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den lautesten und beredtesten Apostel gefunden hatten. Vor dem Jahr 1883 sind nun beide aus dem Leben gerufen, Skobelew und Gambetta, die Träger der Idee einer russisch- französischen Allianz gegen Deutschland sindnichtmehr.
Nachstehend teilen wir noch, nachdem wir gestern daS Ableben GambettaS in einem Extrablatt unseren Lesern mitteilen konnten, tie letzten Telegramme über denselben mit:
Paris, 31. Dez., abends. Ueber das Befinden Gam- bettas verlautete heute nachmittag, die äußere Entzündung scheine sich zu verlieren, gleichwohl gelte die Notwendigkeit eines operativen Einschreitens nicht für ausgeschlossen.
Paris, 31. Dez., abends 11 Uhr. Die Aerzte GambettaS, die erst um 7 Uhr abendS Ville d'Avray verlassen hatten, wurden um 9 Uhr abends wieder dorthin berufen, weil sich der Zustand GambettaS verschlimmert habe.
Paris, 1. Jan., nachts 12 Uhr 30 Min. Der Zustand GambettaS hat sich wesentlich verschlivimcrt, cs wird der Eintritt einer Krisis als nahe bevorstehend angesehen.
Paris, 1. Jan., früh 5 Uhr. Gambetta ist um Mitternacht gestorben.
Paris, 1. Jan., morgens. Gambetta war bis zu seinem Tode bei vollem Bewußtsein. Der Todeskampf währte 2 Stunden. Spuller, Etienne und Br. Fienzal waren zugegen.
Paris, 1, Jan. GambettaS Tod erfolgte nach Aussage der Aerzte durch eine Zersetzung des Blutes und ein Gerinnen desselben im Herzen, welches Ersticken herbeibeiführte. Heute früh wurde eine Totenmaske GambettaS angefertigt; die Leichenschau soll morgen stattfinden. Wie es heißt, wird die Beisetzung auf Staatskosten erfolgen.
Halle a. S., 28. Dez. Der akademische Senat hat beschlossen, die 400jährige Wiederkehr des Geburtstages Luthers am 10. November 1883 in würdiger Weise zu begehen. Als Nachfolgerin der Wittenbergischen Universität fühlt sich die Universität Halle-Wittenberg dazu besonders aufgefordert. Eine aus 5 Mitgliedern des Professoren- KollegiumS bestehende Kommission ist beauftragt worden, dem Senat Vorschläge für diese Feier zu machen. Unter dem Vorsitze des Rektors der Universität ist die Kommission bereits zusammcngetreten und über die ersten vorbereiteten Schritte schlüssig geworden.
Heidelberg, 31. Dez, 11 Uhr 7 Min. vorm. Der Personenzug, der um 5 Uhr 10 Min. morgens von Mannheim kommt, stieß infolge falscher Weichenstellung innerhalb der Bahnhofes auf eine wasserfaflende Maschine, wodurch 5 Personen (2 Passagiere und 3 Bedienstete) glücklicherweise nur leicht verletzt wurden.
Vambetta tot.
