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XVIII. Jahrgang.

Marburg, Freitag, 5. Januar 1883.

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bet Hochflut heimgesucht. Weißenfelb ist vollstänbig über­schwemmt unb einzelne tiefer gelegene Felber flnb in be- beutenber Höhe mit Sand bedeckt. Böschungen unb Ufer­wege zu Bayenthal unb Robenkirchen, welche seitens ber Bürgermeisterei Ronborf mit großen Kosten hergestellt, wurden, haben sehr stark gelitten. Man giebt bie Schädi­gungen nicht nur der Hochflut, sondern auch dem Umstande schuld, daß Dampfboote noch bei hohem Waflerstande ge­fahren seien.

Mülheim, 2. Jan. Trübe und regnerisch ist das neue Jahr hereingebrochen und hat einen unheimlichen Schatten auf unsere Festesfreude geworfen. Der erste Morgen blickte hier auf abermals 6- bis 7000 Einwohner hernieder, welche in ihren umfluteten Wohnungen mit stiller Wehmut der Zukunft entgegensetzen. In einem Hause der Dammstraße wohnen z. B. auf der ersten Etage nicht weniger als 69 Personen, darunter 48 Kinder. Mehrere Familien hatten sich auch auf dem Speicher da­selbst wohnlich eingerichtet (dabei eine Wöchnerin, deren Mann in trunkenem Zustande stch auf dem Master umher- trieb) und hausten dort in feuergefährlicher Weise. Die gerufene Feuerwehr löschte die Oefen und brachte die Dach- bewohner in eine der Notwohnungen nach Buchheim. An demselben Nachmittag wurde die Feuerwehr noch einmal alarmiert, um einen Kamin- und Dachbrand in der AndreaSstraße zu bekämpfen. In der Danzigerstraße mußte vorgestern ein erst vor einigen Jahren neuerbautes HauS, welches einzustürzen drohte, polizeilich geräumt und in der Dammstraße zwei gestützt werden; dafelbst fiel auch eine Gartenmauer zusammen. Gestern nachmittag glitt ein ehemaliger Müller, welchen die Neugierde auf den hohen Damm der Köln-Mindener Eisenbahn geführt hatte, in die Fluten hinab und erttank. Einige Minuten später fand man bie Leiche und brachte biese nach ber Totenkammer deS Krankenhauses. Traurige wie freubige Familien« Ereigniste werben jetzt nur per Nachen besorgt. Einen unheimlichen Anblick gewährte an ben beiben letzten Aben- ben die Beförderung mehrerer Verstorbener bei Fackelschein; bagegen nahmen stch mehrere Nachenfahrten zur Kinbtaufe sehr hübsch auS. Unsere Stabtbehörbe ist unermüdlich in ihrer Thätigkeit und sorgt mit Aufbietung aller Kräfte für die betroffenen Bürger. Der Herr Bürgermeister geht, wie immer, mit bewunderungswürdigem Beispiele seinen Beamten voran bei der Rettung der Gefährdeten unb bei ber Abweichung von Mangel unb Not. ES sind ber Per­sonen nicht wenig, welche die Milbthätigkrit in Anspruch nehmen, ohne biese nötig zu haben; Personen, bie daS Hochwasser sich zu nutze machen, um Mitleid zu erregen und auf bequeme Art und in oft unverschämter Weise Gaben zu sammeln. Da ist eS keine kleine Aufgabe, bie wirklich Bebürftigen unb bie verschämten Armen heraus-

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Latten, bet gute Kerl,« so bachte er,fährt so ungern in bie Resibenz, unb ich kann es ihm schließlich nicht ver- benten. Wie wenn ich eine Pflichtheirat schließen sollte, ich mit meiner innigen Liebe zu ihr, mit einer Liebe, welche so wnnberbar zart ist, daß ich sie selbst durch das Ge­ständnis meinem Herzensfreunde gegenüber zu entweihen fürchtete. Auch sie, oie Holde, muß jetzt in der Residenz sein; doch wie ist mir denn? Gott!«

Und todesbleich blieb er mitten auf der Straße stehen.

