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Marburg, Sonntag, 31. Dezember 1882
XVII ZahlMg
Anzeigen nimmt entgegen: Bi; Expedition d. Blattes, sow.eb.Annoncen-Bureaux
LH. Dietrich u. Co. in Aaff.'l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; Hansenstein u. Vogler in Frankfurt a. M , Berlin, Leipzig. Köln rc.; Rudolf Kosse in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
OcchcUchc jfitmig.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von @. 8. Daube u Co. in Frankfurt a. M; Iägerfche Buchhandlung daselbst; Hmnansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin: W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS TonutagSblatt" durch die Expedition (5t o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Für daS mit dem 1. Januar k. I. beginnende neue Quartal ersuchen wir die Bestellungen auf die
Oiirrhelfischk Zeitung
und deren Gratisbeilage
Illustriertes Sonutagsblatt
bei allen Poftanstalten recht bald machen zu wollen, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet.
Auch im neu beginnenden Jahrgang, dem Achtzehnte«, wird die Ober hessische Zeitung bemüht sein, ihrem Leserkreise vom Neuen stets das Neueste una vorn Guten das Beste zu bringen, um nicht allein den seitherigen ansehnlichen Leserkreis sich zu erhalten, sondern auch stets denselben zu erweitern, und richten wir darum auch an unsere Leser die freundliche Bitte, in ihrem Kreise für eine immer weitere Verbreitung des Blattes mitzuwirken.
Dem inserierenden Publikum empfehlen wir die Oberhessische Zeitung als eins der verbreitetsten Blätter Hessen« aufs angelegentlichste.
Neu zugehende Abonnenten erhalten die Oberhesstsche Zeitung mit ihrer Gratisbeilage „Illustrierte- SonntagS- blatt" bis zum Beginn des neuen Quartals gratis.
Wenn die Bestellung auf der Post nach dem 28. d. M. erfolgt, werden von derselben 10 Pfg. noch erhoben, um die ersten Nummern zu erhalten; um dieses zu vermeiden und da wir der Nr. 1 k. I. einen
Wandkalender für 1883 gratis beifügen, ersuchen wir, die Postbestellungen baldigst machen zu wollen.
Die Expedition der Oberhess. Ztg.
Zum neue» Jahre!
Wenig, ja fast nichts ist ein Jahr im ewigen Laufe der Zeiten, ein Schritt und oft ein wichtiger ist aber ein Jahr im Leben der Nationen und noch vielmehr bedeutet ein Jahr im Leben der einzelnen Menschen. Deshalb ist eS Sitte geworden, für Menschen und Völker Neujahrsbetrachtungen zu pflegen und auch einige Rückblicke auf da- verflossene Jahr zu werfen.
DaS Jahr 1882 war ein eigenartige« Jahr. Mit großen Hoffnungen für die Entwickelung von Handel und Wandel, für reiche Ernten und gedeihlichste Fortschritte der allgemeinen Kultur und des Völkerfriedens begann e«, und doch brachte es dann manche harte Enttäuschung und manche Not und Sorge trat an die Menschen und Völker heran, wie zumal WafferSnot und KriegSlärm noch vor kurzem bewiesen. Aber im allgemeinen kann man daS verfloffene Jahr darum noch kein Notjahr nennen, denn eS trat weder eine allgemeine Not in ihrer schrecklichen Gestalt auf, noch wurden die zeitweiligen Befürchtungen bezüglich einer Mißernte, eines Kriegsausbruchs und de« Nahens der von Asten her Europa bedrohenden Choleragefahr zur Wahrheit
Berfchluugeue Pfade.
Novelle von R. Hoffmann.
(Schluß.)
Der Herbst war gekommen und nun auf diesen ein strenger Winter gefolgt, der aber in der französischen Hauptstadt sehr frühzeitig einem milden Frühlinge wich. In dem PalaiS des Grafen W., der Gesandter eine« großen deutschen Staates in Paris war, wurde ein glänzende« Ballfest gegeben, zu welchem die Minister der französischen Regierung und die fremden Gesandten mit ihren ersten Beamten gklrden waren.
