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Qröucg, Sonntag, 26. November 1882

xvii Jahrgang

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27. Decfa (an. 188z ,Ä io. J

Anzeigen nimmt entgegen, die Expedition d. BlatteS: sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube u So. in Frankfurt a. M; Jöaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidevdankin Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: zj> Expedition d. BlatteS, fotDk d.Annoncen-Bureaux ' xh. Dietrich u. So. in a'ajs-l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; kmosenstein u. Vogler in Scantfurt a. M , Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Mffe in Berlin, Frank- * ' furt a. -St. rc.

tn ber Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreflen werden 25 Pfg. berechnet. * 9 ®

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Art. 63 ist dem Redner unzweifelhaft.

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Entscheidung des vorliegenden Falles schaffen, seien von so großer staatsrechtlicher Tragweite, daß die äußerste Vorsicht geboten sei. So klein und unbedeutend die Frage im Ion« kielen Falle erscheine, so drehe sich doch um den Art. 63 der Verfaffung unser ganzes Verfassungsleben. Aber auch materiell s i der Inhalt der Verordnung nicht unwichtig; 18 werde eben ein ganz neues organisches Verwaltungsgesetz auf einen anderen LandeStell übertragen. Die Konsequenzen solchen Verfahrens könnten dazu führen, daß mit der »plumpen Macht der Majorität" (Oho! rechts) die orga­nischen Verwaltungsgesetze ebenso auf die westlichen Pro­vinzen übertragen würden. Sein Antrag involviere durch­aus kein Mißtrauen gegen die Staatsregierung, basiere

Born Landtag.

Berlin, den 23. November.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Beratung der Verordnung vom 24. August 1882, betreffend die Ver- Netung des Laucnburgischen Landes - Kommunalverbands, fort. Zuvor teilte Abg. Delius als Vorsitzender der Gemeindekommisston den Inhalt verschiedener Petitionen mit, welche bezüglich dieses Gegenstandes beim Hause etn- gegangen sind. Diese Petitionen haben indes der Kom­mission noch nicht zur Beratung vorgelegen.

Abg. v. Meyer-ArnSwalde erklärt sich für die Ge­nehmigung der Vorlage; daß dieselbe erfolgen müffe, hält er für selbstverständlich. Er nehme auch hauptsächlich daö Wort nur, um sich gegen die disziplinarische Befugnis, die der Abg. Hänel gegen die Rechte sich gestern angemaßt, zu verwahren; (derselbe hatte die Mahnung an dieselbe richtet, nicht zu lachen). Die formelle Berechtigung Regierung zum Erlaß der Verordnung auf Grund

Abg. Dr. Gneist hält die kommiffarischeBeratung der Wichtigkeit cer Frage für unbedingt notwendig; die Forderung einer solchen sollte auch von dem Parteistand­punkte ganz unabhängig sein. Die Präzedentien, die eine

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Die Expedition der Oberhess. Ztg.

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Berschlungeue Pfade.

Novelle von R. Hoffmann.

(Fortsetzung.)

