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JRarBurg, Sonntag, 19. November 1882

XVII Jahrgang

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steht. Die guten Erfolge der Steuerreform im Reiche zeigen sich gegenwärtig schon darin, daß Preußen nicht blos an- Reich nichts mehr zahlt, sondern 31/* Millionen von dem­selben empfängt; um so mehr ist die weitere Durchführung der Steuerreform geboten. Das Extraordinarium ist auf zirka 44 Millionen Mark bemessen; 11 Millionen mehr als im laufenden Jahre.

Der Herr Finanzminister kommt endlich bei einem Rück­blicke auf eine Reihe der verflossenen letzten Finanzjahre zu dem Schlüsse, daß in unseren Staatsverhältnissen ein Mißverhältnis zwischen unseren Einnahmen und Ausgaben besteht, und daß der wünschenswerte Ausgleich nur mit Hülfe des Reiches möglich fei.

Der Gesetzentwurf, betreffend die Beseitigung der vier untersten Stufen der Klassensteuer ist noch nicht zum Ab­schluß gelangt. Derselbe wird aber die gesamte Finanz­lage nicht alterieren, da der Ausfall von 11 Millionen gedeckt werden soll durch Besteuerung des Vertriebes gei­stiger Getränke und deS Tabaks. Der Herr Finanzminister bittet schließlich, in eine, wenn auch strenge, doch wohl­wollende Beratung des Etats einzutreten.

Nächste Sitzung Mittwoch, den 22. November, 11 Uhr (Erste Lesung des Etats).

vo« Landtag.

Berlin, den 17. November.

(Abgeordnetenhaus.) Die 3. Sitzung eröffnete Prästdent v. Köller heute nachmittag bald nach 1% Uhr. Am Ministertische befinden sich dir Minister v. P u t t k a m e r, Maybach, vr. Luciuöund Scholz. Nach Erledigung einer Reihe geschäftlicher Angelegenheiten nahm alsbald das Wort:

Finanzminister Scholz, um den neuen Etat im Zu­sammenhänge mit der ganzen Finanzlage des Staats in eingehender Weise und unter großer Aufmerksamkeit des Hauses zu rechtfertigen.

Der Abschluß deS Etatsjahres 1881/82 ist als ein unbefriedigender eben nicht zu bezeichnen, zumal der Gesamt­mehrbedarf von etwa 12 Millionen, der hervorgetreten ist, durch Ersparnisse resp. Mehreinnahmen bei den Betriebs­verwaltungen gedeckt ist.

Die wahrscheinliche Gestaltung deS laufenden Etats­jahrs wird gleichfalls voraussichtlich keine ungünstige sein. Trotzdem ist die überspannte Erwartung nicht berechtigt, daß die Zeit der Defizite vollständig abgeschlossen sei. DaS laufende Etatsjahr wird voraussichtlich allerdings mit einem mäßigen Ueberschuffe abschließen rS ist dabei indes nicht zu übersehen, daß bisher erst die Ergebniffe von 6 Monaten vorliegen. Die Betriebsverwaltungen ergeben wahrscheinlich einen erheblichen Mehrüberschuß. Minder­einnahmen treten aber besonders bei den indirekten Steuern und namentlich bei den Gerichtskosten hervor. So wenig letzteres im Interesse des Landes selbst zu beklagen ist, wenn es auch nicht dem Jntereffe der Staatskaffe ent­spricht, so ist doch eine andere in aussicht stehende erheb­liche Mindereinnahme, nämlich die au« der Forstverwaltung, an sich bedenklich und deshalb ernstlich bedacht darauf zu nehmen, der ausländischen Konkurrenz auf diesem Gebiete cntgegcnzutrcten. Alles in allem wird der laufende Etat voraussichtlich mit einem Ucberschuß von nur ca. 3 Mill, abschließcn.

