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Marburg, Sonntag, 12. November 1882
xvii Jahrgang
Anzeigen nimmt entgegen: bi* Expedition d. Blattes, so^ud.Ännoncen-Bureaur ». Th- Dietrich u. Co. in -ass.*! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M ; Hausenstein u. Vogler in Frankfurt a M-, Berlin, Lcir zig. Köln rc-; Rudolf glioffe in Berlin, Frank* furt a. Ri- rc-
ObcheWc Zitrnig.
An,eigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Arrnoncen-Bureaux von S- 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; JLgersch« Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst ; Jnvalidendank in Ä W. Thienes in ; C- Schlotte in Bremen.
ftrfArint tSnti* «über an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstrirte« VonntagSblatt" durch die Expedition (K o ch'fche «»Ldruckerei) bezogen 2’/» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche« 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr.! — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 19 Pf». ö Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
•f. Die Jugeudspiele und die Schule.
e>c mehr die Ansprüche an dir Erwerbung von Kenntnissen und Fertigkeiten für alle Berufsklassen wachsen, je beschränkter die Zeit wird, welche sonst für die Erholung versügbar, und je mehr im Hause Sinn und Sitte und leider oft auch die Möglichkeit schwindet, mit der Jugend ,u leben, um so mehr ist e« Pflicht der Schule, zu thun, was sonst erziehlich nicht gethan wird. Die Schule muß da« Spiel als eine für Körper und Geist gleich heilsame Lebensäußerung der Jugend mit dem Wachstum an leiblicher Kraft und Gewandtheit und mit den ethischen Wirkungen, die es in seinem Gefolge hat, in ihre Pflege nehmen, und zwar nicht bloß gelegentlich, sondern grundsätzlich und in geordneter Weise.
Von bieser Notwendigkeit ist die preußische Unterrichts- Verwaltung schon von lange her überzeugt gewesen, und eS find auch wiederholt entsprechende. Verordnungen ergangen. Leider aber haben diese nach den Wahrnehmungen, welche insbesondere bei den Revisionen oe« TurnwesenS gemacht worden sind, nicht überall die dem Wert und Nutzen der Sache entsprechende Beobachtung gefunden. Neuerdings hat nun der Kultusminister eine eingehende Verfügung über diesen Gegenstand an die Provinzial - Schulkollegien gerichtet, in welcher auch die umfangreiche Litteratur über Jugendspiele in ihren Hauptwerken Erwähnung findet, aus denen die Schulvorstände und Lehrer die nötige Anleitung für Spiel entnehmen können. Bei der großen Mannigfaltigkeit derselben wird e« allerdings einer Auswahl bedürfen, und eS soll vorzugsweise auf dasjenige Rücksicht genommen werden, was herkömmlich und volkstümlich ist.
Selbstverständlich handelt es sich für die Schule nur um Bewegungsspiele, namentlich um Turnspiele. Da diese aber nicht ohne große Beschränkung, oft auch nicht ohne Gefahr innerhalb der Turnhallen ausgeführt werden können, so soll überall, wo noch kein Turnplatz vorhanden ist, auf die Erwerbung eines solchen Bedacht genommen werden. Die Schulaufsichtsbehörden sollen dafür sorgen, daß diesem Bedürfnis möglichst bald Genüge geschieht, wenn irgmd ausführbar, in unmittelbarer Nähe der Turnhalle, sonst aber auch in einiger Entfernung von derselben.
Aber auch lo-gelöst von dem eigentlichen Turnunterricht ist eine Pflege des Spiels sehr wohl möglich, und zwar in Verbindung mit gemeinschaftlich zu unternehmenden Spaziergängen und Ausflügen in Feld und Wald, sowie mit Turnfahrten. Auch auf da« Schwimmen und den Eislauf weist die Verfügung hin und es wird bemerkt, daß die Königliche Turnlehrer - Bildungsanstalt den Schwimmunterricht schon seit einer Reihe von Jahren in ihren Unterrichtsbetrieb ausgenommen hat. In geschlossenen Erziehungsanstalten haben auch diese Uebungen seit lange eine Stätte gefunden. Bei den offenen Schulanstalten läßt sich deren Einführung allerdings nicht allgemein und ohne
Der schwarze Roöert
oder
' Meine Fra« und ich.
