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Marburg, Mittwoch, I. November 1882

xvn Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: bi: Expedition b.Blatte?, fo vi. d.^nnoncen-Bureaux o. 2H- Dietrich u. Co. in ss'ass-l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; ßcufenftein u. Vogler in ffcnntfurt a. M., Berlin, Leipzig. Köln rc-; Rudolf Mffe in Berlin, Frank- fort a. -JDL ic-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. E«. in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin ÄW. T diene- in C- Schlotte in Bremen.

Ersch-'nt täglich außer an ben Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. PretS für da- Quartal mit ber wöchentlichen BeilageJllnstrirteS Sonntag-blatt" burch bie Expedition (Kochfche Buchdruckeret) bezogen S'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.» Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfa Für ui der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Nb" Für die Monate November und Dezember werden Bestellungen auf die

Oberhessische Zeitung

und deren Gratisbeilage

Illustriertes Sonntagsblatt von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch von den . Landpostboten, entgegengenommen.

tt Nach den Wahlen.

Was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe!" können He Fortschrittspartei und ihr Anhang jetzt auSrufen: denn niemals ging eine Partei mit größeren Siegeshvffnungen in den Wahlkampf und noch niemals hat das Volk über eine so siegesgewiffe Partei ein so entschiedenes Verdikt ab­gegeben, wie cs über die Fortschrittler und Sezcsstonisten durch das nun vollständig vorliegende Wahlresultat ge­schehen ist.

Konnte schon nach den Nachrichten über die Urwahlen mit Sicherheit konstatiert werden, daß die Erwartungen der vereinigten Liberalen auch nicht entfernt in Erfüllung gegangen, ja daß sogar die Konservativen einen kleinen Vorsprung gewinnen würden, so haben die am 26. voll­zogenen Abgeordnetenwahlcn ein Ergebnis gehabt, welches den Wahlsieg der Konservativen noch viel glänzender, die Niederlage des fortschrittlichen Liberalismus noch viel größer erscheinen läßt.

Wir teilten an anderer Stelle das ziffermäßige Resultat mit, welches nunmehr zu einem abschließenden Urteil über die Bedeutung der Wahlen berechtigt und so deutlich spricht, daß es nun auch den liberalen Blättern nicht mehr möglich ist, die Katastrophe, welche ihre Partei ereilt hat, abzu- leugnen.

Was jene Ziffern bedeuten, ist allen klar, welche sehen und sich nicht fortdauernd Selbsttäuschungen hingeben wollen. Sie enthalten viele beherzigenswerte Lehren, von denen hier nur einige hervorgehoben werden sollen.

Vor allem rufen sie den Fortschrittlern und ihren Freunden zu:Seid in Zukunft etwas bescheidener!" Kaum war vor drei Jahren ein Abgeordnetenhaus gewählt, in welchem die konservativen Parteien stärker vertreten waren als vorher, als Herr Richter mit seinen Agitationen begann unb seinen Gegnern prophezeite, daß sie balv bankerott machen und in eine Versenkung fallen würden. Der Führer der Fortschrittspartei das muß ihm jeder zugeben hat sich redliche Mühe gegeben, sich den Ruf eines wahren Propheten zu erwerben; er hat es an nichts fehlen lassen, um ben Boden zu unterhöhlen, auf welchem dir Kon-

Der schwarze Robert

ober

Meine Fra» und ich.

Humoreske von E. C. (Fortsetzung.)

Er kam und ich eröffnete ihm kurz, daß mir das Geld ausgegangen, er möge so gut sein, mir gegen ja, gegen Hinterlegung meiner Uhrkette und meines Brillant­ringes eine Summe Geldes zu leihen.

Er dachte einen Augenblick nach, dann sagte er ent­schlossen :Ne, Bebaute, bas kann ich nicht."

Herr!" rief ich entrüstet,was denken Sie? Dieser Ring ist über hundert Thaler wert, die Kitte fünfzig leihen Sie mir fünfundzwanzig Thaler dafür, für zwei Tage."

