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JRfltßutg, Mittwoch, 15. November 1882

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Vorgehen verhältnismäßig leicht erscheinen lassen; mindestens könnte doch das Ministerium verhindern, daß neu« Strecken das Verzeichnis gleichnamiger Stationen fernerhin ver­mehrten. Die 21. Plenarsitzung des Reichstags, die erste nach der Vertagung, ist auf Donnerstag, den 30. November nachmittags 2 Uhr, angesetzt. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Dritte Beratung des von den Abgeordneten Germain, Winterer und Genossen cingebrachten Gesetzent­wurfs wegen Abänderung deS § 2 des Gesetzes, betreffend die Oeffentlichkeit der Verhandlungen und die Geschäfts­sprache des LandeS-AuSschusseS für Elsaß,Lothringen, welcher in zweiter Lesung angenommen ist; 2. Petitionen für das Plenum, nicht geeignet zur Beratung; 3. Erster Petitions­bericht (wegen Abänderung der Militärstrafprozeß-Ordnung); 4. Zweiter Petitionsbericht (betreffs anderweiter Tarifierung des ArtikelSpratts Hundekuchen"); 5. Dritter Petitions­bericht (Einwechselung der Koupons der Reichsanleihe auch bei allen Kassen der Verwaltung indirekter Steuern); 6 Vierter Petitionsbericht (Beihilfe des Reichs für das Körnermuseum in Dresden); 7. Fünfter Petitionsbericht (die au» Italien eingefphrtenAnguilotti" in eine andere Position des Tarif« zu verweisen); 8. Interpellation der Abgg. LaSker und Hänel, betreffend die Wahlagitation in Danzig unmittelbar vor der letzten ReichStagSwahl; 9. Inter­pellation des Abg. Dr. Schultze-Delitzsch, die Einbringung einer Novelle zum Genossenschaftsgesetz betreffend. Die Nationalztg." schreibt: Die Rückkunft des Fürsten BiSmarck steht für Ausgang des November in Aussicht; die Vorberei­tungen für die Übersiedelung der Familie des Reichskanzlers hierher sind bereits getroffen. Für Anfang Dezember sieht man in der Familie deS Reichskanzlers einem frohen Familien­ereignis entgegen.

Haurrover, 11. Nov. In letzter Stunde bewilligte der Provinziallandtag unter anderem noch die Summe von 180000 Mk. zur Erweiterung der Göttinger Irren­anstalt, wobei Bennigsen leider zu bemerken hatte, daß die Zahl der Irren in den hiesigen Anstalten seit 14 Jahren von 1187 auf 1551 gestiegen sei; bewilligte ferner 90000 Mark zur Erbauung einer neuen Taubstummenanstalt, und verwies die übliche Nachweisung der Regierung über den KlosterfondS an den Ausschuß; die Einnahme des Fond- Hat demnach in der bezeichneten Frist 2428090 Mk., die Ausgabe 2293109 Mk. betragen, so daß ein Bestand von 134 970 Mk. verblieb. Darauf verlas der Obcrprästdent nachstehende Rede: Hochgeehrte Herren I Unter dem schmerz­lichen Eindrücke eines sehr beklagenswerten Ereignisses stehen Sie am Schlüsse Ihrer diesjährigen Thäligkeit. Nachdem die Provinz durch das nach langen Leiden erfolgte Dahin- schriden des Stadtdirektors Rasch, der als Stellvertreter

