tat 1 v*
Mr. 8.
tief Qk
JRarßurg, Donnerstag, 11. Januar 1883.
XVm. JlchrgiMg.
lOOil
104)
«
83;
u 11
In »rief.«
- 1
— 1
- St. in
13-17 27—32 56-71
52-67 16—20
n In
■tueiaen nimmt entgegen!
Expedition d. Blatte», so^ed.Annoncen-Bureaux 1 xh. Dietrich u. Co. in fidtL’l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt 11; Saasenstein u. Vogler ,n Zrcnkfurt a- Bl-, Berlin, Bg, Köln ic.; Rudolf Msffe in Berlin, Frank- furt a. M- ic.
(Olinljrfrifdjr Jtitnnj.
Anreißen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von 9 8. Daube u. C« in Frankfurt a. R.; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Aivalidendank in Berlin: D. Thiene# in Elberfeld: 6. Schlotte ix Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirte« E>mmtag«blatt" durch die Expedition (K o ch'sche Guchdruckerei) bezogen 8*/. Mark, durch die Postämter de- Deutschen Reiche- 2 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile !• Psß.
Für in der Expedition zu ertheilende Au-kunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Reichstag.
Berlin, den 9. Januar.
Die heutige (29.) Plenarsitzung deS Reichstags — ble erste nach den Ferien — wurde von dem Präsidenten v.Lev etzow mit dem Wunsche eröffnet, daß das begonnene neue Jahr für den Reichstag, sowie deflen einzelne Mitglieder ein glückliches und gesegnetes sein möge.
Nach Erledigung einer Reihe geschäftlicher Mitteilungen kam die Interpellation Richter (Hagen) und Rickert, betreffend die fernerweite Zulassung der Einfuhr von Produkten der amerikanischen Schweinezucht, zur Verhandlung, nachdem sich das stellvertretende Mitglied deS Bundesrats, Ministerialdirektor Marcard, zur sofortigen Beantwortung derselben bereit erklärt hatte.
Abg. Richter (Hagen) begründet die Interpellation in eingehendster Weise, im wesentlichen die aus den TageS- blättern bekannten materiellen Gründe gegen die Zweckmäßigkeit des Verbotes zusammenfassend, und ging dann auf die Rechtsfrage ein, wobei er dem Bundesräte die Befugnis bestreitet, solche dauernde Verbote zu erlassen.
Ministerialdirektor Marcard, Vorsitzender deS rrsp. BundcsratSausschnsses, entgegnet, daß der bctr. Antrag in demselben noch nicht erledigt sei. . Er zweifle jedoch nicht, daß, wenn der BundeSrat demnächst daS Verbot aussprechen sollte, dem Reichstage nachträglich Kenntnis davon zugehen werde.
Es wurde darauf in die Besprechung der Interpellation eingetreten. Während der Abg- Dr. Kapp die sanitätS- polizeilichen Maßregeln der amerikanischen Regierung als eine genügende sanitätspolizeiliche Sicherheit darzulegcn suchte, erschien
der Reichekanzler Fürst v. Bismarck im Saale und nahm, nachdem er den Abg. Grafen v. Moltke aufs herzlichste begrüßt und eine Weile bei demselben Platz genommen hatte, seinen Sitz am BuncesratStische ein und ergreift alsbald das Wort: Mein Gesundheitszustand gestattet mir nicht, den Ausgang der Debatte abzuwarten. Ich kann nur betonen, daß es sich um eine santtätSpolizciliche Maßregel handelt, daß wir unsere Mitbürger gegen die ausländischen Trichinen ebensogut schützen müssen, wie gegen die einheimischen. ES hundelt sich also einfach um sanitätSpolizeilichc Maßregeln, die für den armen Mann ebenso gellend gemacht werden müssen. Meine Herren I Ich habe etwas ganz Heterogene- mitzuteilen. Ich bedarf Ihrer Unterstützung zu einem Austrage, den ich vom Kaiser soeben erhalten habe; namentlich bedarf ich der Unterstützung eines Teiles von Ihnen. Ich habe nämlich soeben folgende kaiserliche Ordre erhalten: „Auf Ihren Bericht vom heutigen Tage will Ich als Bcihüife zur Linderung des augenblicklichen Notstandes uno um ven Gedanken zum Ausdruck zu bringen, daß das gesamte Reich einen so schweren Notstand einzelner Teile