„Aber bester Baron," redete der Graf W. einen jungen, schönen Mann an, der etwa« im Hintergründe des 'Saale« im Schatten einer Säule stand, „warum tanzen Sie denn nicht? Ich sah Sie bisher nur in der Polonaise und jetzt eben erklingen die verlockenden Töne de« Walzers, eine« echt deutschen Walzers, den müssen Sie hier in Pari« tanzen, schon ans Vaterlandsliebe. Die Franzosen können nämlich gar keinen Walzer tanzen, sie hüpfen ihn nur und Sie müffln diesen Leuten zeigen, was ein deutscher Walzer ist. Sehen Sie diesen reiz nden Damenflor, Russinnen, Oesterreicherinnen, Engländerinnen, Französinnen und auch deutsche Damen, doch ich will Ihren Neigungen nicht vorgreifen, aber tanzen müssen Sie, tanzen müffen Siel"
„Nun, dann werde ich mit Ihrer Fräulein Tochter tanzen, Excellenz," entgegnete der junge Mann, befiert feiner Kopf bett Diplomaten verriet.
„Aber so habe ich es nicht gemeint, lieber Baron," sagte Graf W. unb brchte mit dem Finger, aber abhaltm will ich Sie von Ihrem Vorhaben auch nicht, wenn Sie
und immer verzogen sich die düsteren Wolken wieder ober richten feine allzugroßen Schäben an.
In biefer Erfahrung mit dem alten Jahre liegt nun für den Sehenden offenbar viel Tröstliche« für da« neue Jahr, beim wollten sich die Menschen und Völker ohne weitere« viel Schlimme«, wa« im Jahre 1883 passieren kann, normalen, so könnten sie zu ihrer Beruhigung an den Ereignissen de« Jahre« 1882 konstatieren, daß die drohenden Gefahren oft ebenso rasch verflogen al« sie kamen, und wollte man sich den rosigsten Hoffnungen für da« neue Jahr hingeben, so müßte un« da« verfloffene Jahr etwa« vorsichtig machen.
Hoffnung und Vertrauen, aber auch Geduld und Maß halten verlangt daher die Zukunft von allen Menschen unb allen Völkern, wenn sie nicht vorzeitig unb ohne Not an sich selbst verzweifeln oder den schwersten Enttäuschungen entgegen gehen wollen.
Niemand, weder Staatsmänner, noch einfache Bürger, weder hoch und niedrig, alt und jung dürfen auch für die Zukunft außer acht lasten, daß wir in sofern in einer schweren Zeit leben, weil wir mit schweren politischen, sozialen und wirtschaftlichen Gegensätzen im heutigen Leben der Staaten und Völker zu kämpfen und zu rechnen haben. Ob eS dieserhalb zu wirklichen ernsten Konflikten im neuen Jahre kommen wird, wer vermag die« zu verneinen oder zu bejahen?! — Nur so viel wisten wir, daß, wenn die Mehrheit der Menschen und Nationen Gerechtigkeit und Menschlichkeit üben, da« Schlimmste immer verhütet werden kann und so schließen wir da« alle Jahr mit dem Wunsche, daß Gott, der Herr, im Neuen Jahre in allen Völkerkreisen und Schichten Gerechtigkeit und Menschlichkeit wachsen und starken möge, damit die Zukunft gedeihlich werde unb das Jahr 1883 ein allezeit gesegnetes sei in Wohlfahrt und Frieden 1
Deutscher Reich.
