XVHI. Jahrgang
Alarburg, Sonnabend, 6. Januar 1883.
Tagest» Ä.
igen nach Sonn- und F-i-rtag-n. Preis für d°« Quartal mit der wSchrntlichrn Maae die Witt-n («och'sche
«ark, durch di- Postämter bei Deutschen Reiche« 8 Mark 50 Pf«. (ejcl- Bestellzebühr.)—Pnsertwi^gebühr für die gespaltene Zette 10 Pf«.
Für in der Expedition |u erthettende »uSkunst und Annahme von Adressen werden 85 Pf». verecyner.____
Jim
Iman
auf so
die Wi
hergest«
chätzlen
bürg,
idervi empfif
für ni iso nim «eiusbt
u Kass an. 1881 i0 in in Märchv Orpheus i
merma«
Ztm« im ovei u M.
.. äkrftai oezogen 8‘A
HD, < n brfii !er «er
i
tnttlel.
rtuben s- w.
Gambetta« die republikanische StaatSform Frankreich» schwächen und einem monarchischen ThronprStendenten da» Wagnis «leichtem würde, Frankreich wieder in ein Kaiserreich oder in rin Königtum zu verwandeln. Indessen haben wir keine Ursache, an eine rasche Entwickelung der inneren Poillik Frankreichs in dieser Richtung zu glauben, denn der republikanische StaatSgrdank« besitzt bet den Franzosen doch noch die meisten Anhänger und in einem Grevy, Freycinet, Leon Say, Ferry, Brisson, Clemenceau und den namhaften republikanischen Mehrheiten dn beidm Kammem auch reale Stützen, die bonapartistischen und legitimistischen Verlockungen müssm daher in Frankreich bi- auf weiteres auf einen ziemlich unfruchtbaren Boden fallen. Auch fehlt e» zur Zeit den monarchischen Parteien Frankreichs vollständig an einer imponierenden Persönlichkeit und von einem Prätendenten L la LouiS Napoleon werden sich die Franzosen wohl nicht gleich wieder in ein trügerische« Kaiserreich, welche« da« Gegenteil von dem dem Lande bereitete, was e« versprochen hat, leiten lassen. Fast scheint eS auch, al« wenn sich alle einflußreichen Persönlichkeiten Frankreich« bemühten, nur den Friedensgedanken Achtung zu verschaffen, denn seit dem Tode GambettaS ist die französische Rente bedeutend gestiegm, und so hoffen wir, Frankrerch künftig aufrichtig friedliebender seine Politik betreiben zu sehen. __________________________________
1101
1101 lOO .01 101
65 73 »3
103 91, 62 75
68 300
SS 20 120 991
und deren Gratisbeilage
Illustriertes SonntagSblatt
*«l».
1011 1001
1011 1C01 100s
1011 101
661
73.
93t
102*
98,i 621 74> 681
998' - 97
218
120
97* 711
noch Bestellungen entgegen.
Wandkalender für 1883
wird gratis nachgeliefert. c _
Die Expedition der Oberhess. Ztg.
Alle Postanstalten nehmen auf da« mit de« 1. Januar begonnene 1. Quartal der
SberheMchen Zeitung
Caserni vroeg. »gis, i vermielh tr. 96.
2 Der treue Diener.
Humoristische Novelle von Hermann Langer.
IL
Graf Kurt Latten war in der Residenz angekommen, hatte am ersten Abend in fröhlichem Jubel im Kreise lieber Kameraden den Zweck seiner Reise zu vergeffen gesucht und befand sich am nächsten Morgen im Zustande — einegrauenhaften Katers.
Das aber war ihm — wa« sonst wed« der junge Gras, noch überhaupt ein anderer Sterblicher gerade zü den Freuden t eS Lebens zählt — an diesem Tage merkwürdiger« weise äußerst liebt. Kurt philosophierte:
„Golt sei'S viel tausendmal gedankt, daß ich einen so exorbitanten Kater habe, d« mich jedrSmal zu dem hnr- lichsten Grobheiten befähigt! Prachtvoll! — Heute mache ich meinen ersten Besuch, selbstverständlich fabelhaft langweilig, — beruht auf Gegenseitigkeit, kleine Malicen, — werde moralisch gebeten, die Thüre vom Hausflur zuzumachen u. s. w. Herrlich I* .
