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Marburg, Dienstag, 31. Oktober 1882.
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Anzeigen nimmt entgegen: di: Expedition d. Blattes, fo t-iv b?2lnnonctn-'3ureaui B, Th- Dietrich u. Co. ir jfaffjl und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a.M. Haasenstein u. Vogler h Frankfurt a. M., Berlin Leipzig. Köln -c-; Rudol
Noffe m Berlin, Frankfurt a. UL «.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. So. in Frankfurt a. M.; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrlrteS SomttagSblatt" durch die Expedition (K och'sche Buchdruckerei) bezogen 8'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Psg. (excl- Bestellgebühr, — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
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Für die Monate November und Dezember werden Bestellungen auf die
Oberhessische Zeitung
unb deren Gratisbeilage
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Deutsche- Reich.
Berlin, 23. Okt. Graf Hatzfeld ist von Varzin zurück- gekehrt. — Die „Kreuzzeitung" meldet, die Eröffnung deö Landtags sei wahrscheinlich zum 13. November bevorstehend.— Das Ergebnis der Wahlen stellt sich zahlenmäßig, nach einer Berechnung der „Germania", welche unter den vorliegenden die richtigste zu sein scheint: Die Nationalliberalen haben am meisten, nämlich 20 Sitze verloren, die Freikonservativen nur einen, die Polen ebenfalls einen, die Sezessionisten haben 2 und die Fortschrittler und daS Zentrum je 1 Sitz gewonnen. Sodaß also die verschiedenen Fraktionen in folgendem Stärkeverhältnis in das Abgeordnetenhaus einziehen werden: Konservative 136, Zentrum 100, Nationalliberale 67, Freikonservative 47, Fortschritt 38, Sezessionisten 22, Wilde 5. Die absolute Mehrheit bei Abstimmungen beträgt (es sind 433 Abgeordnete) 217. Die Konservativen und daS Zentrum übertreffen diese absolute Mehrheit, da sie zusammen 236 Stimmen haben; die vereinigten liberalen Parteien' bringen dagegen nur 127 oder mit 3 Wilden 130 Stimmen zusammen. Die Mittelparteien, Nationalliberale und Freikonservative bilden zusammen nur 114 Stimmen, sie haben also noch 103 Stimmen aus anderen Parteien nötig, um eine Mehrheit zu stände zu bringen. Konservative und Frei- konservative allein können auch keine absolute Mehrheit bilden, da sie zusammen nur über 203 Stimmen verfügen, aber sie bedürfen nur eines geringen Zuschusses aus anderen Parteien. Allein alle kiese Berechnungen sind natürlich nur formell ; in Wirklichkeit gruppieren sich die Majoritäten bei den Abstimmungen je nach der Stellung zu den betreffenden Gesetzesvorlagen oder nach der augenblicklich gerade anwesenden Zahl von Abgeordneten oft sehr verschieden. Nicht selten unterliegen die Majoritäten bloßen Zufälligkeiten. Den Wechsel der Wahlsitze, welcher stattgefunden hat, stellt die „Germania" in folgender Weise zusammen: Das Zentrum gewann 5 Sitze: Kreuzburg und Könitz von den Freikonservativen, Nienburg (Provinz Hannover) von den Nationalliberalen und 2 Sitze in Beuthen, in welchen
Der schwarze Robert
ober
Meine Fra« und ich.
Humoreske von 8. S. (Fortsetzung.)
Eben wollte ich anfangen, mir mit den Fäusten vor die Stirn zu hämmern, als der Kellner mit dem Fremdenbuch eintrat und mich ersuchte, meinen Namen einzuschreibe». Aergerlich über die Störung griff ich nach der Feder und wollte schreiben, da, als mein Blick auf daS Blatt fiel, schrack ich zusammen und stierte, meinen Auge» nicht trauend, auf daS Papier hin. Da stand in deutlichen, klaren Zügen: „Nr. 7. Dr. Norden. Archivar aus R. Zweck der Reise: zum Vergnügen."
