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Marburg, Sonnabend, 2. Dezember 1882

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letztere Maßregel hauptsächlich aus finanziellen Rücksichtm getroffen sei, sich auch der Reinlichkeit wegen, sowie des­halb empfehle, weil sie den Ordnungssinn der Gefangenen belebe. Nach Ansicht de« Abg. Windthorst ließe sich die Verwaltung der Strafanstalten im Ressort der Justiz- Verwaltung vereinigen, ohne daß man die ReichSgesetz- gebung abwarte. Bei ter Behandlung der Gefangenen in den Gefängnissen möchte darauf gesehen werden, daß da, wo das Ehrgefühl noch nicht vollständig unterdrückt, das­selbe geweckt werde, und daß in erziehlicher Beziehung för­dernd auf die Gefangenen eingewirkt werde. Die apS- gesprockenen Klagen über zu großen LuxuS in den Ge- fängniffen seien nicht begründet. Wenn die Vereinigung der Gefängnisse in der Justizverwaltung nicht zu ermög­lichen sei, dann sollte wenigstens eine Zentralverwaltung der Gefängnisverwaltung gebildet werden, welche dann den beiden bezeichneten Ressorts zu unterstellen sei. Abg. Str öfter hält die Entgegnungen, die der Justizminister und dessen KommiffariuS auf s ine Ausführungen gemacht hatten, nicht für zutreffend. Der Ansicht, daß die Ge­fängnisverwaltung in einem Ressort vereinigt werden muffe, stimme er bei. Die einheitliche Verwaltung aber müsse dem Ministerium des Innern zufallen. Strafvollzug habe mit der Strafjustiz nichts zu thun. In Humanität stehe die Verwaltung des Innern der Justizverwaltung durchaus nach; beide Verwaltungen befänden sich vielmehr mitunter sogar in einem Wetteifer nach einem gewissen Humanität-« schwindel hin. Im übrigen hebt er den Fortschritt, den in erziehlicher Beziehung die Einrichtungen und Maß- nahmen der Gefängniffe gemacht, anerkennend hervor. Nachdem der RegierungSkommissariuS, Geh. Ober-Justizrat Starke, einen Irrtum seiner vorigen Angaben berichtigt, sucht Abg. Wessel in konkreten Fällen nachzuweisen, daß die außerhalb der Anstalten arbeitenden Gefangenen zu wenig streng zum wirklichen Arbeiten angehalten werden.

Abg. Seehusen findet, daß die HumanitätSrückstchten hinsichtlich der Beköstigung rc. zu wett getrieben würden; was im Westen zweckmäßig sei, empfehle sich nicht auch im Osten. Regierungskommissar Geh. Ober Justizrat Starke betont, daß die rationelle Verpflegung der Gefangenen nicht sowohl aus HumanitätSrückstchten, als vielmehr im allge­meinen LandcSintereffe geboten fei, damit die Entlaffenen nicht arbeitsunfähig ins Leben zurückkehren.

Der übrige Teil der Einnahmen dieses Etats wird ohne Debatte genehmigt. Da bei dem ersten Titel der Ausgaben (Gehalt des Ministers) eine große Reihe Redner sich zum Wort gemeldet, also eine längere Debatte vorher zu sehen ist, wird die Sitzung mit Rücksicht auf die Sitzung des Reichstags l1/, Uhr geschlossen.

Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr (Justizetat und event. Etat deö Finanzministeriums).

horst und Sonnemann für den Antrag. In nament­licher Abstimmung wird darauf der Antrag mit 153 gegen 119 Stimmen abgelehnt. Für denselben stimmen daö Zentrum, die Polen, Welfen, die Sozialdemokraten und die Volkspartei, 14 Mitglieder der Fortschrittspartei und der Sezessionist v. Stauffenberg; gegen denselben stimmen die beiden konservativen Parteien, die Nationalliberalen, die Sezessionisten und die große Mehrheit der Fortschritts­partei. Schluß 5% Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr.

