Einzelbild herunterladen
 

XVffl. Jahrgang

Marburg, Sonntag, 7. Januar 1883.

AtthkMk jfitiiiiß

,000,

träges

Krsckeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wSchentlichen BeilageJllustrirte« SoiMtagSblatt" durch die Expedition (K o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 2'/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr.)^Jnsertronsgcbühr für die gespalten- Zette 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Au-kunst und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

UR

trunn.

licet

3

et*

geisterter wurde.

lFortsetzung folgt.)

Kassel n. 1881 tennatra

der bt Streit«! gt habe» »8, dn i Rath be cinzll

che« all! cht, wiri S in bei

[4

g in Nr : zu ver

[4

i 49.

'M vier­kette nter- s Ge- ktors ;rner »eer leits-

:hfol- eten,

kunst gesichert sein. Und auch in der Folge, als der Par­teien Haß und Gunst das Bild ins Schwanken zu bringen drohte, daS die Zeitgenossenschaft sich von Leon Gambetta gemacht hatte, war unS nicht zweifelhaft, daß ein staats­männisches Talent von dem festen Gefüge des {einigen sich allen ihm bereiteten Schwierigkeiten zum Trotz schließlich durchsetzen werde. Wenn in dem verwirrenden Kampfe der Meinungen die Stimme des einen, unbekümmert um seine Gefolgschaft auf dem eingeschlagenen Wege beharrenden Mannes immer wieder zur Geltung kam, so hatte das vor- nämlich darin seinen Grund, daß hinter der Meinung Gam- bettas ein mächtig gebietender, fest auf einen Punkt gerich­teter Wille stand. Einheit de« Wesens und Folgerichtigkeit de« Denkens aber haben zu allen Zeiten den Stoff abge­geben, aus welchem die Geschichte ihre Gestalten formt. Ueber einem Toten, den ein ganzes große« Volk betrauert, prüfend die Waage zu halten, auf welcher alles menschliche Thun gewogen wird, kann unsere, der ehemaligen Gegner, Sache nicht fein. Als Zeitgenoffen aber haben wir das Recht und die Pflicht, mit Zeugnis abzulegen von der außerordentlichen Bedeutung des Mannes, den wir in heißem, ehrenvollem Kampfe kennen lernten und deffen späteren Geschicken wir mit dem achtungsvollen Anteil folgten, den er sich bei Freund und Feind erzwungen hatte. Die Zahl der im preußischen Staate vorhandenen Gericht» - Affefforen betrug nach genauer Zählung am 1. Januar d. I. 714 gegen 612 am 1. Januar 1882, 494 am 1. Jan. 1881, 386 am 1. Jan. 1880, 328 am 1. Januar 1879 und 283 am 1. Januar 1878. Unter den zur Zeit vorhandenen Affefforen sind 2 über 5 Jahre in dieser Stellung, 6 über 4 Jahre, 45 über 3 Jahre und 79 über 2 Jahre. Bekanntlich steht im Abgeordneten­hause eine Anfrage über die Absichten der Regierung be­treffs der Versorgung der emeritierten Lehrer bevor. Wie man hört, liegt der einzige Grund der Verzögerung darin, daß eine solche Vorlage nicht ohne Lehrer-DotationSgesetz herzustellen ist. DaS letztere aber ist in voller Vorbereitung im Kultusministerium; man zweifelt indeffen, daß es mög­lich fein werde, dasselbe noch in dieser Session fertigzustellen. Etwa» Weiteres wird durch die Anfrage schwerlich zutage treten; eS werden deshalb auch Zweifel gehegt, ob man wirklich damit Ernst machen werde.

Berlin, 5. Jan. Der »Reichs - Anzeiger" meldet: Dem Direktor der König!. Staatsarchive, Dr. v. Sybel, ist eer Charakter eines Wirklichen Geheimen OberregicrungS- Rate« mit dem Range ein-S Rates erster Klaffe verliehen worden. Indem dieNordd. Allg. Ztg." Stellen auS einem Artikel derMoSk. Ztg." über denGoloS" und deffen Stellung zu offiziellen Persönlichkeiten des auswär­tigen Ministeriums und anerkannten Organen deS Mini­sterium» wtedergiebt, sagt dieselbe: DerGolos" war seit Jahren als Organ der russischen Regierung bekannt,

Elberfeld: E. Schlotte in Bremen.

rdeS vor d. I. bi ifadeth ufgefüh! en hierzi , Abend Uhr fi Ssaale tiv hi« eien, st :S Herr Vehrdan n 9 uni

$tr treue Diener.

