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Nr 274

Marburg, Mittwoch, 22. November 1882.

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Anzeigen nimmt entgegen: hi; Expedition d. Blattes, f0;viv d.Annoncen-Bureaux d. LH- Dietrich u. Co. in jkafftl und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M-; Haafenftein u. Vogler in Frankfurt a. B! , Berlin, Lci.-zig, Köln ic.; Rudolf Mffe in Berlin, Frank­furt a. :Dt. ic.

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Anzeigen nimmt entgegen, die Expedition d. BlatteS: sowie d.Aimoncen-Bureaux von G L. Daube u C». in Frankfurt a. M; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalider dank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erschemt täglich außer an den Werktaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS SormtaaSblatt" durch die Expedition (St o ch'fche Buchdrucker-,) bezogen 2*/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr., JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Deutsche- Reich.

Berlin, 20. Nov. Der Kaiser erteilte heute, mittags, dem nach Petersburg zurückkehrenden Botschafter, General v. Schweinitz, und hierauf dem russischen Minister GierS Audienzen; zu dem nachmittags bei dem Kaiser stattfin­denden größeren Diner find beide mit Einladungen be­ehrt. Das Präsidium deS Abgeordnetenhauses wurde gestern nachmittag um 2 Uhr von Sr. Majestät dem Kaiser und König in Audienz empfangen. Herr v. GierS ist von Varzin hier eingetroffen und bleibt heute morgen hier. Morgen wird ihm zu Ehren ein kleines Diner bet dem russischen Botschafter Herrn v. Saburoff stattfinden. DieNordd. Allg. Ztg." erklärt die Meldung verschie­dener Blätter, der Finanzminister habe seinerseits zwar auf die Erhöhung der Lotterielose von neunzigtausend auf hun- dertfünszigtausend verzichtet, sei aber einer entsprechenden Anregung des Abgeordnetenhauses gerne zu folgen geneigt, für jedes thatsächlichen Inhalts entbehrend. Betreffend den Beschluß deS BundeSrateS auf die Petition BleichröderS, diesem die von der Steuerbehörde nachträglich auferlegte Zahlung von 80000 Mk. auf italienische Rente zu er­raffen, schreibt dieNordd. Allg. Ztg." gegenüber dem Hamburger Korrespondenten", der in dem Beschlüsse deS BundisratcS allerlei Folgen bezüglich der veränderten Stellung deS Bundesrats zur Frage des SteuererlaffeS er blickl<: von einem Versehen der Steuerbeamten könne in diesem Falle nicht die Rede sein. Nach derNat.-Ztg." hat der Bundesrat die getroffene Entscheidung ausdrücklich als auf Billigkeitögründen bezeichnet; wesentliche Bedenken haben den BundcSrat bewogen, von einer höheren Steuer Abstand zu nehmen. Die Stellung der Telegraphen­techniker der Eisenbahndirektionen ist namentlich nach der Verstaatlichung der Bahnen etwas unklar geworden, wes­halb die Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahn-Ver- waitungen zur Befestigung dieser Stellung und zur einheit­lichen Schaffung der Reffortverhältniffe des Telegraphen- und Signalwrsens innerhalb deS großen Rahmens der bestehenden allgemeinen Organisation folgende Vorschläge macht. Die vorgenannten Techniker erhalten jeder eine bestimmte Strcckenabteilung von 7001000 km. zuge­wiesen, für welche sie die gesamten Reffortgrschäfte, die für die in ihrer Abteilung liegenden BctriebSämter auflaufenden Erhaltungs- und Kontrolarbeiten mit einbegriffen, zu führen und ihre Erledigungen unter persönlicher Verantwortung der Entscheidung deS betreffenden Dezernenten der Direktion zuzuführen haben; die oberste Instanz aber wahrt die Einheitlichkeit und approbiert und entscheidet die vorbe- hallenen Fragen unter Mitwirkung eines fachwiffcnschast- lichen Funktionärs, welcher in gleicher Weise, wie dies hinsichtlich der sonstigen Teile deS Eisenbahndienstes ge­schieht, das auf Signal- und Telegraphenwesen bezügliche Referat zu üben hätte. Wie vor einigen Monaten ge­meldet worden ist, hat der Minister deS Innern zur et» --

Der Wolleuberg Sei Wetter ia Oberhesse«.