Sagte nicht Kmt etwas, daß die Väter stch das Wort gegeben, die Kinder zu verheiraten? Mein Gott l Und hat mir nicht ihr Vater ähnliches gesprochen? Sollte das Schicksal so niederttächtig sein, mir Liebe unb Freund auf einmal zu rauben? Es wäre entsetzlich! Ich habe eS mir geschworen, als ich an jenem Abend beseligt war von ihrem ersten Liebeskuh, daß, wer herantritt an sie, ein Kind des Todes fein müsse, der Hölle zum Trotz!«

Und sollte mein bester Freund mich an meinen Schwur mahnen? Entsetzlich! Gewißheit kann ich jetzt aber nicht erhalten, ein Brief an Kurt könnte mich lächerlich machen, doch auf seinen ersten Brief, der mir den Namen feiner Braut nennt, will ich alles bekennen; ich hoffe, nur mir zur Strafe.«

Als könnte er diesen Brief nicht erwarten, eilte Arnold von Köpper in seine Wohnung unb schrieb an Graf Kurt Latten; er teilte ihm seine Gedanken mit und bemerkte zum Schluß:

Ich habe diese Zellm in der ersten Aufregung nieder­geschrieben, damit sie Dir ein treue« Bild meines Innern geben: erst wenn ich näheres über Deine Brant erfaßen habe, erhältst Du diesen Brief.« (Fortsetzung folgt )

i Der treue Diener.

Humoristische Novelle von Hermann Langer.

Das schöne Gesicht des jungen Offizier- war hierbei so traurig geworden, so traurig auch klangen seine Worte, daß sein Kamerad teilnahmsvoll seine Hand ergriff und ihn trösten wollte, doch der junge Gras »ehrte ihn ab unb fuhr bann fort:

Du weißt, mein Vater hält auf diesen Tölpel Mchel große Stücke unb hat ihn mir al- Schutzgeist mit auf ben Lebensweg gegeben. Wenn ich nun auch gestehen muß, daß Michel als Bursche unbezahlbar ist, so stnd doch seine Ge­danken und Thaten rühmlichst bekannt als die größten Verrücktheiten. Du weißt, daß er höchst eigenhändig unseren Wallonen fast die Treppe hinunterwarf, al- ich einmal nicht zu Hause sein wollte; Du weißt, daß er der Gräfin Blyl ins Gesicht sagte, sie sei eine dumme Gan«, bie nie daran denken dürfe, meine- Vater- Schwiegertochter zu werden; stadtkundig sind unzählige seiner Heldenthaten. Die Krone seiner Heldenthaten ist aber, daß er meinem Vater geschrieben hat denke dieser Esel schreibt daß ich nun heiraten will!«

Ja, wir wollm heiraten!« bezeugte Michel.

Schweige!« donnerte ihm Köpper entgegen.Tage mir, Latten, wie kann diese- Kameel sich nur so etwa» unterstehen?«

