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Nr 26S

JITüCßurg, Sonnabend, 11. November 1882

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in den österreichischen Regierungskreisen die Einsicht durch­greifen, daß da- hervorragende BildungSelcment, welches Österreich Ungarn an seinem Deutschtum besitzt, wenn auch nicht in einseitig politischer, wohl aber in allgemein geistiger Beziehung zum Gemeingut und zu einem Bindemittel im edelsten Sinne zu machen'sei? Etwas Gemeinsames müssen die verschiedenen Nationalitäten Österreich-Ungarns wohl im höheren Sinne haben, wenn sie einen Gesamtstaat, einen Großstaat bilden und behaupten wollen, denn der berühmte Name des gemeinsamen Herrscherhauses kann allein die buntgemischten Völkerschaften Oesterreich Ungarns nicht Zu­sammenhalten.

Zur Reorganisation des österreichisch - ungarische« Heeres.

In den Verhandlungen der österreichisch « ungarischen Parlaments-Delegationen hat in den letzten Tagen die so­genannte Reorganisation des HeercSwesenS eine hervor­ragende Rolle gespielt, doch wenn man glaubt, daß es sich bei dieser Reorganisation etwa nur um die Bildung neuer Regimenter und die Erhöhung der Schlagfertigkeit deS österreichisch-ungarischen Heeres handelte, so kennt-man den Kern dieser Umwandlungen nicht. Richtig ist ja, daß bet der in der Ausführung begriffenen '».eorganisation der österreichisch - ungarischen Armee auch die Vermehrung der Streitkräfte derselben um 60 Bataillone und durch Ergän­zung des Eisenbahnnetze« die Schlagfertigkeit deS HeereS gefördert werden soll, aber der wichtigste und tief in daS österreichisch-ungarische StaatSleben einschneidende Teil der HeereSreorganisation liegt auf einem ganz anderen Gebiete und ist als eine bedeutsame Konzession an die AuSgleichS- und Nationalitätenpolitik, die gegenwärtig in Oesterreich- Ungarn maßgebend geworden ist, zu betrachten, denn die Armeereorganisation vollzieht sicb, was ihre Verbände an­betrifft, von jetzt ab in allen Landesteilen auf Grund des Territorialsystems, d. h. die Regimenter rekrutieren sich gleichmäßig aus den wehrpflichtigen Einwohnern derjenigen Länder, in denen sie ihre Kantonnements haben, es wird also künftig in Oesterreich - Ungarn deutsche, ungarische, tschechische, polnische, slowenische und italienische Regimenter geben und gleichzeitig werden diese Regimenter auch in den vorwiegend von ihren Nationalitäten bewohnten LandeStcilen der österreichisch ungarischen Monarchie stehen.

Man wird daher ohne weiteres zugeben muffen, daß die sogenannte HeereSreorganisation in Oesterreich-Ungarn vielmehr ein politisches Zugeständnis an daS Föderativ­prinzip als ein Militär - technischer Fortschritt ist, und es entsteht die Frage, ob durch diese Umwandlung die innere Festigkeit und Einheit de» österreichisch-ungarischen Heeres- wesenS nicht beeinträchtigt werden wird. Der österreichische Abgeordnete Sturm hat daher auch in den Delegations­beratungen eine darauf bezügliche Anfrage an die Regie­rung gestellt und vom Reichskriegsminister Graf Bylandt die Antwort erhalten, daß die Ausbildung und das Kom­mando in der Armee stet« einheitlich, also deutsch geschehen werde. Diese Notwendigkeit steht also die österreichisch- ungarische Heeresverwaltung ein und sie weiß, daß sie ein einheitlich gedrilltes Heer haben muß, wenn dasselbe auf Wunsch verwendbar sein soll. Aber wie wird sich diese Wahrheit in der Praxis behaupten, wenn man in allen VerwaltungS- und Unterrichtsfragen den einzelnen Nationali­täten in der Weife die Zügel schießen läßt, wie eS in den letzten Jahren geschah, so daß Tschechen, Slowenen und Ungarn dem Deutschtum in Sprache und Sitte einen wahren Vernichtungskrieg bereitet haben. Sollte da nicht

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Meine Fra« ««d ich.

Humoreske von E. C. (Fortsetzung.)

