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ohne jede Trivialität, ohne jede Abschweifung von Peters­burg und Rom erzählte, wo er sich in diplomatischen Dien­sten in letzter Zeit aufgehalten hatte. Mehr als einen Blick hinter die Coulissen des politischen Welttheaters hatte Oskar auch schon gethan, dies ging klar aus manchen seiner Be­merkungen hervor, aber nicht mit einer Silbe verriet er die Geheimnisse seines Berufes, keinen einzigen der zahl­reichen Fäden, die das diplomatische Netz der damaligeu Zeit bildeten, deutete er in seinen Gesprächen an, er sprach nur Thatsachen und Meinungen aus, die wohl von seiner tiefen Kenntnis der StaätSgeschäfte Zeugnis ablegten, aber sonst in keine Beziehungen und rückwirkende Schlüsse zu diesen gebracht werden konnten, so genau hielt Oskar die Grenze in seinen Worten inne und zeigte sich auch im Privatgesprächc als ein echter Diplomat. Der Freiherr Oskar von Königshof gehörte zu jener auserlesenen Klasse der Menschen, die nicht nur als etwas Besonderes erscheinen, sondern die es auch wirklich sind, die nicht nur etwas Interessantes bieten, sondern auch dauernd zu sesseln ver­mögen. Mußte unter diesen Umständen der Freiherr Oskar überall, wo er gekannt wurde, den besten Eindruck machen, so war dies bei der Jugend und dem Junggesellenstande OökarS am meisten bei der aristokratischen Damenwelt der Fall, für deren heiratsfähige Mitglieder der hochgeblldete und talentvolle junge Diplomat, der noch dazu Aussicht hatte, einmal einen der höchsten Ehrenposten im Staate einnehmen zu können, eine sehr begehrenswerte Partie sein mußte.

Diesbezügliche Hoffnungen und Pläne hatten bis jetzt bei dem Freiherrn Oskar aber wohl gar keinen Erfolg gehabt, wenigstens konnte sich niemand im Kreise seiner Bekannten rühmen, von irgend einem zarten Berhäitniffe Oskars zu irgend einer Dame etwas zu wissen. Böse Zungen behaupteten auch, der junge Diplomat habe gar kein Herz, sondern sein ganzes Dichten und Trachten sei

nur in den kalten, ruhig abwägenden Verstand über- gegangen.

Auf diese Weise zeigte sich im Grunde genommen Oskar auch im Kreise seiner Familie und auch jetzt, wo er mit Vater, Mutter, Bruder, Schwester und Gabrielen in einem Zimmer saß, feffelte Oskar wohl durch seine Reden die Anwesenden, aber kein Herz erwärmendes Feuer, keine Leidenschaftlichkeit wie bei seinem Bruder Theobald ge­wannen irgend welche Oberhand in seinem Wesen. Aber alle hörten ihn gern sprechen, denn Oskar sprach wie ein vielerfahrncr Mann zu den Männern und wie ein lieb­reicher Lehrer zu den Damen. Gabriele und Anna, die sonst nach der Art der Damen nicht gerade an trägen Zünglein litten, konnten Oskar eine viertel, ja eine halbe «Stunde reden und erklären hören, ohne sich zu langweilen und ohne ihn zu unterbrechen.

Der Abend war herbeigekommen und da eS derjenige eines sonnigen Sommertages war, so begab sich die ganze Gesellschaft hinunter in den Garten, um die herrliche Jahres­zeit in der Natur zu genießen. Anna und Gabriele waren bald den übrigen vorausgeeilt und setzten sich wenige Minuten später in der Laube auf der Anhöhe nieder. Die Sonne war im Begriffe hinter der Bergschlucht, die im Nordwrsten jenseits des Gartens lag, unterzugehen; Ga­briele beugte sich über die noch nicht vollendete Skizze, die sie von dieser Fernsicht herzustellen sich bemühte. Der Graf Theobald war bald an GabrielenS Seite, sodaß es dieser offenbar angenehm war, al« eine Viertelstunde später auch der Freiherr Oskar in der Laube erschien, einige freundliche Worte sagte und dann einen scharfprüfmden Blick über die ganze Situation gleiten ließ. Einem ge­nauen Beobachter konnte dabei nicht entgehen, daß Gabriele, die doch sonst sehr diel Geistesgegenwart besaß, bei dem Eintritt de« Freiherrn Oskar in die Laube in einige Ver­legenheit geriet. (Fortsetzung folgt.)

Jllaröurg, Sonntag, 3. Dezember 1882

XVII Jahrgang

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Erstes Blatt

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Unterstaatssekretär Rindfleisch weist nach, daß eine allgemeine Regelung nicht thunlich und anderen Bevöl- keruugSklaffen gegenüber auch nicht berechtigt sei.

