Marburg, Mittwoch, 13. Dezember 1882
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(Fortsetzung folgt.)
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legte die von früheren Rednern vorgetragenen verfassungsmäßigen Bedenken gegen die gleichzeitige Beratung zweier Etats, rechtfertigte die Etatsaufstellung im einzelnen und wies die gedeihliche Entwickelung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse nach.
Abg. Ho brecht erwiderte auf die Ausführungen des FinanzministcrS, und veranlaßte den letzteren wiederholt, zu betonen, daß cS ihm nicht eingefallen fei, dem Abgeordneten Hvbrccht einen Gesinnungswechsel vorzuwerfeu. Es habe der Regierung darauf ankommcn müsfen, nachzuweisen, daß drei Finanzminister, die doch in anderen Dingen verschiedentlich abweichender Ansicht gewesen, in der Frage einer Meinung gewesen seien, daß die zweijährige Etatsberatung in Preußen wünschenswert und ausführbar fei. — Auf eine Replik des Abg. Hvbrccht, welcher zuvor auch erklärt hatte, daß er wegen der Verlesung der Protokolle die Verantwortlichkeit einer anderen Adresse, als der des Finanz- Minister S beimesse, erklärte der Finanzminister Scholz, daß er selbst die Verantwortlichkeit dafür vollständig übernehme. Derselbe erklärte sich übrigen« auch bereit, daS bezügliche Votum dem Abg. Hobrecht zur Einsicht zur Verfügung zu stellen, cvent. auch daSfelbe vollständig vor dem Haufe zu verlesen. — ES entspann sich über den letzteren
waltung gründlich bekannt macht, wohnte vorige Woche einer Ausschußsitzung des Kreistages des Teltower Kreise«, der bekanntlich von dem tüchtigen Landrat Prinzen Hand- jery verwaltet wird, und an einem anderen Tage in Potsdam der Sitzung des dortigen BezirkSverwaltungSgertchtS bei. An beiden Stellen beteiligte sich der Prinz lebhaft an der Diskussion und zeigte, wie berichtet wird, dabei das eingehendste Verständnis für die Beratungsgegenstände. Namentlich in dem Bezirksverwaltungsgerichte waren eS die allerverschieoensten Sachen, die verhandelt wurden. Unter andern waren eS Klagen verschiedener Ortsarmenvorstände wegen Uebernahme der Fürsorge von HülfSbedürftigen und Erstattung von Kur- und Verpflegungskosten, die Klage eines Drechslermeisters in Potsdam wider die dortige Polizeidirektion wegen verweigerter Abnahme eines Umbaues, einige Streitfälle über Erteilung von Konzessionen zum Betriebe der Schankwirtschaft, eine Stimmrechtsangelegenheit, die Heranziehung eines Rittergutsbesitzers zu den Unterhaltungskosten eines Gemeindefeldhüters, zwei Klagen de« Prinzen Friedrich Wilhelm zu Sayn-Wittgenstein wegen angeblich unberechtigter Heranziehung zu Kommunallasten In zwei Gemeinden, wo der Prinz Grundbesitz hat; ferner eine Beschwerde wegen Sperrung eines Triftweges und eine Beschwerde wegen einer verweigerten Schankkonzession. — So bilden sich die preußischen Könige. — Von Personen, welche dem Reichskanzler näher stehen, hört man, daß derselbe in sehr gedrückter Stimmung sei infolge der neuralgischen Schmerzen, welche ihn ungemein belästigen. Die Schmerzen treten in kurzen Zwischenpausen auf, und zwar so heftig, daß sie ihm dann das Sprechen unmöglich machen; man hofft jedoch, daß der Fürst wenigstens der ersten Lesung der Steuervorlage im Abgeordnetenhause werde anwohnen können, da er den ausgesprochenen Wunsch hat, dieselbe persönlich zu vertreten. — Vom Zentrum ist bekanntlich die Interpellation bezüglich des Reichstagöbe- schluffeS wegen Aufhebung des Gesetze« über Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern dem Reichstage zugcgangen; dagegen verlautet, daß da« Zentrum Anträge und Interpellationen, welche für das Abgeordnetenhaus bestimmt waren, vorläufig bi« nach Wiederaufnahme der Arbeiten im neuen Jahre vertagt hat. — DaS gleichzeitige Arbeiten des Landtages und des Reichstages ruft unter den Mitgliedern lebhafte Verstimmung hervor. Die erste Lesung deS Steuergesetzes im Abgeordnetenhause soll sich nun sogar bis Donnerstag verschieden und andererseits heißt es, im Reichstage wolle man sogar in die zweite Lesung deS Etats eintreten unn bis zum 16. d. M. fortarbeiten. Wenn man die« ausführen will, so wird e« kaum zu vermelden sein, daß an einem oder dem andern Tage der künftigen Woche in beiven Körperschaften Sitzungen stattfinden, waS immer zu vielen Unzuträglichkeiten führt.