Am Neujahrsmorgen brachte der Telegraph'Zzie Nachricht von GambettaS Tod. Derselbe war am 30)Oktober 1838 in Cahors geboren. Nachdem er Jurisprudenz studiert hatte, ließ er sich 1859 in Paris als Advokat nieder. Bei den Nachwahlen zum gesetzgebenden Körper im Jahre 1863 beteiligte er sich zum erstenmale an der politischen Agitation und zwar im Sinne der republikanischen Partei, in der er sich bald neben Favre, Cremieux u. a. bemerklich machte und Geltung verschaffte. Die Baudin-Affaire, in welcher er als Verteidiger auftrat und dabei daS Kaiserreich rücksichtslos angriff, begründete seinen politischen Ruf. Im Jahre 1869 wurde er von Paris (Belville) und Marseille in den gesetzgebenden Körper gewählt, wo er durch seine Kühnheit und schneidige Beredsamkeit unter den Unversöhnlichen am meisten sich hervorthat. Die Art der Kriegserklärung im Jahre 1870 tadelte er, aber er stimmte für die verlangten Kredite. Nach der Schlacht von Sedan und der Gefangennahme Napoleons half er die Republik proklamieren und übernahm in der Regierung der Nationalverteidigung das Ministerium des Innern. Als Paris belagert wurde, delegierte ihn die .'Regierung nach Tours, um dort die Weiterführung des Krieges zu organisieren. Gambetta verließ Paris in einem Luftballon und gelangte glücklich nach Tours, von wo er einen Widerstand gegen die Invasion der deutschen Heere ins Werk setzte, wie ihn die Geschichte nicht leicht zum zweitenmale aufweist. Bei den ErgänzungSwahlen im Juli 1871 nahm er wieder ein Mandat an und übernahm die Führung der äußersten Linken, von wo aus er allmälig bis zur Führung der gesamten republikanischen Partei vorrückte. Der Staatsstreich Mac MahonS am 16. Mai 1877 veranlaßte Gambetta, alles aufzubicten, um die republikanische Majorität der au gelösten Kammer wieder wählen zu lasten. Wegen seines bekannten Wortes „se soumettre ou se demettre" wurde er zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt, aber die Regierung wagte es nicht, das Urteil ausführen zu lassen. Gambetta behielt Recht, die republikanische Majorität kehrte zurück und der Marschall mußte sich unterwerfen. Ein Jahr darauf erhielt auch der Senat eine republikanische Majorität, der Marschall dankte ab und Gröoy wurde Präsident der Republik. Jetzt wurde Gambetta zum Präsidenten der Kammer gewählt, nachdem er schon mehrere Jahre lang als Präsident der Budgetkommisston einen großen Einfluß auf alle öffentlichen Angelegenheiten auSgeübt hatte. Dieser Einfluß steigerte sich von jetzt ab so sehr, daß Gambetta sich schließlich gezwungen sah, auch die Verant- Wörtlichkeit für seine Macht zu übernehmen. Nach den Neuwahlen vom Herbst 1881 übernahm er daS Ministerium. Aber schon nach 2 Monaten sah er sich genötigt, zurück- zutrcten. ES hatte als Bedingung der Durchführung seiner Reformen die Annahme deS ListenskrutiniumS aufgestellt, und dieses wurde ihm von der Kammer verweigert. Seither hielt er sich zurück, ließ aber durch seine Freunde seinen Nachfolger Freycinet unablässig bekämpfen und als dieser gestürzt war, gewann er wieder Einfluß im Ministerium Duclere, in welchem GambettaS Freunde verschiedene Ministerien inne haben. Eine offizielle Stellung bekleidete er in der letzten Zeit nur als Vorsitzender der Milttärkom- mission. Seinen Arbeiten und Plänen auf diesem Felde setzte der Tod ein Ziel.
Mit Gambetta ist der hervorragendste Politiker Frankreichs aus dem Leben geschieden, rin Mann von gewaltiger Leidenschaft und gewaltiger Kraft, der berufen schien, noch eine große und entscheidende Rolle in der Geschichte feint» Landes zu spielen; ob aber eine heilsame, das war die bedeutungsvolle Frage, deren Beantwortung der Tod abgeschnitten hat.
Gambetta war der verkörperte Gedanke deS „Rache- KriegeS" und ohne Zweifel wäre derselbe fortgesetzt sein Ziel geblieben. Die Zettelungen mit Rußland gegen Deutschland fanden in Paris an Gambetta den eifrigsten Förderer, wie sie in Rußland in dem jüngeren Skobelew
Ausland.
Rom, 29. Dez. Der Senat votierte mit 105 gegen 5 Stimmen den Gesetzentwurf bezüglich deS ParlamentSetdS und vertagte sich bis zum 18. Januar.
