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Marburg, Donuerslag, 30. November 1882
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Berlin: SB. Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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trburg, 44.
vom Landtag.
Berlin, den 28. November.
In der heutigen (9.)Plenarsitzung deSAbgeordneten- hauseS wurde bei Fortsetzung der zweiten Beratung des Haushaltsetats zunächst der
verschlungene Pfade.
Novelle von R- Hoffmann.
(Fortsetzung.)
Gabriele war durch diese verzweifelte Anstrengung deS Grafen, ihre Liebe zu erringen, in einige Verlegenheit gebracht. eilige Sekunden zögerte sie mit der Antwort, dann sagte sie mit Gleichmut:
„Wenn Sie sich Aemter und Würden erworben haben, Graf, wenn Sie ein berühmter Mann geworden sind, dann werde ich Sie höher schätzen als bisher, dies weiß ich benimmt, aber ob ich Sie dann lieben, Ihnen mein Herz schenken werde, das weiß ich nicht ich bezweifle dies sogar ernsthaft."
Bei aller Würde, mit welcher Gabriele diese Worte gesprochen hatte, schoß doch dem Grafen da« Blut ins Gesicht. Die Enttäuschung war ihm zu hart, er bebte vor Zorn und Wut und rief trotzig und drohend aus:
»Ihr Herz gehört einem anderen, Gabriele, sonst würden Sie nicht in dieser Weise sprechen, aber ich schwöre Ihnen bei dem ehrlichen Namen, den ich trage, mag der, den Sie lieben, sein wer er will, Sie werden entweder mich °der ihn, nach ehe Ihre Vermählung stattfindet, tot sehen."
Der Mann, welcher diese furchtbare Drohung ausge- prochen hatte, wandte jetzt Gabriele den Rücken. Diese sandte ihm wohl noch einen Blick des HasieS und der Verölung nach, dann sank sie aber auf die Bank, auf welcher Iw vorher gesessen, nieder, rief die Hände ringend mit Worten Oet deutlichsten Seelenqual aus:
„O, könnte er doch fein Bruder feinl" und weinte 6ann lange und bitterlich.
Im Schlosse des Grafen Königshof wohnte nicht mehr lachende, glänzende Glück, wir in der Zeit, wo Gabriele
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Etat der Lotterieverwaltung erledigt. Der Abg. Peters (Zentrum) führte aus, daß alle Erscheinungen des öffentlichen Lebens in dieser Beziehung für eine Vermehrung der Lotterielose sprechen. Besonders betont er aber die Notwendigkeit, daß in der Verteilung der Lotteriekollekturen ein anderes Verfahren als gegenwärtig beliebt werde. Abg. Strosser hofft dagegen, daß die Staatsregierung eine Vermehrung der Lotterielose nicht beantragen und das Haus event. solchem Anträge nicht zustimmen werde. In Rücksicht auf die Verteilung der Lotteriekollekturen tritt er dem Vorredner bei. Abg. Reichensperger (Köln) ist der Meinung, daß man die Gefahren der Klassenlotterie gegenüber dem Börsenspiel nicht allzu tragisch nehmen dürfe. RegierungSkommiffar Geh. Ober.Finanzrat Rüdorff erwidert, daß er keine Veranlassung habe, auf die Frage der Vermehrung der Lotterielose einzugehen, da eine solche gar nicht in Frage stehe. Was die Anzahl der Lotteriekollekteure betreffe, so müsse die Staatsregierung ihre Wahl auf Männer richten, die mitten im Leben stehen und namentlich auch dem Staate die nötige finanzielle Garantie bieten. Abg. Strosser entgegnet dem Abg. Reichensperger, daß er au die Unterdrückung des Börsenspiels ebenfalls hoffe. Abg. Frhr- v. MinNigerode hofft, daß das Zentrum im Reichstage die Bestrebungen der Konservativen, betreffs der Unterdrückung des Börsensptels, unterstützen werde. Abg. Peters erklärt, daß er der Staatsregierung als solcher keinen Vorwurf habe machen wollen. Abg. Stengel kann nicht finden, daß das Lotteriespielen an sich demoralisierend wirke; im Gegenteil, er würde persönlich, nach Lage der Sache, sogar einer Vermehrung der Lotterielose zu- i stimmen, wenn sämtliche deutschen Lotterien beseitigt würden. Für den kleinen Mann sei die Lotterie ein Verderben.