Humoristische Novelle von Hermann Langer.

Erschrocken sprang ein Kellner, der schon lange gehorcht

1011 101 i00 01

101 n5

73

93 IW

91.

63

299

99

21

120 99,

98, 711

'urg, 4.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Jan. DerProv.-Korresp." zufolge hat beim Neujahrsempfange der Kaiser wiederholt die Gelegen­heit ergriffen, die Hoffnung auszusprechen, daß da- neue Jahr, gleich dem verflossenen, für Europa und namentlich auch für unser Vaterland ein friedliche« fein werde. In einem, Leon Gambetta gewidmeten Nachruf sagt dasselbe Blatt u. a.: In die Blätter der Geschichte, welche von unserem Geschlechte handeln, ist der Name Gambetta mit so markigen Zügen eingetragen worden, daß sich sch-n jetzt sagen läßt, derselbe werde den Wechsel der Zeiten Und der Verhältnisse überleben und einen dauernden Platz im Ge­dächtnis der Menschen bewahren. Zu der deutschen Ge­schichte steht dieser Name in so enger Beziehung, daß e» uns näher liegt, als den übrigen Frankreich benachbarten Völkern, Z uznis abzulegen von der außerordenllichen Be­deutung des Zeitgenossen, der am 31. Dezember 1882 ab« gerufen worden ist. Hat eS doch nicht erst der versöhnenden Wirkungen der Zeit und der bewältigenden Sprache deS Todes bedurft, damit wir Deutsche rühmend anerkannten, daß der unerschrockene Patriot, der im Winter 1870/71 die Verteidigung Frankreichs leitete, ein Mann Im vollsten Sinne des Wortes gewesen ist, und daß er eine große und edle Pflicht erfüllte, als er uns die Erfüllung der unserigen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu erschweren suchte. Die deutsche Geschichtsschreibung hat ihre Ehre darein gesetzt, in jeder Rücksicht dem ausgezeichneten Gegner gerecht zu werden, der unter den denkbar schwierigsten Ver­hältnissen den Kampf für die kriegerische Ehre seine« Vater- landes aufnahm, inmitten einer Welt von Hindernissen ungebrochenen MuleS sorlsetzte un? dabei ein Geschick ent« faltete, daS nur von der Energie übertroffen wurde, welche die Trägerin dieses reichen Talents war. So stark war der Eindruck, den daS deutsche Volk von der Persönlichkeit des fianzöfischen LandeSverteidigungS-Minister« von 1870 empfangen hatte, daß daS zu Anfang der 70er Jahre er­folgte zeitweise Verschwinden GambettaS von dem Vorder­gründe der öffentlichen Bühne unS keinen Augenblick In der Ueberzeugung beirrte, einem Manne, der so Bedeutendes geleistet, müsse unter allen Umständen eine bedeutende Zu­

M». 101 i 001 011 C01 00' 011 01 55'.

73 93i te2 98; 62» 74' 68 -6< 97' 19 20 99 97' 711

haben mochte, herbei und fragte:

WaS wünschen der Herr Graf?*

Zwei Flaschen Sekt!"

Der Kellner verschwand und brachte nach kurzer Zeit das V rlangt'.

Kurt trank mit sichtlichem Wohlbehagen den prickelnden Wein, wobei er sich äußerst fröhlichen Gedanken hingab.

Famos, habe mich in einen kostbaren Zorn hinein­geredet, werde unvergleichlich grob fein! Jetzt ist e« 11 Uhr, um 12 Uhr habe ich mich anmelven lassen; wen» nur meine Wut bis dahin nicht verfliegt, ich müßte mir noch einmal eine derartige Bewegung machen, und da« thäte mir Mich ls wegen leid. Aber wa« gäb' e« sonst noch? Halt, ich bestelle mir Wein und werfe diesen samt dem Kellner die Treppe hinunter. Bravo, daS giebt einen gründ Spektakel I"

So saß er in ernster Erwartung, und merkte nicht, wie schnell ihm beim Wein die Minuten entronnen; er war erstaunt, als Michel wieder eintrat.