des Reiche- mitempfindet, au- Meinem Dispositionsfonds bei der Reichshauptkaffe die Summe von fechSmalhundert- taufcnd Mark bewilligen und Ich beauftrage Sie, deren Verwendung mit möglichster Beschleunigung herbeizuführen." (Lebhafter Beifall von allen Seiten.) Fürst Bismarck fährt fort: Es liegen ja Anträge von einzelnen Regierungen bereits vor, die jedoch nicht sofort zu verwirk- lichen sind wegen der Mitwirkung der Parlamente und weil die einzelnen Regierungen die Wiederherstellung des Status quo ante im Auge behalten möchten, also waS man in Preußen früher RctabliffementSgelder nannte. Hier handelt eS sich aber um etwas andere», nämlich um die Linderung der augenblickliche» Not, wofür die vorhandenen oder noch aufzubringenden Mittel bei weitern nicht auS- reichrn. Der Kaiser kann nicht beabsichtigen, mit der jetzigen verhältnismäßig geringen Bewilligung eine durchgreifende Linderung herbeizuführeu, sondern nur die Gesinnung der Nation dahin zu/bethätigen, daß diese mit derselben Teilnahme, wie nächste Nachbarn dies thun, den Unglücklichen beispringen wollen. Die Aufgabe, eine möglichst schleunige Verwendung herbeizuführen, ist äußerst schwierig. Ich möchte nun Vorschlägen, eine Verständigung mit denjenigen Abgeordneten herbeizuführen, welche den überschwemmten Gebieten angehören, und ich möchte den Kaiser bitten, die ganze Summe der Vereinigung dieser Abgeordneten überweisen zu dürfen; aber der von den Herren erlaffenc Aufruf läßt vermissen, daß Abgeordnete au» dem gleichfalls schwer heimgesuchten Elsaß dabei beteiligt sind. Ich möchte die Heranziehung des Einen oder Anderen dieser Herren anhrimgeben. ES ist mir ein Bedürfnis, mit diesen Herren persönlich zu überlegen, wie diese kaiserliche Gabe wirksam und schleunig verteilt werden kann. Ich rechne dabei auf die Teilnahme aller Abgeordneten aus den inundierten Gebieten, ohne jede Beschränkung. Ich möchte diese Herren aus Bay rn, Baden, Württemberg, H-ffen und Preußen bitten, mich heute abend um 9 Uhr zu besuchen und mit mir zunächst vertraulich über die Verwendung zu diskutieren. (Lebhafter allseitiger Beifall.)
Staatssekretär Burchardt Und BundeSkommiffar Wohler widerlegen hieraus einzelne Ausführungen der Abgg. Richter und Kapp, während die Abgg. Barth und Ahlhorn die Interpellation unterstützen. Hierauf wird die Besprechung geschlossen. — Nächste Sitzung am Donnerstag.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Jan. Der Kaiser konferierte nachmittags um l1/« Uhr längere Zeit mit Fürst Bismarck. — Die morgen erwartete Notstand-Vorlage ist den „Berliner Politischen Nachrichten" zufolge ziemlich kurz gefaßt. Die StaatS-
regierung wird darin ermächtigt, bis zum Betrage von drei Millionen Mark zu verfügen, um den im Stromgebiete deS Rheins durch die Hochflut im Spätherbst 1882, beziehungsweise im Winter 1882/83 Beschädigten nach Maßgabe de« nachgewiesenen BedürfnisieS Beihilfen zu bewilligen. Die Unterstützungen find i» 3 Kategorien geplant: 1. an einzelne Beschädigte zur Erhaltung von Hau»- und Nah- rungsstand, 2. an Kommunen zur Wiederherstellung ihrer gemeinnützigen Anlagen, endlich 3. Beihilfe zur Wiederherstellung von Deichen, Dämmen, Ufern, Straßen und Wegen. Die Beihilfen an einzelne Personen und Gemeinden können bis zum Gesamtbeträge von 1200000 Mark ohne GerMr der Rückerstattung bewilligt werden. — In der Prozetzsache gegen Profeffor Mommsen wegen Beleidigung deS Fürsten Bismarck erkannte die vierte Strafkammer des Landgerichts auf kostenlose Freisprechung. Der Gerichtshof sprach bei der Urteilsverkündigung au», er habe der Versicherung