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Marburg, Sonntag, 14. Januar 1883.

XVIII. Jahrgang.

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Reichstag.

Berlin, den 12. Januar.

»Mein Auftraggeber fordert Sie auf, sofort zurückzu- iteten; entsprechen Sie diesem Wunsche nicht, dann bitte ich, mir Ihren Sekundanten zu nennen.*

Verlassen wollte ja Kurt Alma, die Lügnerin, die Heuchlerin; im Heizen hatte er Sie schon aufgeg-ben, aber der Hauptmann sich seine« Auftrage» enlledigte, da üab es keine Wahl. Jedweder, welcher nicht sein Innere» kannte, konnte ihn ein Feigling nennen. Stolz und voll- ständig ruhig antwortete Kurt:

»Wollen Sie gütigst mir Ihre Adresse überlasten, in einer Viertelstunde sende ich Ihnen meinen Sekundanten.*

Ter Hauptmann that e» und ging; unmittelbar darauf verlieh auch Kurt seine Wohnung, suchte einen Sekundan­ten und sandte ihn mit der Weisung, morgen früh 6 Uhr °uf Pistolen zum Hauptmann Miführ.

Als Kurt dann nach Hause kam, befahl er Michel, ihn vechizn ig zu wecken und wünschte dann ungestörte Ruhe;

qu. § 120 veranlaßt haben, nach, daß es zur Förderung der Angelegenheit der Anregung durch den Antrag nicht bedürfe. Dabei betonte er zunüchst, daß es sich um eine Vollmacht handle, die der BundeSrat selbst in dem damaligen Gesetzentwurf nicht beantragt hätte, und daß derselbe seine Zustimmung eben aus der Erwägung gegeben habe, daß es sich um keinen Verpflichtung für den Bundesrat handle. Im übrigen bezeichnete der Herr Bevollmächtigte die großen Schwierigkeiten, welche sich dem Erlaß solcher allgemeiner

bedürfte energischer Schutzmaßregeln, man brauche nicht zu befürchten, durch solche ganze Industriezweige zu ruinieren. Abg. Ebert ist ein Freund eines umfastenden Schutze«, bestreitet aber, daß so große Mißstände vorhanden seien, wie dies Vorredner behaupte. Abg. Blum hofft, daß durch die Initiative des Bundesräte« bald eine umfassende Fabrik­gesetzgebung geschaffen werde. Die Diskussion wird ge­schlossen. Der Antrag wird fast einstimmig angenommen.

folgt die Beratung deS Antrages deS Abg Grafen Behr, wonach die auf dem Seewege eingesührte Schlemm­kreide einem Zoll von einer Mark pro Doppelzentner unter­worfen werden soll. Abg. HermeS bekämpft den Antrag.

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In Wahrheit giebt es keinen zweiten Staat, in welchem man sich die Förderung des Volksbildungswesens so eifrig und seit so langer Zeit hat angelegen sein lasten, .wie in dem unsrigen. Diese Förderung hat einerseits in der Sorge für die Einrichtung tüchtiger und der Zahl nach aus­reichender Lehrerbildungsanstalten, andererHt« in der starken Aufbesterung der Lehrergehalte und Schulstellen bestanden. Vor unk liegt eine in derStatistischen Correspondenz* veröffentlichte Uebersicht über die Einkommen preußischer Volksschnllehrer während der letzten fünfzig Jahre, die eine Anzahl außerordentlich lehrreicher Daten darüber enthält, was im Laufe der letzten Jahrzehnte für die Volksbildung gethan worden.

Im Jahre 1820 waren in Preußen 3745 städtische und 18140 ländliche Volksschullehrer thätig; das Durch­schnittseinkommen der ersteren betrug 638, der letzteren 259 Mark jährlich (außer freier Wohnung und Feuerung); im Jahre 1878 wurden in denselben Teilen der preußischen Monarchie 17 212 städtische und 29988 ländliche Lehrer mit Durchschnittseinkommen von 1430 bez. 954 Mark ge­funden. Die Zahl der Lehrer hatte sich mithin um das 2'/zfache, die Höhe der DurchschnittSgehalte um rund das 3V»fache erhöht. Im Jahre 1820 bezog 16,43 Prozent aller städtischen und 66,62 Prozent aller ländlichen Lehrer der alten seit 1814 in Preußen gehörigen Provinzen weniger als 300 Mark Gehalt und noch im Jahre 1861 betrug daS Durchschnittseinkommen in der Stadt 846, auf dem Lande 548 Mark; zehn Jahre später war man auf 1087 bez. 701 Mark gekommen und nach weiteren sieben Jahren waren die oben erwähnten erheblich höheren Ziffern erreicht.