Hof und hatte ihren Lieblingsplatz in der Laube auf der kleinen Anhöhe eingenommen. Das schöne Märchen war traurig wie zuvor und die Betrübnis ihrer Seele schien ihren Geist gebannt und ihren Körper erstarrt zu haben, so regungslos faß sie da. Die traurige Einsamkeit Ga­brielers währte indessen nickt lange. Aus dem schlösse nahte in eiligen Schritten und mit hochgerötetem Gesichte Anna von Königshof. Anna mußte wohl ganz genau wissen, wo sich Gabriele gern aufhielt, denn die junge

guug des letztgenannten Etats wurde von der linken Seite mit Ausrufen begleitet.

Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildet der von den Abgg. Germain, Goldenberg, Winterer und Ge­nossen eingcbrachten Antrag, betreffend den Gesetzentwurf wegen Abänderung des § 2 des Gesetzes, betreffend die Oeffentlichkeit der Verhandlungen und die Geschäftssprache des LandesauSschusseö für Elsaß Lothringen. Derselbe ist bekanntlich in der letzten Sitzung vor der Vertagung deö Neickstags in zweiter Beratung angenommen.

Nachdem zunächst der Abg. Frhr. v. Minnigerode namens der Konservativen die gesamten Gründe aufge- sührt hatte, welche vom deutsch-nationalen und speziell reichS- ländischen Standpunkte gegen die Annahme des Antrages sprechen, betrat der Abg. Winterer die Tribüne, um noch einmal die Motive der Antragsteller darzulegen und namentlich dagegen zu protestieren, daß dem Anträge eine hochpolitische Bedeutung beigclegt werde. In der fortge- sctzlen Debatte sprach Abg. v. Bennigsen gegen, Windt-

„Du hast Recht, Anna, ich sollte anders sein, ich sollte Aich unter allen Umständen zu beherrschen suchen, ich bin

vom Landtag.

Berlin, den 30. November.

In der heutigen um 11 Uhr anberaumten (11.) Ple­narsitzung deS Abgeordnetenhauses machte der Prä­sident v. Köller zunächst Mitteilung von dem gestern in seiner Heimat erfolgten Ableben deS Abg. Schiebler (Celle). Das Haus ehrte daS Andenken des Verstorbenen in üblicher Weise durch Erheben von den Sitzen.

Auf der Tagesordnung steht der Etat der Justizver­waltung. Bei den Einnahmen (Anteil an dem Arbeits­verdienst der gerichtlichen Gefangenen) führt die seit langem ventilierte Frage wegen einheitlicher Verwaltung der Straf­anstalten durch e i n Reffort — während dieselbe bekanntlich jetzt teilweise von dem Ministerium des Innern, teilweise von dem Justizministerium reffortieren, — zu längerer Debatte. Abg. Dr. Köhler sprach den Wunsch ans, daß wenigstens sämtliche Gefängnisse dem Justizressort, die Zuchthäuser aber dem Ministerium dcö Innern unterstellt werden möchten. Justizminister Dr. Friedberg betonte, daß man der Regelung des Strafvollzuges durch das Reich, die keineswegs aufgegeben sei, nicht vorgreifen dürfe. Abg. Strosser beleuchtete die Disparität der Gefängnisver­waltung beider Ressorts, welche beseitigt werden muffe. Justizminister Dr. Friedberg ist damit einverstanden; die bezüglichen Wünsche würden aber nach Lage der Sache an das Ministerium des Innern gerichtet werden müffen. Regierungs-KommiffariuS Geh. Ober-Justizrat Starke legte die Gründe dar, weshalb der Anteil am Arbeitsver­dienst für die Gefangenen in den Gefangenenanstalten größer sein müßte, als für die Zuchthäusler. (Beiläufig sei er­wähnt, daß im vorigen Jahre 8000 Personen zu Zucht­haus, 16000 zu Gefängnis verurteilt sind.) Außerdem begründet der Herr KommiffariuS die Berechtigung der extraordinären Vergütigung an die Gefängnisbeamten der Justizverwaltung, die, unzulänglich an Zahl, schlechter be­soldet seien, als die im Ressort des Ministeriums deS Innern angestellten.