des Landtagsmarschalls in dem Landtage und dem provin­zialständischen VerwaltungSauSschussr eine sehr verdienstvolle Wirksamkeit entwickelt hatte, einen sehr schweren Verlust erlitten hatte, ist vor wenigen Tagen der erste Schatzrat Hugenberg in voller ManneSkraft seiner rastlos schaffen­den, von allen Seiten rühmlich anerkannten Thätigkeit un­erwartet durch den Tod entrissen worden. Die Provinz wird in dankbarer Würdigung der Leistungen dieser beiden so hochbegabten und verdienten Männer ihr Andenken dauernd in Ehren halten. Werfe ich einen Rückblick auf Ihre Verhandlungen, so hat der Gesetzentwurf betreffend die Abänderung deS hannoverschen Gesetzes vom 30. Juni 1842 über das Verfahren in GemeinheitSteilung«- und Verkoppelungssachen, bis auf einige Abänderungsvorschläge Ihre Zustimmung erhalten; dagegen ist die Begutachtung deS Gesetzentwurfs betreffend den Abverkauf und den Aus­tausch kleiner Grundstücke von Ihnen zur Zeit abgelehnt worden. Im übrigen haben Sie den sorgfältig vorberei­teten und wohlbegründeten Anträgen Ihrer Organe ent­sprechend den Finanzetat für daS Jahr 1883 srstgestellt und wiederum zur ferneren Ausstattung und Erweiterung der provinzialständischen Anstalten wie auch für gemein­nützige und wohlthältge Zwecke aus den Überschüssen des Vorjahres und sonst bereiten Fonds in reichem Maße Mittel bewilligt und zur Verfügung gestellt. Indem ich bezüglich der an die Königl. Staatsregierung gerichteten Anträge eingehende und thunlichst entgegenkommende Er­wägung zusichere, vereinige ich mich mit Ihnen zu dem Wunsche, daß die Ergebnisse Ihrer diesjährigen Verhand­lungen der ferneren gedeihlichen Entwickelung der Provinz Hannover förderlich sein mögen. Im allerhöchsten Auf- trage Sr. Majestät des Kaiser« und Königs schließe ich den 16. hannoverschen Provinzial Landtag. Der Vize- LandtagSmarschall, Oberbürgermeister Brüning, forderte die Abgeordneten zur Kundgebung der Ergebenheit und Ver­ehrung für den Kaiser aus, die durch lautes Hoch erfolgte. Man vernimmt, daß ter Landtag am 21. Januar k. I«. in außerordentlicher Sitzung die Wahl de« neuen Schatz- ratö vornehmen soll. Bis dahin wird Herr v. Bennigsen dem Landtage der Monarchie wie dem Reichstage nur mit Unterbrechungen angehören können, da nun sein un­vermeidlicher Vertreter fehlt. Fürst Wilhelm zu Wied fordert eben in der hiesigen halbamtlichen Zeitung zur Be­werbung für das sehr reichlich bedachte Amt deS LandeS- DireklorS der Rheinprovinz auf, waS möglicherweise auf die Wiederbesctzung des heimischen Amtes nicht ganz ohne Ein­fluß bleiben könnte.

Dresden, 13. Nov. Von den durch eine Explosion in Ober RitterSgrün betroffenen Bergleuten sind 7 6er»

Dann ersuchte ich Tante Lina um einige Minuten Gehör, die soeben meiner Frau eröffnete, daß sie heute nacht lieber ihr Bett im Salon aufschlagen und dort schlafen wolle, »dl e« ihr nach all' den gehabten Aufregungen in ihrem Zimmer da hinten zu eng sei, zustickig".

Tante Lina," hob ich an,ich achte und schätze Sie sehr, aber ich habe die Bitte um Einschränkung einiger Ihrer Eigentümlichkeiten an Sie zu richten, welche mich teil« stören, teils meinen Prinzipien zuwider laufen. Zu­nächst werden Sie heute nicht im Salon schlafen, sondern in ihrem Zimmer, da« wir Ihnen eingeräumt, und werden überhaupt, so lange Sie uns die Ehre Ihres Besuches schenken, weder Ihren Schlafplatz wechseln, noch Umgestal­tungen in der Wirtschaft vornehmen, denn ich halte da« für Ihre Gesundheit nachteilig."

Sie müsse da« besser verstehen und mir für meine Ratschläge danken, entgegnete sie mir spitz; sie werde doch wohl am besten wissen, wa« ihre Gesundheit erfordere und wa« nicht.

Alsdann," fuhr ich ruhig fort,müssen Sie mir ver­sprechen, Ihre eigenen, Sie genug in Anspruch nehmenden Angelegenheiten, als da sind: Pflege Ihrer Gesundheit, medizinische Maßregeln, Zerstreuung auf dieser Erholungs­reise, vorzunehmende Besuche, persönliche Geschäftssachen rc., unvermindert im Auge zu behalten nicht aber sich mit den oft heiklen und leicht zu verwickelnden Angelegenheiten anderer zu beschweren, da in anbetracht der so häufigen Anfälle" Ihr Kopf und Nervensystem zu angegriffen ist, als daß ich Ihnen ein Mehr als die Erledigung Ihrer eigenen Sachen gestatten dürfte."