Obgleich der Hauptteil der Lasten für daS Volksschul­wesen von den Gemeinden getragen wird, gebührt daS Ver­dienst um die Besserung der materiellen Lage der VolkS- schullehrer vornehmlich dem Staate, der einerseits auf Ver­mehrung der Schulstellen und Aufbesterung der Gehalte beständig eingewirkt, andererseits von Jahr zu Jahr zu­nehmende Summen auf Zuschüsse, Besoldungen und Ruhe­gehalte an Lehrern und Lehrerinnen verwendet hat. Während der Jahre 1872/73 bis 1882/83 sind aus der Staatskaste an Besoldungen, Zuschüssen und Alterszulagen in Summa 115 589 000 Mk. verausgabt, außerdem aber 2 305 290 Mk. für Errichtung neuer Schulstellen, mehr als 4 Millionen für Ruhegehalte und Unterstützungen an emeritierte Lehrer und Lehrerinnen, endlich nahezu 2 Millionen Mark für anderweitige Volksschulzwecke verausgabt worden.

Diese Ziffern verdienen die ernsteste Berücksichtigung aller derjenigen, welche über mangelhafte Fürsorge und Gleichgiltigkeit der Staatsregierung gegen das Volksschul­wesen reden und so thun, als wäre es dem Fortschrittler-

Der treue Diener.

Humoristische Novelle von Hermann Langer.

mit einem:Zu Befehl, Herr Leutnant!* er blieb stehen, Thränen rollten in den Furchen seines Gesichtes herab und voll Schmerz sagte er:

Herr Leutnant, vom gnädigen Herrn Vater kennen wir daS, haben Sie Mitleid mit mir! Der gnävige Herr Vater haben immer gesagt, Michel, bei solchen Besuchen muß ein treuer Diener alle« wissen; wann wird es s.in?"

So beschäftigt der Geist de« jungen Grafen war, fiel ihm doch die Gesprächigkeit Michel« auf und schon wollte er einen ernstlichen Tadel wegen des Horchens, was Michel sonst nie that, sprechen, da sah er in da« sämerzliche Gesicht deS alten Burschen, er wurde mild gestimmt und sagte:

Laß gut sein, Michel! Bester schnell und ehrlich, al- langsam und schmachvoll. Morgen um 6 Uhr, am Burg­berge; sei pünktlich, daß Dein Herr nicht der Letzte ist.*

Zu Befehl, Herr Leutnant!* brachte Michel traurig hervor und wollte sich entfernen. Kurt aber rief ihm noch zu:

Und hörst Du, Michel, ich will jetzt von niemanden mehr gestört werden.*

Zu Befehl, Herr Leutnant!* sagte zwar wiederum nur Michel, doch Kmt wußte, daß der Weg zu ihm nun­mehr nur über Michel« Leiche gehe.

Kurt kämpfte, während er nun allein war, gar hart; er, so voll Lust zum Leben, mit seinem Herzen, da« so empfänglich war für alle« Schöne und Edle, er halte einen Schlag erhalten, besten Wunden unheilbar waren, dessen Folgen sein Inneres vergifteten. Wem sollte er noch glauben, da Alma log? wem nach vertrauen, da Alma treulos war? Sie aber ist heuchlerisch und treulos, zu klar konnte er ihr abscheuliches Lügengewebe durchblicken: ihm gestand fle ihre Liebe und zugleich schreibt sie an Arnold, pfui! Das Leben, das noch vor einer Stunde ihm

Laut, aber freilich tonlos sagte er:

Das ändert die Sache! Ist Ihre Mission beendet, Herr Hauptmann?*

Warum doch mußte der Hauptmann jetzt weiter sprechen? Und wenn er es that, warum gab er seinen Worten nicht eine milde Deutung? Mußte so traurig, so unglücksschwer sich alles wenden?

