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JUaröurg, Donnerstag, 21. Dezember 1882
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Anzeigen nimmt entgegen! 6j. Expedition d. Blattes, cggj.t d.Ännoncen-Bureauk
LH- Dietrich u. Co. in Anff -l und Hannover; Th. Knlrich in Frankfurt a M ; Saasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, geiVjig, Köln re-; Rudolf Moffe in Berlin, Frank- furt a. M- rc.
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Auch im neu beginnenden Jahrgang, dem achtzehnten, wird die Oberhessische Zeitung bemüht sein, ihrem Leserkreise vom Neuen stets das Neueste um vom Guten das Beste zu bringen, um nicht allein den seitherigen ansehnlichen Leserkreis sich zu erhalten, sondern auch stets denselben zu erweitern, und richten wir darum auch an unsere Leser die freundliche Bitte, in ihrem Kreise für eine immer weitere Verbreitung des Blattes mitzuwirken.
Dem inserierenden Publikum empfehlen wir die Ober- hessische Zeitung als eins der verbreitetsten Blätter HefienS aufs angelegentlichste.
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Die Expedition der Oberhess. Ztg.
vom Landtag.
Berlin, den 19. Dezember.
In der heutigen (19) Plenarsitzung deS Abgeordnetenhauses wurde die gestern abgebrochene Beratung des Etats der Archivverwaltung fortgesetzt.
Abg. Frhr. v. Heer em an kam auf feine früheren Beschwerden wegen mangelnder Zugänglichkeit der Archive, besonders der Repertorien, zurück. WaS die Publikationen der Archivverwaltung betreffe, so sollte jede Parteifärbung ausgeschlossen sein; die Archivbeamten hätten, nur die vorbereitenden Arbeiten für den Geschichtschreiber zu leisten. Wenn der Archivdircktor nicht die Versicherung gebe, daß die Archivverwaltung bei den Publikationen ml Objettivität verfahren werde, könnten er und seine Freunde den betr. Fonds ferner nicht bewilligen.
RegierungSkommiffar Archivdircktor v. Sybel entgegnete, daß der Offenlegung der Archivrepertorien große Schwierigkeiten cntgegenstehen. Die Publikationen seien Quellen - Editionen, wie sie von der heutigen historischen Wissenschaft gefordert würden. Alles abzudrucken, sei un- thunlich, sowohl aus Rücksicht auf die Wiffenschaft, wie auf den Kostenpunkt. Klagen wegen der Publikationen seien auch nur wegen deS Lehmannschen Werkes erhoben. Aber auch hierbei sei mit der objektivesten Gcwiffenhaftigkcit verfahren. Die Behauptung deS Vorredners, daß die von Poschingerfchcn Publikationen verfrüht, könne er durchaus
Berschlnngene Pfade.
Novelle von R. Hoffmann.
(Fortsetzung.)
„Mein Neffe lebt, mein Neffe ist nicht tot, er wäre zu retten, aber in diesem elenden Wirtshause muß er umkommen," fuhr der Graf in fieberhafter Eile fort. „Zwei Stunden hat er wie tot dagelegen und der Arzt hat seine Wunde beobachtet und daS Blut gestillt, dann regte sich auf einmal mein Neffe mit den Armen, mit den Füßen und mit dem Oberkörper, aber kein Wort kann er sprechen, er stöhnt nur, der Geist, der Kopf ist ihm gelähmt. Der Arzt erklärte hierauf, die Kopfwunde fei nicht unbedingt tötlich, das Gehirn könne nicht wesentlich verletzt sein, sonst wäre der Tod meines Reffen schon längst eingetreten, eS scheine, daß daS Gehirn nur an einer Stelle gepreßt und die Blutzirkulation gehemmt sei, eine geschickte Operation, möglichst bald ausgeführt, könne vielleicht meinen Neffen retten, aber diese Operation könnten nur zwei Aerzte mit AuSficht auf Erfolg vornehmen, man müffe einen renommierten Wundarzt herbeirufen, oder zu diesem eilen, aber der zum Sterben Verwundete könne nur einen sehr vorsichtigen Transport vertragen, am besten wäre es, derselbe bleibe hier in sorgfältiger Pflege und Beobachtung und man hole durch einen Eilboten einen zweiten Arzt herbei. Doch ich kann Ihnen nicht zumuten, Graf KönigShof, daß Sie meinen Neffen in Ihr Haus aufnchmen, aber um einen Ihrer besten Wagen flehe ich Sie an l Geben Sie mir den leichtesten Wagen, den Sie besitzen, lasten Sic die Räder desselben mit Pferdedecken fest umwickeln, damit das Stoßen und das Holpern des Wagens unmöglich wird, und geben Sie uns titttn Kutscher und zwei gute Pferde, für den Schaden
nicht zugeben. Die große Mehrheit des deutschen und europäischen Publikums sei der Archivverwaltung vielmehr zu großem Danke für diese Publikation verpflichtet; zudem habe auch dadurch, daß die Archivverwaltung ihre Schränke geöffnet, da« deutsche Volk erfahren, daß es in seinem berühmten StaatSmanne zugleich einen der größten Schriftsteller und Prosaisten aller Zeiten besitzt.