über Gabrielen anvertraut hatte, viese nicht gerade in einem günstigen Lichte erscheinen ließ. Theobald antwortete daher nach einigem Zögern:
„Ihr scheint mich mißzuverstehen ober ich habe mich vielleicht etwas zu scharf über Gabrielen ausgedrückt. Ich will nicht behaupten, daß sie gegen Anna hinter deren Rücken intriguierl, daß sie mit dem Grafen Broderode coquettiert, ich habe nur vom Munde des Grafen Broderode gehört, daß er Gabrielen nicht gleichgültig war, daß sie ihn heimlich liebte und daß Broderode dies am Morgen de« TageS, wo er mit Anna Hochzeit haben sollte, erfahren hat und daß dies die wahre Ursache sei, warum er am Altäre noch unserer Schwester den Rücken gewandt hat."
„Auch wenn nur die« der Fall wäre, so müßte doch Gabriele für eine schlimme Person gehalten werden," entgegnete der Graf KönigShof erregt. „Gabriele mußte unter diesen Umständen schon viel früher unser HauS verlaffen und sich nicht noch viele tagelang zwischen ein verlobtes Paar stellen, ober sie hätte wenigstens früher bim Grafen Brode- ro'e ihre Neigung verraten sollen und nicht erst am Hochzeitstag: Anna«. Aber so stnb bie meisten Frauen in kritischen Fällen, und auch die vielgerühmte Gabriele, sie konnte zu keinem Eutschluffe kommen unb schwankte ohnmächtig zwischen Pflicht unb Leidenschaft una am Enbe beging sie eine Taktlosigkeit, bie man ein Verbrechen nennen könnte. Jetzt will sie natürlich an allem unschuldig fein, wenigstens schreibt sie eS in dem Briefe, den sie vor einer halben Stunde mir sandte. Ihr Wunsch soll bald erfüllt werden, sie foll noch heute au« dem Hause 1 O hätte ich doch Euerer Mutter gefolgt, die schon vor mehreren Wochen Gabrielen entfernt wissen wollte; die mütterliche Ahnung hatte Recht, ich glaubte aus Vernunftgründen nicht folgen zu sollen und
Reichstag.
Berlin, den 11. Dezember.
In der heutigen (26.) Plenarsitzung des Reichstags BUtte die Etatöberatnng fortgesetzt.
Zunächst bemerkte Abg. v. Bennigsen, seine Ausführungen vom Sonnabend Über bie Stellung der StaaiS- ttchlslehrer zu der Frage bet Doppeletats ergänzend, daß die Auffassung Labands allerdings als derjenigen des Bundesrats günstige erscheine. Dieselbe sei ihm erst nach der vorgestrigen Sitzung bekannt geworden.
