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Nr 288.
Marburg, Freitag, 8. Dezember 1882.
xvil Jahrgang
Anzeigen nimmt entgegen: bu Expedition d. BlatteS. [gone o.Annoncen-Burean d. Th- Dietrich u. Co. i g'affrl und Hannover; TI Dietrich in Frankfurt a.M Saasenstein u. Vogler i Frankfurt a. M , Berlin Leipzig. Köln rc.; Rudo, Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaur von ®. L. Daube u Co- in Frankfurt a. M-; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin: W. ThieneS in Elberfeld' C. Schlotte in Bremen-
Erscheint ttlgltch außer an den Werktaaen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrlrteS «oMttagSblatt- durch die Expedition (9 o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2'/. Marl, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Seile 10 Pfg. Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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vom Landtag.
Berlin, den 6. Dezember.
In der heutigen (14.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses wurde die Etatsberatung fortgesetzt, und zwar kamen zunächst die einmaligen und außerordentlichen Ausgaben des Ministeriums des Innern zur Verhandlung.
Zu längerer Debatte führte alsbald die Position von 11500 Mk. zur gründlichen Reparatur des Dache« deS Ministerial-DirnstgebäudeS, Trockenlegung der Kellerräume, Erneuerung der Dekoration sämtlicher im zweiten Stockwerke belegenen Räume rc. Von verschiedenen Rednern, den Abgg. Reichensperger (Köln), Frhr. v. Heere- man, Graf zu Limburg-Stirum, Dr. Hammacher, wurde auf die Uebelstände hingewiesen, welche in unserem Bauwesen vorhanden sein müßten, da bei einem so hervorragenden Neubau schon nach 3 Jahren solche Schäden hervorgetreten seien. Der Abg. M etzner erkennt den Grund der mangelnden Bauausführungen de« Staats wesentlich mit im SubmisstonSwesen. Der Abg. Reichensperger beantragte eine Resolution, wonach durch eine von der Staatsregierung einzuleitende Untersuchung ermittelt werden soll, ob nicht in betreff obigen Betrage« oder eine« Teile« desselben ein Regreßanspruch zu erheben sei. Der Herr Minister selbst hob noch weitere Mißstände de« neuen Ministerialgebäudes hervor, bat aber, die Resolution in der von dem Abg. Frhrn. v. Heereman vorgeschlagenen Fassung auzunehmen, wonach die Regreßansprüche fortfallen sollen. Die große Mehrheit stimmte indes der Resolution Reicheu- sperger bei. Die Position selbst war übrigen« von keiner Seite beanstandet und wurde bewilligt.
Zum Neubau einer Morgue in Berlin werden al» 1. Rate (360550 Mk. im ganzen) 200000 Mk. gefordert. Abg. Bachem bekämpft die Zentralisation M Staatswesens in Berlin und die hier in« Immense wachsenden Staatsbauten; wenn daS so weiter gehe, würde Berlin der „Wasserkopf" der Monarchie werden. (Oho!) UebrigenS hält er die Kommune Berlin für verpflichtet, einen Bau, wie den in Rede stehenden, au«zuführen. Der Minister v. Putt kam er entgegnet, daß jede Hauptstast eine Konzentrierung für Kunst und Wissenschaft rc. naturgemäß haben werde. Die Verpflichtung der Stadt Berlin im konkreten Fall sei durch einen Vertrag des Staate» mit der Kommune vom Jahre 1840 ausgeschlossen. Abg. Büchte- mann verteidigt die Stadt Berlin gegen die grundlosen Vorwürfe deS Abg. Bachem. Abg. Frhr. v. Minnige- rode bemerkt, daß der Abg. Bachem stch mit Ungarn gegen die Zentralisation der Bauten in Berlin wende, und weist auf die Vergrößerung de« Staat« seit 1866 hin. Die Gefahren der Großstädte verkennt übrigen« auch er
nicht. Wa« an den Staatsbauten tadelnswert, fei der große Luxus; diese Periode sei aber glücklicherweise bereits überwunden. Abg. Bachem hält dafür, daß jener Vertrag mit der Stadt Berlin aufgehoben werden müsse. Auf Antrag des Abg. Dr. Brüel teilt der Herr Minister den § 4 jenes Vertrages mit, woraus unzweifelhaft hervorgeht, daß die Kosten, die hier gefordert, dem Staate zur Last fallen. Die Position wird demnächst bewilligt. Die übrigen Teile des Extraordinarium« diese« Etats wurdm ohne Debatte erledigt.