Der neue Etat (für daS Jahr 1883/84) übertrifft den laufenden Etat um 134 Mill. (1089 Mill.), materiell indes nur um 51 Mill. Derselbe wird auch einer Anleihe von nahezu 32 Mill, bedürfen. Diese ist inde- Haupt' sächlich hervorgerufen zunächst durch den nur geringen Ueberschuß deS Vorjahres und dann durch den notwendig niedrigeren Ansatz von Gerichtskosten. Die Staatsregierung ist der Uebcrzeugung, daß Steuerer laffe, auch wenn sie ohne formelle Garantie eingrtreten, nicht wieder rückgängig gemacht werden können. Deshalb erscheint die frühere ganze Summe der Steuerrrlaffc von 20482000 Mk. auch jetzt wieder. Der Etat der Eisenbahnverwaltung, bei seiner Eigenart mit ganz besonderer Vorsicht aufgestellt, wird immerhin noch einen Reinüberschuß von 3 Millionen Mark gewähren. Die Staatsschuld beträgt am 1. April 1883 voraussichtlich 4682000000 Mk., eine Höhe, die zu den Besitzungen des Staats indes im günstigsten Verhältnisse

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Der Wolleuberg bei Wetter i» Oberhesse«.

(Fortsetzung.)

Kehren wir nunmehr zu unserem, anscheinend seither übersehenen Wollcnberge zurück.

Wenn auch ein ganzer Berg einer Gottheit geweiht war, so war doch immer nur eine bestimmte Stelle dieses Beraes, und nicht der ganze Berg selbst, an welcher dieser Gottheit Opfer dargebracht wurden. Diese Stelle war der Hain, woselbst außer der eigentlichen Opferstätte, die nur der Priester betreten durfte, die Volksversammlungen und die BolkSgerichte gehalten wurden. Man dachte sich zur Zeit des Sommers, wo die Bäume noch mit ihrem Laub­ichmucke gekrönt sind, die Gottheit in diesem Haine sich aufhaltend und nahm an, daß hier die Wohnung, da« Heim d» Gottheit sei. Einen solchen Hain hatte auch der Wollen- ürrg an seiner Süd-Ostseite. Die Stelle, wo dieser Hain gewesen, wird noch jetzt der Hain genannt, ist dermalm »der statt mit hohen Eichen und Buchen mit Kiefern br- bflanzt.

Außer durch den Namen deS Wollenberg«- selbst und durch den eben erwähnten Hain werden wir ferner noch durch den besonderen Namen eine« Teile« diese« Berge« übermal« in da- heidnisch« Altrrtum zurückgeführt. Bei alten Germanen kam r« vor, daß st« auch noch anderen federen Gottheiten an besonderen Stellen dr« Berge«, welcher ?vcr Hauptgottheit geweiht war, Verehrung erwiesen. So illlden wir an der nord westlichen Seite des Wollenberges, ^vrrhalb des Dorfes Warzenbach, eine ziemlich lange, bet« W sich bis zur Höhr dieser Brrgsrite erstreckende Berg-