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Die Expedition der Oberhess. Ztg.
mutten h »nluna, । unser lj.
Ordenskommission, des Geheimen ZivilkabinetS, der Ober- Rechnungskommission, der Prüfungskommission für höhere Verwaltungsbeamte, deS DiSziplinarhofeS, des Gerichtshofes ur Entscheidung der Kompetenzkonfllkte, des Gesetzfamm- lungS-Amtes werden debattelos genehmigt.
Das Haus geht darauf zu dem Etat des Ministeriums des Innern über. ..
» Bei Titel 1 der Ausgaben (Ministergehalt) regt Mg. Frhr. v.M innige rode die Frage einer Teilung der Regierungsbezirke Königsberg und Gumbinnen an.
Minister des Innern v. Puttkamer bemerkt, daß diese Frage tm Schoße der Staatsregierung bisher noch nicht zur Sprache gekommen sei. Wenn der Vorredner auf seine Erfahrungen (als .Regierungs-Präsident von Gumbinnen) bezug genommen, so müsse er doch erklären, » m s"."erseits während seiner dortigen Amtsführung das Bedürfnis nach Verkleinerung nicht - gefühlt habe? Di- Regierung werde indes die Sache im Auge behalten, allerdings fei der Regierungsbezirk Königsberg sehr ausgedehnt.
Abg. Dirichlet erklärt sich gegen eine solche Zer- stuckelung, wie sie der Abg. v. Minnigerode verlange. Solche Forderungen würden übrigens den Etat sehr belasten. 7
216g. Bachem weist auf die augenblickliche große Wassersnot am Rhein und der Mosel hin und bittet um nähere Auskunft von der Regierung.
Minister des Innern v. Puttkamer erwidert, daß die dauernden Regengüsse der letzten Wochen bei der Staatsregierung in steigendem Maße die Befürchtung ein- tretender Kalamitäten in der Rheinprovinz wachgerufen haben, und es sei eine dauernde Kommunikation zwischen den Provinzialbehörden und der Staatsregierung über das Wachsen der Gefahr im Gange. Nach einer hier einge? gangenen Depesche des Regierungspräsidenten in Koblenz werde diese Befürchtung bestätigt. Rhein und Mosel hätten z~ höchsten Wasserstand dieses Jahrhunderts erreicht.
nr‘ Maiestät dem Kaiser habe er von der Sachlage Mitteilung gemacht und den Regierungspräsidenten in Koblenz ersucht, über die Entwicklung der Sache heute weiter zu telegraphieren. Sollte sich die Kalamität noch nL t mnbcmn J?crbe cr mit Genehmigung Sr. Majestät sich selbst an Ort und Stelle begeben, um, soweit eS menschenmöglich, Hulse zu leisten. Weitere Nachrichten werde er dem Hause sofort mitteilen. (Beifall.)