Humoreske von E- C. (Fortsetzung.)
„Laura, meine teure, süße Laura I- rief ich, fle zu mir emporziehend, und schloß fle gerührt in meine Arme. „Deine Bitte ehrt Dich, wie sie mich erfreut, und sie ehrt mich selbst, indem sie lieb und süß dem zuvorkommt, was ich ohne di.se herzige Bitte würde haben — Laura, würde haben von Dir fordern müssen!"
„Und Du machst mich glücklich, von Dir zu hören, daß Du eS gefordert haben würdest!" jauchzte sie, unter Thränen lächelnd, in meinen Armen.
Ach, Leser, ich sage Euch: das war ein reizender Moment. „ , ,
„Nun aber zu Tante Lina!" sagte ich nach einigen Augenblicken sehr fest. Ich ging nach der Thür de» Kabinetts, schloß sie auf und bat die gefangene Dame, näher zu treten. _ „
„Ich kann nicht, — oh!" erklärte fle mit der Stimme einer Sterbenden, „diese Rücksichtslosigkeit sondergleichen hat mich krank gemacht, ich habe einen Anfall! — ES ist ein Krampf im Knie, glaube ich."
„Ich muß Sie aber dennoch bitten, näher zu treten, sagte ich bestimmt, „ober wir müssen von Zimmer zu Zimmer verhandeln, da ich Sie dort in dem unbehaglich kleinen Kabinett nicht zu stören beabsichtige."
„Ich kann nicht kommen — oh!" sagte sie mit noch schwächerer Stimme. „Wie kann ich auch von Ihnen eine zarte Rücksicht für mich arme Leidende erwarten! Oh, mein Krampf!"
weitere» anordnen; an vielen Orten aber, wo sich selbst die Gelegenheit dazu bietet, begegnen diese körperlichen Uebungen eingewurzelten Vorurteilen, denen nach Kräften entgegenzutreten Pflicht der Lehrer ist.
Leider ist die Einsicht noch nicht allgemein geworden, daß mit der leiblichen Erfrischung auch die Kraft und Freudigkeit zu geistiger Arbeit wächst. Manche Klage wegen Uebttbürdung und Ueberanstrengung der Jugend würde nicht laut werden, wenn diese Wahrheit mehr beherzigt würde. Darum muffen Schule und Haus und wer immer an der Jugendbildung mitzuarbeiten Beruf und Pflicht hat, Raum schaffen und :)iautn lassen für jene Uebungen, in welchen Körper und Geist Kräftigung und Erholung finden. Der Gewinn davon kommt nicht der Jugend allein zu gute, sondern unfern ganzen Volk und Vaterland.
Deutsche- Reich.
Berlin, 10. Nov. Der Finanzminister Scholz hat vorgestern nachmittag dem Kaiser über den preußischen Etat pro 1883/84 Vortrag gehalten und hat der vorgelegte Entwurf, wie wir hören, die Genehmigung Seiner Majestät gefunden. — Der Minister v. Puttkamer ist gestern nach Barzin gereist. — Der greise Bischof Johannes von der Marwitz in Pelplin feierte vorgestern sein 25jähriges Bischofsjubiläum. Herr v. d. Marwitz ist geboren zu Tuchlin am 20. April 1795, also über 87 Jahre alt. Nachdem er die Freiheitskriege.von 1813—1815 mitgemacht und nachher noch mehrere Jahre als Husaren- Offizier in der Armee gedient und es bis zum Rittmeister gebracht hatte, trat er zum geistlichen Stande über. Derselbe hat zu seinem vorgestrigen Jubiläum vom Kaiser und vom Papst, sowie von dem Oberprästdenten der Provinz Westpreußen, Herrn v. Ernsthausen, eigenhändige Glückwunschschreiben erhalten. — An stelle des jetzigen Vortragenden Rats im preußischen Kultus-Ministerium, Dr. Althoff, ist der ordentliche Professor in der theologischen Fakultät der Universität Straßburg, Dr. Neuß, zum Mitglieds des Staatsrats von Elsaß-Lothringen auf die gesetzliche Dauer von 3 Jahren ernannt worden. — Die Korporation der Berliner