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Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, soaii» d.Annoncen-Bureaux ö. Th- Dietrich u. Co- in Mss:l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Moste in Berlin, Frank­furt a. M- rc.

Marburg, Sonnabelid, 21. Oktober 1882

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OWchschk jritmig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche jBuchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin: W. Thienes in Elberfeld: G. Schlotte in Bremen-

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlln strikte» SountaaSblatt" Buchdrucker -i) bezogen 2*A Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die güt in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

durch die Expedition (Ä o ch'sche gespaltene Zeile 10 Pfg.

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Der Parlame«tarism«s.

(Aus der Prov.-Eorresp.)

Man wird es als charakteristisches Merkmal unserer politischen Entwickelung betrachten müssen, daß in der gegenwärtigen Wahlbcwegung die Erörterungen über daS Verhältnis zwischen Krone und Parlament wieder eine größere Rolle zu spielen beginnen.

Dieses Wiederaufleben alter Kämpfe und Streitfragen hat seinen Ursprung in der Stellung des Liberalismus zu den Fragen der wirtschaftlichen und sozialen Reformpolitik. Weil der Liberalismus befürchtete, daß sein Einfluß an­gesichts des lebendigen Interesses, welches die Reform in allen Schichten der Gesellschaft fand, dahin schwinden werde, glaubt er zur Sammlung und Stärkung seiner selbst nichts Besseres thun zu können, als sich wieder auf seinen Ur­sprung und auf sein Ideal, das der liberalen freiheitlichen Entwickelung und derVervollkommnung" des konstitutio­nellen Systems, zu -besinnen und eine hierauf gerichtete Politik gegen die Reformpolitik auszuspiclen. Die großen Gedanken, welche die Zeit bewegen, waren ihm vorweg­genommen: die Belebung seiner alten Theorie schien ihm das einzige Mittel, um die öffentliche Meinung wieder auf seine Seite zu bringen.

Bei dieser veränderten Stellung, welche der Liberalismus einnahm, war es ganz erklärlich, daß von der anderen Seite als Parole für die Wahlbewegung der Kampf gegen dasStreben nach parlamentarischer Regierungsform" ausgegeben wurde.

In der Thatsache einer scharfen und entschiedenen Opposition gegen die Jieglerung würde ein solches Streben noch nicht zu erblicken sein. Wohl aber spricht das gesamte Verhalten der vorgeschrittenen Liberalen dafür, daß nicht nur sachliche Gründe sind, welche den Liberalismus in eine Oppositionsstellung getrieben haben, sondern daß er die Zeit für gekommen erachtet, um die erwähnteVer­vollkommnung" des konstitutionellen Systems und eine Stärkung des Einflusses des Parlaments anzustreben.

Aeußerungen von hervorragenden liberalen Parteiführern während der Wahlbewegung haben diese Auffassung nur bestärken können.

Nach Herrn Hänelwill und soll der Liberalismus zur Herrschaft gelangen, den maßgebenden Einfluß gewinnen und, wenn die Dinge so fügen, die Regierung selber in konstitutioneller Weise leiten". Nach Herrn Lasker darf der Liberalismusin Zukunft nicht mehr so bescheiden sein, nur den Wunsch zu hegen, eine genügende Anzahl von Abgeordneten aufzubringen, welche im stände wäre, illiberale Gesetze zu verhindern und liberale zu fördern,

Der schwarze Robert ober

Meine Fra« und ich.

Humoreske von E- G. (Fortsetzung.)

Tante Lina! Verehrter Leser! Als ich Dir erklärte, daß ich diesen Ausruf gethan, hast Du nicht begriffen, was in demselben lag! Wenn ich Dir annährend mitteilen soll, was darin lag, so muß ich sagen: Bestürtzung, Freude, Entsetzen, Beschämung, Hoffnung, Verzweiflung, Kopf­brummen, Freundlichkeit, Versagen, Resignation, Fremden­zimmer, HauSumsturz, meine Schulden, mein Arbeitszimmer, Apotheke, Todesfall, zertrennte Kleidungsstücke, eine Viertel­million und der Schwarze Robert!

