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JHarÖUtg, Dienstag, 12. Dezember 1882

xvn Jahrgang

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«»-eigen nimmt entgegen: Expedition d. Blattes, (niie d.Ännoncen-Bureaux it). Dietrich u. Co- in (tafftl und Hannover; Th. L <rid) in Frankfurt a M.; ftciifenftein u. Vogler in L-inkfurt a. M., Berlin, zeipzig > K^n -c-; Rudolf AUgfie tn Berlin, Frank­furt a. St. io.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoneen-Bureaux »en G L. Daube u 6e. in Frankfurt a. M.; Jägerfche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; JnDalidendank in Berlin: W. Thienes in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

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Reichstag.

Berlin, den 9. Dezember.

In der heutigen (25.) Plenarsitzung deS Reichstags mürbe die Etatsberatunz fortgesetzt.

Der Staatssekretär des Reichsschatzamts Burchard ging zunächst auf die vorgestern vom Abg. Rickert aufge­worfene Frage ein, woher man die Mittel nehmen wolle, um den angeblichen Mehrbedürfnissen zu genügen. Die Reichsregierung halte an der Ueberzeugung fest, daß sowohl das Reich selbst, als die Einzelstaaten zur Durchführung der Steuerreform der Mehreinnahmen auS dem Reiche be­dürfen. Aus diesem Grunde eben haben sie auch die Tabaks- uionopclvorlage gemacht, wahrlich nicht auS Lust, neue Steuern einzuführen. Werde indes das Bedürfnis von der Volksvertretung verneint, so vermöge die Regierung natür­lich nicht, ihre Reformpläne zu realisieren. Sie müsse eben, in dem Bewußtsein, ihre Schuldigkeit gethan zu haben, abwarten, bis die Auflassung über die Bedürfnisfrage sich ändere. Der Schatzsekretär sprach übrigens im Auftrage des Reichskanzlers dessen Bedauern aus, aus Gesundheits­rücksichten verhindert zu sein, der heutigen Verhandlung beizuwohnen.

Abg. Frhr. v. Minnigerode anerkennt, daß die Re­gierung bezüglich der Auslegung des Artikel 69 der Ver­fassung früher andere Wege gegangen fei, als gegenwärtig. Er kann aber in diesem Artikel kein formelles VerfassungL- bedenken erblicken, gleichzeitig zwei Etats zu beraten. Sach­liche Gründe sprechen unbedingt dafür, die Ausdehnung der parlamentarischen Arbeiten thunlichst einzuschränken; daS würde auch dem Ansehen der Volksvertretung keineswegs schaden, im Gegenteil. Ohne sich besonders für die zwei­jährigen Etats zu erwärmen, wollten die Konservativen doch jedenfalls einen Versuch damit machen. Viele Staaten hätten schon jetzt zwei-, ja mehrjährige Etats; di« Veran­schlagung könnte selbst bei einjährigen Etats mit vollstän­diger Sicherheit nicht gemacht werden, dieses Bedenken falle also auch nicht ins Gewicht. Der Etat von 1883/84, auf den der Redner in einzelnen Teilen näher eingeht, gebe kein unerfreuliches Bild. Die Notwendigkeit, daß unvermeidliche Ausgaben fortdauernd durch Anlehen gedeckt werden müßten, sei eine ernste Mahnung, auch die Vermehrung der eigenen Einnahmen des Reichs ins Auge zu fasten. Der Redner ging dann auf die vorgestrigen Ausführungen des Abg. Rickert widerlegend ein, zunächst soweit dieselben auf den Zolltarif bezug gehabt. Di« Konservativen hätten nach den bisherigen Erfolgen allen Grund, an der Wirtschaftspolitik von 1879 festzuhalten, wie sie denn auch an ihrer Finanz­politik festhalten würden und namentlich die Erhöhung der Börsensteuer für gerechtfertigt erachten, welche übrigens nicht bloß aus finanziellen Rücksichten, sondern namentlich such aus Gerechtigkeitsgefühl eingegeben sei. Die konserva­tive Partei überhaupt sei eine Neformpartei, die es sich zur Aufgabe mache, die Reformpläne des Reichskanzlers zu

Verschlungene Pfade.

