• Nr 6
er l
Marburg, Dienstag, 9. Januar 1883.
XVIII. Jahrgang.
fi« so 1 eine
hin
an
toch, fin& I Vi, ?.
bilbtii it=(S Vers«
moe tzuLa bereit •etbrei Hefte«
liv.-d
L_ tu aller sgensti i gei (Lei
i, Steffi ippen je
i auf s nm» (
t, Bo
chway te Fai ermiei
»oh« »ermiei
itfl, leister
m auS ( iflem n @1 erT
Binns prit 1 d. G
u Vil
«n,eigen nimmt entgegen: Spedition d. Blattes, ko die d.Ännoitcen Bureanr o 'ib- Dietrich u. Eo. in und Hannover; Th.
Di trich in Frankfurt a M.; csatifenftein u. Vogler in £rcntfurt a. M., Berlin. Ljozig, Köln ic.; Rudolf Mffe in Berlin, Frankfurt a. dH- ic.
GeWsche ZitW.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b Blattes, sowie d.Annoncen-Bureanx von L. Daube u Co. in Frankfurt a. M ; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlluftrirtk« SomtlagSblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdrucker ei) bezogen 2‘/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche« 2 Stert 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Deutsche- Reich.
Berlin, 6 Jan. Auf das Glückwunschschreiben deS Berliner Magistrats anläßlich deS NeujahrStageS haben Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, sowie Ihre Kaiser!. und Königs. Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin folgende Erwiederungen ergehen (affen: Der Magistrat Meiner Haupt- und Residenzstadt Berlin hat mit dem zur Jahreswende Mir gewidmeten Gruße einen Rückblick auf die Geschicke deS Vaterlandes im ver- fieffenen Jahre verbunden, welcher eine Mich sehr erfreuende Zufriedenheit bekundet. ES ist Mir eine besonders angenehme Genugthuung, daß unter dem Schutze res mit Meiner und Meiner Regierung Hilfe bewahrten Friedens die Wohlfahrt der Nation sich gedeihlich entwickelt hat, in deren Förderung Ich wie Mein unablässiges Streben, so Meine höchste Befriedigung setze. Die Freude hierüber ist leider durch die schweren Heimsuchungen, von denen einzelne Landesteile infolge elementarer Ereignisse in tief beklagenswerter Weise betroffen worden sind, schmerz- lich getrübt; doch zeigt sich auch bei dieser Gelegenheit der oft bewiesene WohlthätigkeitSstnn Meines Volkes, welcher in allen Gauen Meines Landes bestrebt ist, den Notleidenden wirksame Hilfe zu gewähren; Allen voran wetteifert wiederum die Bevölkerung Berlins in der Ausübung werkthätiger Nächstenliebe. Indem Ich dem Magistrate für die Mir und Meinem Hause gewidmeten treuen Wünsche Meinen herzlichen Dank ausspreche, erroiebete Ich dieselben mit der Versicherung, daß Ich den Bemühungen der städtischen Behörden, der wachsenden Bedeutung Meiner Haupt- und Residenzstadt durch die kommunalen Einrichtungen und Anstalten gerecht zu werden, gern Meine unterstützende Teilnahme zuwende. Wilhelm.
Der Beginn eine« neuen Jahres hat dem Magistrat Anlaß geboten, Mich durch ein tief empfundenes Glückwunschschreiben zu erfreuen, wofür Ich Meinen herzlichen Dank um so wärmer aussprechen möchte, als Ich auf die Anhänglichkeit der Vertreter Unserer Hauptstadt gebührenden Wert lege. ES ist Mir schmerzlich an der gewohnten Beteiligung und der Ausübung mancher Thätigkeit vielfach gehindert zu sein, aber Ich verfolge wie sonst die Vorgänge im öffentlichen Leben der Residenz und kann nur dankbar hervorheben, wie der unermüdliche WohlthätigkeitSstnn sich wieder zum Besten einer heimgesuchten Provinz bewährt. Ich wünsche von Herzen, daß daS ausbrechende Jahr die Betroffenen dauernd von der großen Bedrängnis befreie und auf allen Gebieten des Vaterlandes, insbesondere auch für Berlin, segensreich sich erweise. Im gemeinsamen Streben für das allgemeine Wohl mögen wir den neuen Zeitabschnitt antrcten. . Augusta.