Berlin, 29. Dez. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: ES ist erklärlich und verzeihlich, wenn die öffentlichen Blätter in Zeiten, wo die auswärtige Politik wegen allseitig friedlicher Beziehungen ihnen wenig Nahrung giebt, nach jedem an sich unbedeutenden Vorkommnis greifen, um Kombinationen und Vermutungen daran zu knüpfen. E« giebt aber eine Grenze, welche unseres Erachtens die Gewistenhaftigkeit gegen ihre Leser unb gegen die auswärtige Politik beS eigenen Laube« sie abhalten sollte zu überschreiten. ES ist da« die Grenze, welche Vermutungen unb Konjekturen von Erfindungen trennt. Eine Erfinbung aber ist eS, wenn öffentliche Blätter ohne jeoen Anhalt unb ohne Jeben Zweifel erzählen, baß der Reichskanzler In jüngster Zeit durch seinen Sohn, den Grafen Herbert, einen Brief an Graf Kalnoky zu richten für notwendig befunden habe, besten angeblichen Inhalt dieselben Zeitungen mit der größten Dreistigkeit näher charakterisieren. Wenn
die schönen Französinnen Ihren Landsleuten nicht vorziehen. Da sehen Sie nur dort die junonische Schönheit, das Fräulein de Durandot! Sie weilt zum erftenmale auf meinen Festen und ist hauptsächlich deshalb geladen, weil ihre Schönheit sprichwörtlich ist, kein Aristokrat in Paris will diese Dame auf seinen Bällen vermissen."
„Baron Oskar von König«hof, den wir als den jungen Diplomaten erkennen, welcher sich als erster Attachö der vom Grafen W. vertretenen Gesandtschaft seit einigen Wochen in Paris befand, blickte mit sichtbarer Verwunderung nach der schönen Französin, die keine andere als Gabriele war. Der Graf W. bemerkte die Veränderung auf dem Antlitze Oskars und wollte eben eine satyrische Bemerkung machen, als ihm der junge Baron das Wort abschnitt.
„Diese Dame kenne ich, Excellenz," antwortete Oskar. „Sie ist ja im vorigen Jahre bei meinen Eltern zum Besuche gewesen, Sie gestatten wohl, daß ich mich ihr sogleich vorstelle, ich habe ganz versäumt, im Hause ihres Vaters meinen Besuch zu machen."
Graf W. nickte beifällig und Baron Oskar stand eine halbe Minute später vor Gabrielen, eine tiefe Verbeugung machend. Gabriele, welche bei der großen Menge der Gäste den Baron Oskar auch noch nicht gesehen hatte, wurde durch da« plötzliche Auftauchen Oskars in eine holdselige Verwirrung gebracht. Sie reichte ihm fast zitternd die Hand und die übliche Begrüßung zwischen Gabriele und OSkar fand statt, worauf Oskar Gabrielen die Ursache seiner Anwesenheit ausklärte. Gabriele war sehr schweigsam unb schien sich OSkar gegenüber in fortwährender Verlegenheit zu befinden, au« Ursachen, die leicht zu erraten waren,
die auswärtigen Minister untereinander direkte Briefe zu wechseln haben, was sehr selten vorkommt, so sind die regelmäßigen Feldjägersendungen vollständig ausreichend, um die« in der sichersten Weise unb so zu bewirken, daß keine Zeitung eine Berechtigung auch nur zu einer Vermutung über den Inhalt erhält. So wichtig auch letzterer sein möchte, so ist es doch nach unseren Traditionen dafür nicht erforderlich, andere Persönlichkeiten als unsere jederzeit vertrauenswürdigen Feldjäger deshalb auf Reisen zu schicken. Wir find ermächtigt, alle Erzählungen über einen in den letzten Wochen stattgehabten Briefwechsel zwischen Fürst Bismarck unb Graf Kalnoky für unwahr zu erklären, unb wir können hinzufügen, baß in unserer auswärtigen Politik nichts vorliegt ober Vorgelegen hat, waS auf den Gedanken eines derartigen Briefwechsels hätte bringen können. Wenn aber ein Bedürfnis der Art eintritt, so wird man immer keinen