Ne," wiederholte er ausweichend,das können Sie wir nicht verdenken!"

Verdenken? Weshalb nicht?"

Die Geschichte ganz offen gestanden kommt mir verdächtig vor!"

Verdächtig? WaS?"

Nicht 'mal fünf Thaler bei sich haben, um seine Rechnung zu bezahlen ohne Gepäck reisen und dann einen Brillantring und eine goldene Kette bei sich haben und darauf fünfundzwanzig Thaler leihen wollen ne, ®ein Lieber, so ein HanblungSreisender ist mir noch nicht borgekommen!"

HanblungSreisenber? Ach so ja."

Sehen Sie 'mal, Herr Süßmilch, wenn so etwas einem Privatmann passiert, bann laß ich'S mir gefallen, 0 kann das Vorkommen. Aber ein commis voyageur, M Geschäftsreisen, aus Ealeutta, mit gestern abend zwei Maschen schwerem Wein und heut morgen einem schwerem "vpf. ... unb dazu kein Gepäck und jetzt da« m,

servativen standen. Aber auch hier bewährte sich das alte Sprichwort: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein! Die Versenkung that sich auf, zeigte aber mehr Verlangen nach der Fortschrittspartei; die nunmehr recht gründlich hineingefallen ist.

Mit einem seltenen Maße von Ueberhebung gaben sich die Fortschrittler unb ihre Freunbe als bie wahren Reprä­sentanten ber öffentlichen Meinung aus und wollten sogar wissen, daß daS Gewissen beö preußischen Volkes zu ihrer Partei halte. Das Gewissen des preußischen Volkes, welches von ihnen feierlichst angerufen wurde, hat sich in der That geregt unb sich, wie es nicht anbers konnte, von deren abgewanbt, welche nach einer Stärkung ber Macht des Parlaments strebten, und eS hat seine Stimme laut er­hoben für die von den Liberalen so viel geschmähte Regie­rung, welche nicht nur das Wohl des Volkes im Munde führt, sondern schon viel dafür gewirkt und gehandelt hat.

Die Wahlen verkünden mit lauter Stimme, daß Herr Richter ein sehr schlechter Steuermann ist, wenn erwie er sich dessen rühmteben Kurs des Schiffes scharf links hält". Er hat damit nicht nur seiner Partei, sondern auch ben anderen Liberalen ben schlechtesten Dienst erwiesen und sie dem Schiffbruche nahe gebracht.

AuS ben Wahlen ergiebt sich ferner die Lehre, daß keine Partei wagen darf, auf die Urteilslosigkeit des Volkes zu spekulieren unb lediglich mit Schlagworten Politik zu machen.

Die Niederlage des fortschrittlichen Liberalismus bedeutet einen entschiedenen Sieg bet Regierungspolitik, der Kaiser­lichen Reformpolitik. Die Wahlen haben aber nicht nur ben Einst unb das Ansehen ber Liberalen vermindert, nicht nur den Einfluß und das Ansehen der Konservativen verstärkt, sondern bet Majorität auch bie Pflicht positiven Schaffens auferlegt.

Möge die frische Zugluft, welche durch ben konservativen Hauch ber Wahlen jetzt in das Abgeordnetenhaus kommt, auch reinigend und kräftigend auf die Entschlüsse der Ver­treter bet Mehrheit des Volkes wirken und sie vor dem Meltau bewahren, welchen das Fraktionswesen und der Einfluß beredter Führet der Opposition nur zu leicht auf parlamentarische Versammlungen legt. Das jetzt gewählte Abgeordnetenhaus würde durch ein entschlossenes Vorgehen und vertrauensvolles Zusammenwirken mit bet Regierung sich nicht nur eine sichere ©runblage im Herzen bes Volkes bereiten, fonbern sich auch ben Dank bes Vaterlandes er­werben, welches große Hoffnungen auf seine neugewählten Vertreter setzt. Die kommenden drei Jahre dürfen nicht unbenutzt gelassen und von Parteistreüigkeiten ausgefüllt werden: nur schöpferische Thaten werden im stände sein, die Macht der konservativen Partei noch fester zu begründen und das Volk dieser Partei zugethan zu erhalten.

mein Lieber: bezahlen Sie Ihre Rechnung unb dann ist es gut.