Es folgte der Etat der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung. Abg. Dr. Hammacher wies zunächst auf die Wassersnot in den westlichen Provinzen hin und sprach den Wunsch auS, daß die staatliche Bergwerksverwaltung, wie eS die Privatwerkbesther bereits gethan, ebenso der Not durch möglichst unentgeltliches Brennmaterial abhelfen möge. — Der Etat selbst, der jetzt vorgelegt, sei mit großer Sorgfalt und Vorsicht aufgestellt, und eS sei wohl anzunehmen, daß die Erträge den Anschlag erheblich überschreiten würden. Dieser Ansicht schließt sich der Abg. Gärtner an. Für die Anschläge möchte letzterer indes einen Durchschnittsansatz einer längeren Reihe von Jahren; außerdem befürwortet er mit dem Vorredner die Veräußerung gewisser nicht einträglicher Hüttenwerke, die namentlich im Harze befindlich seien.
Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach giebt die beruhigende Erklärung, daß ihm über die neueingetretenen Hochflutsgefahren am Rheine nicht« bekannt geworden. Wegen der Unterstützung der notleidenden Distrikte mit Brennmaterial fei daS Nötige feiten« der Staatsverwaltung bereits eingeleitet. * Was die Veräußerung gewisser Hüttenwerke betreffe, so sei dieselbe auch von der Staatsregierung erwogen, eS sei aber davon Abstand genommen mit Rücksicht auf die zunehmende Bevölkerung, die man nicht der Gefahr auSsetzen dürfe, brotlos zu werden.
Abg. Natorp hebt hervor, daß fast alle Jahre bei Eintritt der kälteren Jahreszeit Verkehrsstockungen eintreten und die Beförderung der BergwerkSprddukte an die Empfangsstellen gehemmt werde.
Der Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach erklärt, daß zur Behebung des Wagenmangels sehr große Bestellungen gemacht seien; in diesem und den folgenden Monaten würde auch eine erhebliche Anzahl von neuen Wagen eingestellt werden. Außerdem sei ein großer Teil von französischen Wagen gemietet. Im allgemeinen aber sei durch den allgemeinen Austausch der Wagen eine erhebliche Abhülfe eingetreten.
Abg. Büchtemann kann nicht finden, daß die Verstaatlichung die in Aussicht gestellte Hebung der Mängel des Wagenverkehrs beseitigt habe.
Bei den Einnahmen ans den Salzwerken spricht Abg. Rumpf den Wunsch aus, daß die Verwaltung bei dem großen Nutzen, den die Kali-Dungsalze für die Landwirtschaft haben, mehr als bisher den nationalen und volkswirtschaftlichen Interessen Rechnung tragen möge. E« müßten Depots errichtet werden, damit die Landwirte solche Salze überall zu billigen Preisen bekommen könnten. Auch der Abg. Schultz-Lupitz betont die große Bedeutung der Kalisalze und anderer Mineralien für die Landwirtschaft, damit diese in den Stand gesetzt werde, die Konkurrenz mit dem Auslände zu bestehen.
Abg. Schulz (Bochum) verlangt eine Reform der Bergwerkssteuer. Der Bergbau habe unter allen nur erdenklichen Lasten zu leiden, deshalb sei diese Forderung berechtigt, der Bericht über die Flußregulternngen übergehe Gegenden mit Bergbau vollständig, für solche Bedürfnisse müßten sie selbst sorgen. DaS Ordinarinm wird unverändert genehmigt, desgleichen ohne ‘ Debatte daS Extra- Ordtnarium. Schließlich verliest Minister Maybach eine eben eingegangene Depesche des Oberpräsidenten der Rheinlande, wonach der Rhein bei Köln wieder 44 Zentimeter gestiegen ist und bei Mannheim ebenfalls ein weitere« Steigen bemerkt wird. Trier melde ein Steigen de« Wassers der Mosel um zwei Meter. Es herrsche Regen und Windstille. Die nächste Sitzung findet Dienstag statt.