2lbg. Dr. ThileniuS begründet, wie in früheren Sessionen, die Wünsche wegen endlicher Reorganisation des neteorologischen Instituts. Seitens des Regierungsvertreters wird auf die thatsächlichen B-rhältniffe hingewiesen, welche der erwünschten Regelung selten« Preußen zur Reit entgegenstehen, da die Verhandlungen mit dem Reiche noch
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bnreaux von ®. 8. Daube u. 6a. in Frankfurt a.M.;JLaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendauk in
{, »Hast Du Deinen Sinn geändert, Anna?" fragte an- bie ®t5M Deine Liebe für dm Grasen erkaltet r — /
»Rein, durchaus nicht," erwiderte Anna unter neuen Ahränen. Ich liebe ihn noch wie zur Zeit, als wir unsere Verlobung feierten, ja noch mehr, aber er . . . "
Die Gräfin war betroffen von diesen Worten ihrer Tochter, doch schienen ihr dieselben nicht ganz unerwartet zu kommen, wie man aus ihren klugen Augen urteilen tonnte. Sie wollte und mußte als Mutter sich indesien von ihrem Verdachte überzeugen und fragte mit zärtlicher Dttmme:
„Du irrst Dich vielleicht, mein Kind? Hat Dir denn Dein Bräutigam schon greifbare Beweise seiner Sinnesänderung gegeben?"
„Nein, das gerade nicht," antwortete Anna noch immer in Thränen.
„Nun, wo ist dann die Ursache Deines Argwohns, Deines Kummers?" fiel die Gräfin lebhaft ein. '
•®a ' e e , schluchzte Anna und rang die Hände. .. . »Gabriele? tief die Gräfin blitzschnell aus. „Sollte »eiben ?"ro°9en' ®Unft ®eint8 Bräutigams "zu er- b^5"''^chü"elt-traurig den Kopf und setzte schwermütig hinzu: „Gabriele ist nicht schuld I" *
»D'es-S unglückselige Mädchen!" tief jedoch die Gräfin SS? °<£6' Ä bringt jetzt lauter Ungück über unsere Familie. Dem Sohne hat sie eine fast wahnsinnige Leidm- 'chast eingeflößt und dem Bräutigam ter Tochter wird sie gefährlich. ®te soll unser Haus sobald als möglich bet* lasse», ehe das Maß des Unglücks voll wird."
(Fortsetzung folgt).
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Anzeigen nimmt entgegen: bi: Expedition d. Blattes, souri. d.Annoncen-Bureaux o. Th. Dietrich u. Co. in Kaff.'l und Hannover; Th. Dicirich in Frankfurt a M.; Haisenstein u. Vogler in Srcntfurt a. M., Berlin, Leipzig. Köln rc.; Rudolf L'toffe in Berlin, Frank- furt a. d)t. rc-
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Buch^?ucke?ei)"bez°?en^2v!^a^1>mch"7ie^ostä^ sStfJe?’but* i-»
~ in der Expedition zu ertheiLde AuLnft u^L^°voKdL°S bie “> W.
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Die Staatsregierung müsse bei der Auswahl der Lotterie- kvllekteure nicht bloß die von dem RegierungSkommiffar er- wahnten Rücksichten nehmen, sondern auch darauf sehen, daß die Kollekteure nicht Männer seien, welche die Lose auSbenten. Nicht bloß das Börsenspiel, sondern auch das Hazardspiel vornehmer Gesellschaftskreise müsse beseitigt ?erba ’ Uebrigens wäre die Börsensteuer nicht bloß von den Konservativen, sondern auch von dem Rentrum be- beShalb der Appell an die Mitwirkung des Letzteren überflüssig. Abg. S t r o s s e r konstatiert die Verschiedenheit seiner Ansicht über Moralität von derjenigen des Abg. Stengel. Abg. v.Eynern warnt davor, mit dem unsoliden Börsenspiel auch das solide zu treffen und dies nach dem Auslande zu drängen. Der Etat wird darauf genehmigt.