Abg. Korsch tritt, wie der Abg. Simon v. Zastrow, den Klagen über die Höhe deS Justizetats entgegen und betont dabei die hochpolitische Bedeutung der Justizorgani­sation. Die Klagen über diesen Etat beruhten offenbar zunächst auf nicht genügender Kenntnis der Verhältnisse; gerade in dem Justizreffort werde übrigens mit der denk­bar größten Sparsamkeit verwaltet.

Abg. Windthorst ist der Meinung, daß die Frage der staatlichen Entschädigung unschuldig Verurteilter generell weder mit dem Justizminister verneint, noch andererseits bejaht werden könne. Dieselbe werde indes morgen im Reichstage zur Verhandlung gelangen; sie würde übrigens nicht so brennend geworden sein, wenn man nicht die Be­rufung beseitigt hätte. Daß der Justizminister den Kultusminister aufgefordert habe, die Organe der Kirche und Schule zu veranlassen, den zunehmenden Meineiden entgegenzuwirken, habe er gern vernommen; aber jene Or­gane seien an vielen Orten eben gar nicht vorhanden. Eine große Anzahl der Meineide sei übrigens auf die nicht genügende Examinierung der Zeugen durch die Richter zu­rückzuführen. Das einjährige Militärdienstjahr will er bei allen Beamten vollständig angerechnet wiffen, da bei denselben eben von der Anciennetät viel abhänge. Da dieser Redner die Umherwürfelung der jungen Juristen durch den ganzen Staat getadelt hatte, entgegnet

Justizminister vr. Friedberg, daß er bei der Ein­heitlichkeit der ganzen Organisation eS für nicht zulässig halten könne, die jungen Juristen an die Scholle ihrer Heimat zu-binden.

Abg. v. Bismarck (Flatow) nimmt die Richter gegen die Vorwürfe in Schutz, welche der Abg. Windthorst all­gemein gegen dieselben rückstchtlich der mangelnden Zeugen­vernehmung erhoben hatte. Was die Fälle unschuldig Ver­urteilter betrifft, so gehörten sie meistens der Zeit an, wo noch die Berufung bestand. Dieselben könnten also nicht für Wiedereinführung der Berufung geltend gemacht werden.

Abg. Strosser wiederholt die öfter gehörten Klagen über die Höhe des Justizetats, die Höhe der Verwaltungs­kosten und die hohen Gehälter der Justizbeamten.

An der Debatte beteiligten sich dann die Abgg. Schröder (Memel), Berger, Windthorst und Kantak. Die heftigen Vorwürfe, die der letztgenannte gegen den früheren Justizminister, Grafen zur Lippe, und den Ober - Landes­gerichts - Präsidenten v. KunowSti zu Posen ausgesprochen halt", wies Justizminister vr. Friedberg mit Entschieden­heit zurück. Es erhielten dann noch daS Wort: Abg. J m-

Lom Landtag.

Berlin, den 1. Dezember.

In der heutigen (12.) Plenarsitzung des Abgeord­netenhauses erhält bei der weiteren Beratung deS Etats der Justizverwaltung zunächst das Wort:

Abg. Bachem, um auf die zunehmenden Fälle un­schuldig Verurteilter hinzuweisen, die Frage der Entschä­digung derselben zu berühren und die Zunahme der Sitt­lichkeitsverbrechen und Meineide hervorzuheben.

Justizminister Dr. Friedberg erwidert: Obwohl die Frage der unschuldig Verurteilten im Reiche demnächst zur Verhandlung komme, wolle er dennoch mit seiner allerdings nicht populären Ansicht hier nicht zurückhalten, daß er seinerseits die Verpflichtung deS Staats zur Entschädigung keineswegs für ausgemacht halte. Die Sittlichkeitsverbrechen hätten thatsächlich nicht zugenommen, leioer aber die Mein­eide, und deshalb habe er die Gerichte auch bereits ver­anlaßt, die Vereidigung in einer Form, so feierlich wie daö Gesetz irgend zulasse, vorzunehmen. Außerdem aber habe er sich auch mit dem Herrn Kultusminister in Verbindung gesetzt und diesen ersucht, dafür Sorge zu nehmen, daß in Schule und Kirche durch Lehre und Erziehung den Mein­eiden entgegengewirkt werde.

Abg. Simon v. Zastrow weist nach, daß die Klagen über cie Höhe der Ausgaben des Justizetats nicht begrün­det seien, und daß man mit Unrecht so viel Aussehens von der mit der Justizorganisativn etngetrelenen Gehaltsauf­besserung der richterlichen Beamten mache.

Abg. B i e r l i n g wünscht, daß die Referendare, die in ihrem Vorbereitungsdienst durch den einjährig-freiwilligen Dienst unterbrochen würden, eine Berücksichtigung erfahren möchten.

Verschlungene Pfade.

Novelle von R. Hoffmann.

(Fortsetzung.)