(Schluß.)

Wenden wir uns nun zu dem, was in geschichtlicher und sonstiger Beziehung der Wollenberg beachtenswertes, auch wohl anziehendes darbietet.

Am süd-östlichen Ende desselben befinden sich fünf Schanzen; die eine liegt in dem, der Stadt Wetter gehörenden Haine. Von dieser Schanze einige hundert Schritte westlich entfernt befinden sich drei Schanzen ziemlich nahe an ein­ander, von denen die mittelste den größten Umfang hat. Alsdann kommt noch eine kleinere Schanze im Forstorte Wetterschlag in der Höhe nach den so genannten Anlagen zu. Diese Schanzen sind dermalen größtenteils durch Nadel­holz verdeckt, was insbesondere bei der zuletzt erwähnten der Fall ist, und verdanken ihre Entstehung dem während des siebenjährigen Kriege« in Heffen vielgenannten, all- ssemein gefürchteten und berüchtigten Obersten Fischer, der sie an den Tagen deS 25. bis einschließlich 27. August de» Jahre» 1759, als er mit seiner Freischar oberhalb Wetter auf einer Abdachung deS Wollenberges ein Lager bezog, von seiner Mannschaft errichten ließ, während damals zu­gleich noch ein Teil dieser Freischar, sowie noch andere ffanzöstsche Soldaten die Stadt Wetter beseht hatten. Wenn Schriftsteller über den siebenjährigen Krieg dem gedachten Obersten Fischer einen Vorwurf darüber gemacht haben, daß er seine Lagerstätte am Wollenberge nicht gehörig ge- stchert und gedeckt habe, als et in der Nacht vom 27. auf den 28. August 1759 von den Verbündeten (Alliierten) überfallen und mit bedeutendem Verluste zurückgeschlagen

folgreichen Durchführung deS behufs der Zwangserziehung verwahrloster Kinder bestehenden Gesetzes auch die Mit­wirkung der katholischen Geistlichkeit in Anspruch genom­men. Infolge dieser Anregung haben nun auch die Bischöfe von Ermland und Kulm die Pfarrgcistlichen ihrer Diözesen angewiesen, den Verwaltungsbehörden bei AuS- sührung de« bezeichneten Gesetzes im Sinne dcS Ministerial- reskripts hülfreiche Hand zu leisten, nachdem auch die an­deren Landesbischöfe in ebendiesem Sinne verfügt hatten. Es war vorgekommen, daß ein Amtsvorsteher in einer der Kreisordnungsprovinzen einen ihm von dem Gendarmen eingelteferten Landstreicher sieben Tage in seinem Amts- gefängnifle zurückbehalten und erst an dem letzten Tage dem Amtsrichter des Bezirks hat zuführen lasten. Der deshalb zur Verantwortung gezogene AmtSvorstcher recht- fertigte fein gegen die Vorschrift des § 128 der Straf- Prozeßordnung verstoßendes Verfahren damit, daß er in­folge Einwendungen deS Festgenommenen erst in eine Er­mittlung habe dntreten müssen, um eine Grundlage für' seine Beurteilung zu finden, ob der Festgenommene auf freien Fuß zu setzen sei oder nicht. Da diese Austastung offenbar dem Gesetze widerspricht, der AmtSvorstcher viel­mehr, wenn die Berechtigung zur Freilastung sich nicht zweifellos ohne weiteres ergiebt, die unverzügliche Zuführung de» Verhafteten an den Amtsrichter des Bezirks zu bewirken und diesem daö weitere zu überlasten hat, so ist in diesem Sinne Anweisung für die Amtsvorsteher ergangen, da­mit sie sich nicht der Gefahr auSsetzen, wegen Frei­heitsberaubung zur Verantwortung gezogen zu werden. Professor v. Trestschke hat in seinenPreuß. Jahrbüchern" einen Aussatz über dm Ausfall der Wahle» veröffmtkicht, in welchem er den Nationalliberalen folgende gute Lehren flieht: Nie förmliche Neugestaltung der Fraktionen, die Bildung der von vielen Stellen ersehntenMittelpartei" erscheint vorderhand völlig aussichtslos, so lange im Reichs­tage andere Parteiverhältniste bestehen als im Landtage. Aber auch eine freie Verständigung zwischen den Konserva­tiven und den gemäßigten Liberalen ist leioer schwieriger, als sie dem Draußenstehenden scheinen mag; denn die nationalliberale Preste hat während der letzten vier Jahre, so lange sie um das goldene Kalb dergroßen liberalen Partei" tanzte, in Schmähungen und Verdächtigungen gegen die Konservativen aller Farben das Menschenmögliche geleistet, und eS liegt nicht im deutschen Charakter, solche Freundschaftsbeweise rasch zu vergess n. Ein fruchtbares Zusammenwirken mit den Konservativen ist für die national- liberale Partei nur dann möglich, wenn sie sich in eie Folgen der erlittenen Niederlagen ergiebt und unbefangen einsieht, daß eine Fraktion, welche seit Jahren beständig Einbußen erduldet hat, nicht mehr in der Lage ist, den Ausschlag zu geben. Der Schwerpunkt des neuen HauseS liegt in den Fraktionen der Rechten, und diese werden der nationalliberalen Partei fein Vertrauen schenken, so lange sie nicht durch die That beweist, daß sie die Kunst, zwischen