t ^tot bes Seehandlungs - Instituts erklärt Abg. Mhr. v. Minnigerode feine Befriedigung über die wirtschaftlichen Erscheinungen, welche der letzte Bericht der königlichen Leihämter darbietet. Zugleich ist er erfreut darüber, daß die Sechandlung in neuester Zeit mehr, wie früher, die Geldgeschäfte des Staates leite. Regierungs- kommissar Unterstaatssekretär Mei necke bestätigt, daß in neuester Zeit die Seehandlung allein mit dem staatlichen Finanzgeschäft betraut fei, und daß sie zur Realisierung größere Bankhäuser rc. heranziehe. Abg. Kieschke hält dafür, daß die Seehandlung dann auch ohne Beteiligung der Bankhäuser die betreffenden Geschäfte erlediget, müsse. Im übrigen stellt er in Aussicht event. einen Antrag auf Verkauf der Bromberger Mühlen einzubringen. Unter- staatsfekrctär Meinecke wiederholt dem Vorredner gegenüber, daß feit dem März 1880 die Sechandlung allein die Konsols verkaufe, sowie deren Kurs bestimme; die resp.Kon- sortien hätten über die Preisfestsetzung nichts zu bestimmen. Die Behauptung des Abg. Büchtemann, daß die See- Handlung sich lediglich an die größeren und bestimmte Bankiers wende, um die Konsols zu begeben, weist der Unterstaatssekretär Meinecke als irrig zurück. Die See- Handlung verkaufe selbst direkt an der Börse oder an Private. Da sie sich auch an größere Bankiers wende, wenn es sich um große Summen handle, sei natürlich; ein bestimmtes Äonfortium aber, wie früher, bestehe überhaupt nicht mehr. Abg. Frhr. v. Minnigerode erwidert auf direkte Interpellation des Abg. Kieschke, daß er sich vorher auf eine ganz objektive Anfrage, ob für das Bromberger Mühlen- etabliffement schon ein Käufer da fei, beschränkt habe. Der Etat wird darauf bewilligt.
Der Etat der Münzverwaltung veranlaßt keine Debatte. Beim Etat des Bureau des Staatsministeriums wird über den Dispositionsfonds für allgemeine politische Zwecke (93000 M.) besonders abgeftimmt, derselbe im übrigen ohne Debatte bewilligt. Der Etat der Staatsarchive wird von der Tagesordnung abgesetzt. Die Etats der Generalin die Familie des Grsten ausgenommen worden war, wenigstens konnte man dies in den Gemächern der Damen bemerken. Die Gräfin und Comtesse Anna, welche in einem prächtigen Eckzimmer des Schlosses sich befanden, zeigten auf ihren Gesichtern Ernst und Verstimmung, ja es schien sogar, als nagten an ihrem Herzen geheime Sorgen. Mutter und Tochter waren in einem Gespräche begriffen.
Die Gräfin sagte eben:
„Die Besuche Deines Bräutigam« wiederholen sich in letzter Zeit sehr häufig, Anna, wir werden wohl von nn- serm Wunsche Abstand nehmen müffeu, Euch erst im nächsten Jahre zu vermählen. Ich habe schon mit dem Vater darüber gesprochen, er ist auch der Meinung, daß Eure Hochzeit schon früher, vielleicht noch in diesem Sommer statifinden soll, es dürfte dies bester für Euch beide fein." Comtesse Anna hatte auf diese Rede der Mutter nicht die freudige Antwort, die man wohl hätte vermuten können. Sie hing traurig das Köpfchen und aus den sonst so munteren Augen rollten schwere Thiäneu die Wangen hinab. ö
„Die Gräfin bemerkte die Thränen und rief besorgt: „WaS ist Dir, mein Kind?"
Doch Anna fand noch immer keine Worte, um den Kummer auszudrücken, den ihr Herz bewegte. Sie sprang auf, fiel der Mutter um den Hals und schluchzte laut. ES kostete der Gräfin einige Mühe, ihre Tochter zur Fassung zu veranlassen und sie zur Offenbarung iheS Kummers zu bewegen. Anna schluchzte fort und preßte mit faft von Thränen erstickter Stimme hervor: „Der Gang zum Altäre mit meinem Bräutigam wird mir schwer werde», ich zittere jetzt vor Furcht und Angst bei dem Ge- danken daran."