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Nr 2SS

Marburg, Sonntag, 29. Oktober 1882.

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Artin; W. Thiene- in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.

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Polizeiwachtstube und Otto von Markheims Leiche, mit einem Cylinderhut und furchtbar hellgelben Glaceehand- Ichuhen angethan, kutschierte auf ihrer Bahre im Stimmet umher, gezogen von dem heulenden kleinen Jungen, der mir fortwährend zusammengeballte Apfelsinenschalen an den Kops warf, die mich furchtbar schmerzten. Dr. Norden aber stand hämisch am Fußende meines Bettes, die zer­brochene Goldfischschale in der Hand und klappte damit unter lautemKling-Klang" taktmäßig gegen die Bettstelle, welche sich davon drehte wie ein Kreisel, immer schneller, tn pfeilgeschwindem, rasendem Wirbel, daß mir davon Horen und Sehen verging, während der Kellner vom West- vahnhos mit einem langen Billardqueue dabei stand und ihm wütend zurief, er solle doch anhalten, er müsse mich mit dem Billardqueue totstechen, ich habe ihm seine Depesche gestohlen!

So ging eS weiter, bis ich erwachte und sich mir vor allem die Bemerkung aufdrängte, daß ich fürchterliche Kopf­schmerzen hatte. Ich stöhnte auf und besann mich; dabei fiel mir vieles ein und insbesondere auch die beiden Flaschen, welche auf dem Tisch standen. Ich wußte nun, woran ich war und faßte den notgedrungenen Entschluß, vorläufig "" meiter nichts zu denken, als an meine Kopfschmerzen. Ich schellte, da sich der Klingelzug glücklicherweise unmittel­bar an meinem Bett befand, und bestellte mir bei dem Kellner eine durchgreifende Auswahl von Dingen, wie man sie in solcher Situation anwendet: starken schwarzen Kaffee und eine Flasche Selterwasser, ein paar Stücke Eis zu n Umschlag, etliche Sardellen und ein tüchtiges Frühstuck. ö

Ist doch gut, wenn man Student gewesen ist. Erst­lich hat man vor allem auf der Universität studiert, wie man sich in solchen Fällen zu verhalten hat, und zweitens ist die Natur Herrin einer unbestreitbaren Virtuosität in

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w* Für die Monate November und Dezember werden Bestellungen auf die

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Der Ausfall der Wahlen.

Das Resultat der Wahlen ist für die konservative Fraktion ein überaus günstiges; die konservative Fraktion wird in einer Stärke von etwa 13040 Mitgliedern in das Abgeordnetenhaus einziehen. Große Verluste haben die Mittelparteien, die Freikonservativen und die National- liberalen zu erleiden gehabt; das Zentrum und die Fort­schrittspartei werden ziemlich in derselben Stärke wieder­kehren; die Sezessionisten sind etwas gewachsen. Es sind also alle Hoffnungen der Liberalen wie der Mittelparteien zu Schanden geworden. Die konservative Partei hat den Ansturm der vereinigten Liberalen siegreich abgeschlagen. Nie hat der Liberalismus mit solcher Energie die kon­servative Partei bekämpft als jetzt; eine große Allianz von Bennigsen bis Eugen Richter wurde lediglich zum Zweck der Bekämpfung der Konservativen geschaffen. Die Wahlen sind ein großes Vertrauensvotum des preußischen Volkes für die Konservativen und die von ihnen verfolgte Reform- Politik, welche tn der Kaiserlichen Botschaft ihren feierlichen Ausdruck gefunden hat. ES tritt dies noch besonders dadurch hervor, daß auch in den Gegenden, wo liberale Abgeordnete gewählt worden sind, die Konservativen große Zahlen von Stimmen erhielten und die Liberalen vielfach nur mit knapper Not durchdrangen.

So ehrenvoll der Ausfall der Wahlen für die kon­servative Partei ist, so groß ist die Aufgabe, welche er derselben stellt. Das Volk erwartet Großes von ihr. Es sind zwar dem Geschäftskreise des preußischen Landtages viele wichtigen öffentlichen Angelegenheiten entzogen und dem Reichstage übertragen, wie die wirtschaftlichen, sozialen und Militärangelegenheiten, allein der preußische Landtag kann unmöglich darauf verzichten, auf allen diesen Gebieten bie Bebürfnisse und Wünsche des preußischen Volkes und Staates zum Ausdruck zu bringen. ES ist das seine Pflicht gegen den preußischen Staat und das preußische Volk. Er muß sagen, wo auf allen diesen Gebieten das preußische Volk der Schuh drückt, und muß die Regierung au fordern, beim Bundesrat und Reichstag dahin zu wirken, daß den

Der schwarze Rollert oder

Meine Fra« null ich.

Humoreske von E. C. (Fortsetzung.)