Buchhändler befaßte sich in ihrer Hauptversammlung am 19. Oktober mit dem Kol- potagchandel und den zur Abstellung der bei demselben hervorgetretenen Schäden in der dem Reichstage vorgelegten Gewerbeordnungsnovelle vorgeschlagenen Maßregeln. In dieser Beziehung faßte die Korporation den Beschluß zu erklären: „daß für den auf das Kolportagewesen bezüglichen Paragraphen des Gesetzentwurf«, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, die nachstehende Faffung anzustreben ist: „Druckschriften und Bildwerke aller Art sind vom Feilbieten im Umherziehen nur dann auSzu- schließen, wenn sie dadurch AergerniS erregen, daß sie gegen
„So sagen Sie mir vor allen Dingen," fragte ich, indem ich mich ziemlich gleichmütig in einen Lehnstuhl setzte, von dem aus ich zwar in die Luft sprach, da ich meine Jnkulpatin in dem Kabinett nicht sehen konnte, aber ungestört von diesem Hindernis das Verhör begann: „Welche Eingebung hat Sie dazu veranlaßt, mir vorzureden, daß Laura gerade nach Rotheim fei?"
„Ich Ihnen vorgeredet?" rief Tante Lina entrüstet, die plötzlich, trotz des Kniekrampfes, aufsprang und energisch in daS Zimmer trat. „Wie? und das mir?! Haben Sie Unseliger denn nicht gerate selbst gesagt, Santa sei nach Rotheim?"
„Wie, ich soll da« gesagt haben?" rief ich meinerseits nicht minder entrüstet.
„Gewiß! Wa» weiß ich denn von Rotheim!" demonstrierte sie im Tone höchster, gekränkter Unschuld. „Ich hatte Ihnen nur, weil ich eS gut mit Euch beiden meinte und das Entsetzliche durchschaute, was al« eigmtliche Ursache Eures Streites zwischen Euch lag — well ich Sie durch eine kurze aber lebhafte Vorführung dessen bessern wollte, was kommen müsse, wenn Sie sich nicht änderten, — hatte Ihnen nur gesagt, Laura sei verreist! Nun aber, als Sie mich fragten: wohin denn? da wußte ich nicht, was ich sagen sollte, denn ich hätte rein ans der Lust gegriffen lügen mflffen, und ich lüge nie I Al« ich nun stockte und mich besann, welchen Ort ich wohl Ihnen nennen sollte, da sagten Sie mit — Sie selbst — Laura sei nach Rotheim. . . . l Rotheim, so ein Nest, da» ich gar nicht einmal dem Namen nach kenne I"
„O ja," sagte ich betroffen, „da« ist möglich!"
„Nun sehen Sie wohl?" fuhr sie siegeSgewiß fort. Na, und weil ich merkte, daß Sie das am meisten packen
Religion oder Sittlichkeit verstoßen, oder wenn fie unter Zusicherung von Prämien oder Gewinnen vertrieben werden, welche einem anderen Industriezweige al« dem Buch-, Kunst-, Mustkalien- oder Landkartenhandel angehören. Der Rekurs an den zuständigen Richter steht frei." Beachtenswerter dürfte es aber jedenfalls fein, daß diese Buchhändler- Korporation die eigentliche Stelle, wo dem Mißbrauche de« Kolportagehandels entgegenzutreten sei, nicht bei den Kolporteuren, sondern bei den Buchhändlern selbst sucht und diesen Gedanken in folgendem weiteren Beschlüsse zum Ausdrucke brachte: „daß eine gründliche Abstellung aller durch die Auswüchse deö Kolportagewesens hervorgetretenen Schäden nur dann zu erhoffen ist, wenn e« gelingt, der buchhändlerischen Genoffenschaft solche Personen ftrnzu- halten, welchen die zum selbständigen Betriebe eines buch- händlerischen rc. Geschäft« erforderliche Bildung fthlt. E« erscheint demgemäß al« notwendig, für eine Regelung dahin einzutreten, daß die Zulaffung zum selbständigen Betriebe de« Buch-, Kunst-, Mustkalien- oder