Einzelbild herunterladen
 

XVffl. Jahrgang

Marburg, Donnerstag, 4. Januar 1883.

narke:

Nr-2

OdchkMk Jfitiiiio

»rsLeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnst^rt^ eorm^rgSblatt" durch die Expedition^(Koch'sche Buchdrucker ei) bezogen SV. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (excl. Besteägebtchr.) —^nsertror^gebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. J ® ’ 8 u Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pfg. berechnet.

Ader

3

mitte«-

. $01

[398

1 Uhr hatten unter Führung des Reichskanzlers Fürsten Bismarck die aktiven Staatsminister die Ehre des Empfanges. Wie in früheren Jahren hatte sich auch gestern der Präsi­dent des evangelischen Kirchenrates dem Gesamtministerium angeschlossen. Nachmittags l‘/2 Uhr hielten dann zum Schluß die Botschafter Oesterreich-UngarnS, Graf Szechenyi, Italiens, Graf Launay, Frankreichs, Baron de Courcel, Englands, Lord Ampthill, und zuletzt der Türkei, Saadullah Pascha, in ihren Staatskarossen ihre feierliche Auffahrt. Der Botschafter Rußlands, von Saburow, welcher um diese Zeit mit seiner Familie gewöhnlich in Petersburg sich auf­zuhalten pflegt, war von dort noch nicht zurückgekehrt. Jede der empfangenen Gruppen war hocherfreut über das Wohlbefinden deS Monarchen, dem man nichts von der Un­päßlichkeit der letzten Tage anmerkte. Das Publikum, welches trotz der nebeligen Witterung bis zum Schluß am Nachmittage Zeuge der glänzenden Ausfahrten gewesen war, brachte Sr. Majestät dem Kaiser, sobald Allerhöchstderselbe am Fenster sich sehen ließ, enthusiastische Huldigungen dar. Se. kaiserl. und königl. Hoheit der Kronprinz fuhr am Nachmittage, nach beendeter GratulationS-Kur, wieder bei den Botschaftern und den Generalfeldmarschällen vor, um, wie alljährlich, aus Anlaß des Jahreswechsels den Glück­wünschen Ausdruck zu geben. — Nach Mitteilungen aus militärischen Kreisen hat Se. Majestät der Kaiser beim gestrigen Empfange der Generalität in Einzelunterhaltung Seine Zuversicht in die Erhaltung des Friedens auch in diesem Jahre ausgesprochen. — Se. kaiserl. und königliche Hoheit der Kronprinz beehrte am Sonntag Abend den Reichs­kanzler mit einem längeren Besuch.

Gietzeu, 31. Dez. Die öffentlichen Blätter melden von einer Petition, welche die Direktoren von 60 Real­gymnasien bei dem königlich preußischen Unterrichtsmini­sterium cingcreicht haben, um die unbeschränkte Anstellungs­fähigkeit der pro facultate geprüften Realschul-Abiturienten zu erlangen. Die Angelegenheit, die damit berührt ist, geht nicht Preußen allein, sondern auch die Nachbarländer an, in welchen nach seinem Vorgänge Realschulen I. Ord­nung eingerichtet und, gleichfalls nach seinem Vorgänge, die Abiturienten dieser Schulen zur Lehramtsprüfung ii Mathematik, Naturwissenschaften und neuern Sprachen zu­gelassen sind. Zu diesen Ländern gehört auch Hessen- Darmstadt, nur daß hier zwischen den Kandidaten der ge­nannten Fächer ein sehr bedeutsamer Unterschied gemacht wiro. Di jenigen Realschul-Abiturienten, nämlich, welche neuere Sprachen als Hauptfach studiert haben, müffeu sich, bevor sie zur Lehramtsprüfung zugelassen werden, einer nachträglichen Reifeprüfung im Lateinischen, Im Griechi­schen und in der Geschichte unterziehen, von welcher nicht entbunden werden kann. Die Frage, ob diese Nachprü­fung fortbestehen soll oder nicht, hat schon zu anfang dieses Monats di- hiesige akademische Prüfungskommission zu einem amtlichen Schritte veranlaßt, dessen Zeitgemäßheit durch jene Petition der Herren Realschul-Direktoren in sehr

„Mein besorgter Vater hat mir gegen meinen Willen diesen Urlaub ausgewirkt, damit ich nach der Residenz fahre. Schon diese Thatsache müßte Dir beweisen, daß meine Reise keine angenehme ist. Dann aber ist die Reis« auch das Werk meines Schutzgeistes, genannt Michel, — das heißt also, sie ist eine kolossallc Dummheit, ein Hohn auf die menschliche Vernunft."