Als sie mich erblickte, schrie sie nur hell, jauchzend auf: Viktor II" aber sie stürzte nicht auf mich zu. Sie wendete sich bloß hastig um, faßte Tante Lina, die darüber ganz verblüfft war, bei den Schultern, drehte sie kurz herum, schob sie umstandslos, worüber die Tante in einen lauten entrüsteten Protest auöbrach, in ein Nebcnkabinett, dessen Thür sie hinter ihr abschloß, während ich selbst in das Zimmer ein trat, die Thür hinter mir zuziehend und dann flog sie auf mich zu, stürzte mir zu Füßen .... ja, ja, stützte mir veritabel zu Füßen und rief unter strö­menden Thränen:Viktor, einziger, geliebter teurer Mann, verzeihe mir, stoße Deine Laura n-cht von Dir!" Laura," sagte ich, sehr gerührt, aber mich stark zur Festigkeit zusammennehmend:ich weiß, daß Du das Un­geheuerliche nicht verschuldet hast, was hier an diabolischem Unsinn in's Werk gefetzt worden ist. Mit dem genialen Autor dieser Komödie, der dort im Kabinett jetzt wahr­scheinlich einenAnfall" hat, werde ich mich nachdem auS- einandersetzen. Aber waS, um Himmels willen, konnte Dich bewegen, einen Besuch bei Tante Ulrike zu machen, damit ich glauben solle, Du wärst wärst . . . ." hier stockte ich ein wenig und schämte mich doch, zu gestehen, was ich hätte glauben können.Du wärest verreist?" ergänzte ich mich ein bißchen unsicher.

Ich wußte ja nichts davon I" weinte Laura beteuernd. Tante Lina sprach so rührend zu mir, al« Du fort warst von unserem Glück, daS sie wieder herstellen wolle, von allem Dunkeln, da« sie klar durchschaue und wo die

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b Blattes, sowie d.Aimoncen-Bureaux von G L. Daube u Co. in Frankfurt a. M; Jigersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendanki» Berlin; W. Thiene« in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blattes, so!vu d.Annoncen-Bureau; o. Th. Dietrich u. Co. tr Kajsrl und Hannover; Th Dietrich in Frankfurts M. Haasenstein u. Vogler ir Frankfurt a. M., Berlin Leipzig, Köln rc.; Rudol

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Erscheint täglich auster an den Äöerktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae ^llluürlrteS SottittnrtShlK.,r* M ~ ,,,,

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Für in der Expedltwn zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 26 Pfg. berechnet.