Ich war sehr niedergefchmettert durch das, was mir ber Mann sagte.Meine Rechnung bezahlen," bemerkte ich verlegen,ja, wie soll ich benn bas machen; ich sage Ihnen boch, daß mein Geld nicht reicht ..."

Nun, Sie werden ja als Geschäftsmann hier Bekannte haben zum Beispiel Siegmund Habermann Söhne; wenden Sie sich doch an bie."

Siegmnnb Habermann Söhne? Wer ist baö?"

Die große Rauhwarenhanblung hier in Rotheim. Die Leute machen viel in Fuchsfellen. Unb die kennen Sie nicht 'mal? Ei, ei! Ei, eil"

Ich ich kann mich boch nicht an Geschäftsfreunde wenden . . . stotterte ich in sehr peinlicher Stimmung.

Nein?" fragte bet Wirt sehr ruhig.Nun, wissen Sie was? Da könnten wir uns ja an bie Polizei wenden!"

Ich erschrack so heftig, daß es der Mann gemerkt haben mußte. Schon wieder bie Polizei! Diesmal mit falschem Staub und Namen von meiner Seite! Die Sache konnte schlimm werden I Ich nahm meine ganze Fassung zusammen unb demonstrierte bem Wirt vor, daß mir ein Appell an bie Polizei zwar viele Scherereien zuziehen unb mich in meiner wichtigen Reise vielleicht aufhalten könne, baß dies mich aber noch keineswegs in den Staub setze, ihm seine Rechnung zu bezahlen. Ob er nicht klüger thäte, fragte ich ihn, wenn er mir Gelegenheit verschaffe, Gelb auf meine Wertsachen zu entnehmen unb seiner Forberung gerecht zu werben. Die Sache schien ihm einzuleuchten unb et nannte mir einen jüdischen Gelbmann in der Stadt, der gewiß ein schönes Stück Geld auf die Sachen falls sie wirk­lich echt wüten, wie er bedenklich hinzusetzte leihen werde. Erfreut ging ich darauf ein, aber er erklärte mir freundlich, ich könne doch nicht verlangen, daß er mich

Deutsche« Reich.