Das ist viel, aber es ist wirklich wahr, lag darin! Kenntest Du Tante Lina, verehrter Leser, so würdest Du's mir glauben! Taute Lina hatte viele Fehler, sonst war sie eine herzensgute Person. Sie war,nehmt alle« nun in allem", verrückt. Außerdem besaß sie eine Viertelmillion. Im allgemeinen ist zwar Reichsein nicht gerade ein Fehler; aber manchmal doch. Zum Beispiel, wenn derjenige, der damit behaftet ist, Tante Lina heißt, verrückt ist und zum Besuche angereist kommt. Um sich, sein Hau», seine Nerven, sein gesundes Hirn und das Oberste als oberhalb des Untersten bleibend zu täten, würde man solchen Besuch mit dem Recht der Selbstverteidigung schleunigst hinauö- kamplimentieren, die Thür verschließen, die Sicherheitskette dvrlegen und an die Penaten seines Hauses ein Dank- Stoßgebet dafür richten, daß sie diesen Kelch haben an kinem vorübergehen lassen. Nun aber hat der Besuch zum Unglück eine Viertelmillion -r- mein Himmel, was will Man machen! Der Uebelstand der Viertelmillion ist einmal da und man muß mit den Thatsachen rechnen, besonders Menn die Thatsachen @eb sind! Man muß die Menschen dfhmen, wie sie sind, nicht wie sie sein sollen. Tante Ana also zum Beispiel mit einer Viertelmillion. Das

sondern eine Anzahl, welche so in sich geeinigt und ge­schlossen ist, daß sie als Autorität innerhalb des Staats­lebens auftritt und beanspruchen kann, auch die Autorität des Staates in die Hand zu nehmen". Und erst noch jüngst erklärte Herr Virchow, er müsse zugeben, daß der Vorwurf, die Liberalen erstreben ein parlamentarisches Regiment, eine gewisse Substanz habe; das Parlament müffe die Mittel besitzen, dasjenige durchführen zu können, was der Majorität desselben als daö Nützlichste und Wohl- thuendste für den Staat erscheint".

Wenn alle diese Aeußerungen überhaupt einen Sinn haben, so können sie doch nur bedeuten, daß die Liberalen nicht nur eine liberale Majorität erstreben, sondern mittelst derselben dem Parlament selbst eine andere Stellung im StaatSlcbcn, als bisher, angewiesen wissen wollen.

Trotzdem hat die liberale Presse den Liberalismus gegen den Vorwurf des Strebens nach der Herrschaft des Parla­ments zu verwahren gesucht, und Herr Virchow selbst, der einerseits zugab, daß jener Vorwurf eine gewisse Substanz habe, hat in demselben Atemzuge erklärt, daß die Liberalen noch nie bis zu der Forderung der parlamentarischen Herrschaft gekommen seien.

Um aus diesen Widersprüchen herauszukommen, wird man sich vor allem darüber klar werden müssen, was unter parlamentarischer Herrschaft zu verstehen sei.

Herr Virchow definiert dieselbe so:da kann man nicht bloß Ja oder Nein sagen, da kann man die Regierung zwingen, eine bestimmte Richtung einzuschlagen, da kann mau sogar den König zwingen, die Minister zu entlassen, die nicht mit der Majorität des Parlaments übereinstimmen, und andere zu nehmen, bei denen dies der Fall ist. DaS ist noch nicht Republik".

Diese Erklärung stimmt mit der allgemeinen Auffassung sowohl, wie mit den thatsächlichen Verhältnissen überein, wie sie sich in einer Anzahl von europäischen Staaten ge­bildet haben, welche als im Besitze der parlamentarischen Regierungsform oder des konstitutionellen Systems befindlich bezeichnet werden.

Die Frage ist die, ob Herr Virchow, die Fortfchritts- partei und die vorgeschrittenen Liberalen eine solche Mehr­heitsregierung wollen oder nicht.