miuderter Menge und zu Preisen nach Schlesien geführt, die förmlich zu der Annahme verleiten könnten, als sei der Zolltarif von 1879 nicht ein Hindernis, sondern eine Hülfe für die böhmische Letnenspinnerei.Wir betrachten", heißt dann weiter, die jetzigen Leinenzölle als völlig unzureichend und glauben unsere entsprechenden Bestrebungen recht wohl mit Interessen unseres sehr bedeutenden Weberei- Geschäft« vereinbaren zu können". Und eine andere Firma spricht sich, wenn auch nicht so weitgehend, dahin au«, es sei sehr zu wünschen, daß der bisherige Zoll auf aus­ländische Seinen betbehalten werde, es müßte sonst in Schlesien die Fabrikation in den billigen Leinensorten ganz eingestellt werden. Wenn auch die Einfuhr von Böhmen nachgelassen habe, so halte eS doch immer noch sehr schwer, mit dem AuSlande zu konkurrieren. Während die Er­mittelung der landwirtschaftlichen Bodenbenutzung nur periodisch erfolgt (daS erstemal 1878 und nun wieder 1883), findet seit dem Jahre 1878 die Ermittelung der Ernte-Erträge alljährlich statt. Die Ergebniffe der ersteren dienen als Anhalt zur Berechnung des gefamten Ernte- ErtrageS auf gründ der in jedem Jahre ermittelten Durch- fchnittS-Ernteerträge für den Hektar. Da nun zur Zeit die Ermittelung der Durchschnitts - Ernteerträge für daS Jahr 1882 stattstndet, dürfte eS geboten erscheinen, auf gewisse Fehler, welche bei Ausfüllung der Formulare ge­macht worden sind und nach der gemachten Erfahrung sich immer wiederholen, aufmerkfam zu machen. 1. Der durch­schnittlich vom Hektar gewonnene Ertrag ist nicht nach ein­fachen Zentnern ä 50 Kilogramm, sondern nach metrischen Zentnern ä 100 Kilogramm anzugeben. Beträgt die be­baute Fläche einer Fruchtgattung weniger als ein Hektar, so ist der Ertrag nicht für diese Fläche anzugeben, sondern auf den Hektar zu berechnen. 2. ES ist speziell anzugeben, auS welchen Getreidearten daS Menggetreide, bezw. aus welchen Früchten die angebaute Mischfrucht besteht. Als Menggetreide ist anzusehen: mehrere Getreidearten, z. B. Weizen mit Roggen, Roggen mit Gerste, Hafer mit Gerste rc.; als Mischfrucht: Getreidearten mit Hülsenfrüchten oder Hülsenfrucht mit Hülsenfrucht, z. B. Hafer mit Wicken oder Erbsen mit Wicken rc. 3. Für Grünfutter, sei eS von Mais, Lupinen, Klee u. s. w. genommen, ist der Er­trag stets nach dem Gewicht deS Futters in getrocknetem Zustande anzugeben. 4. Bei Angabe des Ertrages an Kraut und Kohl ist nicht die der Köpfe anzugeben, son­dern das Gewicht der ganzen Maffe, welches vom Hektar geerntet wurde. 5. Bei Flachs (Lein) und bei Hanf ist daS Gewicht des Bastes in gebrochenem Zustande gefordert und nicht das Gewicht dieser HandelSgewächse, wie sie vom Felde eingebracht werden. 6. Bei Feststellung deS Er- träges der Wiesen stnv Heuertrag und Grummetertrag zu« saminenzufaffen und hiervon der durchschnittliche Ertrag der Wiesen auf den Hektar zu berechnen. 7. Bezüglich der

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stand, mit dem ich in das über dem Niveau de« nur lieben­den Weibes stehende Streben deS ManncS eingriff und mit unbedachter Frauenlaune an dem Markt ein rüttelte, der das geistige Wollen des Mannes von den liebenden Wün­schen deS WeibeS scheidet weil der Mann da Kopf und Herz fein muß, wo da« Weib nur Herz zu fein bestimmt ist! Ich weiß, ich fühle, ich sehe daS jetzt alles; ich habe Dich gestört, gekränkt, gequält, verkannt ich war unver- ständig, wo da« Weib aus Liebe zu dem Manne doppelt die Pflicht gehabt hätte, verständig zu fein I"

»Laura da hast Du eigentlich nicht Unrecht I" sagte ich überrascht. Wahrhaftig, ich hatte mir das seit einer halben Stunde selbst schon sehr deutlich und bestimmt ge- sagt; aber es überraschte mich, es sie sagen zu hören.

Ich bin noch nicht zu Ende und ich stehe deshalb noch nicht auf von meinen Knieen," fuhr sie in ruhender Demut fort.Ich habe eine Bitte an Dich."

Sprich, sprich I" rief ich warm, schon im voran« ahnend, wa« sie begehrte.

Du sollst mir verzeihen, indem Du mir dadurch Deine Versöhnung zeigst, daß Du mir die Erinnerung an meine Thorheit nicht nachträgst in Deinem ferner« Thun," bat fie.Du sollst Dich den geistigen Arbeiten widmen, die Dir Bedürfnis und Erholung sind, reger und häufiger al« zuvor, ungestört von meinen kindischen Wünschen und e« znrückweisen, wo es Dir darin entgegentritt. Du sollst ... lieber, guter Viktor, Du sollst den Schwarzen Robert fertig schreiben emsiger und Dich eifriger darin vertiefend, al« je zuvor, denn, Viktor: Dein Willen soll herrschen und bitte, bitte gieb mir die ersehnte Gelegenheit, mich gerade jetzt hierin ihm zu unterwerfen."

(Fortsetzung folgt.)

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Deutscher Reich.