Novelle von R. Hoffmann.

lFortsehung.)

Die Sekundanten, welche in ernstem Schweigen seitwärts standen, reichten jetzt den beiden Gegnern dir Waffen und es begann ein wütender Zweikampf. Graf Theobald stürzte stch förmlich auf seinen Gegner, so daß dieser sein ganzes Geschick anwenden mußte, um nicht gleich im ersten Anlaufe über den Haufen gestoßen zu menen. Dabei unterließ jedoch Theobald fast ganz sich zu verteidigen und erhielt 'nfvlge bissen beim dritten Gang eine ernste Wunde am linken Oberarm, er sockt aber wie ein Rasender weiter, ein gräßlicher Schlag, ein markerschüttender Schrei Graf Broderode sank mit klaffender Stirnwunde zu Tode ge- lrvffen auf den grünen Rasen des Waldes.

Hochverehrter Herr Graf I

In meinem tiefen Schmerze über den heutigen trauri-

Ein Diener überbrachte noch am Nachmittage desselben rs zu # JLafltS, an welchem Annas Hochzeit mit dem Grafen Brode- ir 180 statte stattfinden sollen, dem Grafen Königshof einen sKrtnC i.... #n _ <_ ..i ii. n x. r.u l. .... . t.*. 1 x. re r ! a

ile: M RichuB

flßit Gabrielen, die stch seit dem unglücklichen Ereignis [. TS ® der Schloßkapelle in ihre Zimmer zurückgezogen hatte.

^et B"ef war folgenden Inhalt»:

mzert.

gen Vorfall finde ich kaum die Kraft und die Worte einen Entschluß zu fasten, doch eS muß fein, weil es nunmehr unabweisbare Notwendigkeit ist. Ich will sobald als möglich dos Haus verkästen, wo ich eine fo gastliche Aufnahme fand und wo ich ohne meinen Willm Anlaß

unterstützen. Letztere würden auch mehr und mehr von dem Volke in ihrem wahren Werte erkannt und gewürdigt werden. Die Konservativen hätten der Fortschrittspartei, der Demokratie und der Sozialdemokratie entgegenzutreten, mit der erstgenannten in staatsrechtlicher, der letzteren in sozialer Hinsicht. WaS sie wollen, sei die Kräftigung des preußischen Kaisertums, und wer, auf diesem Boden stehend, ein gutes Gewissen habe, könnte der Entwickelung Deutsch­lands ruhig entgegensehen. (Bravo rechts.)

Abg. Richter widerlegt zunächst die vom Vorredner gemachten Andeutungen von der Spaltung innerhalb der liberalen Partei; sobald es darauf ankomme, den Absichten des Herrn v. Minnigerode und feiner Hintermänner ent­gegenzutreten, fei dieselbe nie vorhanden. Am besten erweise sich dies ja durch den gemeinsamen Antrag der Liberalen, betreffend die Behandlung des Etats für 1884 85. Sodann verwahrt er sich gegen die Vorwürfe, welche der Fortschritts­partei als einer demokratischen gemacht würden. Die Fort­schrittspartei sei 1861 aus der Vereinigung der demo­kratischen und konstitutionellen Partei hervorgegangen. Sie schäme stch auch dieses Ursprungs nicht und sei stolz darauf, Demokraten wie Ziegler und Waldeck, an deren Vaterlands­liebe und Königstreue man bisher noch nicht zu zweifeln gewagt, in ihren Reihen gehabt zu haben. Uebrigens stände es einem aus dem demokratischen Wahlrechte hevorgegangenen Reichstage übel an, sich durch das WortDemokratie" graulich" machen zu lassen. Zur Sache selbst übergehend, betont er, daß, obwohl jetzt keine offiziellen Dokumente über die Haltung der Regierung vorlägen, gleichwohl eine Wen­dung der Haltung derselben zu erkennen sei, nicht zwar in den Zielen der Vermehrung der Reichssteuern sondern in der Taktik. Jetzt sollten die neuen Steuern zur Deckung des Defizits verwendet werden. Diese Taktik sei ihm nicht unwillkommen; denn ein Defizit verschwinde, neue Steuern aber bleiben. Demnächst ging er widerlegend auf die Ausführungen des Abg. Frhr. v. Minnigerode ein und äußerte sich dann in eingehendster Weise über die den Etat berührenden Fragen des finanziellen wie des wirtschaft­lichen Gebiets. Nachdem er dann das Kapitel der Wahl- beeinfluffnng behandelt, kam et zur Frage der DoppeletatS speziell, der gegenüber er sich auS geschäftlichen und ver­fassungsmäßigen Gründen ablehnend verhält. Man dürfe sich darüber nicht täuschen, daß für die Vorlegung ledig­lich politische und keine technischen Gründe maßgebend seien. Direkt und indirekt bemühe man stch, die Rechte der Volks­vertretung zu beeinträchtigen; darum eben drehe man die Sache um und behaupte, seine politischen Freunde strebten nach Parlamentsherrschaft. In Bezug auf die Wahl der Minister seien übrigens die Interessen der Krone und des Reichstags keineswegs entgegengesetzte. Um den Rechten der Volksvertretung nichts zu vergeben, lehne die Fort­schrittspartei jede Schwächung der verfassungsmäßigen Rechte deS Reichstags ab und würde der Form beitreten, in welcher