Berlin, 30. Okt. Aus das vom Lehrter Bauerntag an Fürst Bismarck gesandte Zustimmungstelegramm ist an den derzeitigen Präsibenten ber Versammlung, Herrn Hof­besitzer Steinborn, in Sehlem folgendes imHildeSh. Courier" veröffentlichte Antwortschreiben eingegangen:Ew. Hochwohlgeboren Telegramm habe ich mit verbindlichem Danke erhalten. Ich freue mich über Ihre Zustimmung und insbesondere darüber, daß ber hannoversche Bauern­stand die Geltendmachung seiner Interessen gemeinsam und selbständig in die Hand nimmt. Ich hoffe, daß Ihr Bei­spiel und Vorgang allgemeine Nachfolge finden wird, von Bismarck. Dem General-Feldmarschall Graf Moltke, welcher gestern den Tag feierte, an welchem er vor 25 Jahren an bie Spitze des preußischen General- stabeS getreten war, ist von ben Offizieren des gesamten deutschen Generalstabeö dem preußischen Stabe hatten sich bereitwillig bie Generalstabsoffiziere BaiernS, Sachsens unb Württembergs angeschloffeu als Anbenken an biefen bedeutsamen Tag eine wertvolle goldene Dose gewidmet worden. Die Dose ist im Stil der deutschen Renaissance gehalten. Sie trägt auf dem Deckel daS vollständige Wappen des Grafen v. Moltke, mit der Devise:Erst wägen, bann wagen." Darunter liegen ein Paar gekreuzte FelbmarschallSstäbe. lieber bem Wappen ist daS Porträt Er. Maj. bes Kaisers, seitlich stnb diejenigen Ihren Maje­stäten ber Könige Friedrich Wilhelm III. (rechts) und Friedlich Wilhelm IV. (links), unter bcmfelben der deutsche Reichsadler angebracht. Diese Motive sind umrahmt von Ornamenten, in denen Lorbeer und Eichenlaub verwoben. Die Vorderseite ber Dose zeigt eine Gruppe, gebildet aus der allegorischen Figur der Borussia, welche einen Lotbeet- kranz spendet; seitlich zu ihren Füßen ruhen MarS und Minerva. Der Fonds dieses Bildes ist durch eine Strahlen­glorie belebt. Die Hinterseite trägt in einem Schilde bie Wibmungsinschrift:Dem General - Feldmarschall Grafen v. Moltke zum 25jährigen Jubiläum als Chef des General­stabes der Armee. Die Offiziere des deutschen General- stabcs". Die Seitenfläche links enthält in einer Cattouche das Datum: 29. Oktober 1882. Die figürlichen und ornamentalen Dekorationen sind in ganz flachem Basrelief ausgeführt, so daß bie Dose ihren Zweck in bezug auf ben praktischen Gebrauch erfüllen bürste. Die verschieden­artigste Behandlung durch die Ciselierung, sowie Abwechse­lung motter, glänzender Flächen, und verschiedene Färbung des Goldes ist angewandt worden. Die Dose hat eine Länge von 8,5 Ctm., eine Breite von 6,7 Ctm. unb eine Höhe von 3,3 Ctm. Sie ist (tt.Kreuz-Ztg) in 18karä- tigem Golde in ben Werkstätten ber Königl. Hofgoldschmiede fortlasse er wolle seinen Hausknecht schicken, der mir das Geschäft abmachen werde, ber wisse in solchen Dingen schon Bescheib. Mir war baS ganz recht, ba es mir den peinlichen Gang zu demGeldmanne" ersparte unb der Hausknecht wurde expediert. Der Wirt blieb unterdes stumm in meinem Zimmer sitzen. Gott sei Dank, in einer halben Stunde kam Johann zurück unb brachte mir bie Summe von 70 Thalcrn. Ein KrösuSgefühl überkam mich. Ich gab dem braven Jungen einen Thaler Trinkgeld, be­zahlte meine Rechnung, wobei ber Wirt bie Freiheit hatte, in einem nieberträchtig kordialen Ton zu äußern: er habe, offen gestanden, nicht geglaubt, daß bie Sachen echt seien, sonst hätte er das Geschäft selbst gemacht. Ich eilte hastig meiner Wege, froh, daß ich aus dieser neuen und schlim­meren Wachtstude glücklich entronnen war.

Eine Stunde hatte ich noch bis zum Abgänge de« Zuges unb brachte sie mit fieberhaftem Promenieren in den Straßen zu. Dann kehrte ich nach dem Bahnhof zurück, die Kasse wurde geöffnet, ich trat an das Schalter und forderte ein Billet zweiter Klaffe nach Warnstadt. Da klopfte mir jemand auf bie Schulter. Ich drehte mich um unb erschrack. Ein Polizeibeamter staub vor mir.

»Sie sind Herr Süßmilch?" fragte er ruhig.

Nein!" sagte ich entschloffen uub babei wirbelte es mir im Kopf.

»Hl", das ist ja merkwürdig," sagte der Polizeimann oerwunbert,ber Wirt vom Bahnhofshotel hat es mir doch gesagt."

»Ich bin es aber nicht!" beteuerte ich heftig,lassen Sie mich fort, ich muß abreifen."

»Na, das ist aber ja eine merkwürdige Verwechslung!" machte der Polizeimann verdutzt.

Merkwürdig ober nicht ich habe Eile," brummte ich unb wollte gehen. (Fortsetzung folgt.)