­zen Bemerkungen des Abg. Dr. Virnich wird darauf § 1 der Vorlage angenommen.

Zum § 2 sprechen die Abgeordneten Hausen, v. Kes­seler und Dr. Hammacher; derselbe wird unverändert angenommen; ebenso ohne Debatte die übrigen Paragraphen der Vorlage.

Für den oben erwähnten Antrag, betreffend die außer­ordentlichen Notstände in mehreren Eifelkreisen, tritt dar­auf eingehend Abg. Knebel auf Grund seiner persönlichen Kenntniste der Verhältnisse ein.

Minister Lucius erklärt, daß das, wa« der Antrag wolle, von der Staatsregierung (bereits in die Wege ge­leitet sei. Die Regierung in Trier hätte rechtzeitig auf die betreffenden Notstände hingewiesen. Die vorhandenen Fonds würden wohl ausreichend fein, um den akuten Not­ständen abzuhelfen. Allerdings werde damit den chronischen Notständen jener Gegenden nicht abgeholfen, eS werde ähn­licher Maßnahmen, wie betreffs Oberschiesten« bedürfen. Auch in dieser Beziehung seien aber die Vorarbeiten ein­geleitet, um dauernde Besserung der Verhältnisse jener Gegend herbeizu ühren. Er halte eS deshalb nicht wohl« gctdan, diesen Antrag anzunehmen, zumal ähnliche An­träge betreffs anterer Landesteile gleiche Berechtigung haben würden und die Staatsregierung glaube, das, was nötig sei, mit den disponiblen Mitteln ausführen zu können.

Abg- Broekmann spricht für den Antrag. Auf nachträgliche Anregung des Abg. LotichiuS erklärt der Minister deS Innern v. Puttkamer, daß auch der

fagst, wie Deine Braut heißt mit vollem Namen Wohnung?"

Kurt sah ein, daß er jetzt nicht schießen könne, seinen eigenen Vater zu töten; er betrachtete daher Duell alS aufgeschoben, fügte sich dieser Thatsache und

. .Verrückt seid Ihr! Tollköpfe l Wahnsinnig l Ver- Wollt Euch morden? Warum? Keiner weiß e»l befehle Dir, Kurt, bei meinem grauen Haar, daß Du

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Erklärungen der alte Graf sich vorläufig gar nicht einlieg; Kurt ertrug auch die Anwesenheit des Hauptmann Meiführ nur ungern, er konnte dessen höhnisches Lächeln nicht ver­gessen. Als aber im Bewußtsein, daß sie überflüssig seien, sich die S kundanten und anderen Duellzeugen mit dem Ehrenwort, über die« Duell für ewige Zeiten zu schweigen, entfernt hatten, schritt man an die Lösung der Wirren.

Sehr richtig erkannte man, daß der erste Besuch Kurt» beim Major zunächst uud zumeist betrachtet werden mußte; diesen aber hatte Michel vorbereitet. Da fand sich nun, daß der arme Schelm daS gedruckte E. vorn E. nicht hatte unterscheiden können, daß er ferner da» Wörtchen „d e r", daS nicht auf der Adresse des Briefes gestanden, für un­wesentlich gehalten und daher anstatt zu Ritter Eduard von Halten, den Brief zu Earl von der Halden getragen.

AlS Michel tief zerknirscht seine Fehler eingesehen und bei Gott und allen Heiligen um Verzeihung bat, da ward ihm eine unerhörte Belohnung und Gnade, Kurt umarmte ihn und sprach:

„Michel, hab tausend Dank für Deine Dummheit, Du hast mich glücklich gemacht."

Al» nun aber der Diener sich entfernt und Kurt auf dem Gesichte deS Vaters gewaltigen Ernst lagern sah, da ergriff er dessen Hand und herzlich bittend, aber fest sagte er: „Vater ich weiß, Du liebst Deinen tollen, leichtsinnigen Kurt; sieh! Gott selbst hat mir Alma zuaesührt, willst Du um eine» alten Worte» willen, da» vielleicht in lustiger Stunde gegeben wurde, vier Menschen unglücklich machen? Laß mich auch ferner an Deine Liebe glaub,«!"

(Schluß folgt.)

Ter treue Diener.

Humoristische Novelle von Hermann Langer.

Erst als man deS Burgbergs ansichtig wurde, sprach Graf;

«ortete ruhig:

„Alma von der Halden, Tochter deS MajorS Ritter Karl von der Halden, Leipzigerstraße No. . . .

„Und nun An old, bei der Freundschaft und Liebe, die ich alter Mann stets für Sie gehabt, sagen auch Sie, wie Ihre Verlobte heißt?"

Der Angeredete ward plötzlich verwirrt, mit unsicherer Stimme sprach er:

„Amalie von Halde«, Tochter de» Ritters Eduard von Halden, Leibnitzerstraße."

Die beiden jungen Männer standen beschämt. Vor wenigen Minuten noch wollten sie einander töten, einem gemeinsamen Drange folgend, warfen sie die Waffen weit von sich, daß sie donnernd sich entluden, dann lagen sie einander in den Armen.

Der alte Graf sah bewegt auf die Freunde, er zerrte unablässig an seinem Schnurrbart und wohl darum wur­den seine Augen feucht; gleich aber, als schäme er sich seines weichen Gefühle«, polterte er:

„Tcllköpfe! Werdet Jdr Euch etwa jetzt mit mir duellieren, weil ich Euch gründlich blamiert habe?"

Kurt, i« dem mit wieder erwachender Liebe auch die ganze volle Lebenslust wieder rege geworden, umarmte den sßater, dem Arnold von Köpper kräftig die Hand schüitdte.