Der Magistrat hat in seiner Zuschrift zum Jahreswechsel zunächst der Geburt Meines Enkelsohne« und der
Freude gedacht, welche Seiner Majestät dem Kaiser und König, Seinem Hause und dem ganzen Lande widerfahren. Dankbar bewegten Herzens schließe Ich Mich den guten Wünschen und Hoffnungen an, welchen der Magistrat im Rückblick auf dies frohe Ereignis so warmen Ausdruck gegeben hat. Wenn sodann der Teilnahme freundliche Erwähnung geschieht, welche Ich für die fortschreitende Entwickelung der Hauptstadt in Wohlstand und Gesittung hege, so kann Ich Mir nicht versagen, bei diesem Anlässe auszusprechen, wie Ich der Leitung der städtischen Verwaltung volle Anerkennung für die einsichtige und planvolle Fürsorge zolle, welche sie der körperlichen Wohlfahrt, wie der geistigen und sittlichen Bildung der Bevölkerung widmet. Wo immer Ich Gelegenheit fand, städtische Einrichtungen und Anstalten zu besuchen, haben die wahrgenommenen Erfolge Mich mit lebhafter Befriedigung erfüllt. Möge daS neu beginnende Jahr auch nach dieser Richtung für die Hauptstadt ein glückliches und reich gesegnetes sein.
Friedrich Wilhelm, Kronprinz'
Mit Meinem Danke für die freundliche Zuschrift deS Magistrats verbinde Ich aufrichtige Wünsche für die Hauptstadt und ihr ferneres Wohl. Wenn eS Mich mit Genugthuung erfüllt, auf allen G-bieten des städtischen Lebens nicht nur glücklichen Anregungen, sondern großen und bedeutsamen Fortschritten zu begegnen, so dürfen zumal diej nigen Bestrebungen, welche der Ausbildung deS weiblichen Geschlechtes zu einer nützlichen, auch dem Gemeinwohl ersprießlichen Thätigkeit gewidmet sind, Meiner vollsten Teilnahme stets versichert fein. Victoria, Kronprinzessin.
DaS Glückwunschschreiben des Magistrats an Seine Majestät den Kaiser lautet wie folgt:
Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser, Allergnädigster Kaiser, König und Herr!
Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät unseren ehrfurchtsvollen und herzlichen Glückwunsch darzubringen ist in des Jahres ersten Stunden die hocherfreuende Weihe unseres Thuns! Fürsten und Völker preisen deS Allmächtigen Gnade, die mit dem ehrwürdigen Haupte deS deutschen R iches den Europäischen Frieden schirmt, und deS Vaterlandes treue Söhne danken der Huld deS Himmels, die des Kaisers Kraft und Weisheit duich das abgelaufeue Jahr geleitet, des Kaiserreiches Herrlichkeit gefestigt und gemehrt hat. Euerer Majestät Auge wachte über dem waffengeübten Heer und Millionen rüstiger Hände schufen in friedlicher Arbeit an deS Landes Wohlstand. Hoch- gehender Wasserstuten unabwendbare Schäden wurden vurch umfassende Fürsorge gelindert die Wogen ter kämpfenden Interessen auf dem wirtschaftlichen und dem kirchlichen Gebiet in den Bahnen deS Streites erhalten, der nach dem Besten sucht. Bis zu dem Prinzlichen Urenkel sieht Eure Majestät Ihres Allerhöchsten Hauses Blüte entfaltet, und die Sorge für die hohe Gemahlin wird übertroffen von
der Bewunderung der Geistesstärke, mit welcher Ihre Majestät der Leiden Herr wird. Segen bringend schien Gottes Sonne im verstossenen Jahre auf Euerer Majestät Lebenspsad, Segen brinaend leuchte sie weiter zu der rüstigen Wanderung auf der Menschheit Höhen, der Wanderung, die der Mühe Preis in der Unterthemen Liebe findet! Euerer Majestät getreue und dankbare Hauptstadt richtet ihrer Einrichtungen Maß nach des Reiches wachsender Bedeutung, ihres Strebens Ausdauer nach des Kaisers erhabenem Beispiel: um Euerer Majestät gnädiges Wohlwollen, das sie bisher beglückte, bittet sie unterthänig auch für das angebrochene Jahr!
Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät nnter.hänig, treu gehorsamste
Der Magistrat, von Forckenbeck.
Berlin, 6. Jan. Der Kriegsminister Herr v. Kameke hat in den letzten Tagen wiederholt Vortrag beim Kaiser gehabt. Dieter Umstand wird erklärlicher Weise mit den anderweiten Gerüchten über Vermehrung der Artillerie in Verbindung gebracht. Für diese Absichten ist es sicherlich nicht ohne Bedeutung, daß seit kurzem als Generalinspekteur der Artillerie der Generalleutnant v. VoigtS - Rhetz, bis dahin Inspekteur der 4. Feld - Artillerie - Inspektion zu Coblenz, hierher berufen worden ist. Derselbe hat bereits in seiner früheren Thätigkeit als Direktor deS Allgemeinen Kriegsdepartements im Kriegsministerinn! lebhaft die Notwendigkeit einer Vermehrung der Feld - Artillerie verteidigt und auch im Reichstage sich in diesem Sinne ausgesprochen. Ueberdies ist jetzt auch davon die Rede, daß in nächster Zeit die LandeLverteingungskommisston, in welcher der Kronprinz den Vorsitz führt, die schon vor einigen Monaten hier thätig war, wieder zusammentreten soll. — Der Staatssekretär im Reichsamt deS Innern, Herr v. Bötticher, der erkrankt war, befindet sich auf der Besserung, wird aber noch einige Zeit daS Zimmer hüten müssen. Bei der bevorstehenden Wiederaufnahme der BundeSrats und Reichstagsverhandlungen in der nächsten Woche würde die Abwesenheit deS Herrn von Bötticher sehr schwer inS Gewicht fallen, da der Staatssekretär bei diesen Arbeiten erheblich beteiligt ist. — Zu dem Hinscheidcn deS Generals Chanzy schreibt die „Nordd. Allg. Ztg „: „DaS beinahe gleichzeitige AuSlöschen deS republikanischen Doppelgestirns Gambetta-Chanzy gehört unter jene Schicksalsfügungen, bereit Warum sich dem Erkenntnisvermögen des Menschengeistes entzieht, obgleich ihre weit über das Niveau deS Gewöhnlichen hinauSragende Bedeutsamkeit selbst blöden Augen sichtbar wird. Chanzys militärische Laufbahn ist mit den Geschicken der Republik ebenso innig wie rühmlich verfiochten. DaS Massen - Aufgebot, welches unter AurelleS de Paladine seine erste Probe bestand, sand in General Chanzy ohne Frage seinen leistungsfähigsten und glücklichsten Führer. Während Persönlichkeiten I wie Faidherbe, Bourbaki, Garibaldi rühm- und spurlos von
>erg
Elisat Major hin:
ü Ka! 1883. askend t Vene!
er. wert.
giS, aermit r. 96
„Selbstverständlich, Herr Graf, ist e« wohl, daß Sie während der Zeit Ihres Urlaubs mich so oft besuchen, als Sie wollen. Es freut einen alten Haudegen im innersten Herzen, wenn er sieht, daß die jungen Kameraden ihn nicht
Der treue Diener.
Humoristische Novelle von Hermann Langer.
Schon war daS Mittagsmahl fast beendet, da warf der
vergessen haben."
„Herr Major, das dürften Sie doch von meinem Vater, Ihrem besten Freunde nicht voran«setzen."
„Ganz recht, vergessen wird mich Ihr Herr Papa nicht haben, aber daß er Sie auf mich aufmerksam machte, das freut mich so sehr; eS ist mir das ein Beweis, daß er feinen Groll vergessen hat."
Erstaunt horchte Kurt.
„Davon hat mir mein Vater nicht« mitgeteilt und ich bin der Meinung, daß Sie stet« in ungetrübter Freundschaft mit einander lebten."