zu so großem Unglück wurde. Ich bin unschnlcig an allem, was geschehen ist, ober Sie müßten mir das zum Verbrechen rechnen, daß ich auf Ihren Wunsch in Ihrer Familie blieb, obschon ich schon vor einiger Zeit die Absicht hatte, nach Paris zurückzukehren. Fordern Sie jetzt keine näheren Beweise dafür, daß ich unschuldig bin an dem unglückseligen Entschlüsse des Grasen Broderode, aber dieser selbst soll später meine Unschuld beweisen. Ich habe mich niemals um die besondere Gunst des Grasen Broderode beworben, habe seiner Leidenschaft für mich keine Hoffnung gemacht und werde überhaupt nie­mals die Braut ober Frau des Grafen Broderode wer­den. Mit tiefstem Jammer beklage ich die ungückiiche Anna, die mir stet» eine so liebe, treue, schwesterliche Freundin war und die nun, wie alle Welt, in mir die Ursache von all ihrem Unglück erblicken muß. Desgleichen beklage ich die Frau Gräfin, die ich gleichfalls ohne mein Zuthun so bitter kränkte, und beklage schließlich Sie, Herr Graf, und Ihre Söhne, denen ich ebenfalls schweren Kummer bereitete, aber ich wiederhole es, mein wertgeschätzter Herr Graf und hochherziger Wohllhäter, ich bin unschuldig an dem unglücklichen Vorfälle und hoffe, daß Ihnen die nächste Zukunft meine Unschuld be­weisen wird. Ich muß eS unter den obwaltenden Ver­hältnissen leider vorziehen, aus Ihrem gastlichen Hause zu scheiden, ohne persönlich Abschied von Ihnen und Ihrer Familie zu nehmen. Haben Sie die Güte und lasten Sie mich noch heute durch einen Ihrer Wagen nach der nächsten Stadt bringen, von wo ich unverzüg­lich mich zu meinen Pflegecltern nach Paris begeben werde. Leben Sie alle herzlich wohl und empfangen

diese Auffassung am entschiedensten zum Ausdrucke ge­bracht werde.

Finanzminister Scholz erklärt, die preußische Regierung gehe damit um, die zweijährige Etatsperiode auch für Preu­ßen vorzuschlagen. Scholz sucht die zweijährige Etats­periode unter etatSmäßiger Darlegung der seit vielen Jahren dem Vorschläge vorausgegangenen Verhandlungen im Schoße der Regierung zu rechtfertigen. Zweijährige Etats seien technische Vereinfachungen und ein Gegenmittel gegen die Hypertrophie des Parlamentarismus.

Bundes-Bevollmächtigter v.Nostiz-Wallwitz wider­spricht den Rickterschen Ausführungen über die allzu luxuriöse Ausführung der Osfizier-KasinoS, wobei Richter die neugebauten Dresdener Kasernen namentlich genannt hatte. Er verwahrt die sächsische Regierung dagegen, als habe sie mit ihrer Zustimmung zu dem Doppeletat daS Etatsrecht deS Reichstags alterieren wollen.