Berlin, 9. Nov. Der Kaiser, der Kronprinz, so­wie die Prinzen Wilhelm und Friedrich Karl sind heute nachmittag um s/<2 Uhr von hier abgereist und begeben sich nach den Hofjagden bei Ohlau. Der Versicherung eines gemeiniglich gut informierten Gewährsmannes zufolge liegt es in der Absicht Sr. Majestät, die Eröffnung des Landtages in eigener Allerhöchster Person vorzunehmen. Dementsprechend werde die Thronrede sich in präzisen Formen bewegen. Die Kronprinzessin, begleitet von der Hofdame Gräfin Brühl und dem Grafen Seckendorfs, reist am Frei­tag den 10. d. M. mittags von hier über Calais nach London und Cumberland-Lodge, um den Herzog von Con- naught zu begrüßen und dem Einzüge der Truppen bei­zuwohnen. Am 20. d. M. wird die Frau Kronprinzessin dann wieder in Berlin eintreffen. Gestern h>t sich die Kronprinzessin vom Kaiser verabschiedet. Der Bauern« Verein für die Provinz Posen hielt am vergangenen Sonn­tage zu Sipiory bei Rakel seine zahlreich besuchte General- Versammlung ab und beschloß die Absendung des folgenden ZustimmungStelegrawms, an den Fürsten Reichskanzler: Der in Sipiory bei Rakel versammelte Posensche Sauern« Verein sendet Ew. Durchlaucht seinen ehrerbietigsten Gruß. Der Verein bekennt sich voll und ganz zu der von Ew. Durchlaucht inaugurierten Zoll- und Wirtschaftspolitik und giebt seiner Freude darüber Ausdruck, daß diese Anschauung in den Kreisen der ländlichen Bevölkerung der Provinz Posen Immer festeren Fuß fasse I" DerReichSanzüger" meldet: Der Kammergerichts-Senatsprästdent Henschke ist zum Mitgliede deS kirchlichen Gerichtshofs ernannt worden. Zur Beantwortung der vielbesprochenen Frage, wer die Zölle zahle, der ausländische Importeur oder der inlän­dische Konsument, bringt dieB. B. Ztg." einen in­teressanten und jedenfalls beachtenswerten Beitrag aus dem Jahresbericht der Handelskammer für die Kreise Hirsch- berg und Schönau. In dem Bericht eines großen Spin­nerei EtabliffementS Über die Leinenindustrie heißt eS u. a., die böhmische Konkurrenz habe ihre Gespinnste in unver- o-tnenbe Hand einer erfahrenen Frauenklugheit not thuc... sie weinte dabei so bewegt und sprach so feierliche Worte, die mich ängstigten, daß ich ganz froh und glücklich war, als sie sich erbot, alles wieder gut zu machen und in einer einzigen Unterredung mit Dir Dich zum Rechten zurück- zuführen, von dem Du abzuweichen in Gefahr feiest, wie sie mir zu meiner furchtbaren Angst sagte. Ich beschwor sie, mir zu helfen in meiner Rot, von der ich Aermste ja in dem Augenblick selber gar nicht wußte, worin sie be­stände, und ich ging gern mit Tante Ulrike fort, in der Hoffnung, wenn ich nach wenigen Stunden zurückkehre, mein früheres Paradies der Liebe wiederzufinden I"

Laura," sagte ich kopfschüttelnd:Da hast Du doch aber auch ein bißchen im Unsinn mitgemacht! Tante Lina wollte helfen I Siebe» Kind, wurde Dir denn nicht himmel­hoch erschrocken zu Mute, als Du diese gütige Absicht vernahmst? Aber steh' doch auf, Kind," fügte ich hinzu und wollte sie aufheben, denn sic kniete noch immer.

Rein!" wehrte Saura weinend ab,laß mich knieen, bi« ich Dir, demütig zu Deinen Füßen, alles gesagt, denn mein Fehler ist größer, liegt tiefer als Du da ausgesprochen, und Du weißt es!"

Ich erschrack. Sollte sie dennoch an Tante Linas Autor­schaft beteiligt fein?So sprich," sagte ich etwas ge­dehnt:was hast Du mir zu sagen?"

Meine Schuld liegt tiefer und Du kennst sie ja, Du guter, lieber Mann, wenn Du auch zu gütig bist, e« aus­zusprechen und mit die Vorwürfe zu machen die ich mir hier zu Deinen Füßen selbst machen will!" fuhr Laura zu beichten fort.Ich habe das ganze verschuldet, indem ich der, wenn auch unbewußte, Anlaß zu all' diesem sein konnte I Ich habe e« verschuldet durch den kurdischen Unver-