wurde, so geht hieraus hervor, daß dieselben die betreffenden Oertlichkeiten durchaus nicht gekannt haben. In einem späteren Aufsätze über den Ueberfall und die Zersprengung der Fischerschen Freischaren bei und in Wetter werden wir hierauf zurückkommen.

Gleichzeittg mit diesen Fischerschen Schanzen entstand eine solche am westlichen Enke des Wollenberges, ganz in der Nähe der Quelle, die wir oben bei den Nomen er­wähnt haben. Diese Schanze hat der damalige Oberst­leutnant Luckner, welcher die Vorhut der zu jener Zeit in dem Dorfe Warzenbach und Umgegend liegenden, unter dem Befehle des Generals vou Wangenstein stehenden Mann­schaft anführte, aufwerfen lasten, als derselbe hier bei seinem Vordringen nach der Lahn mit seinen Leuten lagerte, wie dies oben schon angeeeutet worden. Diese Schanze ist be­deutend kleiner, als eine der Fischerschen; noch jetzt wird diese Lucknersche Lagerstelle allgemeindaS Lager" genannt. Auf der im Buchhandel zu bekommenden so genannten Preußischen Generalstabskarte ist diese Lagerstelle mit den Worten: alte Schanzen angegeben. ES ist jedoch hier nur eine Schanze vorhanden gewesen, deren Umriste noch sicht­bar sind; die Fischerschen Schanzen sind dagegen auf dieser Karte nicht angemerkt, obwohl sie die Aufmerksamkeit vieler, der Kriegsführung kundiger Personen auf sich ziehen dürsten.

Wahrscheinlich noch zum ForstorteNonne" gehörig, an besten nördlicher Seite am Abhänge nach dem Dorfe Oberndorf zu, befinden sich einige, der quarzitischen Grau­wacke angehörende Felsenblöcke, welche dermalen durch junges Nadelholz dem fernen Auge entzogen sind. Diese Stein­blöcke werden der Moogstein genannt und sollen diesen

zwei Stühlen zu sitzen, nicht mehr für die Blüte staats­männischer Weisheit hält. Wenn die Konservativen immer zu befürchten haben, daß sich daS unnatürliche Bündnis zwischen der Fortschrittspartei und dem Nationalliberalismus von neuem schließt, dann muß die Macht de« Zentrums unausbleiblich wachsen und die Gefahr einer konservativ- klerikalen 'Mehrheit wieder näher rücken. Der Kronprinz empfing nachmittags GierS in Audienz. Der Besuch des russischen Ministers Giers gilt als Ausdruck der guten und intimen Beziehungen zu Rußland, ohne daß ihm irgend­welche Spezialzwecke zu Grunde liegen. GierS dürste Ge­legenheit nehmen, vor seiner Rückkehr nach Petersburg auch Kalnoky in Wien zu besuchen.