Landkartenhandels von dem Nachweise der dazu erforderlichen Befähigung abhängig gemacht wird. Dieser Nachweis soll nur dann al« geführt gelten, wenn der Betreffende eine Bescheinigung von feiten eine« staatlich anerkannten buch- händlerischen Verein« beibringt, dahin lautend, daß letzterer sich entweder von der ordnungsmäßigen Erlernung des Buchhandel« feiten« de« sich Meldenden, oder, wenn die« nicht der Fall ist, von der genügenden allgemeinen Bildung desselben überzeugt hat; — und ermächtigt den Vorstand, die ihm zur Erreichung dieser Ziele notwendig erscheinenden Schritte zu thun." Jedenfalls werden sich nach diesem Beschlüsse der Sachverständigen diejenigen, welche der Einschränkung de» Kolportagebuchhandels entgegentreten, weil damit das Prinzip der absoluten Gewerbefreiheit verletzt werden würde, auf da« letztere nicht mehr mit Grund berufen können. — Die „Kreuzztg." schreibt: ES steht nach unseren Nachrichten noch keineswegs fest, daß der Hälfet in Person den Landtag eröffnen werde; e« ist richtig, daß der Kaiser, zumal da e« sich um ein Abgeordnetenhaus, welches aus Neuwahlen hetvorgegangen ist, jenen Wunsch lebhaft hegt, besonders da der Geist, in welchem diese Wahlen vollzogen wurden, eine neue Belebung de« monarchischen Geistes im preußischen Volke bekundet hat. Die Vorbereitungen zur Eröffnung des Landtages find daher durchweg in jenem Sinne getroffen, doch wird sich erst im letzten Augenblicke entscheiden können, ob des Monarchen Wunsch in Erfüllung gehen kann; ist dies nicht der Fall, so würde der Vizepräsident des Staatsministerium-, Herr v. Puttkamer, den Landtag eröffnen-
Breslau, 9. Nov. Der Kaiser ist, begleitet von dem Kronprinzen und den Prinzen Wilhelm und Friedrich Karl, heute abend auf der Reise nach Ohlau gegen 7Vi Uhr mittels Extrazuges hier eingetroffen und auf dem festlich
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würde, fo sagte ich kurz und gut: Ja wohl, fie ist nach Rotheim!"
„So? da« war doch aber gelogen 1" sagte ich scharf, um sie damit zu ärgern.
„Gelogen? Nein!" fuhr sie im Ton beleidigter Logik auf. „Das war etwa« vorgeredet. — Ich lüge nie!"
„Ach so! — Nun, und was veranlaßte Sie denn eigentlich zu der ganzen Geschichte? Unser unbedeutender kleiner Streit?"
„Unbedeutender kleiner Streit?" wiederholte fie mit vieler Würde und Hoheit. „Wollen fie noch versuchen, mich zu täuschen? So vernehmen Sie denn: In der Heftigkeit Eures sogenannten kleinen Streite« überhörtet Ihr mein wiederholtes Klopfen an die verschlossene Thür, ich mußte draußen stehen und — vernehmen Sie e«, Neffe, und leugnen Sie nicht — beide nicht: Ich hörte, wa« zwischen Euch vorging!'
„Nun, und?" fragte ich gleichmütig.
„Nun, und?" fuhr fie streng fort. Und ich hörte, daß Sie — wie Sie auf--auf — nun, e« soll ja ein
mal heran«: auf Laura« — Liebeleien!"
„Liebelei«,? Tante, find Sie unsinnig oder plagt Sie der Teufel?" rief ich ganz entrüstet.
„Keine« von beiden!" erwiderte sie stolz und majestätisch, „hörte ich Sie nicht zu Laura sagen, daß Sie ihren Liebeleien zu viel Nachsicht gezollt hätten, und beteuerte nicht Laura weinend, als Entgegnung darauf, daß es nut harmlose, unschuldige Liebeleien wären?"
„Liebeleien! hahaha!" riefen wir beide zugleich lachend au«. „Sie haben falsch gehört, Tante —Liebhabereien haben wir gesagt!" (Fortsetzung folgt.)