Abg. Dr. Köhler hält die Behandlung der Gefangenen in mancher Beziehung zu human, namentlich tadelt er die Einführung der Matratzen statt der Strohsäcke. Reg.- Kommiffar Geh. Ober-Justizrat Starke entgegnet, daß

Verschlungene Pfade.

Novelle von R. Hofsmann.

(Fortsetzung.)

Gabriele war wieder im Garten des Grafen Königs-

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Die Expedition der Oberhefs. Ztg.

eö Euch schuldig und mir erst recht, aber freilich die Kette von Glück und Unglück, die mich umgiebt, hält mich in einem schlimmen Bann. Du kennst meinen Kummer, Anna, und fühlst ihn mit mir, aber Du weißt nicht alles, weil ich Dir nicht ollcS sagen kann, nicht sagen darf, Ehre und Anstand verbieten es mir."

„Ich bin Deine Freundin, Deine Schwester, Gabriele," erwiderte Anna zärtlich. „Du weißt auch, wie ich Dich liebe uns schätze, Du darfst mir schon vertrauen, geteiltes Leid ist halbes Leid."

Gabriele schüttelte bedeutsam ihr schöne« Haupt, preßte die Lippen schmerzlich zusammen und sagte dann:

„Nein, eS darf nicht sein, Anna! Du darfst unmöglich alles wissen. Mein Kummer wird wohl auch in nicht zu ferner Zett sein natürliches Ende erreichen. — In drei Monaten bist Du Frau, daS entscheidet viel, ich verlasse Schloß KönigShof, weil Du als junge Frau keiner Gesell­schafterin mehr bedarfst und nach der Trennung von Euch muß alles anders werden."

„Du sprichst mir teilweise in Rätseln, Gabriele," ant­wortete Anna. „ES treibt Dich niemand aus unserem Hause, Du darfst auch nach meiner Vermählung bei mei' en Eltern bleiben. Ich kann Dir nur sagen, daß meine Mutter damit vollkommen einverstanden ist, und daß sowohl mein Vater als auch Oskar sich entschieden dafür erklärt haben, daß Du so lange in unserem Hause bleiben sollst, als eS Dir gefällt."

Gabriele verneigte sich leicht, wie zum Danke und Annas Hand zärtlich ergreifend, sagte sie mit Rührung:

„Ihr seid olle so lieb und gut mit mit und doch bin ich btf Euch so unglücklich, wie ich eS nie zuvor gewesen bin. Es ist fürwahr ein seltsames Mißgeschick, waS mich

Reichstag.

Berlin, den 30. November.

Der Reichstag hielt heute nachmittag nach der im Juni Eingetretenen Vertagung seine erste Sitzung (die 21. Plenarsitzung der Session).

Am BundeSratStische bemerkt man eine große Anzahl von Bevollmächtigten, u. a. den Staatssekretär deS Innern v. Bötticher, den Kriegsminister v. Kameke, den Finanz-

1 Minister Scholz, die Staatssekretäre Burchard und von Schelling, Bevollmächtigte Sachsens, Württembergs rc.

i Präsident v. Levetzow eröffnete gegen Vz3 Uhr die 1 Sitzung mit einer Reihe von geschäftlichen Mitteilungen. Zunächst ehrte der Reichstag das Andenken der inzwischen verstorbenen Mitglieder Jacobi und Bezanson durch Er­heben von den Sitzen. Eine große Reihe von Urlaubs­gesuchen wurde genehmigt. Zu den bereits eingegangenen Borlagen, welche in die Hände der Mitglieder noch im Laufe des heutigen Tages gelangen werden, gehören die Etatsvorlagen pro 1883 84 und 1884/85. Die Ankündi­

A»zeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux t>en G L. Daube u. Eo. in Frankfurt a. M; Jügersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; 3n6aübenbanttn Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

Nachhänge.

