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Marburg, Dienstag, 28. November 1882
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OltkkMchk jfitniig.
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Bom Landtag.
Berlin, den 24. November.
In der heutigen (7.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses wurde zunächst der Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des hannoverschen Gesetzes vom 30. Juni 1842 über das Verfahren in GemeinteilungS- und Verkoppelungssachen, in 3. Lesung definitiv ohne Debatte angenommen.
Darauf trat das Haus in die Spezialberatung des Etats. Zunächst kommt der Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung zur Verhandlung; derselbe beläuft sich in Einnahme auf 2154000 M. und in Ausgabe auf 2 047 597 M. Mit Rücksicht auf das zuvor angenommene hannoversche Gesetz wird auf Antrag des Abg. Lauenstein Tit. 1 der Einnahmen (Auseinandersetzungsbehörden) und der entsprechende Titel der Ausgaben an die Budgetkommisston verwiesen.
Bei den Ausgaben für die Tierarzneischule in Berlin wünscht Abg. Berger, daß die Gehälter der Lehrer der Tierarzneischule denen der Lehrer au der landwirtschaftlichen Hochschule gleichgestellt werden. Der Minister vr. LuciuS entgegnet, daß er diesen Wunsch an sich für berechtigt halte, daß er aber eine Erfüllung desselben vor einer allgemeinen Erhöhung der Beamtengehälter nicht in Aussicht stellen könne. Die landwirtschaftliche Hochschule sei übrigens mit besonders hervorragenden Kräften besetzt.
Die Abgg. Tannen, Bohte und Seer beklagen die Höhe der tierärztlichen Kontrollekosten, welche die Ausführung des ViehseuchengesetzcS verursacht. Der Herr Minister weist indes auf die großen Gefahren hin, welche eine nicht ganz strenge Handhabung jenes Gesetzes mit sich führen.
Abg. v. Enckevort dankt dem Minister für die Sorge, welche er seit der vorigen Session seinem damals ausgesprochenen Wunsche gemäß den Fischereiverhältnissen seines Wahlkreises (Ückermünde) bewiesen habe; er bitte indes, diese Sorgfalt noch weiter auszudehnen.— Abg. Schmidt
(Stettin) spricht auch seinerseits verschiedene Wünsche auf dem Gebiete des Fischereiwesens aus, die der Minister auch zu erfüllen bereit ist, sobald die Etatsverhältniffe es gestatten.
Abg. See Husen (Vertreter des Wahlkreises Osterode- Neidenburg) bittet die Regierung, dafür Sorge zu-tragen, daß in den großen Landseen seines Wahlkreises den ärmeren Leuten die Fischerei wieder zugänglich gemacht werde, die ihnen jetzt durch polnische Geschäftsleute entzogen sei. Abg. Schmidt (Stettin) regt die Förderung der internationalen Fischcreikonvention an.
Bei dem Extra - Ordinartum dieses Etats spricht Abg. Köhler den Wunsch aus, daß sämtliche landwirtschaftliche Hochschulen einem Ressort unterstellt würden. (Gegenwärtig untersteht Göttingen noch dem Kultusministerium.) Der Herr Minister erklärt, daß die vollständige Konzentration dieser Hochschulen schon seit längerem in Aussicht genommen sei.
Eine längere Diskussion führte die Position von 500000 Mk. zur Förderung genossenschaftlicher Flußregulierungen herbei. Es ist von der Budgetkommission diese Position mit Befriedigung begrüßt und von derselben die Einfügung der Worte „und kommunaler" beantragt. Im Plenum selbst fand die Position gleichfalls volle Zustimmung. Nur wurde von der einen Seite eine Beschränkung der Kommisstonsfaffung, andererseits die Verwendung ganz allgemein für Flußregulierungen beantragt. Abg. Kieschke wünschte außerdem nähere Auskunft über die Verwendungsart dieser Fonds im allgemeinen. Minister Lucius betont, daß dieses Extraordinarium motiviert sei durch die Wasserschäden der beiden letzten Jahre. Bisher sei die landwirtschaftliche Verwaltung ganz ohne Mittel gewesen, Wasserschäden kleineren Umfangs abzuhelfen. Allerdings werde ein solches Bedürfnis sich auch in späteren Jahren und für den ganzen Umfang geltend machen. Die Meliorationsfonds der Provinzen hätten zu dem vorliegenden Zwecke bisher nicht füglich verwendet werden können. Wem der Fonds jetzt auch zunächst im Extraordinarium erscheine, so bitte er, ihn doch mit dem Wohlwollen zu behandeln, wie sie ihm die Budgetkommisston erwiesen. Gegenwärtig erscheine die Summe als ein Dispositionsfonds, der kaum aus- reichen werde, allen Bedürfnissen zu genügen. Die Mittel würden übrigens auf alle Provinzen zu verteilen sein. Wenn das Haus auch das Wort „genossenschaftlicher" streichen sollte, so werde er es doch für richtig halten, vorzugsweise die genossenschaftlichen Flußregulierungen zu berücksichtigen. — Abg. Freiherr v. Heere man empfiehlt die Einfügung des Wortes „kommunaler" beizubchalten. Die Bildung von Wassergenossenschaften nehme im Lande keinen rechten Fortgang; er wolle daher auch die Kommunen an den Wohlthaten des Gesetzes teilnehmen lassen. Unter Kom-
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Verschlungene Pfade.
