Einzelbild herunterladen
 

r 290

Marburg, Sonntag, 10. Dezember 1882

xvil Jahrgang

AerMchk jfitmiö

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaur von G L. Daube u C». in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene? in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

Zeigen nimmt entgegen: Expedition d. BlatteS, ed.Ännoncen-Bureaux

' js Dietrich u. So. in und Hannover; Th.

N^ich m Frankfurt aM-, Denflcm u. Vogler in tifurt a. M., Berlin, Kg, Köln ic.; Rudolf L g? in Berlin, Frank- """ furt a. Ä-re-

grscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirte« So«utag«blatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Luchdruckerei) bezogen SV» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Deutscher Reich.

hErne

irren

H St. M.

n

n

anilla

4.

bei

Lensteil

Eltern bei!

Berschluttgrue Pfade.

nflen 1 rfiehlt

T) n n n

ke zur ehren

n n n n

le«, nücklmg

M. 5.25 z vorzügl nden fra

:«,

Silber,

le, öcke,

die G-bühren sind so gering bemeflen, daß sie nicht im ent« serntesten mit denen ter Anwälte zu vergleichen sind. Seit mehreren Dezennien ist eine Reform de« SanitätSwesen» in Aufsicht «estellt; eS ist bisher gar nichts geschehen; dagegen haben sich He Anforderungen an den ersten Medi­zinalbeamten des Kreises unaufhö'lich gesteigert; der zweite Mevizinaldeamte wird allgemein für vollkommen überflüssig geh rlten. ES wird eine Zeit kommen und sie ist vielleicht nicht mehr in weiter Feine, wo man eS für unmöglich Hail, daß die gegenwärtigen Zustände, die den vorigen Jahr- h»'derten in ihrir primitiven Gestalt angehören, bis in die Neuzeit erhalten blieben. Sofort al« eS bekannt wurde, daß ein Einfuhrverbot für amerikanisches Schweinefleisch beabsichtigt sei, wat die sreihändlerische Agitation In leb» haftester Bewegung, dem entgegen zu arbeiten, vor allem Stimmung zu machen. So wurden von verschiedenen Seiten Petitionen gegen daö Einfuhrverbot ongemeldet und eine der ersten war eine solche der Fleischwarenhändler au« Güt rSloh in Westfalen, die auch eine Kommission nach Berlin fandt n, um in der Sache vorstellig zu werden.

Berlin, 8. Dez. DaS Königliche Provinzial - Schul- (3 fofleg um hat durch Verfügung vom 28. November an die sämtlichen Direktoren (Rektoren) der höheren Lehranstalten [jr Provinz Brandenburg folgende Anordnungen getroffen: I. Eigentliche Ferienaufgaben sind nur während der Sommer- fnien und zwar in möglichst beschränkter Weise und stets j« Anschluß an die laufenden Arbeiten zu geben. 2. Die Klasien - Ordinarien haben vor dem Beginn der Sommer- ferien diese Aufgaben zusammenzustellen, im Klasienbuche -u verzeichnen und den Direktoren zur Genehmigung vor- mlegen. 3. Für alle übrigen Ferien fallen die eigentlichen Serienaufgaben fort. ES sind von den Schülern nur die gewöhnlichen fortlaufenden Arbeiten zu verlangen. 4. In dey mittleren und noch mehr in den oberen Klaffen sind die Schüler zu einer angemessenen Selbstbeschäftigung, in»- 4 besondere zur Privatlektüre anzuweisen und anzuhalten. i 5. Im Falle, daß Schüler während der Sommerferien ver- 4 reisen, ist bei der Kontrolle der Ferienarbeiten gebührende 4 Rücksicht hierauf zu nehmen. Die Konservativen wollen 5 beantragen, daß noch vor dem Auseinandergehen des Reichs« - tags, also gleich nach der Etatslesung, der Börsensteuer- -A enlroutf des Abg. v. Wedell-Malchow zur Diskussion ge­lange. Man schreibt unS: Mit vollem Rechte ist vom Rhein ein Schmerzensruf über die Stellung der Medizinal- , . , beamten (PhystkatSärzie rc.) laut geworden. Derselbe Hal einen Wiederball gefunden in Lande, nicht bloß in den be- ttiligten Kreisen. Die Medizinalbeamten sind diejenigen, welche am schlechtesten gestellt sind; man scheut sich, ohne Erröten die Summe ihre« Gehalt« anSzusprechen; selbst

in die p undklass

(glitt.