Dann ging'S zurück in die Stadt, wo trotz der Frühe ein tüchtige» Frühstück mundete und bei dem die richtige Fröhlichkeit nur deshalb nicht aufkommen konnte, well auf

In der heutigen (21.) Plenarsitzung des Abgeord­netenhauses kam zunächst der Gesetzentwurf, betreffend von Staatsmitteln zur Beseitigung der tm Stromgebiete deS Rheine» durch die Hochwasser herbei- gksührlen Verheerungen, zur Verhandlung. Für die Vor­

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Bll «Halle er sich für die Spezialdebatte vor. — Es wurden — )U §§ 1—21 nach den Kommission« - Anträgen angr- >illig tu

Buchhandlung beleibt; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvaltdenbant in Berlin; D. Lhiene» in Aderfeld; 6. Schlotte In Bremen.

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—-TTL,int täalich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis fttr das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstrirte» EoiMtagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche ^^'«uchdruckerei) de,.gen 2*/t »»«k, durch die Postämter de» Deutschen Reiche» 8 Mark 60 Pfg. (exrl. Bestellgebühr.) -^JnsertronSgebühr für die gespaltene Zelle !• Pf«.

Für in d«r Expeditton zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

;„,n nimmt entgegen: MZpMwn d-Blattes.

Annoncen-Bureaux A Dietrich u. 6e. tn (4 und Hannover; DH- kich in Frankfurt a.M;

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.Wenn eS nur nicht zu spät ist!" Aber es war nicht zu spät.

Eben war die Distance abgemessen, hatten die Duellanten Pistolen gewählt und sollte noch der vorgeschriebene ^übneversuch gemacht werden, als der Wogen erblickt wurde. Die beim Duell Beteiligten waren unschlüssig, was zu sei; als aber der alte Graf sein greises Haupt zum Jtn heraus zeigte und mit Donnerstimme „Halt!" rief, IllrUI °° malte sich auf aller Gesichter die peinlichste Verlegen­heit, die Gegner maßen sich mit fragenden Blicken, gleich verlangte der eine vom anderen eine Erklärung dieses äwifch Malles; als aber Hauptmann Meiführ mit spdtti- Vbem Gesicht Kurt anblickte und ihm höhnisch zulichelte, 8 war es um dessen Fassung geschehen.

Kurt hatte in der Seele de» Hauptmann» den schmäh­ten Verdacht gelesen, daß der Sohn den Vater zu Hilfe berufen habe; Wut erfaßte ihn, zähneknirschend schrie er: .Arnold, schbß-! — Ich zähle: Ein«! — Zwei! —" . Aber schon stano der alte Graf, der nicht die gering- «n Po mgra-Schmerzen mehr fühlte, sondern mit jugeno- "Aer Elastizität herbeigeeilt war, zwifchen den Kämpfe, den. ~dt gehobenem Stocke stand der Greis, fein Gesicht glühte, fuutelkn seine Augen, sichtlich rang er nach Athem, "Huch bonnette er:

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ringend geboten, durch Zulassung von Teilzahlungen und lürgen günstigere Bedingungen zu schaffen. E« sei da« urchauS kein gefährliche« Experiment, sondern habe sich in er Rheinprovinz sehr gut bewährt, und deshalb beantrage r in diesem Sinne den Entwurf zu verbessern.

Herr Lindemann (Dortmund), glkichsalle mit den stinzipten des Entwurfs einverstanden, hegte aber namentlich in . veaen der Korrealhypotheken Bedenken und glaubte, daß U8cn ite dessallsigen Bestimmungen des Gesetzentwurfs einen Eingriff in wohlerworbene Rechte und eine Schmälerung tlvWs RealkreditS in sich schließen. Redner wünscht Im Jn- eteffe der postlozierten Gläubiger in dieser Beziehung Ab- loose ä ;iife geschaffen zu sehen.

' ' i RcgierungS • Kommissar Geh. Ober - Justizrat K u rl- ~“aum II behielt sich die Entgegnung auf die AdamSschen anirage für ote VpeziaivivrussivU vor; die Regierung könnte ich auf diesen Standpunkt nicht stellen. WaS die Bedenken uS Vorredners anlange, so hätten sie nur dann eine prak- ische Bedeutung, wenn die Korreal-Hypothek nicht zur AuS- St«i Zahlung komme, sondern übernommen werde. Selbst wenn u. s ie korrcaliter verhafteten Grundstücke gemeinsam zur Sub­aru. ßoi Inflation gebracht würden, sei eine rechtliche Notlage nicht mhandkn. Wie eine solche zu vermeiden, diese Darlegung

Berlin, den 15. Januar.

. Herrenhaus trat heute in die Beratung des tnn , Entwurfs, betr. die Zwangsvollstreckung in das unbe- H Xe Vermögen. Zur Generaldiskussion nahm zunächst 4 r Adam» das Wort, um eine Reihe von ihm gestellter - Lnd rungSanträge zur Annahme zu empfehlen. Der ■nturf enthalte in mehreren Beziehungen dankenswerte S”a Serungen des bisherigen RechtSzustandeS, so namentlich W'ÄjXje er in vielen Fällen Snbhastattonen, erweitere -n LieterkreiS, lasse die Eintragung rechtskräftiger Zah- stngsurteile als Hypotheken zu und die Feststtzung eineS »vorstehenden Gläubiger deckenden geringsten Gebot». Namentlich sei die Erweiterung deS Bieterkreise» von hoher rbigmil >(C.Uhma, sie würde aber noch besser sein, wenn sie ge- '1 Aert sein würde gegen Umgehungen, die jedenfalls sehr zufia eintreten würden. Wenn die Hypothekeninstrumente e Bey eiklausuliert würden, komme man doch zu dem Resultate, der ganze Kaufpreis bar erlegt werden müsse, und