Und während er nun den Glockenstrang ergriff uud
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux oen®. L. Daube u C» in Frankfurt«. M;Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; SB. Thienes in Elberfeld; E Schlotte in Bremen.
nach dem Takte läutete, sang er:
„Ach, das Gold ist nur Chimäre, „Und die Liebe nur ein Wahn!"
Schon während des Läuten« war Michel eingetreten und hatte an der Thüre stehend gemeldet:
„Guten Morgen, H«r Leutenantl Befehlen d« Herr Leutenant?" . .
Ab« erst nachdem jenes klassisch-rührende Lied beendet, wandte er sich an seinen Burschm und sprach mit kostbarem Humor: , . . ___„
.Saae mir. Carissimo mio Michaelo Angelo, kannst
1 Du lesen?"
Frankreich «ach dem Tode «ambetta».
Wohl streiten sich Freunde und Feinde über Ruhm und Tugenden deS verblichenen Gambetta, üb« ein« ist aber schwerlich zu streiten: Die Rolle GambettaS war zu seinen Lebzeiten noch nicht al« leitender Staatsmann und Herrscher auSgespielt, er verstand zu warten, vorzubereiten und aus Mißerfolgen Lehren zu ziehen, ja n übte auch, obgleich er weder Minister noch Kammerprüfldent war, aus das gesamte politische Leben Frankreich» noch immer einen, hervorragenden Einfluß, er war Oberhaupt der mächtigsten Partei und wichtig und intereffant muß deshalb die politische Weiterentwickelung Frankreichs nach dem Tode Gam« bettas sein, Am wichtigsten für un« natürlich, wa« die auswärtige französische Politik anbekifft. Denn so flüssig und beweglich auch die französischen Zustände meistenteils waren, so wurde doch Gambetta fast allenthalben als der feste Punkt, als der Mann der Zukunft Frankreich» betrachtet und ist die» schon allein dadurch hrrvorgegangen, daß alle auswärtigen Sendboten, mochten sie nun anS Rußland, Italien, Spanien, Serbien oder Rumänien kommen, mit Gambetta in Unterhandlungen traten, am deutlichsten zeigte sich dies während des Aufenthalte« der Sendlinge des Panslavi«mnS in Paris, dn Generäle heilsam Skobeleff, Abrutscheff und Jgnatirff, die alle drei mit Gambetta einen intimen Verkehr pflegten. Diese« Anziehungspunkt für die östlichen Kriegsparteien ist nun aber 8rüst in Frankreich nicht mehr vorhanden, de«halb ist auch »nboi Frankreich, so lange nicht rin neuer gewaltiger Staat«mann nd Söhl dessen Zukunft in den Händen hält, noch weniger bünd- eit, Bt nisfähig geworden al« es bisher war, und die gesamte europäische Lage kann dadurch verändert werden, ja man kann sagen, daß die FrtedenSpartrien in allen Ländern aus lange Zeit hinan« die Oberhand behalten werden und daß sich vor allen Dingen auch Frankreich unter diesen Mächten befinden wird, wa« zu Lebzeiten GambettaS, b« sich durch seine ganze Vergangenheit für die Revanche engagiert hatte, nicht der Fall war.