Hauptmann Meiführ hatte aber sicherlich kein Ver- siäidnis für den schönen Freundschaftsbund der beiven; sicherlich hatte er kein Verständnis für die Absichten Köpper«, der, um feinen Freund vor einem trostlosen Leben zu retten, einzig verlangte, daß Kurt seine Braut aufgeben sollte; hart aber sprach Meisühr:

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zugelacht und bezaubernd in den herrlichsten Farben ihm die schönsten Bilder gezeigt, war ihm ekelhaft geworden, er wollte eS verlieren, er wird es bestimmt morgen verlieren und wenn er tot, bah I was bann diese erbärmlichen Geschöpfe, die sich Menschen nennen, von ihm denken wer­den, galt ihm gleich, keines GedankeS mehr sind sie wert

Mit diesem Gedanken brachte er es zu solcher Bitter­keit, daß er eS fertig bekam, ohne auch nur von irgend einem Menschen brieflich Abschied zu nehmen, sich zur Ruhe zu begeben und bald einzuschlafen.

Den braven Michel ließ die Sorge um seinen Herrn nicht ruhen, vergebens zermarterte er sein Gehirn, einen Weg zur Rettung zu finden. In seinem Nachdenken störte ihn ein Kellner, der ihm meldete, daß trotz der späten Stunde ein Herr noch den jungen Grafen sprechen wolle.

Freilich hatte dieser Herr nicht die geringste Hoffnung, seinen Wunsch erfüllt zu sehen, aber Michel wollte sich ihn doch ansehen; er folgte dem Kellner und fand o Freude, o Glück! denHerrn Franz*, den Privatsekretär deS alten Grafen. Wie wenig Michel sonst diesen Herrn Franz wegen seiner Achselträgerei leiden mochte, damals wäre er ihm am liebsten um den Hals gefallen, er hatte das unbe­stimmte Gefühl, daß von daher irgend welche Rettung kommen werde.

Herr Franz!* rief er au#.Was bringen Sie?*

Unser alter Graf ist heute trotz Podagra hier ange­kommen, besuchte sofort den Major von Halden und*

Na uns?* fragte Michel, als der Sprecher geheim­nisvoll inne hielt.

Und? Ganz einfach, kam verteufelt wild zurück l Nach dem Briefe des jungen Herrn mußte er glauben, daß dieser bei seiner Liebsten sein »erbe, inzwischen fanb er, daß ber Herr Sohn Lügen geschrieben und wohl deshalb nicht im gewöhnlichen Hotel eingrkchrt ist.* (Fortsetzung folgt.'

nimmt entgegen: ?"}Jrpebition d. Blattes, .bl; edjlnnoncen-Bureaur l°Vd Di-tnch u. Go. in und Hannover; Th.

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t Der preußische Staat uud die Volksschulen.

Es ist nachgerade herkömmlich geworden, die heutige Volksschule als Schöpfung des vorgeschrittenen Liberalismus zu bezeichnen, die Verdienste der Fortschrittspartei um die­selbe bei jeder Gelegenheit zu rühmen und der StaatS- regterung zur Last zu legen, daß sie für diesen wichtigen Zweig des öffentlichen BildnngSwesenS nicht genug gethan, Volksschullehrer vielfach mit einer gewissen Ungunst be­handelt und nicht reichlich genug auSgestattet habe. Seiner Zeit hat man sogar den Versuch gemacht, daS preußische VolkSschulwesen auf Unkosten deS französischen herabzusetzen und unseren Kultus- und UnterricktSministern daS Bei­spiel ihrer französischen Kollegen zur Nachahmung zu em­pfehlen. Beiläufig bemerkt, ist daS zu einer Zeit geschehen, wo in Frankreich immer wieder darüber geklagt wurde, daß eS wegen der ungünstigen materiellen Stellung der Volks- schulledrer an Bewerbern um diese Aemter fehle und daß die Gemeinden vielfach genötigt würden, zu den verpönten geistlichen Schulbrüdern ihre Zuflucht zu nehmen, weil nur diese für die angebotenen, außerordentlich geringen Ge­halte zu haben seien.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u 6e. in Frankfurt a. St; Jäaersche Buchhandlung daselbst; Herrnanfchc Buchhandlung daselbst; gnoalibenbanl in Berlin; SB. Xbiene« in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