Der Bundesbevollmächtigte Finanzminister Scholz führte au«, wie aus seinen vorgestrigen Mitteilungen aus den Protokollen der Staatsministerial-Sitzungen der A' g. Hebrecht keinen Grund herzuleiten berechtigt sei, sich durch ihn (den Finanzminister) persönlich verletzt zu fühlen. Eine olche Verletzung wäre weder beabsichtigt, noch auch habe sie thatsächlich stattgefunden. Die vermeintliche Unzulässigkeit der Mitteilungen au6 den Protokollen der Sitzungen des Staatsministeriums überhaupt beruhe aus einer voll
Punkt eine längere Debatte zur Geschäftsordnung, welche jedoch damit abschloß, daß jene Verlesung unterblieb. — Abg. Windthorst erklärt sich betreffs der geschäftlichen Behandlung des Etats für den liberalen und gegen den konservativen Antrag. Besonders betont er den Widerspruch, in den die Regierung jetzt mit ihrer eigenen früheren Ansicht getreten, wo sie doch selbst eine Aenderung der Verfassung für nötig gehalten habe. Die Opportunitätsfrage zweier Budgets an sich hält er indes für eine offene; Voraussetzung sei aber, außer einer Verfaffungsänderung, daS Vorhandensein normaler Verhältnisse. Zum Etat selbst übergehend, hält er vor allem Sparsamkeit geboten; die neue Wirtschaftspolitik zeige übrigens bl? erfreulichsten Wirkungen. Mit der Steuerreform werde man weder im Reiche, noch in den Einzelstaaten, namentlich in Preußen, zu einem Abschlüsse gelangen, wenn nicht zuvor von der Regierung ein übersehbarer Gesamtplan vorgelegt würde. Derselbe müsse unbedingt auch die Reform der Branntwein- und Rübcuzuckersteuer umfassen.
Bayerisches Bundesratsmitglied Raesfeldt erklärt, die bayerische Regierung sei durchaus mit der Einführung zweijähriger Etats einverstanden und könne darin keine Verfassungswidrigkeit erblicken. In Bayern hätten sich die zweijährigen Etats von jeher bewährt. Abg. v. Kar- dorff verbreitet sich über die Rüben- und Spiritussteuer und warnt im Jntereffe der Landwirtschaft vor leichtfertiger Erhöhung derselben unb erklärt, die staatsrechtliche Seite des Doppeletats betreffend, daß die Einführung von zweijährigen Etatsperioden nur im Wege der Verfassungsänderung möglich sei. Gleichwohl acceptiere er die Prüfung des Etats für 1884 und 1885 und beantrage den bezeichneten Etat an die Budgetkommisston zur Berichterstattung darüber zu verweisen, ob die theoretisch gegen die zweijährigen Etats vorgebrachten technischen Bedenken bei einer thatsächlichen Prüfung stichhaltig feien. Bei namentlicher Abstimmung wird der Antrag v Minnigerode, auch gewisse Teile des Etats pro 1884 und 1885 an die Bud- gctkommission zu überweisen, mit 224 gegen 43 Stimmen abgelehnt, ebenso der Antrag v. Kardorff, dagegen der Antrag Rickert, gewisse Teile des Etat« pro 1883 und 1884 der Budgetkommission zu überweisen, angenommen: Nächste Sitzung: Mittwoch.
> zu N . 1882 : Mach ichmoad.
Verschlungene Pfade.
Novelle von R. Hoffmann.
(Fortsetzung.)
Eine Weile noch stand Th obalv in sich versunken da und uiemanb unterbrach das peinliche Schwelgen, dann schüttelte er aber fein stolzes Haupt und sagte mit sicherer Stimme:
„Du weißt es besser als ich, teurer Vater, daß Männer unseres Standes oft in Verhältnisse gedrängt werden, aus denen uns nur ein Duell ehrenhaft befreien kann. Graf Broderode hatte unsere Schwester unb uns alle tätlich beleidigt, wofür ihn kein Gesetz der Welt bestraft haben würde, es blieb daher nur ein Zwcikimpf zur Sühne für des Grafen Broderode schändttche Handlungsweise übrig. In ehrlichem Zweikampf ist er gefallen, ich habe ihn nicht ermordet, bei der Aburteilung über da« Duell wird da« Gericht diesen Unterschied zu machen und überhaupt den schlimmen Fall nach den vorliegenden Verhältnissen zu beurteilen wissen, ich hoffe auf ein milde« Urteil."
„Das gebe der liebe Gott l" schloß Graf KönigShof.
„Wie ist daS Befinden Anna«?" fragte Oskar jetzt besorgt den Vater.
„Das arme Kind weint und weint immer fort und ist unseren Tröstungen bis jetzt sehr wenig zugänglich gewesen. Seele und Herz befinden sich bei ihr in einer entsetzlichen Empörung und da sie keine Beruhigung bis jetzt finden konnte, so ist leider auch ein nachteiliger Rückschlag für ihre ©cfunbbeit zu befürchten. Hoffentlich gelingt eS jedoch unserem Zaspruche und den Trostworten deS wackem Pfarrer«, sie bah zu beruhigen und einer schlimmen Katastrophe vorzubeugen."