des Angeklagten Glauben geschenkt, daß derselbe in seiner Rede daS System, und nicht bestimmte Personen, gemeint habe. —Eine nahezu vier große Druckseiten füllende Petition deS Aeltesten-Kollegium» der Berliner Kaufmannschaft gegen den v. Wedellfchen Börsensteuer-Antrag geht von den Belästigungen und Nachteilen de» bestehenden Börsenstcmpel-GesetzeS an», welche der v. Wedellsche Antrag noch mehr kompliziere, knüpft gegen die bekannte Resolution deS Handelstages zu dem v. Wcdellschen Antrag« an und führt au», daß die von dem Abg. v Weoell vorgeschlagene Besteuerung eine erhebliche Reduktion der Ge- fchäftSschtüffe zur Folge haben müffe und die Verminderung gerade diejenigen Zeitgeschäfte treffe, welche wirtschafÜich von größtem Werte uns infolge der Entwickelung dr» modernen Verkehrsleben» ganz unentbehrlich feien. Die Petition weist nach^. daß nach dem v. Wedellfchen Anträge da» nämliche Geschäft 8—10mal eine Steuer zu tragen habe und da» BankkommisstonSaeschäft und die Arbitrage eine erhebliche Schädigung erfahren würden. Die Petition weist sodann auf die au» dem v. Wedellfchen Anträge für die Landwirtschaft, den Handel und die Industrie erwachsenden Nachteile, son>ie die unausbleibliche Verteuerung de» Gelbe» an der Börse und damit deS Geldstands überhaupt hin. Die Petition erörtert schließlich die Bedenken gegen dir Bestimmungen des v. Wesrlljchen Entwurf» im einzelnen und bittet den Reichstag, demselben die Zustimmung zu versagen. Die Petition ist zugl-ich im Namen dr« deutschen HandrlstageS und von sech-nndsechzig deutschrn HandelSvorständen aller Bundesstaaten unterzeichnet. — Sonnabend nachmittag gegen 5 Uhr wurde, wie schon kurz gemeldet worden, der deutsch-serbische Handels- und der deutsch-serbische Konsularvertrag im hiesigen Ministerium de« Auswärtigen von den Mitgliedem der Kommission unterzeichnet. Gestern sind die serbischen Sprzialdelegierten
Der treue Diener.
6
137
100
Humoristische Novelle von Hermann Langer.
Als er am nächsten Morgen mit ruhigem Blute über- legte, waS ihm widerfahren, folgerte er sehr richtig:
„Da mein Vater durchaus baldigst eine Schwiegertochter haben will und zwar eine ganz genau von ihm selbst bezeichnete, und nun tiefe bestimmte Dame mich — mir selbst ein Rätsel — rein bezaubert hat, so hätte ich, als fine Hauptperson in der Komödie, durchaus nicht» einzu- wendcn; es fragt sich nur, ob auch die Dame, d. h. die zweite Hauptperson, in derselben Lage ist. Da» zu erfahren, ist nun meine Sache. Da ich aber dem lieben, herzigen Kinde viel zu gut bin, um sie ohne ihren Willen zu ehelichen, so werde ich schlau sein muffen, damit ihr dieser Wrlle nicht durch ein väterliche- Machtgebot beigebracht werte, obgleich mir der Vater freilich nicht so auS- sieht; aber bester ist besser, denn in Ehrensachen hört nicht nur die Gemütlichkeit, soneenr auch die Liebe auf. Da NUN aber meine ganze Schlauheit in meiner Ehrlichkeit besteht, will ich, wie es einem Offizier zukommt geradeaus grhen."
Infolge dieser Entschließungen begab sich Kurt so früh, al» es irgend anging, zum Major Ritter Karl von der Holden, mit dem er folgendes Gespräch hatte:
„Herr Major, Winkelzüge lernt ein preußischer Offizier nicht ich gestehe Ihnen daher offen, daß Ihr Fräulein Tochter auf mich einen Eindruck gemacht hat, der nur mit meinem Tose erlöschen wird. Mein Name, mein Stand, Freundschaft, die Sie g'gen meinen Vater hegen, dürften Nfoht für mich sprechen; mein Charakter ließ freilich viel «ichtsinnige-, nie aber Ungeb ühreudeS oder gar Unehren- hssteS zu; wenn Sie zu diesem Vertrauen haben, dann
gestatten Sie gütigst, daß ich da» Wort meine« Vaters einlöse."