Abg. v. Tiedemann wies die gestrigen Angriffe de» Abg. Kantak gegen das wehrgenannte Werk des Archiv- afststenten Dr. Bär al« unberechtigt zurück. — Abg. Dr. Majunke nahm bei Besprechung des v. Poschinger- schen Werkes Veranlassung, seinen persönlichen großdeutschen Standpunkt hervorzuheben. — Abg. Löwe betonte dagegen, daß da« heutige glückliche Verhältnis zu Oesterreich erst möglich geworden, nachdem Oesterreich zuvor auf sich selbst gestellt. Die Herren, welche der Archivverwaltung tendenziöse Fälschung vorwerfen, müßten ihre Beweise an der Hand de» Materials beibringen. UebrigenS könnte es nicht Sache de» Hauses sein, dem Oberbeamtcn eine strengere Kontrolle in bezug auf die Wahlthätigkeit und die Privatarbeiten der Unterbeamten in der Archivverwaltung zu empfehlen. — Abg. Windthorst führte auS, daß eine Geschichtschreibung, weil sie absolut objektiv nicht sein könne, nicht Sache des Staates sein dürfe. Deshalb seien die resümierenden Einleitungen durchaus verwerflich. Ohne diese Beschränkungen werde er in Zukunft keinen Groschen für diese Publikationen bewilligen. Für die v. Poschinger- schen Publikationen fühle er persönlich der Archivverwaltung sich zu großem Danke verpflichtet; daß dieselben hätten erfolgen können, sei der beste Beweis für die Festigkeit unsere« BündniffeS mit Oesterreich. Aber jene Publikationen, so intereffant und geistvoll sie geschrieben, seien doch noch keine Geschichte. Eine Ergänzung von einem anderen Standpunkte auS würde erst die Möglichkeit annähernder objektiver Geschickte gewähren. RegierungSkommiffar Archivdirektor v.Sybel hält die orientierenden Einleitungen im Jntereffe der Geschichtsforscher für notwendig und weist die Bemerkungen des Vorredners über die Auswahl der Archivbeamten nach der Partcistellung de» ArchivdircktorS als unbegründet zurück. Abg. v. Eynern erwiderte auf die Ausführungen, die gestern der Abg. Majunke gegen ihn deshalb persönlich gerichtet hatte, weil die „Köln. Ztg." seine Reden mit besonderer Ausführlichkeit zu bringen pflege. — Erst nach einer großen Reihe persönlicher Bemerkungen wurde Tit. 1 und 2 des betr. EtatSkapitelS genehmigt.
Bei einem folgenden Titel nimmt Abg. Berger den Staatsarchivar zu Koblenz gegen den Vorwurf mangelnden Entgegenkommens, den der Abg. Frhr. v. Heercman erhoben hatte, in Schutz. Der Direktor der Archivverwaltung konstatiert ebenfalls, daß den genannten Beamten im fraglichen Falle sachlich nicht der geringste Vorwurf treffe.
komme ich doppelt auf, thun Sie ein Werk der Menschlichkeit, mein Neffe ist vielleicht zu retten, wenn wir ihn fcfcrt nach der Stadt bringen."
Graf Königshos hatte mit ebenso großer Teilnahme als Erregung den Auslassungen des Grafen Kilian Brode- rode zugehört und gab diesem mit freundlichen Worten folgende Antwort:
„lieber das Leid, was Ihr Neffe meiner Tochter zugefügt hat, will ich nicht strafender Richter fein und am allerwenigsten nach dem Duell, welches mein Sohn Theobald mit Ihrem Neffen hatte, und in der Situation, in welcher sich jetzt derselbe befindet, denke ich gar nicht daran. Ich stelle Ihnen augenblicklich einen Wagen unv was Sie sonst brauchen zur Verfügung."
„Tausend Dank für Ihre große Güte und Barmherzigkeit," erwiderte der Graf Broderode erleichtert aufathmend, „ich wußte in voraus, daß Ihr Edelmut mir meine Bitte auch in dieser kritischen Situation nicht abschlagen würde, der Himmel wird Sie für Ihre Hochherzigkeit segnen, Sie haben BüscS mit Gutem vergolten. Sie erlauben, daß ich von Ihrer Güte sofortigen Gebrauch mache, es ist keine Minute zu verlieren, um das Leben meines Neffen zu retten. Die Operation muß möglich noch heute abena ausgeführt werden."
«Ich gehe mit Ihnen gleich hinab in den Hof, in 5 Minuten wird der Wagen bereit sein, ich werde die Leute zur Eile antieiben," entgegnete der Graf Königshof zuvorkommend. „Doch halt," fügte er im anderen Augenblicke hinzu, „sagten Sie nicht, daß Ihr Neffe nur mit Lebensgefahr transportiert werden könnte, — wenn er in dem Wagen stürbe, — es wäre ein Unglück, auch ein großes Unglück für — mich, denn Ihr Neffe ist von dem Arme
Im Extraordinarium dieses Etats erscheinen 7000 M. zur Einwölbung verschiedener Räume de» Staatsarchiv» zu Osnabrück; dieselben werden nach kurzer Debatte bewilligt; damit ist der Etat erledigt.