Norden hier — mit mir unter einem Dach — in meiner nächsten Nähe und — Zweck der Reise: zum Vergnügen .... oh! I
Zitternd vor Aufregung deutete ich auf die furchtbare Zeile und fragte keuchend: „Dieser Herr ist — ist hier? Al... . allein?
„Nein," sagte der Kellner geschäftig, „mit Frau und Töchtern."
„Was?" schrie ich entsetzt, „der Lügner, der Betrüger — Ct ist nicht verheiratet.!"
„O ja doch, jäl* versicherte der Kellner erstaunt, »wir kennen den Mann ja schon lange — er hat hier seinik Fabrik."
„Waö hat er?' schrie ich entrüstet, wer?"
„Hier, No. 6, Strumpswaren-Fabrikant Pritzwalk aus Dresenburg."
„Unsinn!" fuhr ich wütend auf, was geht mich der an! Den hier m.inc ich, No. 7 —"
„Ach so, der! Der Herr ist fremd — gestern abend °nzekommen mit dem Courierzug auS R."
Mit dem Courierzug! Da hatte ich auf der Polizei-
Verlust sich Freikonservative und Nationalliberale brüderlich teilen; dagegen verlor das Zentrum 4 Sitze: Krefeld und Oberlahnstetn an die Nationalliberalen, Mörs und Tecklenburg an die Konservativen. Also einen Sitz gewonnen. Die Konservativen haben gewonnen 27 Sitze, nämlich 5 von den Freikonservativen, 7 von den Nationalliberalen, 3 von den Sezessionisten, 10 vom Fortschritt und 2 vom Zentrum. Dagegen haben sie verloren 9 Sitze, 3 an die Freikonservativen, 4 an die Nationalliberalen, 1 an die Sezessionisten unb 1 an den Fortschritt. Also 18 Sitze gewonnen. Die Freikonservativen gewannen 11 Sitze, 1 von den Polen (Strasburg), 3 von den Freikonservativen, 5 von den Nationalliberalen, 1 von den Sezessionisten und 1 vom Fortschritt. Sie verloren 12 Sitze, 3 ans Zentrum (König, Kreuzburg und Beuthen), 4 an die Konservativen, 2 an die Nationalliberalen, 1 an die Sezessionisten, 1 an den Fortschritt und 1 an die Polen. Also verloren 1 Sitz. Die Polen gewannen 1 Sitz, Könitz von den Freikonservativen; sie verloren 2 Sitze: Schubin an die National- liberalen und Strasburg an die Freikonservativen. Ein Sitz verloren. Die Nationalliberalen gewannen 10 Sitze, 2 vom Zentrum (Crefelb und Oberlahnkreis), 1 von den Polen, 4 von den Konservativen, 2 von den Freikonservativen, 1 vom Fortschritt; sie verloren 30 Sitze: 2 ans Zentrum (Beuthen und Nienburg in Hannover), 9 an die Konservativen, 5 an die Freikonservativen, 5 an die Sezessionisten, 9 an den Fortschritt. Verlust 19 Sitze. Die Sezessionisten gewannen 7 Sitze: 1 von den Konservativen, 1 von den Freikonservativen, 5 von den Nationalliberalen; sie verloren 5 Sitze: 3 an die Konservativen, 1 an die Freikonservativen, 1 an den Fortschritt. Also 1 Sitz gewonnen. Die Fortschrittspartei gewann 12 Sitze: 1 von den Konservativen, 1 von den Freikonservativen, 1 von den Sezessionisten, 9 von den Nationalliberalen; sie verlor 11 Sitze: 10 an die Konservativen und 1 an die Nationalliberalen. Also einen Sitz gewonnen. — Die „National - Zeitung" schreibt in ihrem Aerger über das Wahlergebnis: „Das Urteil der liberalen Preffe über das unerfreuliche Resultat stimmt im wesentlichen mit unserem überein; man sieht darin den Beweis, daß ein großer Teil der Bevölkerung abwarten wollte, ob bei der Politik der nach allen Seiten auSgeteilten Versprechungen etwas nützliches herauskommen werde, während die starke liberale Minderheit zugleich bekundet, wie groß andererseits dir Zweifel an einem solchen nützlichen Ergebnis sind. „Der Bauer", so schreibt man uns auS dem preußischen Osten, „hat in "vielen Wahlkreisen zum Reichstag fortschrittlich gewählt, damit keine neuen Steuern bewilligt werden, und zum Abgeordnetenhause konservativ, damit bestehende Steuern abgeschafft werden." Die „Nordd. Allg.