Eine soeben erschienene Flugschrift überdie Aussichten des deutschen Parlamentarismus" (Leipzig, Duncker und Humblot 1882) weist auf die. Zersplitterung der Parteien als auf den eigentlichen Grund hin, aus welchem die Mehrzahl unserer Liberalen die Forderung desreinen" Parlamentarismus vorläufig zurückgestellt habe, zugleich aber führte sie aus, daß der Liberalismus nicht nur die Einführung der parlamentarischen Regierungsweise als

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heißt: man muß sie aufnchmen, freundlich sein und sich, sein Weib, Magd, Vieh, Knecht oder alles, was sein ist, auf dem Altar der Verwandtenliebe zum Opfer bringen, aus daß es einem wohlergehe und man lange lebe auf Erden!

Außer ihrer Viertelmillion hatte Tante Lina, wie be­merkt, viele andere Eigentümlichkeiten, welche ich vorhin als Fehler bezeichnete. Ob ich darin Recht hatte, magst Du selbst entscheiden, lieber Leser, wenn ich Dir Näheres dar­über sage. Tante Lina war eine herzensgute Person, die ungemein gern Gutes that und dabei sehr egoistisch war. Sie lebte sehr einfach, und wenn ste kam, stellte sie zu­nächst das Haus auf den Kopf. Nachdem sie die» voll­bracht, fiel ihr ein, daß es ähnlich wie früher doch bester sei und sie daher das Oben und Unten lieber wieder in den frühren Stand setze, wobei dann das Mittelste zu oberst, das Unterste in die Mitte kam und das Oberste sehen konnte, wo es bleibe. In ihrer Villa von 12 Zim­mern befand ste sich eigentlich beständig auf der Wander­schaft. Alle vier Wochen wurde daS Schlafzimmer in die Küche verlegt, die Kochmaschine im früheren Schlafzimmer errichtet, der Salon eine Treppe höher aufgeschlagen, daS Boudoir im bisherigen Salon arrangiert und dann machte sie im Bibliothekzimmer Toilette, weil's ihr im Boudoir zu zugig war. Sie lebte der festen Ueberzeugung, daß die Himmelsrichtung von Einfluß auf den Schlaf des Men­schen sei, und da sie bet ihrer Schlaflosigkeit denn sie schlief nur von nachts 12 bis vormittag 11 Uhr sehr viel auf einen ruhigen Schlaf gab, so befand sie sich in einem fortwährenden Experimentieren, nach welcher Richtung hin das Kopsende ihres Bettes wohl am besten stehe. Da ihre Ansicht hierüber öfters wechselte, so wechselte die Bett- richtung auch öfters. Sie war sehr korpulent und un­gemein . gesund, dabei aber fortwährend krank und da der ansehnliche Medikamentenvorrat in ihrem eigenen Besitz

Ziel der Entwickelung ansehe, sondern sich so gebehrde, als sei diese Regierungsweise die eigentlich zu Recht bestehende.

Unsere Fraktionen gerierten sich, wie die Flugschrift näher entwickelt, innerhalb wie außerhalb des Parlaments wie regierungsfähige und auf ihre Regierungsfähigkett er­probte Parteien und ächteten ihre Ansprüche und ihr Ver­halten so direkt nach dem Muster parlamentarisch regierter Staaten ein, als ob es bei uns eine rcgierungssähige Mehrheit gebe, der ihr gutes Recht unbegreiflicherweise vorenthalten werde. DaS nehme sich um so verwunder­licher aus, als der Mangel einer zuverlässigen Mehrheit ein allgemein anerkanntes Gebrechen unseres parlamen­tarischen Lebens bilde, und als außerdem von einem großen Teil der Liberalen eingeräumt werde, daß Deutschland und Preußen wegen ihrer geographi chen Lage und der Eigen­tümlichkeiten ihrer Organisation von der Möglichkeit, durch wechselnde Mehrheiten regiert zu werden, überhaupt aus­geschlossen seien. Nichtsdestoweniger werde der sogenannte reine Parlamentarismus von den Liberalen in Theorie und Praxis als letztes zu erstrebendes Ziel behandelt.