Schon zurück?"

Zu Befehl, Herr Leutenant!

Mensch!" rief Kurt und wollte sicherlich ht neuen Zorn ausbrechen, doch zuvor fragte er:

Wie spät ist eS?"

Ein Viertel auf Ein«!"

Donnerwetter!" rief Kurt, war aber eigentlich froh, daß er die Zeil versäumt und auf diese Weise von vorn­herein unhöflich war. In Eile rüstete er sich zum Au«-

man müsse deshalb hier die Aeußemngen desGolos" aufmerksam wägen. Dem gegenüber sei eS erfreulich und beruhigend, in einem zweifellos nationalen Blatte, wie die Moskauer Ztg." zu lesen, daß es gegenwärtig Interessen gebe, die nicht russische seien, aber durch russische Zeitungen, wie derGoloS", Unruhe über die Beziehungen Rußlands zu Deutschland verbreiteten. Das Moskauer Blatt sage am Schluffe feines Artikels: Ein Krieg mit Deutschland werde in diesen Blättern als unvermeidlich hingestellt und al« könne er heute oder morgen ausbrechen, obgleich weder von deutscher noch von russischer Seite irgend welche ernste Gründe vorhanden seien, einen Konflikt selbst in ferner Zukunft zu erwarten. DieNordd. Allg. Ztg." teilt diese Ansicht vollkommen und fragt mit dem Moskauer Blatte, in welchem Jntereffe dieser Lärm geschlagen werde. Sie reproduziert die Antwort derMoSk. Ztg.", nach welcher es geschehe, damit Rußland den Weg der polnischen Sprara betrete und selbstmörderische Aenderungen an seinem Bestände vornehme, die angeblich für bie Sicherung Rußland« im Falle eines Kriege« mit Deutschland not­wendig feien. DieNordd. Allg. Ztg." hält es für nütz­lich, daß e« auch in deutschen Kreisen bekannt werde, wie ehrlich russische Organe für die Politik desGolos" und feiner Gönner, sowie über Rußlands Verhältnis zn Deutsch­land urteilen. Jrn freihändlerischen Lager ist man jetzt aufs eifrigste thätig, Stimmung gegen daS Verbot der Ein­fuhr amerikanischen Schweinefleisches zu machen. In einer ganzen Reihe von Blättern figurierte, entnommen einem Artikel derWeser-Ztg." an« der Feder des Hrn. Dr. Barth, auch das Argument, amerikanisches Schweinefleisch sei durch­aus nicht trichinengefährlich, da die ausgezeichnete (?) Pöke­lung desselben die Trichinen töte. Daß alle medizinischen Autoritäten in Deutschland darüber längst einig waren irren wir nicht, hat Professor Virchow selbst die irrige Annahme, als vermöge die bestmöglichste Pökelung die Lebensfähigkeit der Trichine zu zerstören, auf das Eifrigste bekämpft, hat natürlich für freihändlerische Organe, denen eS einmal beliebt, das Gegenteil zu behaupten, nicht die mindeste Bedeutung. Nun ersehen wir au« derNeuen Stettiner Ztg.", einem Blatte streng freihändlerischer Observanz, also gewiß nicht verdächtig, gegen amerikanische Speckseiten tendenziös eingenommen zu sein, die Resultate der Trichinenuntersuchung im Polizet-Direklionöbezirke Stettin. ES wurden 1882 untersucht 9842 einheimische Schweine, von denen 4 als trichinös befunden wurden, also etwa 1 Schwein auf je 2460 demschen Ursprungs war trichinnös. Dagegen wurden untersucht 8755 Seiten amerikanischen Specks, von denen nicht weniger als 318 mit Trichinen behaftet waren, also war eine Speckseite auf je 28 ameri­kanischen Ursprung« trichinös. Dasselbe Resultat etwa ergab da« Vorjahr 1881, in dem von 9992 untersuchten deutschen Schweinen 10 trichinös waren, während von

Alle Postanstalten nehmen auf da« mit dem 1. Januar begonnene 1. Quartal der

Merhesfischkn Zeitung

und deren Gratisbeilage

JllrrMerteS Sonutagsblatt

noch Bestellungen entgegen.