Die Sache ist diese: Al- mein Vater mit den Michel al- Dorn auf den rosigen Pfad meine- Beben» mitgab, sagte er zu ihm: Mchel, solltest Du einmal merken, daß Kurt heiraten will, so mußt Du mir sofort schreiben! 9U8 nun in voriger Woche dreimal der Braten verbrannt war, meinte ich zu diesem Unmenschen:Michel, wir wer* ben heiraten müssen, um zu unserer Ordnung zu tommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Jan. Gestern nachmittag fand beim Prinzen 'und der Prinzessin Wilhelm in Potsdam ein Botschafter- Diner statt. Auf ein vomNationalen Landesverein für das Herzogtum Gotha« an den Reich-kanzler abgesandtes Schreiben ist folgende Zuschrift eingetroffen: An» der ge­fälligen Zuschrift vom 21. v. M. habe ich den Fortschritt der Organisation der gemäßigten Parteien auf dem Wege der S3erein«bihung mit Befriedigung ersehen. Nach seinen Statuten geht der Verein ron der Ueherzeugung au«, daß durch die Politik der Fortschrittspartei die Erstarkung de» Reiches in der Gegenwart gehemu-t und seine Zukunft ge­fährdet werde. Ich teile diese Ansicht und freue mich über jeden Beweis der gleichen politischen Erkenntnis und der Entschloffenheit zur Verteidigung unserer durch fortschritt­liche Politik gefährdeten nationalen Errungenschaften. Ew. Hochwohlgeboren und allen an der Zuschrift beteiligten Herren danke ich verbindlichst. v. Bismarck. Graf Wimpffen, der österreichische Botschafter in Paris, der sich In so ausfälliger Weise erschoß, hat hier, wo er von 1866 bis 1869 Gesandter war, ein gute« Andenken zurückgelassen. Die meisten Ansichten vereinigen sich dahin, daß er die unselige That in einem Anfall von Geistesstörung vollbracht habe. Der Staatssekretär deS Auswärtigen Amts, StaatS- minister Graf v. Hatzfeldt Wildenburg, ist von seinem kurzen Urlaub zurückgekehrt und hat die Geschäfte wieder über­nommen. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 14. v. MtS. eine Eingabe wegen Einführung einer dem Dezimalsystem entsprechenden Einheit bei dem Papierhandel dem Reichskanzler überwiesen. Wie verlautet, ist man in bundesrätlichen Kreisen der Ansicht, daß e« sich empfehlen würde, überhaupt die Verpackung und Berechnung der Waren nach Dutzend und Groß fallen zu laffen und die­jenige nach dem Dezimalsystem, nach welchem unser Münz- system eingerichtet ist, einzuführen. E« fragt stch nur, ob die Neuerung auf tem Wege der Gesetzgebung oder durch Einwirkung der Handelskammern im Wege der Verein­barung unter den Fabrikanten rc. einzuführen sein möchte. In bundesrätlichen Kreisen ist man nicht geneigt, den Weg

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Michel grinste mich an, verschwand und drei Tage später bekam ich einen UkaS von meinem Alten:Lieber Sohn, mein Kriegskamerad von anno fünfzehn hat eine Tochter; ich habe Dich; wir haben vor Jahren einen Pakt gemacht, Euch zu einem Ehepaare zu machen u. f. w. u. f. w.« Alle Bitten und Vorstellungen war vergeblich.Heiraten mußt Du doch einmal, alfo halb!« war die Entgegnung auf meine Bitten. Da foll ich nun die Dame heiraten, von deren Existenz ich bis dato noch nichts ahnte. Wahr­haftig, ich möchte diesen Wurm, diesen Michel zertreten!«

So verzweifelt auch Rurt feine merkwürdige Liebes­geschichte erzählte, so vermochte Arnold von Köpper doch nur mit Mühe da« Lachen zu unterdrücken; um diesem zu entgehen, warf er hin:

Laß fein! Vielleicht, nein sicherlich ist Deine Braut schön und liebenswürdig!«

Und ich sage Dir, wettn sie ist, wie weilanb VennS Amathusta, mir wirb sie ein Gräuel fein!«

Weitere «uSeinanberfetzungen schnitt da« Zeichen zur Abfahrt ab, nicht einmal den Namen ber Braut mehr konnte Arnold von Köpper erfahren, denn in dem Gewirr und Gestoße verklangen alle Fragen. Aber beim Waggon noch ergriff dieser bie Hand des scheidenden Freundes und flüsterte ihm zu:

Wenn Du meine Rose stehst, Sag, ich last' sie grüßen!«

Dabei betonte er da» Wörtchenmeine« so eigentüm­lich und legte überhaupt so viel Gefühl in die Verse, daß der Freund überrascht auffah unb um Erklärung bitten wollte, aber ein markerschütternder Pfiff, ber Zug setzte sich in Bewegung.

Nachdenklich ging Arnold von Köpper zur Stadt zurück unb überdachte, wie so merkwürdig doch bie Lose fallen.

Alle Postanstalten nehmen auf da» mit dem 1. Januar 'gcnnene 1. Quartal der

MerheMchkn Zeitung

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noch Bestellungen entgegen.