S. gr. Pfg.; fg. laltige« n der § rt allgei

irteW« loh.

ßerichi

fehlen^ wird

vor @e» Mlxwrck ranco «k zS-Ansta> gebe fef» tkarte ö1

uitts

er ein-

lenst*

Novelle von R. Hoffmann.

(Fortsetzung.)

Gabriele, die vollendetste Dame," fuhr Graf Broderode fort,tte ich in bezug auf Schönheit, Anmut, Geist und Bestand jemals kennen lernte, hat nach und nach mein ganzes Herz und zuletzt mein ganzes Sinnen und Denken »uegefüllt, doch kannte ich meine Pflicht gegen Ihre Schwester, wollte unbedingt mit ihr vermählt sein, hoffte, fern von Gabriele, an der Seite der hochachtbaren und liebenswerten jungen Gemahlin jene Leidenschaft zu ver­gessen und wollte mit Ihrer Schwester glücklich werden. Ein Ereignis, oder nennen wir e8 einen Zufall ooer einen Wink der Vorsehung, hat indeffen im letzten Augenblicke »ich von meinen früheren Entschlüssen gewaltsam abgebracht und mich zu dem Schritte verleitenlaffen, den Sie und Ihre Familie so verdanlmenSwert finden. Ich war heut« Ulvrgcn, ungefähr eine Stunde vor der Zeit, zu welcher mdne Trauung mit Ihrer Schwester stattfinden sollte, in ben Schloßgarten gegangen, um in der Einsamkeit mich noch einmal einige Minuten für den entscheidenden Schritt, !er mich für ewig an Ihre von mir verehrte Schwester binden sollte, zu sammeln und vorzubereiten. Ich begab Utich zu diesem Zwecke in einen abgelegenen Test de» Gar­tens und fand dort zu meinem großen Erstaunen Gabrielen uuwesend. Sie bemerkte mich nicht gleich, denn ste stß »uf einer Bank, mir dem Rücken zugekehrt, ich fühlte mich auch nicht berufen, ihre Einsamkeit zu stören und wandte Utich scitwärt. Doch durch irgend einen Umstand schien sie mdre Gegenwart bemerkt zu haben, denn ich süh, wie fit sich hastig ausrichtete und da» Antlitz nach mir wandte. Ich begrüße sie freundlich, doch sonderbar genug fand sie

Die Erklärung für diesen Eifer ist nun dieGermania" in der Lage mitzuteilen, indem ihr au» Gütersloh geschrie­ben wird:Der Schlüffe! des Rätsels liegt in dem Um­stande, daß unsere Stadt daS größte Geschäft inwest­fälischen Schinken" treibt. In der gestrigen BundeSratS- fitznng wurden die von dem Reichstage zu den Petitionen wegen Gewährung einer Beihilfe zur Erhaltung deSKörner- MufeumS in Dresden und wegen des Militär-Strafprozeß- verfahrenS in der Sitzung vom 2. Dezember gefaßten Be­schlüsse dem Reichskanzler, die Vorlagen, betreffend die Ausführung der seit 1875 erlassenen Anleihegesetze und betreffend die Korrektion deS FahrwafferS der Unterweser den Ausschüssen überwiesen.

Darmstadt, 7. Dez. Von Großh. Regierung ist den Ständen eine Vorlage, betreffend daS Sekundärbahnwesen, zugegangen, welcher verschiedene umfängliche Anlagen bei­gegeben find. Die Vorlage besteht nach derD. Ztg." in einem Gesetzentwurf nebst Motiven, die Eisenbahnen von lokalem Jntereffe und die Straßenbahnen betreffend. Durch diese» Gesetz soll zunächst die Grundlage für die staatliche Förderung deö LokalbahnwesenS gegeben werden, ähnlich wie solches auch in anderen Staaten bereits geschehen ist. Findet der Gesetzentwurf bei den Ständen eine günstige Aufnahme und gelangt daS Gesetz bald zur Verabschiedung, so kann alsbald ein weiterer Gesetzentwurf wegen Erbauung einiger Lokalbahnen den Ständen zur verfaffungSmäßigen Beratung und Beschlußfassung mitgeteilt werden. Der hessische Verein für wirtschaftliche Interessen betreibt die Gründung eines Bauernvereins für Hessen und wird darauf die Ab­haltung allgemeiner Bauerntage in» Auge faffen.