Dann fuhr ich nach Rotheim. Die Fahrt währte eine Stunde; es war fast Mitternacht als ich dort ankam. Ich stieg gleich im Bahnhoshotel ab, ließ mir ein Zimmer ge- ben und befahl dem Kellner zerstreut, da ich instinktiv noch di- Szene vom vorigen Kellner im Kopf hatte, mir eine «lasche Sheny oder Portwein zu bringen. Denn ich wellte noch denken denken, grübeln und mich betäuben! Ich erinnere mich dunkel, daß mich der Kellner verdutzt ansah wib der Kerl hat nachher behauptet, ich hätte be­stellt eine Flasche Sherryund" eine Flasche Portwein, wijinn, ich hatte gesagtoder".. Oder ich hatte auch vielleicht gesagtund", mir ist das gleichgültig genug, ich die Flasche Sherry auSgctrunken, wunderte ich mich, vaß noch eine zweite Flasche auf dem Tisch stand, was ich vorher gar nicht bemerkt hatte. Ich trank diese zweite Flasche auch noch aus, wobei ich mich wieder darüber wun- vetle, daß der Sherry, der vorher so schön golden ausge- sthen hatte, jetzt ganz schwarz aussah. Aber das hatte «ne» Einfluß auf den Geschmack, er war ganz ebenso gut wie bet vorige und schmeckte auch nicht anders. Wenig-

wüßte ich nicht, daß ich mich über einen Unterschied , Geschmack gewundert hätte, und als die Flasche fast «r war, wunderte Ich mich überhaupt nicht mehr über gend etwas, sondern taumelte an mein Bett, entkleidete

/egte mich nieder, sah noch, wie sich daS Zimmer hr.u ncm ungeheuren Schwung von obm nach unten netzte, und schlief.

ta.Se^(rlQlt8C "'Hl ZU wissen, was ich in dieser Nacht Der Graf von Sorbenna tanzte mit Tante Lina

" Walzer auf den zusammengerückten Schränken der

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Für in der Expedition zu -rth-iknd- Auskunft 2 Annahme"von b7e g'es^ltene Ze?le°1»"Pfg°

betreffenden Not- und Mißständen durch Reformen im Reiche abgeholfen werde. ES tritt das gleich bei einer der wichtigsten Fragen, welche den Landtag beschäftigen werden, bei der Steuerfrage hervor. Der preußische Landtag muß es zum Ausdruck bringen, daß es ein dringendes Bedürfnis ist,, die Steuerlast der armen Volksklaffen und der Ge­meinden zu erleichtern, et muß ferner das Bedürfnis nach Reformen tote z. B. bie Besoldungs-Aufbesserung bet Lehrer ttb Beamtenklassen aussprechen; aber er hat auch

Recht dabei zugleich, die Notwendigkeit zu konstatieren, daß die dazu nötigen Geldmittel durch indirekte Steuern beschafft werden müssen, die zur Kompetenz des Reichstags gehören. Es würde von großem Werte sein, wenn im preußischen Landtage sich eine große Mehrheit dafür auS- sprache, daß eine prozentuale Börsensteuer, eine Kapital­renten- und Erbschaftssteuer notwendig wäre, Steuern, die man zwar auch unter die direkten rechne, die aber aus andern Gründen doch besser als Reichssteuern behandelt werden. Ebenso wird eS von der wirksamsten Bedeutung s«n, wenn der preußische Landtag mit klarer Entschiedenheit daS Vorhandensein des dringenden Bedürfnisses, die Lage unserer Bauern, Handwerker und Arbeiter durch eine Reform m' unb Sozialgesetzgebung zu verbessern und

die Mittelstände von den enormen Gerichtskosten zu ent- üssün, konstatiert. Jedenfalls kann der Landtag der preu-

Monarchie, welche auch gleichzeitig den festen Kern des deutschen Reiches bildet, sich nicht in die Stellung einer

Peovinziallandtag zurückdrängen lassen. Wird der preußische Landtag in allen diesen angedeuteten Fragen auf die Hohe der vorliegenden Aufgaben treten und dem Be­dürfnisse des preußischen Staates Ausdruck geben, so würde d°S jedenfalls auch im Bundesrat und Reichstag nicht ohne Eindruck bleiben, und die Reformen, welche im Reiche nicht recht vom Flecke wollen, würden dadurch die wirksamste Förderung erfahren. 1 1

TLauf ^nem eigenen Kompetenzgebiet hat der preußische Landtag große Aufgaben zu erfüllen. Es gilt, h e ^rwaltungsreform mit Berücksichtigung der inzwischen gemachten Erfahrungen zum Abschluß zu bringen, es gilt, die Preußische Steuerreform in wirksamer Weise zu fördern, damit wirklich eine umfassende und wirksame Reform möglich werde; es gilt, die Beendigung des Kulturkampfes auf inen Weg zu leiten, wo sie jedenfalls zu einem Ziele ! fluhrt werden kann; denn daß man auf dem Wege der diskretionären Vollmachten nicht zum Ziele kommt, hat der bewiesen; es gilt ferner, unsere christliche ober kon- essionelle Volksschule dies Kleinod des deutschen Volkes__