Ganz auffallend stach in der Gesellschaft der Freiherr Oskar von Königshof von s inem älteren Bruder ab. Der Freiherr Oekar, welcher sich infolge eines längeren Urlaubs und einer voraussichtlichen Versetzung nach einer anderen Gesandtschaft seit ungefähr einem Monat bei seinen Eltern aushielt, war eine männlich schöne Erscheinung, doch im übrigen ziemlich das Gegenbild von seinem Bruder. Statt der blauen Augen hatte der Freiherr Oskar braune Augen­sterne, die für gewöhnlich eine tiefe Melancholie zeigten, aber sehr häufig auch Leben und Feuer durchblitzen ließen. Leicht aewelll<s, dunkelbraunes Haar zierte Oskars Haupt, die Form s iues Gesichts, das von einem mäßigen Voll- b-tte umrahmt war, erinn rte an den Typus der alten Röm r. Wund rn konnte man sich über Oskars feine, kleine, weiße Hände una noch mehr über seine kleinen, feingeformten Ohren. Oskar war von ziemlich großer G statt, aber wenn er etwas mit Nachdruck sprach, wenn er feurig wune, schien seine Gestalt noch um einen halben Fuß zu wachsen. Oskar sprach für gewöhnlich nicht viel, et ließ lieber andere sprechen und hörte mit Ruhe, ja mit Kälte an, was man sprach; ergriff er aber selbst daS Wort, dann svrach er mit einem eigentümlichen Nachdruck etwas Durchdachtes, etwas UeberzeugendeS aus, gewöhn­liche Redensarten benutzte er niemals, er sprach vielmehr in origin llen, treffenden Ausdrücken. Mit ganz besonderem Wohlgefallen ruhten immer die Blicke deS alten Grafen ?uf Oskar, wenn dieser sprach. Oskar war ein tüchtiger junger Diplomat Und schien in diesem schwierigsten aller Lebensberufe mehr noch als der Vater zu werden, diese Genugthuung las man deutlich auS den Blicken deS alten Trafen.

Es war eine Freude, Oskar sprechen zu hören, wie er

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walle, welcher sich gegen bie Wiedereinführung der Berufung erklärte; Abg. Löwe (Bochum), welcher die Ver­teilung der jungen Richter durch die ganze Monarchie nur billigen kann. Abg. Kantak replizierte auf die Erwide­rung deS Herrn Justizministers. Abg. Frhr. v. Fürth erklärte sich für die Berufung.

Nachdem dann die Besoldungen des Justizministeriums bewilligt waren, knüpfte sich zuerst wieder eine Debatte an den vom Abg. EnnecceruS begründeten 'Wunsch, daS PrüfungS - Regulativ für angehende Juristen zu ändern. Der Herr Justiz Minister lehnte eine nähere Unter­suchung deS Gegenstandes nicht gerade ab.

Inzwischen nahm der Minister deS Innern, v. Putt- kamer, daS Wort, um dem Hause Mitteilung von bem Eindrücke zu machen, den er auf der Reise nach der Rhein­provinz gehabt, und von der er heute früh zurückgekehrt. Die Heimsuchung sei zwar nicht so groß, wie sie kürzlich ein Nachbarstaat getroffen, immerhin aber sehr bedeutend, so daß die Hilfe des Staates werde in Anspruch genommen werden müssen. Einen ausführlichen Bericht sich vorbehal- trnd, gab der Herr Minister einen Umriß von ben elemen­taren Schäden, auf deren Heilung es ankommen werde, bemertte, daß vorläufig 500000 Mk. zur Linderung der dringenden Not ü fonds perdu angewiesen seien und rühmte anerkennend die Haltung der Bevölkerung in den betreffen­den Gegenden, sowie die aulopfernde Thätigkeit der betei­ligten Beamten und des zur Hilfe herbeigerufenen Militär-. Der angerichtete Schaden würde allerdings nicht durch den Staat allein gut gemacht werden können, sondern nur mit der Zeit und nur dadurch, daß sich Staat, Provinz und Gemeinde, wie die Privatwohlthätigkeit zur Heilung der Wunden die Hand reichen. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten de- Hanfes.)

Auf eine Anfrage deS Abg. Gramatzki erklärt der Justizminister, er hoffe, im nächsten Jahre die Mittel zur ^Einrichtung eines Landgerichts in Memel disponibel zu haben. Die weiteren Teile deS Justizetats werden unver­ändert genehmigt.

Bei dem hierauf folgenden Etat deS Finanzministeriums erklärt der Herr Finanzminister auf eine Anfrage deS Abg. v. Tiedemann, der Angelegenheit der Wertpapiere auf den Namen des Inhabers stehe er ebenso sympathisch gegen­über, wie sein Vorgänger; er hoffe eine hierauf bezügliche Vorlage noch in dieser Session dem Hause vorlegen zu können. Der Etat deS Finanzministeriums wird unver­ändert bewilligt.

Nach Vereinbarung mit bem Präsidenten des Reichs­tages werden die NeichStagSsttznngen morgen, am Dienstag

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