Durmstadt, 18. Nov. Die Erwerbs- und Wirtschafts­genossenschaften der Provinz Starkenburg hatten bei der Regierung eine Abänderung der rechtsrheinisch geltenden Pfandgesetzgebung in der Richtung erbeten, baß zu gunsten der Genossenschaften das Verbot des Vertrages, daß im Falle nicht erfolgender Zahlung der Pfandgläubiger daS Recht haben solle, daS Pfand außergerichtlich zu verkaufen, beseitigt und ihnen gleiche oder ähnliche Rechte, wie solche die Bank für Handel und Industrie in Darmstadt kraft ihrer Statuten besitze, eingeräumt werden möchten. Nach­dem sich die Regierung durch Anhörung der Zentralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbever-in überzeugt Hatto, daß in fraglicher Richtung allerdings ein wesentliches Bedürfnis vorliege, und auch die gerichtlichen Behörden, soweit sie über die Frage gehört wurden, sich in diesem Sinne geäußert, ist nunmehr den Ständen ein Gesetzent­wurf zugegangen, der dem fraglichen Wunsche in sehr zweckmäßiger Weise abzuhelfen bestimmt ist. Es sollen nämlich auf die Faustpfandverträge der als Genosfenschaften eingetragenenen Vorschuß- und Kreditvereine die Vorschriften der vom kaufmännischen Faustpfand handelnden Art. 309 und 311 deS allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuches auch in dem Falle Anwendung finden, wenn der Pfandbesteller kein Kaufmann ist oder die Schuld nicht auS einem beider- feiligen Handelsgeschäfte herrührt, und zwar soll diese Vor­schrift nicht bloß für tie rechtsrheinischen Provinzen, sondern auch für Rheinhessen gelten. Die Befugnis, die verpfände­ten Sachen nach dem derzeitigen Börsenkurse in die eigene Kaste zu ziehen, welche der Bank erteilt ist, hielt man für zu weit gehend.

München, 18. Nov. Der oberbayerische Landrat setzte in seiner gestrigen Sitzung das Geschäft des Streichens an Schulausgaben fort. Für Stipendien an der hiesigen Frauenarbeitsschule sind postuliert 7200 M., bewilligt wer­ben 3200 M. Beim Etat derdeutschen Schulen" werden gefordert an Gehaltszuschüffen für weltliche Lehrerinnen 7000 M., bewilligt 3200 M. Für die Vorstände der Lehrerkonferenzen fordert die Regierung 10300 M., be­willigt werden 6000 M., ein Abstrich übrigens, mit dem man sich einverstanden erklären kann, da nicht abzusehen ist, warum die Lehrer-Konferenzen nicht durch die Kreis-,

Namen von einem Manne namens Moog, angeblich von Sterzhausen gebürtig, führen, welcher sich hier längere Zeit verborgen gehalten, weil er der Teilnahme des am 29. Dezember 1806 stattgehabten Aufstandes oberhessischer Lanbleute gegen die französische Besitzergreifung Hessens beschuldigt und deshalb verfolgt wurde.

Wir kommen nunmehr zum Schluste unserer Mit­teilungen, indem wir noch der, an der Ostseite des Wollen- bergeS, oberhalb der Stadt Wetter befindlichen, zu Ver­gnügungen dienenden Waldanlagen gedenken, welche in den 1820er Jahren von dem damaligen JustizamtSaktuar Frömbling mit vieler Mühe uns Umsicht, auch nicht ohne Geschmack angelegt worden sind und deshalb noch zuweilen die Frömblingschen Anlagen genannt werden. Diese An­lagen sind in neuerer Zeit weiter nach Süden hin aus­gedehnt worben, haben aber nach ihrer Westseite hin in ihrer früheren Ausdehnung nicht unbedeutend verloren, was, dem Vernehmen nach, darin seinen Grund gehabt hat, daß vor etwa 8 Jahren auf Anordnung eines damals zu Wetter wohnenden höheren Forstbeamten alle die hier ge­standenen Bäume gefällt worden sind, welche seither nicht allein zu einem Teil der Anlagen gehörten, sondern auch seither der ganzen Anlage von der Westseite her Schutz vor den Sonnenstrahlen, sowie überhaupt einen solchen vor Zug und Wind gewährten, so daß nunmehr da« Verweilen an der hier noch verbliebenen Stelle der Anlagen vielfach gemieden wird. Zur Unterhaltung dieser Anlagen wird zwar jährlich ein gewisser Betrag au« der StaatSforstkasse gewährt, derselbe wird aber zuweilen wegen seiner Unzu­länglichkeit von Bewohnern der Stadt Wetter vermehrt.