Staatssekretär Burchardt glaubt, die Annahme des An­trages nicht befürworten zu können. Deutschland muffe alles vermeiden, was irgendwie einem anderen Nachbar- und Vertragsstaate Anlaß zu Beschwerden geben könnte. Abg. W i n d t h o r st befürwortete eine kommissarische Vorberatung. Abg. D o h rn ist für pure Ablehnung. Die kommiffarische Vorberatung wird abgelehnt. Der Antrag wird in als­baldiger zweiter Lesung abgelehnt.

ES folgt die Beratung de« Antrages des Abg. Koch, den Zoll auf Stoffe, auS denen Salz gewonnen wird, zu ermäßigen. BundeSkommiffar BocctuS bittet um Ab­lehnung des für die Regierung unannehmbaren Antrages, da derselbe eine Benachteiligung der deutschen Salzproduktion zu gunsten des Auslandes involviere. An der Debatte be­teiligen sich die Abgg. Richter und Hammacher, worauf der Antrag an die Budgetkommifston verwiesen wird. Nächste Sitzung morgen.

vom Landtag.

Berlin, den 12. Januar.

DaS Herrenhaus genehmigte die brandenburgische Landgüterordnung in der Spezialdiskusston durchweg nach den Kommisflonsanträgen; die entscheidenden §§ 1 und 2 wurden bei namentlicher Abstimmung mit 63 gegen 53 St. angenommen. Minister LueiuS war wiederholt für die Faffung der Regierungsvorlage eingetreten. Das Gesetz über die hannoversche Kirchenversostung wird ohne Debatte unverändert angenommen.

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71 aber geschah daS Unerhörte, Michel empfahl sich nicht

Vorschriften entgegenstellen.

HIVH Abg. Stolle (Soz.-Demokrat) schildert die Unzuläng- nebtl lichkeit und Mangelhaftigkeit des Hastpflichtgksetzes. Es

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»rf»eint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SomrtagSblatt* durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2/t «stark, durch die Postämter des Deutschen Reiche« 8 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in dar Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

In ber heutigen (31.) Plenarsitzung desReichStags bearündete Abg. vr. Hirsch zunächst eingehend seinen An­trag worin der Herr Reichskanzler ersucht wird, dahin zu wirken, daß diejenigen Vorschriften baldigst ertasten werden, welche nach 8 120 Abs. 3 be« Gesetzes vom 17. Juli 1878, betreffenb die Abänderung der Gewerbeordnung, zu thun- licbfter Sicherheit gegen Gefahr für Leben und Gesundheit der Arbeiter durch Beschluß deS BundeSratS erlasten werden können. Der Antragsteller geht auf die Verhandlungen zy tjlt/ welche über diesen Gegenstand seit dem Erlaß jenes U V) G^ks gepflogen worden und kann in den seitdem ge­machten Erfahrungen in keiner Weise einen Grund erkennen, daß die in Rede stehende wichtige Verordnung auch nach dem Zeitraum von 4 Jahren nicht erlassen ist. Die Vor­kehrungen gegen die Unfälle seien ebenso notwendig, wie die Versicherung gegen Unfälle. Daß solche Sicherheitsmaß­regeln möglich, werde von allen Sachverständigen bestätigt und beweise daS Beispiel Englands. Der Einwand, daß die Industrie diese Lasten nicht zu tragen vermöge, sei nicht stichhaltig, da die Kosten der zahlreichen Unfälle die Aus­gaben für Schutzvorrichtungen überstiegen.

Bevollmächtigter zum BundeSrat Geh. Ober - Reg.-Rat Lohmann wies bei Schluß der Redaktion aus dem Gange und Stande der Verhandlungen, welche die Ausführung des