„Ueber den ersten Grund erlaube ich mir natürlich kein Urteil; was aber den zweiten anbelangt, so bin ich voll­kommen geneigt, Dir beizupflichteo," entgegnete Köpper. „Doch Du hast mich neugierig gemacht, darf man den Zweck Deiner Reise erfahren?"

„O ja, 0! ich werde mich verheiraten," antwortete Graf Kurt Latten mit einer Stimme, als rede er über einen Pistolenschuß.

Arnold von Köpper glaubte nicht recht gehört zu haben; lauter fast, als es der Anstand erforderte, fragte er:

„Heiraten? Du? — Latten heiraten? Alle Wetter, wollte sagen, alle Achtung I Wen? Wann? Warum hast Du dies keinem Kameraden, warum nicht einmal mir gesagt?"

„Ich habe Dich eben gebeten hierher zu kommm; Dir wollte ich eS sagen, die reine Wahrheit, alter Freund 1 Wir haben ja nie Geheimniffe vor einander gehabt, seit unsere Freundschaft am Tage von Gravelotte ihre Weihe erhielt und wir vereint uns das eiserne Kreuz erkämpften. Dir also will ich mein Leid klagen; bereite Du die Kameraden vor, Du wirst es mit dem richtigen Takte thun."

(Fortsetzung folgt.)

erwünschter Weise bestätigt wird. Der Gedanke, von dem dabei ausgegangen ward, ist dieser: Die Beantwortung der Frage nach Ausdehnung oder Beschränkung der Be­rechtigungen der Realschulen I. Ordnung und ihrer Abi­turienten sollte nicht länger durch die Rücksicht auf das Sonderinteresse dieser letztem in dem Maße beeinflußt werden, wie das bisher geschehen ist. Es sollte vielmehr, und zwar entscheidend, die Rücksicht auf das Wissenschaft« liche Studium der Mathematik, der Naturwissenschaften und ganz besonders der neuern Sprachen ins Gewicht fallen, und deshalb jedem ferneren Schritte in dieser Sache vorangehen eine vollständige und authentische Prüfung der Ergebnisse, welche die seit zwölf Jahren bestehende Zu­lassung der Realschul-Abiturienten für den akademischen Unterricht in den genannten Fächern gehabt hat. Nach zwölf Jahren vielseitigster Erfahrung — die Zahl der auf Universitäten studierenden Realschul-Abiturienten ist ja be­kanntlich eine sehr große geworden — würde es sich nicht mehr um Annahmen von mehr oder minder theoretischem Charakter, sondern um Thatsachen handeln, deren Beweis­kraft für oder wider von niemand würde angefochten werden können. Wie aber ließe sich eint Erhebung dieser That­sachen am sichersten und raschesten erreichen? Wir meinen, der einfachste Weg wäre eine Examinatorenkonferenz ans den wissenschaftlichen Prüfungskommissionen derjenigen deut­schen Staaten, in welchen die Realschul-Abiiurienten die genannten Berechtigungen genießen. Die akademischen Exa­minatoren der Mathematik, der Naturwissenschaften und der neueren Sprachen sind fast immer auch die Lehrer der Kandidaten gewesin, die sie zu prüfen haben, und zwar in der Regel während einer Reihe von Semestern: folglich muff n sie, zumal da in den genannten drei Fächern der Seminar- und Laboratoriumsunterricht überall vollständig ausgebildet ist, von der Vorbildung und den Leistungen ihrer Schüler eine Kenntnis haben, wie sie außer ihnen kein Mensch besitzen kann. Und mit Anführung dieser ein­fachen Thatsache ist die Unentbehrlichkeit ihres Zeugnisses für die hier vorliegende Frage, wie uns scheinen will, ge­nügend dargethan. Die Herren Petenten, die ja sämtlich erfahrene Pädagogen sind, werden selber auf Vernehmung dieses Zeugnisses den größten Wert legen müssen; fällt eS zu ihren Gunsten aus, so haben sie mehr gewonnen, als mit jahrelanger Agitation ihrerseits erreicht werden kann; fällt «S aber zu ihren Ungunsten aus, so werden sie selbst nicht wollen, daß ihrem Gesuche auf Kosten der Wissen­schaft gewillfahrt werde. Schließlich sei unS eine einfache Frage gestattet. Ueber die Zulassung der Realschul-Abi- turienten zum Studium der Medizin sind im ganzen deut­schen Reiche außer den medizinischen Fakultäten auch die Aerzte befragt worden, und ihre Antwort ist bekannt. Wird man über die beste Vorbildungsweise der künftigen Lehrer an unfern höhern Schulen endgültig entscheiden wollen, ohne die akademischen Lehrer dieser Lehrer gefragt zu haben? (Köln. Ztg.)