Kriegsminister v. Kameke entgegnet den Richterschen Provokationen gegenüber, daß die Militärverwaltung sich zu den Partei-Agitationen durchaus neutral verhalte. Die aus Küstrin und Treptow gemeldeten Fälle seien in wesent­lichen Punkten unrichtig dargestellt worden.

Abg. v. Bennigsen hofft, daß, <hne mit den Grund­sätzen einer gesunden Finanzpolitik in Kollision zu geraten, eS der Budgetkommission doch gelingen werde, einen Teil der Einnahmen höher und einen Teil der Ausgaben nied­riger anzusetzen, als dies geschehen sei. Er freue sich, daß die Regierung auf die Reform der Rübenzuckersteuer ein­gehen wolle; damit werden sich bedeutende Mehrerträge ergeben. Abg. v. Bennigsen bekämpft die probeweise Beratung zweier Etats; man dürfe nicht VerfastnngSartikel auf Probe interpretieren und ihnen einen Inhalt geben, den bei den Abstimmungen über die VerfastungSartikel ab­solut niemand verbinden konnte. Auch die Regierung be­kunde bisher noch nie eine solche Austastung der Ver­fassung, die für zweijährige Etats hätte geltend gemacht werden können. Nachdem Bennigsen stch nochmals gegen zweijährige Etats erklärt, nicht vom Standpunkte der poli­tischen Machtfrage aus, sondern nur um die Rechte zu konservieren, welche die Verfassung dem Hause giebt, wird die Debatte auf Montag vertagt.

Die Börsensteuervorlage

hat, wie dasBerl. Tagebl." meldet, in Börsenkreisen eine »hochgradige Erregung hervorgerufen". Man betrachte in diesen Kreisen die geplante Gesetzesänderung als einen gegen die Existenz der Börse geführten vernichtenden Schlag, und zeige stch namentlich über die vorgeschlagenen Kontroll­einrichtungen sehr entrüstet, da durch dieselben die Geschäfts­geheimnisse der Banken und BankürS untergeordneten Or­ganen der Steuerbehörde preisgegeben werden würden." Selbst dasBerl. Tagebl." hält diese Einwände nicht für stichhaltig, weil man zu den Beamten das Vertrauen haben

Sie tausend Dank für die vielen mir erwiesenen Wohl- thaten von der unglücklichen

Gabriele de Durandot.

Graf KönigShof faltete nachdenklich den Brief GabrielenS zusammen und war im Begriff, denselben in seine Brust­tasche zu stecken, als seine beiden Söhne mit aufgeregten Mienen in das Zimmer traten. Sie waren eben von dem Duell mit dem Grafen Broderode zurückgekehrt. Graf Theo­bald stürzte erregt auf seinen Vater los und rief mit leiden­schaftlicher, fast freudiger Stimme:

Glücklich durchgekommcn, Vater, Anna ist gerächt!" Der Graf KönigShof umarmte bei dieser Nachricht mit Rührung Theobald und darauf auch Oskar, fragte aber bann sofort mit ernster Stimme nach dem Befinden de» Grafen Broderode.

Theobalds Antlitz nahm eine dunkle 'Färbung an und zeigte eine traurige Verlegenheit, er senkte die Augen zu Boden und wagte nicht zu antworten. Oskar ergriff des­halb das Wort und sagte mit wehmütiger Stimme:

Der Graf Broderode ist tot. Er starb wenige Minu­ten nach dem Duell an der schweren Stirnwunde, die ihm Theobald beigebracht hatte."

Der Graf Königshof zitterte beim Anhören dieser furcht­baren Botschaft, die Menschlichkeit kämpfte gegen seine ritter­lichen Gefühle an und flegle.

Theobald!" rief Graf König!Hof mit schmerzlich be­wegter Stimme und thränenumflorten Augen aus,Theo- balv mein Sohn, was hist Du gethan! Ein reiches, hoff­nungsvolles Menschenleben ist von Deiner Hand ausgelöscht Worben 1 Möge der Himmel Dir gnädig fein!"

(Fortsetzung folgt.)