„Hat Gabriele etwas von sich hören lassen?" fragte Theobald weiter.
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Graf KönigShof zögerte einen Augenblick mit der Antwort, er sagte aber dann mit Gleichmut:
„Das seltsame Mädchen hat mir einen Brief geschrieben, in welchem sie mir mitteilt, daß sie noch heute mfer HanS verlassen will. Ferner giebt sie an, daß sie an der ganzen traurigen Affalre unschuldig sei und zu dem Grafen Broderode in keinen Beziehungen gestanden habe, die diesen zu seiner That getrieben hätten. Die Zukunft werde die Wahrheit ihrer Worte beweisen."
Graf Theobald runzelte die Stirn und sagte mürrisch:
„Die Angelegenheit verhält sich nicht ganz in der Weise, wie sie da Fräulein de Duraudot dargestellt. Wie mir der Graf Broderode versichert und durch ein Billct bewiesen hat, besaß Gabriele doch eine heimliche Neigung für den Grafen Broderode und sie scheint die Verwegenheit gehabt zu haben, noch am Morgen des heutigen Tage«, wo die Hochzeit AnuaS stattfinden sollte, eine günstige Gelegenheit zu benutzen, um dem Grafen Broderode ihre Neigung für ihn zur Kenntnis zu bringen uns dieser Umstand hat den Grafen Broderode, der von dem Tage ab, da er Gabriele zum erstenmale fah, eine heftige Leivenschaft für sie empfand, zu dem unseligen Schritte getrieben."
„Ich dies möglich?" riefen der Graf KönigShof und Oskar fast gleichzeitig.
Theobald wurde durch diesen AuSruf deS Vater« und Bruder« einen Moment verlegen und zwar au- koppelten Gründen. Trotz allem Vorgefallencn hatte Theobald noch eine heftige Leidenschaft für Gabriele in seiner Brust und den Gedanken durchaus nicht auf gegeben, Gabrielen doch noch als Gemahlin besitzen zu können und deshalb erschien eS ihm gewagt, die Rolle deS Anklägers Gabrielen gegenüber zu spielen, dann sagte sich Theobald auch in seinem Innern sehr wohl, daß das, was ihm ter Gras Broderode
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nun ist das Unglück fertig l”
Deutsche- Reich.
Berlin, 11. Dez. Der russische Botschafter Herr v. Saburoff, reist abends nach Petersburg, um Weihnachten bei seiner Familie zuznbringen. Die Geschäfte führt In» zwifchen Herr v. Arapoff. — Prinz Wilhelm, welcher unter Anleitung dcs Oberprästdenten von Brandenburg, Staatsministers a. D. Achenbach, sich gegenwärtig mit dem preußischen Zivildienste und allen Zweigen der Selbstver-
j ständigen Verkennung der Sachlage. Es handle sich doch nicht um Privatangelegenheiten, denen gegenüber Diskretion zu wahren s.i, sondern um Verhandlungen über staatliche Angelegenheiten, deren Geheimhaltung lediglich vom Ermessen bet' Regierung bedingt sei, und deren Veröffentlichung der Staatsregierung zweifellos dann frcistehen müffe, sobald sie des öffentlichen Wohls halber eine solche für geboten erachte. Ein solcher Fall aber liege hier vor.
Staatssekretär im Reichsschatzamt Burchard wider-
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■„«iflcn nimmt entgegen! ?•. (Sipebition d.Blatte«, («Vie ).Mnnoncen.$ureaut ' jh. Dietrich u. Cv. in -aff-l unb Hannover; Th. ryjetrid) in Frankfurt a M.; ftaafenftein u. Vogler in Srfintfurt a. M., Berlin, Lj, zig, Köln rc.; Rudolf »ioffe in Berlin, Frankfurt a. Ai. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: bie Sjpebition b. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von <8 L. Daube u C». in Frankfurt a. M; JSgersche Buchhanblung daselbst; Herma nsche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: E. Schlotte in Bremen.
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