Ausland.

Rom, 8. Dez. Der KardinalstaatSsekretär Jacobini stattete gestern nachmittag dem Minister v. Gier» einen Gegenbesuch ab.

LottdOtt. 8. Dez. Ja England, Schotlland und Wales gab es starken Schneefall, wodurch eine empfindliche Stockung de« Eisenbahnverkehrs und zahlreiche Unfälle entstanden. Vergangene nacht ist in Woodstreetc'ty eine große Feuers­brunst auSgebrochen, wodurch das Magazin Forster, Porter u. Comp., En roßgeschäft für Strumpfwaren, sowie sieben bis acht anstoßende Gebäude ganz oder teilweise nieder­brannten. Der Verlust beträgt über 2 Mill. Pfd.

Petersburg, 8 Dez. Der Minister des Innern er­teilte der ZeitungMoskauer Telegraph" eine erste Ver­warnung.

KottstatttittOpel 8. Dez. Der Schcik Obeidullah ist gestern abend um 71/» Uhr mit Frauen und Kindern in Moffnl eingetroffen.

Kairo, 8 Dez. Der Khedive hat die Demission Rioz Paschas, welche durch den AuSgang deS ProzeffeS Arabi

M t MB Mi MM

für meinen Gruß nicht die rechte Entgegnung. Ich sah, daß sie verwirrt vor mit stand, wie wenn ich sie über­rascht und gestört hätte. Ich entschuldigte rnicb, doch neue Purpurröte übergoß daS Antlitz GabrielenS und mit den verwirrt ausgesprochenen Worten,Sie haben sich durch­aus nicht zu entschuldigen, Herr Graf, verzeihen Sie meine Geistesabwesenheit, ich war hier ganz in Gedanken ver­sunken" verließ Gabriele eiligen Schritt« den Garten. Mir kam da« Benehmen derselben recht sonderbar vor, ja, e« stieg in mir der kühne @eba; ke auf, daß Gabriele viel­leicht von denselben Regungen und Zweifeln de« Herzen« wie ich erfüllt sei, ich wollte ihr nacheilen, ich wollte ste fragen, ich hätte ihr vielleicht auch ein Geständnis gemacht, gewiß hätte ich aber mich nicht zu übereilten Worten hin­reißen lassen, doch Gabriele wat meinen Augen entschwunden und ich fand es für unschicklich, die Davoneilende bi» in das Schloß zu verfolgen. Aus einem Grunde, den ich selbst nicht mehr erklären kann, näherte ich mich der Bank, wo Gabriel« gesessen hatte und blickte mit wehmütigen Blicken auf die Umgebung. Da sah ich in unmittelbarer Näh« der Bank ein Stück weißes Papier am Boden liegen, ich ergriff dasselbe in schneller Hast und forschte nach seinem Inhalte. Dasselbe enthielt ein Gedicht, geschrieben und un­zweifelhaft auch von Gabrielen verfaßt. Der Inhalt dieses Gerichtes war für mich entscheidend und machte mich in der darauf folgenden Stund« tn allen meinen Entschlüssen wankend. Hier ist das Gedicht, Sie können «» selbst lesen, Graf Theobald," schloß der Graf Broderode, indem er au» seiner Brusttasche dem Grafen Theobald ein zufammenge- falteteS Papier überreichte.

Theobald griff nach dem zusammengefalteten Papiere und, während sich auf seinem Antlitz eine fliegende Röte zeigte, laS er mit halbleiser Stimme:

veranlaßt war, noch nicht angenommen. Die als Haupt- Anstifter der Insurrektion angeklagten Jakub Sami Pascha und Mahmud Fehmi Pascha sollen demnächst vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Die gestern Verurteilten wurden nach Ceylon verbannt.

Reffens Staffan.