ffraß-

mtüti eslao* chreibez d bist«, ßufte«, ferfeit, »ruß: katarri 6L - ,im!- niinge» I Tunk, lng deS rsburg k, 1,75 Beutel lben in [3320

„Oh Du!" rief der erste Offizier, Graf Kurt Latten. „Nenne diesen Tölpel nicht mit so zärtlichen Namen, denn ihm verdanke ich diese jammervolle Reise."

„Zu Befehl, Herr L.utenant, jammervolle Reise!" be­kräftigte Michel.

.Michel, thu' mir den Gefallen und halt's Maul!" be­fahl Graf Latten so zärtlich komisch bittend, daß der andere Offizier, Arnold von Köpper, laut auflachte; dann aber sagte er:

„Ich bitte Dich, Latten, warum so verzweiflungsvoll? — Mensch, sechs Wochen Urlaub! In Worten geschrieben: sechs Wochen Urlaub, sechs Wochen befreit von dem An blick unseres Wallonen, befreit, um in der lustigen Residenz ein gottvolles Dasein zu leben, schlafen zu können, so lange Du willst, — doch ich rede mich in Wut; das aber ser Dir nur gesagt, Du verdientest sechs Wochen lang Stuben­arrest!" r

„Bah! lieber Köpper, Du sprichst genau so, wie unser Wallone vom Sekt, den er nicht leiden kann, beni er trinkt ihn nicbt, weil er ihm bekanntlich zu teuer ist. — Ich reife dienstlich."

Zu Befehl, wir reisen dienstlich!" bestätigte Michel, wurde aber nicht beachtet, denn voll Staunen wiederholte Köpper:

„Dienstlich? — Ich denke Du hast Urlaub?"

„Zu Befehl, wir haben Urlaub 1" antwortete Michel für seinen Herren, der ihn aber unzärtlich zur Ruhe verwies.

„Halte gütigst Dein Maul, lieber Michel!" sagte er und erklärte dann der »ameradm:

Alle Postanstalten nehmen auf das mit dem 1. Januar begonnene 1. Quartal der

Merhesstschen Zeitung

und deren Gratisbeilage

JlluftritttteS Sonutagsblatt

noch Bestellungen entgegen.

Wandkalender für 1883

wird gratis nachgeliefert. c

Die Expedition der Oberhess. Ztg.

Mtueisen nimmt entgegen • ^Expedition d. Blattes, f omie d.Annoncen-Bureaux ' xh. Dietrich u. Co. in und Hannover; Th.

D^rrich in Frankfurt a M.; tzaasenstein u. Vogler in Aj-nkfurt a. M., Berlin, U-zjg. Köln k.; Rudolf ffljffe“in Berlin, Frank- ® " furt a. M- re.

Lnzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoneen-Burenux oon ® L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; Jbaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank m Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

che dlung.

»,Gt befind, Brrs!

ür mi< > nimu insber [1

mann

ität und [3346

age ltd, >5, n hoch , sowie rn jedek

halben - Aus sofort

woselbst Flaschen cn, sind

h und [3605 Sie, ■ Jta- wirklich en.

t durch

ndlung

Deutsches Reich.