wache geseffen! Wäre das nicht gewesen, so hätte ich ihn getroffen, vielleicht mit — mit ihr--
„Ist — ist der Herr . . . allein gekommen?" fragte ich achemloS.
„Nein. Mit zwei Damen."
Also doch! Mir stockte das Blut in den Adern. „Unb — die Damen . . .?" fragte ich.
„Sind weiter gefahren — weiter gereist nach Warn- stadt."
Also doch daS wenigstens! — Aber was um himmels- willen wollte meine Frau denn in Warnstadt? Wo irrte sie eigentlich umher, was war ihr Ziel, ihr Zweck? Weshalb, wenn sie schon das Fürchterliche, Unsinnige ins Werk setzen wollte, von mir zu gehen, begab sie sich nicht zu ihren Eltern, zu denen sie hier nicht gelangen konnte, da deren Wohnsitz an einer gerade entgegengesetzten Bahnstrecke lag? Weshalb diese Reise nach Rotheim — bann weiter nach Warnstadt — wozu dieses unselige, schändliche Billetchen an Norden, wozu dessen verruchte Begleitung? Ha, Norden! Er war ja hier — für mich erreichbar . . . eine ganze Hölle zuckte in mir auf unb ich fragte den Kellner, ob ich den Herrn auf No. 7 sprechen könne.
„Schon wieder abgereist," achselznckte dieser.
„Ab — . . .?"
„Abgereist. Vor anderthalb Stunden."
Vor anderthalb Stunden! Als ich mit den Kopfschmerzen im Bette lag l Ich Unglücklicher, Verächtlicher I — „Wohin?" fragte ich keuchend.
„Mit dem Courierzige nach Warnstadt."
Nach Warnstadt! Ihr nach! Mir brauste es von einer Welt im Kopf und bann wieder stand mir der Verstand still. — „Wann geht der nächste Zug nach Warn adt? fragte ich den Kellner.
„In zwei Stunden. Ist aber nur ein Bummelzug."
Zig." beurteilt die Situation folgendermaßen: „Was die möglichen Mehrheitskombinationen angeht, so kann die Linke allein keine Mehrheit bilden, ebensowenig die Rechte. Nach wie vor aber können Konservative und Zentrum jetzt sogar ohne den Hinzutritt der Polen und andererseits Konservative, Freikonservative und Nationalliberale eine Mehrheit stellen. ES braucht sogar nur die kleinere Hälfte der Nationalliberalen mit 30 zu den beiden Parteien der Rechten sich zu gesellen, um eine absolute Majorität zu bilden. — Mehrere Zeitungen berichten: Gutem Vernehmen nach schließt der preußische Etatsentwurf für daS nächste Jahr mit einem Defizit zwischen 30—40 Millionen. Teilweise ist dasselbe durch Erhöhung der Beamtengehälter veranlaßt. — Der bleibende Ausschuß des deutschen Han- delstageS berieth in seiner heutigen Sitzung über die rechtliche Stellung der Handelskammern. Das erstattete Gutachten hielt aber eine Erörterung der Frage in der Plenarversammlung nicht für geeignet, da die preußischen Handelskammern in dieser Frage bereits praktisch Stellung genommen hätten. Betreffs der Revision des statistischen Warenverzeichnisses sprach sich der Ausschuß für die Wert- dcklaration aus. Die Tagesordnung der Plenarversammlung, welche am 15. Dezember in Berlin stattfindet, bilden die Veröffentlichung des Gold- und Silber-Barbestandes der Reichsbank, das deutsche Kanalsystem, die Einführung des Chccksystems und der Warrants.