Pari», 31. Dez. Ueber den Selbstmord des österreichischen Botschafters Grafen v. Wimpffen vernimmt man folgende bestimmte Einzelheiten: Der Botschafter hatte deS Morgens, etze er auSging, sich auffallend zärtlich gegen seine beiden Töchter, die eine ist 12, die andere 14 Jahre alt, gezeigt. Der Mutter, namentlich aber der Gouvernante der Kinder fiel dies sehr auf. Wo der Botschafter von 10 bis gegen ll1/» Uhr war, wo er sich erschoß, weiß man nicht. Um diese Zeit trat er in die „Vespasienne" an der Ecke der Rue Galilöe und der Avenue Marceau. Ein Herr, der sich in der nämlichen Anstalt ihm gegenüber befand, hörte plötzlich einen Schuß und den Fall eines Körpers. Er eilte herbei und erkannte in dem Selbstmörder einen Mann, welcher vor einigen Augenblicken an ihm vorübergegangen war. Mit Hülfe eines in der Nähe arbeitenden Maurers, der den Schuß ebenfalls gehört und herbeigeeilt war, hob dieser Herr den Unbekannten, der kein Le-enszeichen mehr von sich gab, vom Boren auf. Er hatte sich in die rechte Seite der Stirn geschossen und die Kugel war auf der linken Seite wieder herausgegangen; er hatte noch den Revolver in der Hand. Mehrere Polizei- diener eilten sofort herbei und brachten die Leiche in ein Haus, daS in der Nähe gebaut wird. Das Gesicht deS Toten sah furchtbar auS. Die Polizeidiener bedeckten es mit mehreren leeren Säcken. Der Polizei-Kommistar deS Viertels, der benachrichtigt worden, kam mit einem Arzt, welcher den Tod feststellle. Der Polizei-Kommistar suchte hierauf nach den Papieren des Toten. Er fand z iers't eine Karte mit den Worten: Le Comte de Wimpffen, Ambassadeur de Sa Majeste l’Empereur-Roi d’Autrich- Hongrie, und dann an denselben gerichtete Briefe, sodaß kein Zweifel über die Person mehr obwalten konnte. Man glaubte zuerst an eine Mvrdthat, überzeugte sich aber schnell, daß diese Annahme ausgeschlossen war. Der Polizei-Kommistar ließ hierauf die Leiche nach der Polizeiwache im Jndustriepalaste bringen und benachrichtigte den Polizei- Präfekten Camescastc. Dieser eilte sofort nach den Champs- Elysees und ließ den Grafen Zichy, ersten österreichischen Bot chaflssekretär und Verwandten des Grafen v. Wimpffen, benachrichtigen. Graf Zychi glaubte zuerst, daß eine Verwechslung stattgefunden; er überzeugte sich leider bald von dem Gegenteil. Ein Leichenwagen brachte die sterblichen Ueberreste nach der Botschaft, Rue LaSkaseS 7, wo sie im Salon aufgestellt wurde. Der Militär-Attach« Oberst Bonn und Gras Zychi begaben sich nach dem Hotel Maurice, wo die gräfliche Familie vorläufig wohnt, und teilten der Gemalin deS Verstorbenen das Entsetzliche mit. Ihr Schmerz war furchtbar und Oberst Bonn, Zichy und alle übrigen Anwesenden waren auf« tiefste ergriffen und konnten sich der Thränen nicht enthalten. Der Kaiser von Oesterreich wurde von dem Trauerfalle sofort in Kmntni« gesetzt. Zichy, welcher heute an der Spitze der Botschaft steht, da der Botschaftsrat abwesend ist, ließ den Präsident der Republik wisten, daß die Mitglieder der Botschaft dem NeujahrSempsange von morgen nicht anwohnen würden. Grevy ließ der Gräfin sein tiefes Beileid ausdrücken. Dieselbe erhielt auch bereits ein Telegramm vom Kaiser von Oesterreich. Alle Blätter besprechen mit Bedauern diesen entsetzlichen Vorfall. Nur das Gambettasche „Paris" macht eine Ausnahme; daS Blatt benutzt diese Gelegenheit, um den Verstorbenen zu schmähen, weil er „ein Freund Deutschlands" gewesen sei.