Nicht ohne Gefahr?" fragte die Gräfin betroffen. VIch hätte wegen des Fräuleins ein Duell haben können, wenn ich zwanzig Jahre jünger wäre," sagte halb R scherzend, halb ernst Graf Königshof und fuhr fort: ""Nun, ich will Euch den Vorfall kurz erzählen. Vor- Skstern abend traf ich in Koblenz ein und schickte sofort knien Dici er in alle Hotels, um wich nach der Ankunft Fräulein de Durandot zu erkundigen, ich erfuhr jedoch, daß bis zu dieser Zeit noch kein Fräulein dieses Namens 'n einem der Koblenzer Hotels abgestiegen war. Erst am ^echmittage des andern Tages erhielt ich die Nachricht, ^6 daS Fräulein de Durandot in Begleitung einer älteren im Hotel Preußischer Hof eingetroffen sei. Sofort Ak! «kga'> ich mich dorthin und wurde nicht wenig überrascht, N« Hotelgäste in einer großen Aufregung zu finden. Ich nogte den Oberkellner nach der Ursache dieser seltsamen Aufregung, doch dieser konnte es mir mit Worten gar ">!hi genau mitteilen, er lachte und sagte mit der Hand M der gutbesetzten Speisetafel deutend: Da sehen Sie Witzin, gnädigster Graf, Sie können sich dann das Rätsel seicht selbst besser lösen, als ich Ihnen die Ursache dieser Änderbaren Aufregung unter unseren Gästen erklären kann. $ ließ meine Blicke an der langen Tafel hinabgleiten «id bemerkte nun, wie sich die an dem untern Teile sitzen- ,fn Herren und Damen in merkwürdigerweise zu schaffen Achten, Blicke wechselten, die Köpfe schüttelten, halblaute ^vrte fallen ließen und sonst noch gestikulierten. Am teetn Ende der Tafel dagegen hatten eine Anzahl Herren 2p Plätze verlassen und sich beobachtend auf die Seite N«llt, einzelne spazierten sogar gemütlich um das untere ^de der Tafel herum und richteten dabei stet« ihre Augen

nickt auf Fraktionspolitik, sondern verlange nur Rücksicht auf das Ländchen Lauenburg und Vorsicht wegen der aus dem heutigen Beschluffe sich ergebenden Konsequenzen.

Abg. W i n d t h o r st entgegnet, daß der Vorredner leider nicht immer so über dieplumpe Macht der Majorität" gedacht habe. Die Katholiken litten noch heute unter den von solcher beschlossenen Gesetzen. Die verfassungsmäßige Zulässigkeit der Verordnung hält er wie gestern für zweifel­los. Auch materiell würde er heute wie gestern, wo gar keine materiellen AbänderungSanträge Vorgelegen, keine kom- miffarifche Beratung für nötig halten, wenn nicht inzwischen wichtige Nova eingetreten wären (Aha! rechts.). Diese Nova seien in den erwähnten Petitionen enthalten, welche eine materielle Aenderung der Verordnung beantragen. Diese Wünsche müßten gründlich gepiüft werden, deshalb sei er jetzt für eine kommissarische Beratung.

Abg. Hänel betont, daß gegen die formelle Zulässigkeit der Verordnung die Thatsache spreche, daß eine Notver­ordnung nichts weiter enthalten dürfe, als was zur Be­seitigung der Not erforderlich sei. Dies sei aber eben mit der Verordnung nicht der Fall. Die hauptsächlichen materiellen Gesichtspunkte, die der Vorredner jetzt hervor­gehoben, seien von ihm selbst gestern schon erwähnt. Zu bedauern sei übrigens, daß bei einer so wichtigen Ver­fassungsfrage der Herr Justizminister nicht im Hause an­wesend sei. Schließlich entgegnete der Redner auf die per­sönlichen Angriffe des Abg. v. Meyer.

Abg. Dr. v. Heydebrand u. d. Lasa ist im Gegen­satz zu dem Vorredner der Ansicht, daß auch jetzt nach Mitteilung der Petitionen, die übrigens schon gestern bekannt gewesen seien, kein Grund vorliege, die Angelegenheit einer kommissarischen Prüfung zu unterziehen. Die Aeußerung des Abg. Gneist von derplumpen Majorität" zeige wenig Achtung vor den Beschlüssen dieses Hauses. UebrigenS könne von einer Majoristerung in dem Sinne des Herrn Gneist umsoweniger die Rede sein, als der Beschluß der konservativen Partei auf einer reiflichen, eingehenden und objektiven Prüfung der Sachlage beruhe. Daß die kon­servative Partei mit ihrem Beschlüsse nicht der Negierung ein Vertrauensvotum auszusprechm beabsichtige, habe er schon gestern im Eingänge seiner Rede erklärt.