— Von dem bisherigen ordentlichen Profeffor an der Straßburger Universität Herrn Dr. Althoff, der soeben als Geheimer Regierungsrat und Vortragender Rat in das Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten, wo ihm das Dezernat für das Universitätswesen übertragen wurde, eingetreten ist, bringt die „Els. Lothr. Ztg." eine längere biographische Skizze, in der u.A. gesagt wird: Herr Dr. Althoff ist im Jahre 1839 zu Dinslaten im Kreise Duisburg in der preußischen Rhein- provtnz geboren. Nach Beendigung seiner Universitätsstudien fungierte er längere Zeit in den Gerichtsbezirken Neuwied unb Bonn als Referendar und Affessor in der juristischen Praxis und ward im Mai 1871 in den reichsländischen Dienst berufen. Herrn Althoff wurden damals folgende Gegenstände zur Bearbeitung überwiesen: 1. in Gemeinschaft mit dem jetzigen Direktor des Oberschulrats Herrn Richter die Angelegenheiten des Kultus und deS niederen Unterrichts. 2. Die in Straßburg zu besorgenden Geschäfte oer Justizorganisation, während der Geheime Justizrat Schneegans in Berlin war. In dieser eigenartigen und ihm neuen Wirksamkeit erwarb Althoff sich bald daS volle Vertrauen des GeneralgonverneurS. Im September 1871 trat der Oberpräsident v. Möller an die Spitze der Verwaltung. Mit der Errichtung des Ober,
Ein Bummelzug I Gräßlich! Er fährt immer Courierzug vor mir her und ich bummle immer nach! Ist denn so etwas schon erhört worden, seit die Welt steht?
Aber ich muß ihm nach, natürlich — und wenn eö ein Bummelzug in die Hölle wäre! Ich muß auch fort von hier, es duldet mich nicht mehr im Zimmer. Ich sage dem Kellner, er möge mir meine Rechnung bringen und er erinnert mich höflich an daS Fremdenbuch, in das ich meinen Namen einschreiben müsse. Ich tauchte die Feder ein und wollte schreiben, da fiel mein Blick wieder auf die verwünschte Zeile und ich zögerte. Sollte ich meine Schande schwarz auf weiß dokumentieren, daß ich die Nacht hindurch Wand an Wand mit dem Räuber meiner Ehre zugebracht, die Zeit ver chlafen, nach ihm abgereist fei? Meinen Namen klar und friedlich unter denjenigen Nordens setzen? Nimmermehr! Der erste beste andere Name war ebenso gut — ich tauchte die Feder ein unb ich weiß nicht, welcher Dämon verzweifelter Wut eö mit in die Hand diktierte, daß ich schrieb: „Theodor Süßmilch, Handlungsreisender ans Cal- kutta; Zweck der Reise: Handel mit Fuchsfellen." Mochte sich die Polizei meinetwegen den Kopf zerbrechen über da« sonderbare Durcheinander — mir war's einerlei!
Der Kellner empfahl sich mit dem Buch und ich machte mich fertig. Dann kam er mit der Rechnung und ich wollte sie bezahlen. Da stand ich von neuem starr — mein Geld war zu Ende! Die Rechnung betrug fünf Thal r, zwei und einen halben Silbergroschen und ich hatte nur noch einen Thaler im Portemonnaie. Ich hatte seit gestern früh nur ausgegeben und mir kein Geld neu eingesteckt, auch zur Reise nicht ... jetzt war meine Kaffe erschöpft, ich konnte die Rechnung nicht mehr bezahlen und mußte noch nach Warnstadt! Ich wat wie vom Donner gerührt! Dann bat ich den Kellner, mir den Wirt zu rufen. (Fortsetzung folgt.)