,Ach, Du bist aber auch jetzt fortwährend traurig,

,01 „.sch yave Llt ein große vcruigcrn

101 Gabriele, in drei Monaten habe ich Hochzeit." —

6 Gabriele zuckte heftig bei diesen Worten zusammen, so- *' daß Anna fast angstvoll zurückwich. Jndeffen war cs nur ’ ein unbeachteter Moment, Gabriele fand sich augenblicklich 9" l Bieber zurecht, gab ihre Freude über die baldige Hochzeit $ Annas zu ertenren und entschuldigte ihre Verlegenheit da- ? mit, daß sie zu häufig und andauernd ihren Gedanken

die päda- ) klassisch

iu.

>. gr. 8.

fg.; st6'

igeS uni ser Kritik allgemein

«meiaen nimmt entgegen: Expedition b. Blattes.

(«’m. d.Annoncen-Bureaux 1 Th. Dietrich u. Co. in »„ff -l und Hannover; Th.

in Frankfurt a M.; fiaufenftein u. Vogler in fccntfwt «■ M., Berlin Lkirzig- Köln rc.; Rudolf Weife in Berlin, Frank- * surr a. Ai. rc.

verfolgt. Ich muß schließlich Eure Geduld und Langmut in Anspruch nehmen, doch nein, ich werde mich beherrschen, es muß alles ertragen werden, bis eS besser geht."

Die beiden Damen gingen Arm in Arm nach dem Schlosse zurück, um sich im Kreise der gräflichen Familie zu bewegen.

Der Graf und die Gräfin Königshof befanden sich mit ihren beiden Söhnen, Theobald und Oskar, in einem salon- artigen Zimmer, als die beiden Mädchen eintraten. Es kam durch die Anwesenheit der Damen bald eine freudige Stimmung in die Gesellschaft. Anna war fröhlich und lustig und wurde deshalb in bezug auf ihre Hochzeit geneckt, und Gabriele entfaltete alle ihre Liebenswürdigkeit, ihre Anmut, ihren feinfühligen Verstand, so daß alle von ihr entzückt waren.

Der alte Graf schien überglücklich über die Mädchen, auch das Antlitz der Gräfin strahlte von Glück und Graf Theobald schien in der Gegenwart GabrielenS seine unglück­selige Leidenschaft für sie vergessen zu haben. Gabriele war auch freundlicher als sonst gegen ihn und daS Glück, in der Nähe deS angebeteten Mädchens zu sein, sie sprechen und plaudern zu hören, schien dem junger. Grafen alle traurigen Bedenken der Zukunft vergeffen zu machen. Graf Theobald konnte infolge seiner feinen Erziehung und seine- angeborenen Talentes ein anderer sein, als im Garten in der Szme mit Gabrielen, wo ihn Leidenschaft und Ent­täuschung nahezu rasend gemacht hatten. Graf Theobald war anscheinend in bester Stimmung und über alles, was er von Gabrielen utb feiner Schwester plaudern hörte, entzücke.

(Fortsetzung folgt.)

Srschemt täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Fe,erlagen. Preis für daS Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „Jllnstrirte« Bountag-blatt" durch die Sxpebition (« ° ch'sche Buchbruckerer) bezogen 2'/. Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr., - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 ®fa

Für in ber Expedition zu ertheilende Auskunft unb Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

■>i Gabriele," entgegnete Anna. „Ich hoffe, daß Du nun endlich wieder Dein früheres Wesen gewinnen wirst, damit h s tic Zeit bis zu meiner Hochzeit recht angenehm ver-