Novelle von R. Hoffmann.
(Fortsetzung.)
„Da steht draußen im Koriidor," fuhr Graf Königshof fort, „ein junger, schr vornehm aussehender Mann mit glühenden Wangen und blitzenden Augen und es entwickelt sich zwischen ihm und mir folgendes Zwiegespräch:
„Warum klopfen Sie an die Thür? Sie scheinen sich in einem Irrtum zu befinden, junger Herri" —
„Nein, ich befinde mich in keinem Jrrtume, mein Herr. In diesem Zimmer ist eine junge Dame, die ich anbete." —
„Das wird Ihnen vorläufig nichts nützen, mäßigen Sie Ihre Leidenschaft, junger Mann". —
„O Gott, ich ahne rechtI Sic, dieser alte Mann, sind der Gatte dieser jungen Dame. Sie dürfen diesen Engel nicht besitzen, eö ist eine Schande, ein Jammer. . . ." —
„Ich glaube, Sie sind von Sinnen, junger Mann!" „Ich, von Sinnen?! Ich bin Graf de MörS und bin dieser Dame, die ich anbete, von Paris aus nachgereist."
Nun, dann können Sie jetzt Ihre Heimat^eise wieder antreten, Herr Graf!" —
„Wie, Sie spotten meiner, Sie, Sie, Sie alter Mann ohne Herz. Ich muß mich mit Ihnen duellieren, ich will lieber tod sein, als diese Dame in Ihrem Besitze wissen."
Ich konnte mich jetzt des Lachens nicht mehr enthalten, was diesen Grafen de Mörs wütend machte, so daß er unverzüglich Genugthuung forderte. Ich gab sie ihm, indem ich ihm erklärte, daß ich der Graf KönigShof sei, in dessen Familie die junge Dame einen längeren Aufenthalt zu nehmen gesonnen sei.
„Also sie ist noch unvermählt!" jauchzte der Graf.
„Ja, sie ist unvermählt!" erwiderte ich. „Ihre Legitimation und Werbung um daS Fräulein wollen Sie zu
nächst bei dem Marquis de Durandot in Paris anbringen, ich kann und darf mich mit den Herzensangelegenheiten dieser Dame nicht befassen."
„Marquis de Durandot!" rief Graf de MörS jammernd aus. „Der unver öhnliche Feind meines VaterS besitzt diese herrliche Tochter. Entsetzlich! Entsetzlich!"
Nack diesen Worten verschwand der Graf wie von einem Donnerschlage hinweggeführt. Ich stand noch einen Augenblick, wie um mich von der Wahrheit dieses Vorganges zu überzeugen und kehrte dann in die Zimmer Gabrielens zurück. Da ich wohl annehmen konnte, daß sie von dem lauten Gespräche etwas gehört hatte, teilte ich ihr in kurzen Worten den Vorgang mit. Gabriele zeigte dabei nicht die geringste Verlegenheit und erklärte, daß sie niemals mit einem Grafen de Mörs irgend welchen Verkehr gehabt habe. Damit war für mich diese Affaire beendigt. Eine Stunde später reisten wir ab und sind kurz noch Mitternacht glücklich in Schloß KönigShof angekommen." —
Die Gräfin und Anna waren mit wachsender Aufmerksamkeit der Erzählung des Grafen gefolgt und als sie am Schluffe derselben aufathmeten, konnte die Gräfin die Bemerkung nicht unterdrücken, daß Gabriele zu den gefährlichen Schönheiten zu gehören scheine.
„Nan, mag sie den Herzen junger Männer gefährlich seinl Warum soll sie da» nicht?" lachte der Graf. „Uns ist ste nicht gefährlich, für uns wird sie im Gegenteile die interessanteste und angenehmste Gesellschafterin sein, die wir je in unserem Hause begrüßt haben. Wir wollen bei ihr anfragen lassen, ob sie uns empfangen kann, damit der Alp der Unbckanntschaft mit Gabriele von Euch genommen wird."