Deutsches Reich.
Berlin, 31, Dez. Der Kaiser hat dem Bischof Du Pont des LogeS zu Metz den Königlichen Kronen - Orden zweiter Klaffe mit dem Stern verliehen. — Der Bundesrat hat befchlosten, dem § 11 der Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Apothekergehilfen, vom 13. Nov. 1875 die nachstehende Bestimmung hinzuzufügen: „In dem Prü fungSzeugniL ist das Gesamtergebnis durch eine der Zensuren „sehr gut", „gut", „genügend" zu bezeichnen." — Infolge der mit dem 1. Januar 1883 in Kraft tretenden Pharmacopoea germanica, editio altera, hat der KultuS- mbiifter laut Bekanntmachung im „Staats Anzeiger" unter Hinzufügung einer größeren Zahl von 10, 100 und 200 Grammpreifen bei den in der VetennärproxiS häufiger gebrauchten Arzneimitteln auf Grund der bisher maßgebenden Normen und mit Berücksichtigung der gegenwärtigen Durchschnittspreise der in betracht kommenden Droguen und Chemikalien eine neue Arzneitaxe auSarbeiten lasten, welche mit dem 1. Januar 1883 in Kraft tritt. Dieselbe enthält außerdem im Anhänge Vorschriften zu einer Anzahl gebräuchlicher, in die Pharmacopoea germanica nicht auf» genommener Arzneimittel. — Der „Germania" zufolge ist in unterrichteten katholischen Kreisen von einem Beschlüsse ober einer Absicht deS Episkopats, eine Jmmediatvorstellung an den Kaiser behufs Rückberufung der abgesetzten Bischöfe zu richten, nichts bekannt. — Die „Prov. Korresp." enthält einen Rückblick auf die innere Politik im Jahre 1882, in welchem daS Blatt sich recht unbefriedigt über die gesetzgeberischen Resultate ausspricht, namentlich in Hinblick auf die Steuerreform, und auch für die Zukunft wenig Hoffnung hat. Leider ist da» wahr, wenn aber die Regierung den von allen Seiten ihr gezeigten Weg der Höherbesteuerung des Kapitals beschreiben wollte, so würde die Reform einen raschen Fortgang nehmen. — Am Abend des 28. starb hier nach dreiwöchigem Krankenlager der frühere vortragende Rat im Kultusministerium (Dezernent für da« UniversttätSwesen) Geh Ober-RegierungSrat a. D.Br. JustuS OlShausen. Geboren am 9. Mai 1800 als der mittlere von drei bekannten Brüdern (der Theologe O. war 1796, — der Publizist 1802 geboren) in Hohenfelde in Holstein, studierte er in Kiel, Berlin und Paris orientalische Sprachen und wurde 1823 Professor in Kiel. Bald nach der Erhebung der Herzogtümer im Jahre 1848 vertraute ihm die provisorische Regierung da» Kuratorium der Universität Kiel und die Leitung des Medizinalwesens an. Die Stadt Kiel wählte ihn in die Landesversammlung, deren Vizepräsident er bis Mai 1849 blieb. Die Rückkehr der Dänen beraubte ihn aller seiner Aemter; er folgte 1853 einem Rufe als Ober-Bibliothekar und Professor der orientalischen Sprachen nach Königsberg und 1858 einem solchen als Ministerialrat nach Berlin. Seine wistenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete deS Attpersischeu und deS Alten Testaments werden ihm in der Gelehrtenwelt ein bleibende» Andenken sichern.
Alle Postänstalten nehmen auf daS mit dem 1. Januar begonnene 1. Quartal der
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