So ist es in der That. Die Klage der Liberalen über diesen Mangel an Einfluß des preußischen und deut­schen Parlaments ist mit einem Gefühl deö Neides auf die konstitutionellen Einrichtungen anderer Länder ver­mischt: ste halten unsere parlamentarischen Einrichtungen für eine unvollkommene Vorstufe, welche über kurz oder lang nach den Gesetzen der geschichtlichen Notwendigkeit zum reinen Parlamentarismus führen müsse. Wie wenig ersprießlich sich derselbe (wie die Flugschrift näher entwickelt) in anderen Ländern gezeigt hat, dagegen verschließen ste ihre Augen; daß er, wie die Flugschrift treffend ausführt, unmöglich für Deutschland ist, wenn es seine hohen Auf­gaben innerer und äußerer Politik im Zentrum Europas lösen will, ist ihnen noch nicht zur Ueberzeugung geworden.

Es darf als ein Gewinn erachtet werden, daß die Frage nach dem Parlamentarismus wieder zur Erörterung gestellt ist. Denn somit ist wenigstens die Möglichkeit gegeben, daß der im Stillen schleichende und ungehindert fort­wuchernde Aberglaube von einem höheren Grade der Voll­kommenheit, den die parlamentarische Regierungsform gegen­über den gegenwärtigen Verhältnissen einnehme, endlich von dem Lichte der Wahrheit verscheucht wird und der Ueber­zeugung Platz macht, daß eine Entwickelung nach jener Richtung hin für Deutschland keinen Fortschritt, sondern eine schwere Gefahr bedeuten würde.

Indem der Liberalismus feine, nach der Ansicht des Herrn Lasker, vor 16 Jahren unterbrochene Arbeit liberaler und freiheitlicher Entwickelung und konstitutionellerVer­vollkommnung" jetzt wieder aufnimmt, hat er selbst die

keincsweges auSreichte, so war stets ihre erste Sorge bei einem neuen Asyl, wo die nächste Apotheke sei und wer schnell hinlaufen könne, wennetwas vorfalle". Sie besaß eine sehr stattliche Garderobe und hatte eine außerordent­liche Vorliebe für geborgte Sachen. Wenn ste in's Theater ging, zog ste Stephaniens dunkelgrünen Rock an, der zu diesem Behufe in den Falten etwas ausgelassen werden mußte, legte darüber ihre braune Taille an, welche ihr am bequemsten saß, und welche ihre Caroline zu diesem Behufe von der Robe abtrennen mußte; entlieh sich, zur Verdeckung der andersfarbigen Taille Berthas leichtes Sommertuch, nahm Ellas Fächer, da sie den ihrigen vergessen hatte, bat sich Gustavs Opernglas aus, weil dies handlicher sei als das ihre, und ersuchte dann Benno, vom Theater rasch nach Hause zu springen und ihr das ihrige zu holen, weil sie durch Gustavs nicht sehen könne. Sie verschwendete ungemein und war dabei sehr knauserig. Da ste der An­sicht war, daß sich aus Knochen eine sehr gute Bouillon kochen lasse, die bannso gut wie gar nichts koste", kaufte sie immer recht große Kalbskeulen mit möglichst imposanten Knochen, briet ste, gab das Fleisch ihren Leuten, weil sie selbst Kalbsbraten nicht und bereitete sich aus den Knochen eine schmackhafte und sehr billige Bouillon. Ferner hatte sie meine Frau, ihre jüngste Nichte, sehr lieb, hatte ihre Viertelmillion in ersten Hypotheken angelegt, sprach viel von ihrem Testament, das höchst wohlwollend abgefaßt sei und war apoplektisch. Sie hatte, mit Ein­schluß meiner Frau vier Erben, das machte auf den Mann (oder die Frau) zweiundsechzigtausendfünfhundert Thaler.... Der Himmel schenke der guten Frau noch ein recht langes Leben, aber wenn schon einmal ein Unglücksfall eintreten sollte lieber Leser, nimm mir« nicht übel, aber so ein Unglücksfall ist doch keine Kleinigkeit I

(Fortsetzung folgt.)