Wandkalender für 1883

wird gratis nachgeliefert.

Die Expedition der Oberhesf. Ztg.

Herr Major, ich darf mir nicht erlauben, Sie länger Ihrer Zeit zu berauben."

Ach, lassen Sie die Redensarten! Ein pensionierter Offizier hat viel übrige Zeit, sie ist gut angewendet, wenn er sie im Umgänge mit jungen Kameraden verbringt. Wissen Sie, Graf, stoßen wir der Welt zum Trotz die ganze Etiquette über den Haufen und feien Sie mein Gast zu Fisch und Brod!"

Als Kurt zögerte und leise etwas von Gemahlin und Tochter einwarf, da glitt eS wie tiefer Schmerz über das Gesicht deS Majors.

Traurig erwiderte der Major seinem Gaste:

Meine gute Frau hat ihren Posten verlaffen, Gott hat sie abgerufen vor kurzer Zeit."

Als er ober bemerkte, wie unangenehm eS seinem Besuche war, unbewußt eine so traurige Erinnerung an­geregt zu haben, da sprach er munter:

Und meine Tochter Alma hab' ich verbannt, sie war zu angegriffen von dem vielen Schmerz, ich hab' sie auf« Land geschickt, erst heute am Abend kommt sie wieder. Da leb ich denn vollständig frei und ledig; also eingeschlagen Sie bleiben hier, helfen mir alten Kerl die Stunden bi« zur Ankunft Almas abkürzen."

Kurt war es zufrieden und bereute e« nicht, geblieben zu sein, denn die lebensvollen Schilderungen au« dem frü­heren KriegSlkben, denen solche aus der Gegenwart entgegen­gestellt wurden, die Vergleiche de« KriegSleben« von sonst und jetzt, die Heldenthaten unsere« glorreichen Herrscher­hauses boten des Anziehenden so viel, daß keinen Augenblick die Unterhaltung stockte, sondern immer lebhafter und be»

liutigen nimmt entgegen:

Expedition d.Blatte-, s-wie d.Annoncen-Bureanx L xh. Dietrich n. Co. in a'afftt und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; Haasenstein u- »agier in Frankfurt a. Ad, Berlin, Leipzig < Köln Rudolf Moise in Berlin, Frank­furt a. M ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von S 8. Daube u. C«. in Frankfurt a.M; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung

gang und, sei e«, daß er sich hinreichend zornig glaubte, sei eS, daß er dieses notwendige Requisit vergaß, er machte keinen neuen Lärm.

AIS er mit militärischer Schnelligkeit sich zum Besuche gerüstet hatte, fragte er:

Brief bestellt? Wo wohnt der Herr Major?" Leipzigerstraße Nr. 17, erste Etage I Die Drofchke wartet unten!

@ut gemacht, mio Angelo!"

Die Droschke brachte in kurzem den Grasen an Ort und Stelle, woraus letzterer die Stiege hinauf eilte. Freund­lich empfing ihn in der Wohnung ein liebenswürdiger alter Herr, bei dessen Anblick Kurt sich sofort gestehen mußte, daß er um keinen Preis der Welt im stände wäre, auch nur im mindesten unhöflich zu sein; so freundlich ihn auch die klaren blauen Augen begrüßten, so imponierte ihm doch do« schneeweiße Haupt, der Ernst und die gebietende Hal­tung des Ritters von der Halden. Zudem fühlte er sich zu dem Greise eigentümlich hingezogen, daß et schon nach wenigen Minuten ihn fast lieb hatte.

Außer dem Major befand sich niemand zur Begrüßung deS jungen Grafen im Zimmer und wollte der letztere auch ärgerlich werden, daß die Tochter, seine projektierte Braut, er mußte lachen bei diesem Gedanken so wenig Notiz von ihm nahm, so vergaß er doch bald seinen Aerger über die anziehende Unterhaltung, die der Major führte und angenehm zu beleben wußte.

Kurt wäre gar gern noch länger geblieben, der Alte war ein zu prächtiger Herr, aber die Gesetze de« Anstandes bulbeten kein längere« Verweilen: er wollte sich empfehlen, doch erstaunt hieft ihn Ritter Karl von der Halden zurück.

Was, Sie wollen schon fort, junger Feund?"