r. T 3^" vor parlamentarischer, wie ministerieller md stadtvorständischer Willkür zu schützen; eS gilt die Besserung der Lage der Lehrer, insbesondere der älteren

der Ueberwindung solcher kleinen Zufälle geworden. Nach einer Stunde hatte ich mich soweit auskuriert, daß ich auf- stehen konnte, und nun kam eine tiefe Beschämung über war ganz zerknirscht! Pfui, ich hatte mich be- freilich ohne es zu wissen und zu wollen. Aber 8 mich doch immer betrunken! In der kritischsten schrecklichsten Lage meines Lebens, von der mein ganzes Sem abhmg und in bet zu handeln statt ru säume» und mich in Unachtsamkeit zu verlieren, mir PfNcht, Ehre ffiut und olles mögliche sonst noch gebot! Zu handeln! A' ^Teufel, wie denn nun eigentlich? Wär beim das aHeS Wirklichkeit, was ich durchlebt hatte, oder war eS am ^be nur ein wilder wüster Traum gewesen? Nein, Wirk. Mi-Ä % <Vef°"b wH ja hier noch in Rotheim im Eisenbahnhotel! Aber war denn auch alles wirklich so wie es nur erschienen wat - hatte auch nicht etwa irgend

Norden ^durch^^ b0.« mir getrennt haben, sollt? mit 2« a"Ä". 'V6U

bas mionhft Astern nachmittag sein galantes Abenteuer, wLrX? . "Nb galanteste von der Welt . . . Heiliges m.,-^uetement, und ich betrank mich hier, liege in dumpfer ©etaubung hin, verschlafe die Zeit . . ich sah nach der Uhr: eS war halb zwölf Uhr mittags!

(Fortsetzung folgt.)

und invaliden; es gilt die Förderung der Verkehrswege, um immer mehr allen Gegenden die Wohlthaten derselben zu gute kommen zu lassen u. s. w.

Es ist eine ernste, gewitterschwangere Zeit; im Westen wie im Osten hebt die Revolution ihr Haupt empor und aus allen Grimassen ihres wilden Antlitzes grinst uns gemeinsamer Haß und Rachsucht gegen Deutschland ent- 9 1"' dieser Lage muffen wir im deutschen Reiche unb vor allem in Preußen, bem Horte Deutschlands, auf festem Grunde bauen, solche Reformen einführen, welche ?e bösen Geister zu verscheuchen, die wirt- schastlichen und sozialen Notstände zu beseitigen oder zu Äfr n. m und die Freude am Vaterlande im KsAfi-W UllL? e sittliche Tüchtigkeit und Wider­standsfähigkeit zu erhöhen, damit das deutsche Reich seiner großen Aufgabe em Hort der christlichen Kultur zu stin gegenüber dem Ansturm revolutionären Naturalismus, ge- wacyien ist. ' ö

. .auch die konservative Partei nicht so stark ist, daß sie allein eme Mehrheit bilden kann, so ist sie doch um 'mit Unterstützung anderer die Führung des Landtages zu übernehmen. Welch andere Partei das am b°rauS ergeben, welche Partei sich

am willigsten zeigt, gemeinsam mit den Konservativen die Aufgaben zu erfüllen. Würden Freikonservative und National- liberale sich dazu bereit finden lassen, so wäre daS uns evangelischen Konservativen am liebsten; aber wenn nicht nur äci0t' baß die gestellten Aufgaben

nur mit Me des Zentrums zu lösen sind, so können bie S Änett^" .Verschiedenheiten auf bem politischen Boben des Abgeordnetenhauses nicht davon abhalten, die Unter­stützung des Zentrums anzunehmen. Es ist lächerlich an- zunehmen, die Konservativen würden sich vom Zentrum "Ehmen ober gar zum Schaden der evan- gelischen Kirche für ultramontane Zwecke mißbrauchen lasten. Wir gehen nirgends tiefer ins Wasser, als wir nDeutschland Z Unfete katholischen Mitbürger w? : Jönorieren, es wäre unverständig, des-

halb ein gutes politisches Gesetz nicht zu machen, weil man katholischen Abgeordneten machen könnte, und » M?r9r c6en^° ""verständig, sie mutwillig der Opposition ", Arme zu treiben. Wo wäre unsere Zollreform ge- ^^ben, wenn wir so gehandelt hätten? wie könnten wir 'S eK Östliche Volksschule und unser christ- rcheS Volksleben vor dem naturalistischen Liberalismus zu ichern, wenn wir in allen Dingen konsequent das Stil« ammengehe» mit dem Zentrum zurückweisen wollten? Den Liberalen wate eS freilich am liebsten, wenn die Konfer- 9an3 prfd hielten; denn bann käme^emfach nichts zu stände, sie könnten dann dem

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sown d.Annoncen-Bureaux o. Th. Dietrich u. Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haafenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln re-; Rudolf Moste in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. Ge. in ^Ä^-.M-iJ-aersche BuchhaMung daselbst; §7^"iche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

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