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eS ist demgemäß der Kirchenvorstand mit Bescheid versehen worden. Die Frage, ob einzelne Kategorien von Unter­beamten der Staatseisenbahn-Verwaltung diätarisch oder etatsmäßig anzustellen seien, ist wiederholt Gegenstand der Erörterung im Abgeorcnctcnhause gewesen. Zuletzt wurde darüber, wenn wir nicht irren, im vergangenen Frühjahr in der Budzetkommisston und in der Plenarsitzung vom 21. März aus Anlaß eines Antrages der Agg. Büchtemann und Rickert verhandelt, welche die etatsmäßige Anstellung dieser Beamten verlangten. Die StaatSregierung hat wiederholt Veranlaffung genommen, ihre Stellung in dieser Frage kund zu geben. In den Kommisstonsverhandlunzen erklärte sie, daß die diätarische Anstellung eingeführt wor- der sei, weil sie als daS geeignet/e Mittel angesehen wor­den, um gewissen Mißständen abzuhelfen, welche bei der Regelung der dienstlichen Bezüge der etatsmäßig angestellten Beamten in Bezug auf Orts- und AnziennitätSverhältniffe hervorgetreten seien. Die Kommissarien der Regierung fügten indessen schon damals hinzu, daß die Regierung bereit« Verhandlungen eingeleitet habe zur Prüfung der Frage, ob der angegebene Zweck nicht auch auf einem an­deren Wege unter Beibehaltung der etatsmäßigen Anstel­lung der betreffenden Beamten zu erreichen sei. Der Referent der Budgetkommisston empfahl besonders aus diesem Grunde dem Hause, den Antrag Büchtemann abzu­lehnen, waS denn auch geschah. Es erscheint uns nicht unwichtig, dieses Sachverhältniß klarzulegen mit Rücksicht auf Aeußerungen oppositioneller Blätter, welche sich neuer­dings zu Unrecht wiederum den Anschein geben, als seien cs die fortschrittlichen Abgeordneten, welche hier auf die Entschließungen der Regierung eingewirkt und damit den betreffenden Beamten ein besonderes Wohlwollen be­wiesen hätten. ES ist dagegen mehr als einmal nachge­wiesen, daß die vermeintlichen Nachteile der diätarischen gegenüber der etatsmäßigen Anstellung auf einer mangel­haften Kenntnis des Sachverhaltes beruhen, daß in der disziplinarischen Stellung beider Beamtenkategorien ein Unterschied nicht bestehe, und daß namentlich bestimmungs­gemäß die etatSmäßigen Untcrbeamten ebenso wie die dtä- tarischen nur auf Kündigung angestellt werden. Im Uebrigen nehmen wir an, daß der demnächst zur Vorlage gelangende Etat für das Jahr 1883/84 darüber Aufschluß «eben wird, ob und zu welchen Ergebnissen und Ent­schließungen die damals von der Regierung eingeleiteten Erhebungen geführt haben.

Berlin, 17. Nov. Am 16 November wurde unter dem Vorsitze deS Staatsministers v. Bötticher eine Plenar­sitzung des BundeöratS abgehalten. Die Versammlung nahm Kenntnis von der Vorlage betreffend die zwi chen der königlich preußischen Regierung einerseits und der groß­herzoglich sächsischen sowie der herzoglich sachsewkoburg- gothaischen Regierung andererseits schwebende Streitigkeit wegen der Heranziehung der thüringischen Eisenbahn zu Kommunalabgaben in preußischen Städten. Gemäß den nicht zu ermitteln, - alte Forstkarten enthalten nicht- hierüber.

Bei der Einführung der Christentum« verloren di« heidnischen Gottheiten ihr Ansehen und fielen mit dem nunmehr auftauchenden Glauben an einen Teufel zusammen indem sie nunmehr selbst als Tkufcl angesehen wurden! Hiervon machten jedoch die Nornen eine Ausnahme, denn sie wurden jetzt als Wohllhäterinnen und Schutzgeister der Menschen angesehen, da sie nunmehr in anderer, dem Christentum angepaßten Bedeutung erschienen, sodaß sogar für sie gebetet wurde. Der Name Norn scheint jetzt bei­nahe verklungen zu sein. Jakob Grimm will das Wort Nom jetzt nur noch einmal vorgefunden haben, nämlich in der Gemarkung von Dauernheim bei Nidda, wo im Felde ein Brunnen der Nornbrunnen genannt wird. ES geht hieraus mit Sicherheit hervor, daß Jakob Grimm den Wollenberg mit feiner Nornwand nicht gekannt hat wie wir schon oben andeuteten, weil er sonsten unsere Nornwand sicherlich mit in den Bereich seiner Forschungen gezogen hätte. Die vorgedachte Quelle in der Nähe der Nornwand liefert reichlich ein reine-, Helle- Trinkwaffer und das von ihr abfließende Waffer wird bis zu seinem Einfluß in den nicht weit entfernt davon fließenden Warzen­bach der Bornbach genannt. Der Nomborn bei Dauem- heim hat dagegen nach Wolff, Hessische Sage, ein dunkle«, aber nicht trübe- Waffer, das von auffallender Kälte ist und von den Leuten nicht geturnten wird, weil durch besten Genuß Fieberkrankheiten entstehen sollen.

(Fortsetzung folgt.)