Ritter Karl von der Halden war gleich bei den ersten Worten in große Aufregung geraten und hörte kaum, was d:r junge Graf sprach; eS wurde ihm nur klar, daß dieser um Alma, seine einzige Freude, werbe. Nur um etwas zu sprechen und die peinliche Verlegenheit, welche ein längere- Stillschweigen notwendig bringen mußte, nicht aufkommen zu l sten, sagte er;
„Herr Graf, Sie erweisen mir und meiner Tochter eine große Ehre und nur die Rücksicht auf Ihren Herrn Vater veranlaßt mich . . . ."
„Aber bester Majori Der schickt mich ja hierher, er selbst empfahl mir ausdrücklich Ihr Fräulein Tochter!" unterbrach ihn Kurt, der sich plötzlich der leidigen Vergeßlichkeit de« Majors erinnerte.
Dieser aber staunte noch mehr und zeigte die- auch in den Worten:
„Ihr Herr Vater? Weiß er denn, daß —?"
„Er selbst 1 Doch nicht deswegen allein erkühne ich mich, nach so kostbarem Gute meine Hand au-zustrecken; ich hätte den Befehlen des Vater- beharrlich getrotzt, aber Fräulein Alma hat mich besiegt. Allein weil ich dieselbe liebe, innigst liebe, werbe ich um sie und flehe Sie, Herr Major, inständigst um die Erlaubnis an, mich an Ihr Fräulein Tochter bemühen zu dürfen. Doch bitte ich Sie, sagen Sie ihr nicht- von Manne-wort, nicht- von Ehre, nicht« von Pflicht, sie allein soll mich wählen, denn nur, wenn sie au- freiem Willen folgt, kann das Weib, kann Ihre Tochter glücklich werden, soll sie glücklich fein, so wahr mir Gott helfe!"
Kurt hatte immer feierlicher gesprochen, sein ehrliches, treue- Gesicht hatte sich gerötet, seine Augen strahlten in Begeisterung, seine Haltung war achtunggebietend geworden.
- 1 — 1
- 109 HigatW
SU . 10®
Der Major sch freudig auf den jungen Kameraden, der so feierlich für da« Glück seiner Alma einzutreten versprach: einige Worte seine« jungen Freundes waren ihm unklar, aber er fühlte, daß er da» Glück feiner Tochter begründe, wenn er die Bitte derselben gewährte; deshalb sagte er auch:
„Herr Graf, empfangen Sie vom Vater die Erlaubnis, um die Tochter zu werben, und hat Ihnen Alma, wie ich hoffen will, ein reine« Herz geschenkt, bann denken Sie st et- an Ihren Schwur, den Sie gesprochen: „Ama soll glücklich fein, so wahr mir Gott helfe 1“
Im Uebermaß der Freude umarmte Kurt den Major und e» währte längere Zeit, bi« er zu einem ruhigen Gespräch wieder fähig war. Diesen Zeitpunkt wollte der Major benutzen, um sich einige Aufklärungen zu erbitten; aber Alma, die vernommen hatte, daß Graf Kurt Latten bei ihrem Vater sei, ließ sich erkundigen, ob sie stören würde, wenn sie die Dritte im Bunde wäre. Daß sie keine abschlägige Antwort erhiell, wird.wohl kaum besonders hervorgehoben zu werden brauchen.
An den darauf folgenden Tagen wiederholte Kurt seine Besuche im Hause de« Major-, und jedeSmal, wenn er sich auf den Heimweg begab, fand er Alma noch schöner und liebreizender ober er hatte eine bi-her verborgene Tugenb an ihr entdeckt. Auf einem Ballfest, welches an einem der nächsten Tage stattfand und zu welchem die Familie de« Major» und Graf Kurt Latten Einladung erhalten hatten, vollendete sich der HerzenSbund zwischen Kurt und Alma und der junge Graf wußte nux genau, daß feine Liebe zu der Tochter de« Major- erwidert wurde.
(Fortsetzung folgt.)
1
- 61
- 61
53. a
- 29a