Marburg, 8. Dez. (Strafkammer.) E» wurde ver­handelt gegen 1. den früheren Gerichtsvollzieher Ang. Stnht zu Treysa wegen Beiseiteschaffung amtlich anvertrauter Papiere. Im Laufe deS vorigen Jahre» wurde Stuht wegen Unordnungen im Dienst mit Rügen und Ordnungs­strafen belegt, worauf er seine Entlastung nahm; bei der dabei erfolgenden Ablieferung der Akten rc. behielt er zwei Aktenstücke, die ihm dienstlich anvertraut waren, zurück. Daß er wegen einer gegen ihn eingeleiteten DiSziplinar- Untersuchnng seine Entlassung genommen, bestreitet er, dies sei geschehen wegen seiner Körperkonstitution, die Akten habe er zurückbehalten, weil er mit dem Kläger noch habe abrechnen müsten. Stuhl erhält 1 Monat Gefängnis. 2. Der schon mehrmals hier vor Gericht gewesene Metzger Georg Hoffmann von Rosenthal ist vom Amtsgericht wegen Beleidigung de» Gerichtsdieners Kirchner freigesprochen wor­den, wogegen die Staatsanwaltschaft appellierte. Daß die Familie Hoffmann gegen Kirchner die größte Feindschaft hegt und dieser durch allerhand Demonstrationen Ausdruck giebt, ist gerichtsseitig bekannt und auch der Nachbarschaft. Hoff­mann, der schon in voriger Sitzung für geistesschwach hin- gestellt werden sollte, wollte sich von seiner Mutter assistieren lassen, doch lehnte dies der Gerichtshof ab; die Frau kann aber nicht unterlassen, das Wort mehrmals zu ergreifen, wa» ihr verschiedene Verwarnungen einbringt. Um dem Skandal Einhalt zu thnn und den Hoffmann Anstand zn lehren, beantragt die Staatsanwaltschaft wegen der recht gröblichen Beleidigungen eine Zusatzstrafe von einem Monat zu der bereits früher erkannten einmonatlicheu Gefängnis­strafe. Der Gerichtshof erkennt auf eine zehntägige Zusatz­strafe und sämtliche Kosten. Mit der Frage:wieviel hab' ich kriegt?" und einem frechenAdieu" verläßt Hoffmann den Saal. 3. Schreinergeselle Adam Finger von Botten­dorf soll den Ackermann Glatthaar von da in Gemein­schaft mit einem dritten auf der Chauffee angefallen und körperlich verletzt haben; nur den Finger hat Glatthaar erkannt, und erhielt ersterer dafür 2 Monate Gefängnis, wogegen er appellierte. Nach den Zeugenaussagen äußerte Finger auf der Kirmeß zu Bottendorf:Der, der mir heute mit dem Stocke gedroht, kriegt noch seine Schläge." Glatthaar sah auf dem Wege nach WolkerSdorf zwei Leute neben dem Bankett liegen, von denen der eine, den er an Statur und Stimme für Finger erkannt, gerufen:das ist er, wobei derselbe aufgesprungen und mit einem Zaun-

An den Einzigen l Gewaltig ziehst Du mich in Deinen Zauber, Du einz'ger, hochverehrter Mann Zu Deinen Füßen möchl' mein Herz ich legen Und teilen mit Dir Deine Lebensbahn. Doch feindlich ist da« Schicksal mir gesinnt, Ich trag' ein fürchterliches LooS: Wohl taufend Männer liebten mich abgöttisch Und hielten mich für ihre« Glückes Schooß: Doch Du, der Eine, Einzige, den ich liebe, Der liebt mich nicht, der ehrt mich bloS l Erträumtes Glück, fahr' hin in tausend Trümmer, In kurzer Zeit ist alles ganz vorbei Wir sind getrennt auf ewig und für immer, De» Lebens Loos reißt meinen Wahn entzwei.

Gabriele.

Als Graf Theobald da» Gedicht gelesen hatte, zitterte er vor Zorn und Wut über da« Glück seine» Nebenbuhler», dem Gabriele ihre Liebe augenscheinlich geschenkt hatte. Der gekränkte Stolz und die niedergehaltene Leidenschaft für Gabrielen erfüllten gleichzeitig da» Herz de» heißblütigen Theobald. Jetzt galt eS ihm mehr, mit dem verhaßten Nebenbuhler einen Kampf auf Tod und Leben einzugehen, al« die schwergekränkte Schwester zu rächen. Mit leiden­schaftlicher Stimme rief Graf Theobald dem Grafen Brode­rode, indem er ihm daS Papier hastig zurückgab, zu:

Nur einer von unS Beiden kann Gabrielen besitzen, schonen Sie mich nicht, Gras Broderode, auS etwaiger Rücksicht auf meine Schwester, ich werde Sie auch nicht schonen, einer von un» Beiden muß sterben, da« ist da» Beste in dieser verzweifelten Lage l" (Fortsetzung folgt.)