DerrtscheD Reich.
Berlin, 6. Dez. Ueber die bisherigen Verhandlungen des Abgeordnetenhauses schreibt die „Prov. - Korresp.": Das neugewählte Abgeordnetenhaus ist jetzt bereits drei Wochen in Thätigkeit. Wenn auch weder diese immerhin kurze Zeit, noch auch der Stand der Verhandlungen über die wichtigeren dem Abgeordnetenhause gemachten Vorlagen dazu ausreichen, ein abschließendes Urteil über Wesen und Geist der neugewählten Volksvertretung zu begründen, so lassen stch doch schon aus der bisherigen Thätigkeit des Hauses gewisse Merkmale erfreulicher Natur konstatieren. Die Etatsberatungen hatten in den letzten Jahren, und namentlich in der letzten Session, mehr und mehr den Charakter heftiger Parteikämpfc angenommen und den Gesichtspunkt einer ruhigen und leidenschaftslosen Prüfung der politischen, finanziellen, ökonomischen und Verwaltungs- Verhältnisse, zu deren Kritik das Budget naturgemäße Veranlassung giebt, mehr und mehr in den Hintergrund treten lassen. Nicht wenig trug hierzu das durch den Ausfall der vorjährigen Reichstagswahlen angeregte und begünstigte Streben des Radikalismus nach einem schärferen Hervorkehren seiner Tendenzen bei. Die Hoffnung, durch ein stark oppositionelles, rücksichtsloses Auftreten der Sache des
Berfchl«uge«e Pfade.
Novelle von R. Hoffmann.
(Fortsetzung.)
„Bestimmen Sie Zeit unv Waffen, Graf!* rief er Theobalo zu, „ich werde Ihnen Genugthuung gewährm und uu<b gleilz itig den mir angelhrnen Schimpf rächen."
„Dort drüben ist ein Gasthaus," sagte Theobald, dessen Zorn sich jetzt ein wenig gelegt hatte. „In einer halben Slun e bin ich bereit! Scharf geschliffene Kavallerie-Säbel sind die W ff en, ich liebe den öft reu Kugelwechsel nicht, Pistolen taffen schlecht, da» Schwert ist die beste Waffe zum ritterlichen Zweikampf. Bereiten Sie sich auf Ihre letzte Stunde vor, Graf Broderode. Einer von uns beiden bleibt auf dem Platze."
3>m Grafen Broderode hatten stch inzwischen sein Oheim und der Baron V.ley genähert und suchten ihn zu bewegen, das Duell auf eine andere Zeit zu verlegen. Der morgende Tag sei dazu besser geeignet.
„Ich willige darin nicht," tief Graf Theobald dazwischen. Die unerhörte Beleidigung, die Graf Broderode meiner Schwester, mir und meiner Familie zugefügt hat, erfordert schleunigste Sühne. In einer halben Stunde bin ich mit meinem Sekundanten und den Waffen drüben in dem Wirtshause. Lassen Sie ht dem nächsten Ort nach einem Arzt schicken."
„Ihr Wille geschehe, Graf!" entgegnete entschlossen Graf Broderode. In einer halben Stunde sind wir bereit!" —
Während der Graf Broderode, dessen Oheim und Baron Vesty, denen eben von ihren Dienern ihr Gepäck nachgetragen wurde, ihre Schritte nach dem bezeichneten Gasthaus lenkten, kehrte Graf Theobald eiligst in da« Schloß zurück, um (feinerfeit« die Vorbereitungen für den Zweikampf zu treffen."