Wandkalender für 1883

wird gratis nachgeliefert. ,

Die Expedition der Oberheff. Ztg.

liueifltn nimmt entgegen: Expedition b.Blatte«, foaneb.jlmwncen.Bureaui ' 2h. Dietrich u. Co. in «aff 4 und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; Laasenstein u. Vogler m i. Jffurt a. Bl., Berltn, G, Köln k.; Rudolf Me in Berlin, Frank- furt a. Bl. K-

ßtrfibeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirte« SmmMg-blatt« durch die Expedition (Koch'sche ' Buchdrucker7i) be,°gen 8*/* Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) -^Jnsertronsgebahr für bte gespaltene Zelle 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft unb Annahme von abreffen werben 85 Pf«, berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expebition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von <8 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalideudankin Berlin; W. Thiene« in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen-

der Gesetzgebung zu betreten. In dem neuesten Beiheft zum Amtsblatte des Reichspostamts wird über die deutsche Reichspost im Jahre 1881 ausführlich berichtet und dabei festgestellt, daß ein Verkehraufschwung, wie er in dem ge­nannten Jahre zur Erscheinung gekommen, seit einem Jahr­zehnt nicht zu verzeichnen gewesen ist.Die natürlichen Gründe für die gewöhnliche Verkehrssteigerung«, heißt es dann weiter,liegen bekanntlich in der Zunahme der Be­völkerung, den wachsenden LebenSbedürfniffen derselben und in der weiteren Ausbildung deS Postbetriebes Bei der erfreulichen VerkehrSzunahme im verfioffenen Jahre wird aber noch die günstigere Gestaltung der allgemeinen Ge­schäftslage als von wesentlichem Einfluffe mit in betracht zu ziehen sein.« Hierauf werden die weiteren Verkehrs­erleichterungen erwähnt, so die Erweiterungen auf dem Gobiete der Paketbeförderung im internationalen Verkehre, der Bücherpostsendungen, die Errichtung neuer Postanstalten n. s. w. Die höchste Steigerung in der absoluten Zahl der beförderten Gegenstände zeigte sich bei den eigentlichen Briefen, nämlich um 32 Millionen oder 5,6 Prozent, die höchste relative Steigerung bei den Warenprvbesendungen und zwar um 16 Prozent,ein Beweis für die wesentliche Brffernng der Zustände in Handel und Industrie.« Der Hiloerh. Ztg.« wird mitgeteilt, daß der ReichStagSabgeord« ntte für Göttingen, Herr v. Adelebsen, schwer erkrankt und wenig Hoffnung auf Genesung vorhanden ist. Ein Schlag­anfall, welchen derselbe am Freitag erlitt, hat die rechte Seite gänzlich gelähmt. In Kreisen des Herrenhauses verlautet, wie dieVoff. Ztg.« schreibt, daß die von der Kommission zur brandenburgischen Landgüterordnung mit so großer Mehrheit angenommenen Beschlüffe bezüglich der Ausdehnung des Jntestatrecht« vom Plenum des Herren­hauses mit Majorität abgelehnt würden. Für diese Ab­lehnung der Vorlage der Kommission wird die gesamte sogenannte Mittelpartei und ein Teil der rechten Seite stiutmen. In der letzten Zeit ist e» fast immer eingetreten, daß die Beschlüffe der Kommission, welche dort den Bei­fall der Regierung nicht fanden, vom Plenum verworfen wurden, wie z. B. bei der Frage deS dauernden ober ein­maligen Steuererlasse».

Oldenburg, 2. Jan. In der Sylvesternacht ist hier der Prinz Ysenburg, langjähriger preußischer Gesandter am hiesigen und gleichzeitig auch am Braunschweiger Hofe, gestorben.

k , Köln, 3. Jan. Der Rhein fällt langsam weiter, um 1 Uhr heute nachmittag zeigte der hiesige Pegel 8,71m. In unserem Nachbarorte Rodenkirchen ist die Not wieder groß. Nur den Anordnungen de» Bürgermeister- von Rondorf, sowie der energischen Hülfeleistung de- Militär» ist e« zu danken, daß da- Unheil nicht bedeutend größeren Umfang genommen hat. Gegenwärtig stnd 81 Häuser von

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