Viel, sehr viel wird nun allerdings in dieser Beziehung von der ferneren Gestaltung der inneren Politik FrankrrichS adhängen. Da» Schlimmste wäre offenbar, wenn der Tod
indem sie schreibt: „Wie wir zu gewiß allseitiger Befriedigung mitteilen können, hat der in einem Berichte unseres gestrigen Blattes enthaltenen Voraussetzung, daß seit der Anwesenheit deS Herrn Minister« v. Puttkamer am Rhein die Notleidenden aller Unterstützung seitens der königlichen Regierung entbehrt hätten, ein Irrtum zu Grunde gelegen. Der Minister hat glrich, nachdem er vom Rhein nach Berlin zurückgekehrt, dem Herrn Oberpräsidenten der Rhcinprovinz den Betrag von 500000 Mk. zur Verfügung gestellt, um auS demselben geschwenkweise Beihilfen für die Beschaffung von Unterkunft, Ernährung und Bekleidung der von der WasserSnot Heimgesuchten, sowie für die Reinigung und Desinfektion der überschwemmten Wohnstätten zu gewähren. Jenen Betrag hat der Oberpräsident auf die betroffenen Regierungsbezirke verteilt, und eS sind darauf durch die Landräte und Bürgermeister entsprechende Summen den notleidenden Gemeinden znzewiesen worden. Während verschiedene Städte, wenigstens früher, auf jede Beihilfe dieser Art verzichtet haben, ist den übrigen Gemeinden auf den von ihm n gestellten Antrag die erbetene Summe, In manchen Fällen ein höherer Betrag sofort gewährt worden. Die Behörden werden, wie wir vernehmen, auch fernerhin fortfahren, helfend einzutreten, wo nur Hilfe verlangt wird." Anständigerweise müßten alle Blätter, welche den Angriff der „Köln. Ztg " wiedergegeben und zumeist sehr gehässig kommentiert haben, wenigstens auch die Berichtigung de» rheinischen Blatte« reproduzieren; nach früheren Erfahrungen ist aber dafür nur geringe Aussicht' vorhanden und vielmehr 10 gegen 1 zu wetten, daß die Vernachlässigung der überschwemmten Rheindistrikte ein oppositioneller MythnS wird, an deffen Wahrheit und Berechtigung die Verbreiter schließlich selbst glauben. Immerhin bleibt eS von Wert, die Entstehung und Begründung derartiger Anschuldigungen in ihren ersten Stadien zu konstatieren. — Die rheinische Notstandsvorlage wird eben so wie seinerzeit die oberschle- fische die erforderlichen Mittel auS einer Anleihe decken. — Am kommenden Dienstag resp. Mittwoch werden der Reichstag und da« Abgeordnetenhaus ihre Arbeiten wieder aufnehmen. Ein zwischen den Präsidenten de« Reichstag« und de« Abgeordnetenhauses verabredeter Arbeitsplan besteht, dem Vernehmen nach, bislang nicht. Die „N. Pr. Ztg." ist der Ansicht, daß ein solcher auch um deswillen nicht wohl aufgestellt werden könne, weil von einer Teilung der disponiblen Zeit zwischen beiden Körperschaften überhaupt nicht wohl die Rede sein könne. Wenn bisher die Ansicht allgemein verbreitet gewesen, daß das Abgeordnetenhaus nach den W-ihuachtSferien zunächst zur Erledigung oer ersten Beratung der VerwaltungSreformgesetze nur zwei Plenarsitzungen abhalten und dann den Schwerpunkt seiner Arbeit in die Kommissionen verlegen werde, damit dem Reichstag zur zweiten Beratung deS Etats die nötige Zeit für Plenarberatungen bleibe, so scheine diese
„Vater, hier vor der Welt klage ich Dich an, daß Du mir diesen Menschen zum Mörder meiner Jugend gesandt."
Dann sah er gelassen auf seinen Diener und fragte: „Liebster Michel, ich bitte Dich bei allem, wa« Dein dummer Schädel verehrt, gestehe mir, kannst Du lesen?"
„Zu Befehl, Herr Leutenant," antwortete der Gefragte. Wieder sandte der Leutenant einen Blick voll Ergebung zur Decke und sagte dann mild:
„Nun denn gräulicher Dummkopf oder was Du sonst bist, dann befehle ich Dir, das Adreßbuch nachzuschlagen, befehle Dir, nachzulesen, wo der Major außer Diensten Ritter Karl von der Halden wohnt, befehle Dir, diesen Brief hier an die gelesen- Adresse abzugeben, befehle Dir, Dich zum Teufel zu scheren, befehle Dir, Dich zu morden, — Dich — Dich--—!"
Der Graf war aus dem piano unbemerkt zum forte g kommen und am Ende seiner Rede zum fortissimo angelangt, zugleich hatte er einen zweiten Stiefel ergriffen und in dem Augenblicke, al« Michel, der die talentvolle Vorbereitung zum Kampfe wohl bemerkt una sich rückwärts konzentriert hatte, in dem Augenblicke, als Michel rechtzeitig zur Thüre hinausschlüpfte, flog der Stiefel donnernd an diese.