Im Schlosse des Grafm Kvnigshos sah e« traurig
auS, als Graf Theobald die Schloßtreppe hinaufstieg und in die Gemächer eintrat, in denen sich die gräfliche Familie um die unglückliche Anna, welche leichenblaß und mehr tot al« lebendig auf einem Divan lag, beschäftigte. Eine Gefahr für die Gesundheit Anna« war gerate nicht vorhanden, man fürchtete nur schädliche Rückwirkungen auf ihr Gemüt und ihren Geist und suchte deshalb das arme Mädchen durch allerlei Trostworte und Zureden von trüben Gesanken abzuhalten. Graf Theobald nahm den innigsten Anteil an dem traurigen Lose, welches feine Schwester auf eine so beispiellose Art betroffen hatte. Zärtlich näherte er sich ihr, seine Wut und fein Zorn waren beim Anblick der totenbleichen Schwester verschwunden oder doch zurück- gedrängt. Theobald küßte Anna« Stirn und Hände und wiederholte nach der Art seines leidenschaftlichen Herzens die Tröstungen mit den herzlichsten Beteuerungen und Versprechungen. Darauf näherte sich Theobald seinem Vater, flüsterte diesem einige Worte in« Ohr, winkte Oskar herbei und verließ mit Vater und Bruder da« Gemach, wo feine unglückliche Schwester ruhte.
Wenige Augenblicke später traten die drei Edelleute in einen kleinen Salon, der ihnen in der Regel zu wichtigen Beratungen diente, weil er abgeschlossen lag und mit anderen Zimmern nicht direkt in Verbindung stand. Theobald eröffnete in kurzen Worten dem Vater und Bruder sein Vorhaben. Der Graf Königshof und Oskar waren über das plötzliche Vorhaben Theobald« wohl überrascht, doch konnten sie dasselbe nicht mißbilligen, wenigsten« sprach der Ehrenkovex der Edelleute in keinem einzigen Punkte gegen da« Duell, j« welchem Theobald den Grafen Brode- rode herauSgefordert hatte. Einwände könnte man machen in bezug auf den Tag und die Kürze der Zeit, zu welcher e« unmittelbar nach der beleidigenden Thal de« Grafm Broderode stattfinden sollte. Aber hatte der Graf Brode- rod« stch eine weniger auffallende Zeit gewählt, als er
Anna von Königshof so schmählich beleidigte? Am Hochzeitstage, dem größten Ehrentage jedes weiblichen Wesens, hatte et Anna, feine auserwählte Braut, die doch seiner in jeder Beziehung würdig war, von stch gestoßen.
D-'t Graf KönigShof uns Oskar beruhigten stch daher auch bald über diesen Punkt des Duells und nun kam die Frage nach dem Sekundanten. Es war keine lange Wahl möglich. In einer halben Stunde sollte daS Duell statt- finden und wenige Eselleute waren im Schlosse. Theobalds Vater konnte nicht Sekundant fein, ebensowenig Theobalds Onkel, der Oberst von KönigShof, in dessen Regiment der Graf Broderode als Rittmeister diente, die Wahl konnte daher nur auf Oskar, den Bruder Theobald«, fallen.
Oskar verzog keine Mime, als ihn Theobald als feinen Sekundanten nannte. Es konnte unter den obwaltenden Umständen nicht anders fein, der Bruder mußte dem Bruder im Zweikampfe beistehen unv möglicherweise dessen Tötung mit ansehen. .
Einen harten Kampf kämpfte auch der Graf KönigShof mit sich. Er wußte einige Augenblicke nicht, ob er die beiden Söhne zu dem voraussichtlich blutigen Zweikampf gehen lassen sollte. Mußte er nicht geradezu fürchten, feine b:iden Söhne auf einmal zu verlieren, denn es lag nahe, daß, wenn Theobald im Zweikampfe mit dem Grafen Broderode fiel, Oskar an Theobalds Stelle treten würde, um die schwer beleidigte Schwester zu rächm, ratlos stand der Graf KönigShof eine Weile da, dann winkte er Oskar zu sich, ergriff mit stürmischer Zärtlichkeit dessen beiben Hände und sagte in erregten Worten:
„Versprich mir, Oskar, mein liebster Sohn, daß Du, was auch geschehn möge, Dich in keinen zweiten Zweikampf mit dem Grafen Broderode begeben wirst."
„SorgeDich nicht, Vater!" erwiderte Oskar sanft und mit Rührung. „Dein Wille wird erfüllt werden, ich kenne meine Pflichten gegen Dich." — (Fortsetzung folgt.)