Bertt«, 2. Jan. Gestern, am Neujrhrstage, empfingen die kaiserlichen Majestäten die Beglückwünschenden in aller­bestem Wohlsein. Trotz des nicht besonders günstigen Wetters hatte schon von 9 Uhr morgens ab vor dem königlichen Palais ein zahlreiches Publikum, aus allen Ge­sellschaftsklassen bestehend, Chain« gebildet, welches mit der fortschreitenden Tagesstunde immer mehr anwuchs und mit lebhaftem Anteil den Vorgängen des TageS folgte. Mit der Auffahrt der Mitglieder der königlichen Familie in ihren zweispännigen Gala-Equipagen nahm di« Gratulationskur bei den kaiserlichen Majestäten ihren Anfang. Allerhöchst- dieselben empfingen zuerst um 9® 4 Uhr die Beglückwün­schungen der kconprinzlichen Familie und sämtlicher Prinzen und Prinzessinnen des hohen Königshauses. Unmittelbar darauf begaben die Allerhöchsten und die Höchsten Herr­schaften sich vom königlichen PalaiS aus tu den Dom. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin dagegen fuhr zur Bei­wohnung des Gottesdienstes nach der Kapelle des Augusta- Hospitals. Nach der Rückkehr deS Kaisers und der Kaiserin in das königliche Palais wurden zunächst die Hofstaaten zur Beglückwünschung empfangen, worauf nach der ParoleauS- gäbe die militärische Gratulation folgte. Die Paroleausgabe hatte um 11* 2 Uhr im Kastanienwäldchen int Beisein deS kommandierenden Generals, deS Gouverneurs und des Kom- maubanten, der Generalität und Admiralität Berlins, sämt­lich im Parade-Anzuge mit großen Ordensbändern, und in Gegenwart aller hier anwesenden fremdherrlichen Osfizrere rc stattqefundcn. Se. Majestät der Kaiser empfing um 12 Uhr die aktiven und die zur Disposition stehenden Generale, sowie die Obersten, welche Genei alsstellungen bekleiden, und die Kommandeure der Leibregimenter und Leibkompagnien. Wie in früheren Jahren, so hatte auch gestern wieder mit der Generalität der Kronprinz sich eingefunden. Ebenso war mit dieser Gruppe der Vorstand der Geheimen KriegS- kanzlei, Oberst Brix, erschienen, um Sr. Majestät dem Kaiser die neueste Rang- und Quartierliste zu überreichen. Se. Majestät der Kaiser war aus seinem blauen VortragS- zimmer in den Kreis der Versammelten getreten und hatte dann deren Glückwünsche mit herzlichen Worten erwidert Um 12*/, Uhr erschienen zur Gratulation die hier anwesen­den landsässigen Fürsten und deren Gemahlinnen, und um

[Nachdruck verboten !

Der treue Diener.

Humoristische Novelle von Hermann Langer.

L

In zehn Minuten geht der Zug nach der Residenz ab. In den Wartezimmern deS Bahnhofes herrscht daS er­müdende Toben der Reisenden, das ängstliche Besorgen der letzten Anfträze, das bald schmerzlich«, bald fröhliche Abschiednkhmen. ,, ...

Unbekümmert um all' die« Gewirr, abseits vom größten Gedränge mit entsetzlich gelangweiltem Gesicht sitzt mißmutig ein junger, schöner Offizier, zu dessen jugendlich frischem Gesicht der Mißmut gar nicht paßt; solche Gesichter sieht man lieber in tollster Jugendlust und verwegenem Trotze, als so gleichgültig gegen die ganze Welt.

Hinter dem Stuhle deS Offiziers steht dessen Diener, der — das Ideal eines Dieners — die Gefühle feines Herrn teilt, wenigstens bemüht er sich auf das eifrigste genau so trüb drein zu sehen, wie sein Herr; daß sein gutes, dumrneS Gesicht sich hierbei zu den lächerlichsten aller menschlichen Gesichter verzerrt, weiß natürlich der Brave nicht und ist sichtlich cntrüstet, als jetzt ein zweiter Offizier ihm auf die Schulter schlägt und mit herzlichem Lachen frigt:

„Gott soll mich bewahren! Michel, Du philosophierst doch nicht etwa?"

Und zu seinem Kameraden gewandt, fuhr « fort:

„Guten Morgen, Latten, wär« schon längst an Dich herangetreten, aber das tief philosophische Gesicht Deines Schutzengels mußte ich längere Zeit von fern betrachten,

l es war xu wunderbar."