Sind Sie mein Arzt?" rief sie entrüstet,wollen Sie mich für verrückt erklären? Soll ich hier unter Curatel stehen und mich in meinen Handlungen beschränken lassen? Ick werde das Feld räumen, wenn ich Ihnen zur Last falle!"

Der schwarze Ratzert

oder

Meine Fran und ich.

Humoreske von E. C.

(Schluß statt Fortsetzung.)

An der Thüre nach dem Perron begrüßte un« der kleine dicke Wirt mit einer tiefen Verbeugung und sagte hämisch:Empfehle mich Ihnen ergcbenst, Herr Süßmilch!"

Hören Sie, Herr," sagte ich wütend, denn der Süß milch war nun einmal meine Achillesferse, an der ich sterb­lich war,ich bin Dr. Viktor L. aus R. und Sie sind ein ganz unverschämter Patron I Treten Sie mir noch ein­mal mit Ihrer mechanten Physiognomie in den Weg, so vergesse ich mich und lehre Sie mores nach dem Grund­satz:Wer nicht hören will, muß fühlen!" Damit ging ich.

Schon gut, schon gut! rief mir der Dicke giftig nach, werde den Herrn schon noch zu finden wissen!"

Meine Frau begehrte verwundert von mir zu hören, wa- denn das mit dem Süßmilch und mir sei, und ich er­klärte ihr kurz, man habe mich einen Augenblick mit dem Verbrecher verwechselt, weil ich ihm etwa« ähnlich sehe, der Irrtum habe sich aber bald aufgeklärt.

Wir fuhren nach R. zurück.

Als ich zu Hause die übliche Frage an das Dienst­mädchen richtete, obetwa« vorgefallen" sei, erklärte sie, "ein, es seien nur sehr viele Depeschen gekommen, welche fle alle sorgfältig aufbewahrt habe. Dabei führte sie mich an einen Tisch, der ganz mit Depeschen bedeckt war. Drei Bahnhofsdepeschen au« Rotheim und zwei Depeschen vom alten Kunzemann, meine eigene Depesche au« Warnstadt "nd noch «ine uneröffnete Depesche von Norden, worin er anfragte, wie denn nun eigentlich alles geworden und ob A Laura schon wieder hätte. Ich legte die gesamten Depeschen in mein Pult und beschloß, sie mir zum An- «nten aufzuheben.

DeutscheH Reich.

Berlin, 13. Nov. DieKreuzztg." erfährt, die Thron­rede werde kurzgefaßt sein, auf den Umschwung in den öffentlichen Verhältnissen und auf die Belebung des Ver­kehrs Hinweisen, des Defizits von 30 Millionen erwähnen, welches gegenüber der Gesamtlage kaum in« Gewicht falle, sowie die Absicht der Aufhebung der vier untersten Stufen der Klasscnsteuer entschieden ankündigen. Nach dem vom Bundesrat erlassenen, die Gewährung einer Zollerleichterung bei der Ausfuhr von Mühlenfabrikate betreffenden Regulativ gelten hinsichtlich der Sicherheitsleistung für die Zollgefälle von ausländischem Getreide, welche« auf das nach Maß­gabe dieses Regulativs bewilligte Zollkonto ungeschrieben ist, die von der obersten Landesfinanzbehörde getroffenen Be­stimmungen. Demgemäß hat der Finanzminister unterm 10. v. M. ungeordnet, daß in erwähnter Beziehung die be­stehenden Vorschriften betreff« der Sicherstellung für Zoll­gefälle von den auf Privattransit- oder Privatkreditlagern befindlichen Waren in sinngemäßer Weise anzuwenden sind. Betreffs der Tarifierung von Roßschildern hat der Finanzminister auf Grund eine« Gutachtens der königlich technischen Deputation für Gewerbe unterm 15 v. M. be­stimmt, daß alle lohgaren Roßschilder als Sohlleder zum Satze von 36 Mk. für 100 kg zu verzollen sind und daß auf nicht völlig lohgare Roßschilder dieser Zollsatz dann zur Anwendung zu bringen ist, wenn dieselben ihrer Be­schaffenheit nach zur Herstellung von Sohlen, einschließlich Brandsohlen geeignet erscheinen. Wie der Justizminister den Vorstandsbeamtcn sämtlicher Oberlandesgerichte eröffnet hat, ist e« neuerdings in Frage gekommen, ob ein Rechts­anwalt für die Stempelabgabe zu der zu seiner Legitimation von ihm eingereichten Prozeßvollmacht, sofern dieselbe von dem Aussteller der letzteren nicht eingezogen «erden kann, nach Lage der geltenden Vorschriften für persönlich verhaftet zu erachten ist. Im Einverständnis mit dem Finanz­minister und in Uebereinstimmung mit mehrfachen gericht­lichen Entscheidungen hat der Justizminister die Frage bejaht und veranlaßt, daß die den erwähnten Vorstands­beamten unterstellten Behörden und die Vorstände der An­waltskammern von dem Inhalt dieser seiner Verfügung Kenntnis erhalten. Die Zeitung des Verein» deutscher Eisenbahnverwaltungen macht auf den Uebelstand deS viel­fachen Vorkommens gleichnamiger Stationen aufmerksam und knüpft daran den Vorschlag, systematisch mit NamenS- veränderungen mindestens für die Stationen, wenn nicht für die Ortschaften selbst vorzugehen. Die ihrer Vollendung entgegcngchende Einheit der deutschen Eisenbahnverwaltung und die vollzogene Einheit de« Reich« müßten ein solches