Abg. Berling machte Bedenken gegen den materiellen Inhalt der Vorlage geltend, welche von dem RegierungS- kommiffar Geh. Rat Haase widerlegt wurden.

Abg. Windthorst konstatiert, daß der mit der For­derung einer Prüfung deS eingegangenen Materials noch keineswegs die Relevanz desselben anerkenne, und polemisiert gegen die von den konservativen Vorrednern gemachten Bemerkungen über die Bedeutung konservativer Grmid- anschauungen.

auf einen bestimmten Punkt. Ich dachte in diesem Augen­blicke nicht an Anstand und Etiquette, denn ich wollte doch auch sehen, um waS eS sich hier handelte und begab mich ebenfalls auf einen Spaziergang um die Speisetafel. Da erblicke ich drei Sitze vom unteren Ende derselben entfernt eine junge Dame von nie gesehener Schönheit.

In stolzem Anstande wie eine Königin sitzt sie da, der majestätische Wuchs verrät sich s-lbst in der sitzenden Stel­lung, eine üppige Fülle hellbrauner, glänzender Locken wallt ihren Nacken hinab, glänzend weiß ist ihr Teint und doch rosenfarbig von Jugendfrische angehaucht das Antlitz selbst wie von einem ersten Künstler nach den Joealen der Alten in Marmor gemeißelt, dunkle Augenbrauen von wunder­barem Ebenmaß begrenzen die Stirn, seidene Wimpern be­decken die großen Augen. Wie gebannt stehe ich vor dieser bezaubernden Schönheit und beginne zu begreifen, warum sämtliche Anwesende sich in Aufregung befinden. Dabei kann ich nicht umhin, den wunderbaren Takt der Dame zu bewundern. Keinen Blick wendet sie den Gästen zu, sie vermeidet geflissentlich, jemanden anzusehen, sie unterhält sich nur mit einer älteren, zu ihrer Linken sitzenden Dame und nimmt das Tiner mit dem feinsten Anstande ein. Ich kehre zum Oberkellner zurück und frage, ob sich Fräulein de Durandot auf ihrem Zimmer befinde. Der Oberkellner sieht mich groß an und sagte bann: Die Dame vort ist Fräulein de Durandot. Mir schießt das Blut in den Kopf, daß ich nicht gleich an G briete gedacht hatte. Frei­lich so schön war sie noch nicht, als ich sie vor Jahren zum lktztenmale in Paris beim Marquis de Durandot ge­sehen, erst jetzt hatten sich Körper und Geist, wie eS schien, bei ihr vollkommen entfaltet, die damals knospende Wun­derblume zeigte jetzt ihre vollständige Blüte und war kaum wiederzuerkennen. Ich warte das Ende ber Tafel ab und als sich Gabriele mit ihrer Begleitung erhebt, nähere ich

Darauf wurde ber Schluß ber Debatte beantragt und, nach pikanten persönlichen Bermerkungen der Abgg. von Meyer-Aruswalde und Dr. Hänel, gegen die Stimmen ber beiben rechten Fraktionen beschlossen, die Vorlage einer Kommission von vierzehn Mitgliedern zur Vorberatung zu überweisen.

Schluß der Sitzung gegen 3 Uhr. Morgen vormittag 11 Uhr Beratung verschiedener Spezial-EtatS.

Deutsche« Reich.