„Ah I Hat er Jhnm nicht« erzählt? DaS ist schön, das ist mir der beste Beweis, daß er die alten Geschichten
Schnee wurde unS vom Winde haufenweise in'S Gesicht geworfen, — Kamerad, Himmeldonnerwetter, noch heute fährt das Zauberwort mir in die alten morschen Knochen, unser Blücher ruft: „Nun, will ich mal zeigen, waS vorwärts heißt! Vorwärts, marsch, marsch!" — „Hurrah!" antworten die Bataillone. Ihr Vater nnv ich, beide junge Leutnant«, ihren Zügen voran, fast zu gleicher Zeit — Bombenelement, die Kanonen leuchteten uns prächtig: — erblickten wir eine Bresche in der KirchhofSmauer. „Kameraden, dorthin!" rufen wir beide, mit Hurrah springt Graf Latten auf die zerschossene Mauer, ich ihm nach, werde aber von dem Gewehrkolben eines Franzosen gestoßen, verliere daS Gleichgewicht, halte mich an Latten und ziehe im Falle auch ihn von ter Mauer. Ich bin schneller auf den Beinen als Latten; im Augenblick überspringe ich die Mauer, mein Bursche mir nach, und da indes von mehreren Seiten Preußen eingedrungen sind, werden die Franzosen geworfen. ES war 10 Uhr abends. — Ich erhielt das eiserne Kreuz; Graf Latten verdachte eS mir, er hatte mich im Verdacht, daß ich ihn mit Willen zurückgedrängt. Das war der Dorn an Der Auszeichnung. Doch er hat ja seinen Sohn zu mir geschickt, er sieht sein Unrecht ein, noch einmal so Heb ist mir nun mein eiserner Schmuck. Angestoßen, Kamerad, auf die ruhmreichen Ritter des eisernen Kreuzes, zu denen rühmlich gehören ter alte und junge Graf Latten!"
Hell klangen die Gläser, stolz blickte der junge Graf auf fein eiserne« Kreuz, dem zu Ehren der perlende Wein floß.
Dann aber fragte er:
„Und sollte wirklich mein Vater Ihnen gezürnt haben?" „Ich dachte es, doch ich sehe zu meiner Frende, daß ich mich getäuscht."----------------
„Aber kamen Sie denn nach dieser Schlacht mit meinem Vater nicht mehr zusammen? Sie müssen doch damals noch sehr jung gewesen sein?"
„Blutjung v rrichteten wir Heldenthaten, welche denen des letz'en Krieges, bei Gott! nicht nachstehen. Mit Ihrem Herrn Papa kam ich nach der Schlacht bei Sa Rochiere nicht mehr z isammen; er wurde oder ließ sich vielmehr b Id nachher zu einem anderen Regimente versetzen."
Von nun an war ter junge Graf Latten nicht mehr so lebendig und aufmerksam bei ter Unterhaltung; eS war ihm mit einemmale so manches rätselhaft geworden, waS er sich einzig und allein durch das etwas schwache Gedächtnis des alten Herrn erklären konnte. Beide Herren waren damals ungefähr zwanzig Jahre alt und unverheiratet, weshalb er also noch nicht existieren konnte; sein Vater heiratete erst mit vierzig Jahren, obendrein war er der jüngste Sohn, seine älteren Brüder waren gestorben. Wahrscheinlich hatte auch Ritter von der Halden sehr spät geheiratet; nun wollen diese beiden seit Jahren nicht mehr zusammengekommen sein und doch ihre Kinder miteinander verlobt haben? Es ist doch wirklich fatal mit einem so schwachen Gedächtnis. Kurt nahm sich vor, sich ein solches nicht anzuschaffen.
In seinem Grübeln hatte Graf Kurt Latten eben wieder eine Frage deS alten Major überhört, da flog die Thüre auf und ein Mädchen eilte in'S Zimmer mit den Worten:
„Papachen, ich hab'S nicht anSgehakten, ich mußte noch bei Tage Dein liebes Gesicht sehen, noch bei Tage wollte ich in Deine lieben Augen schauen."
(Fortsetzung folgt.)
nlget »rgii [60
„Sie sollen es wissen, Sie foHen bann urteilen, wer illände> Recht hat. sine ira et Studio! — Also da« war so! ES war bei La Rochiere, zweimal warm von den Franzosen unter Oudiuot Preußen und Russen aus dem Dorfe gedrängt worden, zweimal waren wir unter furchtbaren Kämpfen Herren des Torfes geworden, nur auf dem Kirchhofe hielten die Franzosen. DaeS war stockfinster und btt
ruhen lassen will und et einsieht, daß ich mit Recht vor ihm das eiserne Kreuz erhielt.
- „Wenn es nicht unbescheidm ist, möchte ich ftagen,
en H was den Streit hervorgerufen hat?"