Eine Viertelstunde später begaben sich der Graf, die Gräfin und Comtesse Anna nach den Zimmern Gabrielens.
mune verstehe er indes nicht eine Gemeinde im engeren Sinne, sondern weitere Kommunalverbände, Kreise rc. Den Generalplan, den der Abgeordnete Kieschke vom Ministerium verlange, schon jetzt vorzulegen, sei schon deshalb unmöglich, weil die Unterstützung von dem erst mit der Zeit eintretenden Bedürfnisse abhängig sei. — Abg. Büchtema nn bekämpft die Einfügung M Wortes „kommunaler", weil damit den Provinzen prinzipiell Lasten abgenommen würden, wozu die MeliorattonSfondS bestimmt feien. — Der Minister teilte noch mit, daß dem Hause in kurzer Zeit eine Mitteilung über den Umfang der nötigen Wasserregulierungen werde vorgelegt werden. Abg. Freiherr v. S ch o r l e m c r - A l st meint, daß diese 500 000 M. dem Bedürfnisse nicht genügen werden, wünscht aber, daß der Fonds in Zukunft im Ordtnarium erscheinen werde. Abg. Wessel v^teidigte ein von ihm eingebrachtes Amendement, während Abg. v. Hülsen den KommisstonSantrag empfahl. Nach weiterer, mehr persönlicher Debatte wurde der KommisstonSantrag mit erheblicher Majorität angenommen.
Der Etat der Zentralverwaltung der Domänen und Forsten gab zu keiner Debatte Veranlassung.
Bei dem Etat der Domänen betont der Abg. v. Mehr r- Arnswalde den Rückgang der Landwirtschaft, den er auf die niedrigen Wollpreise zurückführt, ohne etwa einen Schutzzoll auf Wolle befürworten zu wollen. Abg. Seer bittet, beim Extraordinarium dieses Etats die Verzinsung der den Domänenpächtern zur Dränierung vorschußweise gegebenen Kapitalien um 1 Prozent herabzusetzen. Der Minister will die Sache in Erwägung setzen. Abg. Dirich- let wünscht eine strengere Prüfung der Anschläge, aus Grund deren die Bewilligung in Dränagen erfolgen. Abg. vr. v. Heydebran d konstatiert, daß die Dränage der Domänen doch vor Allem dem Staate selbst zu gute komme. Der Gegenstand führte zu weiteren kurzen Auseinandersetzungen zwischen den beiden letztgenannten Abgeordneten; daS Extraordinarium wurde darauf bewilligt.
Regierungskommiffar Donner giebt einige Nachweise über die nicht günstige Lage der Forstwirtschaft. Abg. Fornet bestreitet, daß durch die Holzzölle daS Interesse der Klein-Grundbesitzer geschädigt werde. Abg. v.Schor- lemer-Alst spricht sich ebenfalls für erhöhte Holzzölle aus, welche den vaterländischen Wald erhalten und vermehren helfen sollten, zur Hebung deS Wohlstandes und der Gesundheit. Fortsetzung der Debatte am Montag, vormittags 11 Uhr.
Deutscher Reich.
Berlin, 25. Nov. Der „Reichs-Anzeiger" publiziert eine Bekanntmachung des StaatsministeriumS vom 25. d., Dieselbe empfing die gräflichen Herrschaften in einer ebenso einfachen als geschmackvollen Morgentoilette. Mit elastischen Schritten näherte sich Gabriele den beiden Damen, verbeugte sich mit vollendeter Grazie, küßte die ihr borge« botenen Hände und dankte mit den herzlichsten Worten ihrer glockenreinen Stimme für die gute Aufnahme, die sie, eine Fremde, Unbekannte, gar nicht verdiene.
Die Gräfin wie ihre Tochter waren ganz entzückt von der Schönheit, Anmut und Bescheidenheit Gabrielen», welche bald aller Herzen im Sturme erobert hatte. ES begannen nun Wochen und Monate eines nie vorher im Schlosse KönigShof gekannten Glücks. ES enwickelte sich zwischen der gräflichen Familie und Gabriele de Durandot eine seelische und geistige Harmonie, wie man eine solche nur in den seltensten Fällen anzutreffen pflegt. Der Stern des Glücks war Gabriele. Sie war der Comtesse Anna eine Schwester, ein Muster und Vorbild und dem gräflichen Ehepaare eine zweite Tochter geworden. Ihre äußeren glänzenden Eigenschaften hatten Gabrielen nicht im geringsten oberflächlich gemacht, sondern ihre Erziehung, ihr Sinn und Wesen war von Hause aus auf Harmonie gerichtet gewesen. Dabei war sie indessen nicht nur im höchsten Grade liebenswürdig, taktvoll und bescheiden, nein, sie war offenbar seit Jahren auch bestrebt gewesen und war es noch, ihrem Geiste eine entsprechende Bildung zu geben. Sie zeichnete und malte reizend, verstand das Piano trefflich zu dem Wohlklang ihrer Stimme zu spielen, sprach da» Deutsche und Italienische fast wie ihre Muttersprache, hatte ein warmes Herz für alles Edle und Höhere im Leben und trieb zum Verständnis desselben die notwendigen Wissenschaften, ohne nur mit einer Silbe den Blaustrumpf zu verrathen, so daß man bei ihrem Herzen und Geiste sogar ihre strahlende Schönheit zeitweise vergessen konnte.
(Fortsetzung folgt.)