Berit«, 24. Nov. Der Kaiser ist mittags um l3/4 Uhr mit dem Prinzen Wilhelm und Friedrich Karl nach Springe zu den Jagden abgereist. Der deutsche Botschafter am russischen Hofe, General v. Schweinitz, hat sich heute vormittag nach Varzin begeben. Durch Aller­höchste Kabinetts - Ordre ist der General der Infanterie, v Frausecky, Gouverneur von Berlin, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches unter Belastung in seinem Ver­hältnis als Chef des 5. Pommerschen Infanterieregiment- Nr. 42 und ä la suite des 1. Magdeburgischen Infan­terie-Regiment« Nr. 26, sowie unter Verleihung deS Schwarzen Adlerordens in Brillanten mit Pension zur Disposition gestellt, und dagegen der Generallieutenant, Frhr. v. Willisen, Kommandeur der 28. Division, zum Gouverneur von Berlin ernannt worden. Mittelst Allerhöchster Kabinettsordre sind ferner folgende Personal- Veränderungen beim Gardekorps eingetreten: Der General­major v. Caprivi, Kommandeur der 2. Garde-Jnfanterie- Brigade, ist mit der Führung der 30. Division, sowie der Oberst v. Derenthall, Kommandeur des 1. Garderegiments zu Fuß, unter Belastung in seinem Verhältnis als Flügel- Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs, mit der Führung der 2. Garde-Jnfanteriebrigade beauftragt, und der Oberst v. Lindequist, unter Belastung in feinem Ver­hältnis als Flügeladjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und unter Entbindung von dem Verhältnis als Kommandeur der Schloßgarde-Kompagnie, zum Komman­deur des 1. Garderegiments zu Fuß ernannt worden. Wie aus Stettin berichtet wird, findet daselbst am 28. d. der Stapellauf eines von der Stettiner Maschinenbau- Aktien-GesellschaftVulcan" für die chinesische Regierung erbauten Kriegsschiffes statt. Dieser Akt wird mit einer entsprechend großen Feier vollzogen werden und eS sind Einladungen zu l iesem Feste auch an hiesige hervorragende Persönlichkeiten ergangen. Die jüngst im ReichSamte des Innern unter Zuziehung von Sachverständigen statt­gehabten kommissarischen Beratungen über den Entwurf zu einer Verordnung, betreffend die zum Beikauf gestellte Kuh­milch, erstreckten sich nicht allein auf die in diesem Ent- mich ihr und nenne ihr mit der höflichsten Verbeugung meinen Namen. Wer beschreibt da die darauf folgende Szene? Gabriele wendet unter der allgemenen Aufmerksamkeit der Anwesenden ihre großen Augensterne gegen mein Antlitz, Freude und Dank spiegelt sich in denselben und mit dem verbindlichsten Lächeln, welches je das Antlitz einer Dame gierte, machte sie vor mir eine Verbeugung so voll Anmut und Würde und doch auch so voll Demut und Bescheiden­heit, daß ich vor ihr stehe, wie ihr H rr und Gebieter.

Rufe des Erstaunens und des Unwillen« wurden um uns laut. Man schien mich zu beneiden ober zu glauben, daß ich die schöne Dame in meiner Gewalt hätte. Ich reichte Gabriele meinen Arm und führte sie nach den Zim­mern, die sie im Hotel bewohnte. Dort brachte sie mir die besten Empfehlungen vom Marquis und der Marquise de Durandot, ich überzeugte mich, daß sie die Reise ohne Schaden bisher zurückgelegt habe und erfuhr von ihr, daß die ältere Dame, die mit unten an der Tafel saß, eine Gesellschaftsdame sei, die zum Schutze GabrielenS die Reise von Paris bis Koblenz mltgemacht habe, nun aber wohl wieder nach Paris zurückkehren könne, da Gabriele, wie sie sagte, die Ehre habe, von mir geleitet zu werden. Kaum habe ich dann noch Gelegenheit gehabt, dem Fräulein de Durandot mitzuteilen, wie sehr meine Gemahlin und Toch^r sich über ihre Ankunft freuen würden und spreche noch den bereitwilligst aufgenommenen Wunsch aus, daß mein Wagen vielleicht in einer Stunde vorfahren könne, um die Reise nach Schloß Königshof sortzusetzen, da klopft jemanb ganz ungestüm an die Thüre. Es fällt uns natür­lich nicht ein, den unverschämten Kwpfer hereinzurufen, sondern ich begebe mich zur Thüre, um zu erfahren, was das ungestüme Klopfen bedeuten soll."

(Fortsetzung folgt )