Sofort riß Latten wieder an der Glocke; al« sich ab« an d« geöffneten Thür wied« da« dumme Gesicht Michels zeigte, schrie «:
„Wahnstnnger, der Kelln« l"
Zugleich warf n den ganzen Frühstücksapparat an die Oeffnung der Thür, daß die Trümmer der Geschirre prasselns und tanzend im Zimmer hernmflcgen.
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
Berti», 4. Jan. Der Reichskanzler Fürst Bismarck begab sich gestern nachmittag 4 Uhr znm Kaiser und arbeitete, wie die „Magdeb. Ztg.- meldet, mit diesem, wie man deutlich vom Denkmal Friedrich des Großen au« bemerken konnte, gemeinschaftlich im sogenannten Minister- limmct an einem Aktenstück. Erst nach einer Stunde kehrte der Fürst wieder in sein PalaiS zurück. — Am 5. d. M. wird unter dem Vorsitze de« Oberpräsidenten der Rheinprovinz eine amtliche Konferenz unter Teilnahme von Kom- missarien der Reffortminister zu dem Zwecke stattfinden, um unt« Zugrundelegung der inmittelst gesammelten Nachrichten über den Umfang dir durch die jüngsten Ueb<st- schwemmnngen angerichteten Schäden die Vorbereitungen für die dem Landtage der Monarchie zu unterbreitenden Vorschläge wegen Gewährung vön StaatShilfe für die heim- gesuchten Landesteile dem Abschlüsse entgegenzuführen. — Der OppositionSpreffe war in einer Notiz der „Kölnischen Leitung" willkommene Veranlaffung geboten, die Regierung mangelnder Vorsorge für die Ueberschwemmten am Rhein zu bezichtigen, und liefern die heutigen Morgenblätter interessante Belege für da« Raffinement, mit welchem eine gestnnungStüchlige Opposition auS jedem Härchen einen Strick für die Regierung zu drehen versteht. Inzwischen hat die „Köln. Ztg." selbst schon in ihrem gestrigen Abendblatt ihre unbegründeten Beschwerden zurücknehmen müssen,
„Zu Befehl, Herr Leutenant!"
„Ja, Teuerster, hi« kann ich nicht befehlen; Du mußt schon die ungeheuere Freundlichkeit besitzen, mir entweder Ja* ober „Nein" zu antworten."
„Zu Befehl, Herr Leutenant!"
„Liebster Michel, sei nicht so entsetzlich dmnm! Antworte, kannst Dn „Ja" sagen?"
. „Zu Befehl, Herr Leutenant l*
Schon lange war die humoristische Stimmung de» jungen Grafen in eine bedenklich zornige Übergegangen, die letzte Antwort de« braven Michel brachte ihn ab« völlig an» Rand und Band.
„Heiliger Brahma, Josef und Nepomuk! tief er. „Michel, ich morde Dich, sage sofort „Ja" oder sonst bringe ich Dich um!"
»3« Befehl, Herr Leutenant l antwortete Michel mit d« Ruhe eine« Helden.
„Mensch, Unmensch, wahnsinniger Michel, „Ja sollst Du sagen, kein Wort mehr!" schrie Kurt, ergriff einen Stiefel, d« ihm g«ade handgerecht stand und warf ihn nach dem Kopf Michel». i
Der aber, wahrscheinlich hinlänglich bekannt mit dieser Waffengattung und zugleich «schrockm über daS eigentümliche Verlangen seine« H«rn, rief brüllend:
„Zu Befehl, H«r Leutenant, ja, ja, ja!
Dabei parierte er so geschickt den Stiesel, daß dieser krachend ht den hohen, schönen Spiegel traf, deffen Trümmer nun klirrend und klingend zur Erde fielen. ~ ,
Vernichtet blickte Michel auf die glitzernden Trümmer, in denen sich höhnisch He Sonne spiegelte, getraute sich ab« nicht, seine Stellung zu v rlaffm; vetzwelflungSvofl ab« sah Gras Kurt zur Decke empor und rief:
1‘i'i “Sä?® . sh. Dietrich u. E». 'affrl und Hannover; S .L | Mrich in Frankfurt«!! K. Maasenst-'" wVogter ’ a. M , rveri
Wn . G , «öl" ic.; «ubvM Hark Ku9 in Berlin, Frank.
furt a. Ak ic-