Die noch folgende Beratung de» Reste» de» Extra- ordinarium» der Bauverwaltung wird ohne erhebliche Diskussion nach den Anträgen der Budgetkommission erledigt und sodann der Etat der StaatSschulden-Verwaltung ohne Debatte genehmigt. — Nächste Sitzung am 10. Januar.
Deutscher Reich.
Berlin, 19. Dez. Das Befinden des Kaisers ist in fortschreitender Besserung begriffen, indeffen hat derselbe auch heute noch das Zimmer hüten müssen. — Graf Herbert Bismarck ist von seiner Reise nach Wien znrückge- kommen. Ueber seine Mission wird ein leicht erklärlicheS Schweigen hier beobachtet; die Annahme ist indessen vielfach verbreitet, daß die Maßregeln, welche die Grenzstaaten den russischen Rüstungen gegenüber gemeinschaftlich zu nehmen hätten, einen Höhepunkt der Mission gebildet haben. — Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung des Gesetzentwurfs, betreffend den Erlaß der vier untersten Stufen der Klassensteuer und die Besteuerung des Vertriebes von geistigen Getränken und Tabaksfabrikaten besteht au» folgenden Mitgliedern: Büchtemann, Schriftführer, Dr. Hänel, v. Zckrzew», Wender», Ritsche, Prinz vi Arenberg, Schriftführer, Metzner, Dr. Windthorst, Rickert, Hobrecht, Vorsitzender, R. v. Bennigsen, v. Benda, Stengel, Stellvertreter des Vorsitzenden, Freiherr v. Zedlitz und Neukirch (Mühlhausen), Dr. v. Bitter, Graf zu Limburg- Stirum, Freiherr v. Hammerstein, Dr. Wagner (Osthavelland), Dr. Kropatscheck, Freiherr fr. Dobeneck, Schriftführer, v. Oertzen (Bromberg). — Die „Nordd. Allgern. Ztg." schreibt: E» ist bezeichnend für die in Pari» herrschende Stimmung, daß sich die republikanische und sogar die radikale Presse mit großem Eifer für Beibehaltung und Vermehrung der der Regierung zur Verfügung gestellten geheimen Fonds ausspricht. DaS „XIX. Siede“ findet, daß die 2 Millionen geheime Fonds, über die der Minister deS Innern verfügt, sehr wenig seien. Da» Blatt meint, daß diese Summe im Innern nötig sei, um die Unzulänglichkeit der von den Kammern bewilligten Kredite auszugleichen und Bedürfnisse der Regierung zu decken, für welche die Kammer keine Vorsorge getroffen habe, wie z. B. die Unterstützung ungenügend besoldeter Beamten. Vor allem aber sei diese Ausgabe dem Auslande gegenüber unentbehrlich. Niemand werde zweifeln, sagt da» „XIX. Siede", daß Deutschland einige sanfte Landschaftsmaler und einige geschickte Photographen nach Frankreich gesandt hibe, um zufällig ein croquis von Festungen ober ein Profil der französischen Berge aufzunehmen. ES sei deshalb nötig, daß man als Kompensation für die Preußen, meines Sohne» tötlich getroffen worden, mein Sohn — würde — das Leben — Ihre» Neffen — auf dem — Gewissen haben. Sic sagten, in dem elenden Gasthofe hätte Ihr Neffe keine Pflege, dort könne er nicht bleiben. Es gi bt nur ein Haus in unmittelbarer Nähe, welches diese Pflege bieten kann, und da» ist — mein Haus. Ich will — es thun, ich — muß es thun! Bringen Sie Ihren Neffen in mein Schloß — ich stelle Ihnen die notwendigen Zimmer und was zur Pflege deS Schwerverwundeten notwendig ist, zur Verfügung."
Graf Kilian Broderode zitterte vor der Ueberwallung feiner freudigen Gefühle während dieser Worte des Grafen KönigShof und mit beiten Händen ergriff er dessen Rechte und sie an feine Brust pressend, rief er mit vor Freude bebender Stimme:
„Sie sind ein seltener Ehrenmann, Graf KönigShof, mir fehlen die Worte, um Ihnen zu danken für die edle Gesinnung, die Sie soeben kundgeben. Ich nehme Ihr hochherzige» Anerbieten an, eS gilt, meinem Neffen da» Leben zu retten."
„Ich thue nur meine Pflicht," entgegnete Graf KörigS- Hof. „Eilen Sie zurück in den Gasthof, ich sende Ihnen einige Diener mit Betten und einer Tragbahre nach und unter Leitung de» Arztes wird der Transport des Schwer- verwundeten nach dem Schlosse sofort bewerkstelligt werden können. Haben Sie auch bereits nach einem zweiten Arzte geschickt?"
„Vor einer halben Stunde ist ein rüstiger Fußgänger, dem ich eine große Belohnung versprochen habe, wenn er mir in drei Stunden einen Arzt heibelschaffi, aufgebrochen," antwortete Graf Broderode. (Fortsetzung folgt.)