Anreisen nimmt entae-en: die Spedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Burea«k v»n ® 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermanschr Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank i» Berlin: W. Thienes in Elberfeld: 6. Schlotte in

Schließlich," fuhr ich abermals fort, ohne ihren Ein­wand zu beachten,muß ich Sie insbesondere bitten, meine und meiner Frau internen Angelegenheiten Ihrer wohl- wollenden Einmischung nicht mehr zu unterziehen und diese Sachen ganz mir und Laura zur Erledigung zu überlassen. Eine Vermittelung bei kleinen Differenzen ist zuweilen ganz gut und ich danke Ihnen für die wohlgemeinte Ihrige bei der obwaltenden Gelegenheit auf« tiefste. Laura uns ich haben indes beschlossen, Sie in anbetracht Ihrer leidenden Gesundheit fernerhin damit nicht mehr zu bemühen, son­dern unsere Angelegenheiten au« rein eigener Initiative zu erledigen, und Sie würden mich tief kränken, wenn Sie diese« unser gutgemeinte« Bestreben durchkreuzten."

Empörend!" fuhr Tante Lina aufgeregt empor,ich soll eine Null sein an der Seite meiner armen mißhandel­ten Nichte, mich zum duldenden Nicht« erniedrigen, wo ich heilen, helfen, bessern sollte I Nimmermehr und Du, Laura, wa« sagst Du, für die ich dies alle« auf mich ge­laden? Bist Du auch der empörenden Ansicht diese« Mannes da?" 1

Ja, liebe Tante," sagte Laura bescheiden aber fest.

Empörend! UnglaublichI Da« mir!" rief Tante Lin° in heiliger Entrüstung.Ich gehe, ich reise ab, keinen Augenblick bleibe ich länger ! Ha, und glaubt Ihr, daß ich diese Schmach, diese grenzenlose Beleidigung und Undankbarkeit ruhig hingehen lassen werde? Denn Ihr an mein Testament - wißt Ihr, daß ich Laura ent­erben werde?"

Ja, liebe Tante," sagte ich ruhig aber fest.

®ut; ich gehe, ich nehme meine Sachen, ich reife ab und morgen ist mein Testament geändert I"

So bedaure ich, daß e« mir nicht vergönnt ist, Jhney diejenigen Bedingungen zuzugestehen, welche mein Hau« Sie noch länger als lieben Gast umschließen lassen würde," sagte ich ruhig, mich erhebend.

Anzeigen nimmt entgegen: bi? i^rpebition d. Blattes, to»i. d.Annoncen-Bureaur g. Th. Dietrich u. Co- in jtdff;! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M; Hausenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig. Köln rc.; Rudolf Dluffe in Berlin, Frank­furt a. M- rc.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageHHnttrirte« Somttaasblatt" durck die Srvedition (K o *(*» Buchdruckerei) bezogen SV. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (ercl- »efteHgefcj gespaltene 3eiIe lO Bffl

Für tn der Expedition zu erthetlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.