Anlaß haben, einen diplomatischen Beamten als Courier zu benutzen, resp. wichtige politische Geschäfte ohne Mitwirkung des akkreditierten Botschafters ober neben dem- selben zu betreiben. Die ganze Fabel rührt von Leuten her, die, wie ber Berliner sagt, „das Geschäft nicht kennen." — Der 55. Band ber „Statistik beS Deutschen Reichs", welche vom Kaiserlichen Statistischen Amt herauSgegeben wirb, ist gestern ausgegeben worden. Derselbe enthält den 2. Teil des Warenverkehrs des deutschen Zollgebiets mit dem Auslande im Jahre 1881. Im ersten Abschnitt sind die General- unb Spezialübersichten des auswärtigen Waren- VerkehrS des deutschen Zollgebiets (mit AusnaSme des Veredlungsverkehrs) nach den einzelnen Ländern der Herkunft und Bestimmung unter Angabe der Mengen unb Werte der verschiedenen Warengattungen enthalten; im zweiten Abschnitt eine Ueberstcht des allgemeinen Warenverkehr« (ebenfalls mit Ausschluß des VeredelungsverkehrS) nach den Grenzstrecken des Eingangs und Ausgangs, für die unmittelbare Durchfuhr unter Kombination beider Grenzstrecken; endlich im dritten Abschnitt die Ueberstchten des Warenverkehrs zur See in den wichtigeren Seehäfen des deutschen Zollgebiets und in den deutschen Zollausschlüssen. In allen diesen Ueberstchten find die Warengattungen nach dem den drei Abschnitten Vorangestellten systematischen Warenverzeichnis geordnet, welches, im Gegensatz zu dem dem Zolltarif sich anschließenden statistischen Warenverzeichnis, die Waren nach ihrer Zusammengehörigkeit und Gleichartigkeit in Gruppen, Klaffen und Ordnungen aufführt und dadurch die Orientierung, sowie die Zusammenfassung der Einzelheiten der summarischen Ergebniffen wesentlich erleichtert. Die Ueberstchten deS 55. Bandes schließen sich als Fortsetzung an diejenigen des 54. Bandes, welcher den auswärtigen Warenverkehr des deutschen Zollgebiets nach den einzelnen Wareugattungen unter Angabe der Länder ber Herkunft bczw. ber Bestimmung, die Nachweise über ben Wert ber ein-, aus- unb durchgeführten Warenmengen, über ble Zollerträge unb die vorhandenen
denn offenbar wollte Gabriele gern etwas über die Schicksale ber Personen wissen, denen sie einst in Deutschland so nahe stand, aber sie wagte, aus Furcht, Schreckliches zu erfahren, nicht zu fragen. Oskar machte dieser Situation ein Ende, indem et Gabrielen den Arm zum Tanz bot und bald drehte sich nach den Klängen des Walzers ein Paar, welche« die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog. Nach dem Walzer flüsterte OSkar Gabrielen inS Ohr:
„Ich habe mit Ihnen ein Hühnchen zu rupfen, Mademoiselle de Durandot, gestatten Sie mir eine Unterredung unter vier Augen."
Gabriele wurde auf« neue verlegen doch sagte sie ent« schloffen:
„Gehen wir in einen ber kleinen Nebensäle, dort können Sie mir sagen, was hier niemand hören darf."
OSkar führte Gabrielen in einen der kleinen Salons, wo die tanzenden Herrn und Damen sich auszuruhen pflegten und fetzte sich Gabrielen gegenüber an den kleinen Tisch. Dort zog er seine Brieftasche hervor, nahm aus derselben daS Billet vom Grafen Broderode, worauf da« Gedicht Gabrielens stand, unb sagte:
„ Haben Sie bieses Billet geschrieben, Mademoiselle?" Gabriele blickte auf das Billet, errötete tief und antwortete:
„Es ist von meiner Hand geschrieben, Baron KönigShof."
„Jetzt eine Gewiffensfrage, Fräulein," fuhr dieser fort: „An wen dachten Sie wohl, als Sie dieses Gedicht schrieben?"
Gabriele zögerte mit der Antwort, sagte aber nach einer kurzen Pause:
„Da Sie schon so viel wissen, Baron, so will ich