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoneen-Bureaux von @ 8. Daube u E». in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendantin

Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, foii. d.Annoneen-Bureaux rh- Dietrich u. Co. in s'aff-l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M ; ßaafenftein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln re.; Rudolf Moste in Berlin, Frank­furt °. Ä. re.

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Berli«, 17. Nov. Die telegraphische Verbindung mit Frankfurt, Köln, Leipzig, Dresden, Pari«, Brüste!, London, Petersburg und Riga ist infolge elektrischer Erd­strömung zeitweise gestört. Dem Abgeordnetenhause ist die Ueberstcht von den Staatseinnahmen und Ausgaben mit dem Nachweise von den Etatsüberschreitungen und den der nachträglichen Genehmigung bedürfenden außeretats- mäßigen Ausgaben für das Jahr vom 1. April 1881/82 zugegangen. Wie schon erwähnt, ist auch dem Abge­ordnetenhause bereits die Uebersicht der von der Staats­regierung auf Anträge und Resolutionen des Hauses an­der letzten Session d. I. gefaßten Entschließungen zuge­gangen. Allgemeines Jntereffe haben folgende Punkte. Unterm 8. März a. c. hatte das Abgeordnetenhaus Peti­tionen von Lehrerkollegien resp. ordentlichen Lehrern und Oberlehrern einer Anzahl Gymnasien und Realschulen I. Ordnung um Gleichstellung des Gehalts der Lehrer an den höheren Unterricht-anstalten mit dem der Richter I. In­stanz der StaatSregierung als Material für die in Aus­sicht stehende Aufbesserung der Beamtengehälter überwiesen. Die Staatsregierung erklärt nun, diesem Anschlüsse ent­sprechen zu wollen. DaS Abgeordnetenhaus hatte unterm 19. April die Petition des katholischen Kirchenvorstandes der katholischen Pfarrgcmcindr von St. Gangolph in Trier wegen Rückzahlung von Ex, kutivstrafgeldern aus Billigkeits­gründen der königlichen Staatsregierung zur Berücksichti­gung überwiesen. Die StaatSregierung hält indes auch nach wiederholter Erwägung an ihrer Auffassung fest und wand, welche dieNorn' oder auchNornwand" heißt. Dieser allgemein im Munde deS Volke» lebende, von der Vorzeit auf uns überkommene Name deutet darauf hin, daß diese Bergwand eine den Nomen geweihte Kultuöstätte gewesen ist. Die Nornen, die wir bereits schon oben er­wähnt haben, waren bei den alten Germanen diejenigen Schicksalsverkünderinnen, welche bei den Griechen und Römern den Namen Parzen führen. Es waren drei Schwestern, die Urdh, Verdandt und Skuld genannt wurden; ie bestimmten jedem Menschen bei dessen Geburt sein Gc- chick und seine Lebenszeit und werden deshalb die Schick- alSschwestrrn genannt. Die beiden erst erwähnten waren wohlwollend, während die dritte Schwester, die Skuld, als die böse Macht bezeichnet wurde. Diese Schicksalsschwestern erhielten in besonderen heiligen Hainen ihre Verehrung; ihr Aufenthalt ist gewöhnlich an Quellen und Brunnen, wo sie da- Schicksal der Menschen bestimmen. Auch der Wollenberg hat ganz in der Nähe der Nornenwand eine Duelle, die jetzt vielfach unter dem Namen:Luckners- brunnen" bekannt ist, und wohl bei den alten Germanen als ein Aufenthaltsort der Nomen, deren Kultus in der bei dieser Quelle befindlichen Bergwand statthatte, angesehen wurde. Der jetzige Name dieser Quelle rührt daher, daß im siebenjährigen Kriege, nämlich gegen daS Ende de« Monat- August des Jahre« 1759, der damalige Oberst­leutnant Luckner am westlichen Fuße deS WollenbergeS in der Nähe dieser Quelle ein Lagerstätte halt« und daß besten Mannschaften diese Quelle benutzten. Ob die Quelle früherhiu einen anderen Namen gehabt hat, vielleicht die Nornquell« oder der Nomborn geheißen hat, war hi« jetzt

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