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Nr 217
Marburg, Freitag, 20. Oktober 1882
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Anzeigen nimmt entgegen: bi; Expedition d. Blattes, so.vi. d.Annoncen-Bureaux D. Th- Dietrich u. Co. in Kass.'l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M-; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a- M-, Berlin, Lrixzig. Köln rc.; Rudolf Ülicffc in Berlin, Frankfurt a. UL ic.
(Oliciiirffifdir Jtitmig
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b Blatter, sowie d.Annoncen-Bureaux von ® 8. Daube u. Go. in Frankfurt a. M ; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche ^Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thiener in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Souutagsblatt" durch die Expedition iK och'sche Buchdruckere,) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Besteügebühr., — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psa.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Die Abgeordueteuwahle«.
Die „Prov.-Corresp." schreibt hierüber:
Diese Zeilen gehen in den Druck einen Tag vor dem Akk, in welchem die Urwähler die Wahlmänner bezeichnen. In dem Augenblick, wo die nachfolgenden Worte dem größten Teil der Leser dieses Blattes vor Augen kommen, wird das Ergebnis für :k Berufung der Wahlmänner bereits fcfheftiöt sein.
Der Gebrauch hat sich bei unS immer mehr eingebürgert, die Entscheidung des Wahlkampfes bereits in die Ernennung der Wahlmänner zu verlegen. Die politische Richtung des WahlmannSkandidaten, nicht seine sonstigen Eigenschaften giebt den Ausschlag bei den Urwählern. Zweifellos ging der dem preußischen Wahlgesetze zu Grunde liegende Gedanke dahin, daß die Wahlmänner ein freies Mandat empfangen sollten, das heißt das Mandat, nach eigenem besten Wissen in gegenseitiger Verständigung den geeignetsten Abgeordneten zu suchen.
ES ist heute nicht an der Zeit, zu beurteilen, welche Folgen die Befestigung der Gewohnheit haben muß, den Wahlmann auf den Namen des Abgeordneten zu verpflichten, für den er zu stimmen hat. Aber wir halten es auch bei der schon weiten Verbreitung dieses G-braucheS nicht für überflüssig, ein Wort an die Wahlmänner zu richten über die Bedeutung der bevorstehenden Wahl.
Denjenigen Wahlmännern, welche ihr Mandat empfangen haben, um eö auszuüben zur Unterstützung der Regierung, haben wir nichts an das Herz zu legen. Die Wahlmänner dagegen, welche ihr Augenmerk auf Abgeordnete richten zu sollen glauben, die, wie man zu sagen pflegt, im stände sind, Widerstand zu leisten, möchten wir bitten, dabei einen Punkt von hoher Bedeutung nicht zu übersehen.
Anscheinend treten alle Richtungen des Liberalismus mit dem Plan der Opposition in die beginnende Legislaturperiode. Aber in denjenigen Teilen der Nation, von welchen einst die nationalliberale Partei getragen wurde, ist man sich keinesfalls der Absicht bewußt, einer intransigenten Opposition die Beherrschung des Abgeordnetenhauses in die Hand zu legen. Diese Absicht wird von der Fortschrittspartei und einem Teil der früher nationalliberalen Abgeordneten gehegt. Die Mehrzahl der liberalen Urwähler, di s darf mit Sicherheit angenommen werden, wünscht auch heute, das Werk der inneren Politik, wenn möglich, durch Verständigung mit dem Staatsmann fortzuführen, der um die Erhebung Deutschlands, um seinen König und sein Volk so unbestreitbare Verdienste hat. Der Reichskanzler seinerseits steht unerschütterlich auf dem Boden der Kaiserlichen Botschaft vom 17. November v. I und des Königlichen Erlasses vom 4. Januar d. I. Auf diesem Boden steht mit dem Reichskanzler das preußische Staatsministerium. Die Frage ist also auch bei der Wahl liberaler Abgeordneten, ob diese Wahl auf Männer fällt,
denen eine Verständigung mit der Staatöregierung überhaupt erstrebenswert erscheint, oder auf solche Männer, deren dringendstes Ziel die schon einmal auögegebene, dann verleugnete, jetzt wieder gehörte Losung bleibt: „Fort mit Bismarck".
Wenn die Abgeordnetenwahlen ein Haus ergeben, das in seiner Mehrheit Elemente aufweisen sollte, welche entweder der Fortschrittspartei von Anfang zugehörig sind, oder derselben im Laufe der parlamentarischen Verhandlung unterthänig werden, so wäre jedes Zusammenwirken eines solchen Hauses mit der Staatsregierung von vornherein ausgeschlossen. Die liberalen Elemente würden sich unter Führung der Fortschrittspartei bemühen, um alles zu Fall zu bringen, was die Regierung überhaupt vorschlüge. Es wäre damit der Stillstand der Gesetzgebung herbeigeführt, wenn eine solche Majorität aus der Wahl am 26. Oktober hervorginge.
Dies mögen die Wahlmänner bedenken. Sie mögen darauf achten, daß sie Männer von versöhnlichem Geist entsenden, die, wenn auch nicht über alle bisher vorgeschlagenen Mittel, doch über die großen Ziele mit der Staatsregierung einig sind: über die innere Sicherstellung des Reichs, über die Ehrenpflicht des Schutzes der schwächeren Klassen nicht bloß durch den allgemeinen Rechtsschutz, sondern durch organisatorische Mittel.
Abgeordnete, welche den Pflichtsinn und die Unbefangenheit haben, diese Aufgaben anzuerkennen und zu ihrer Lösung helfen zu wollen, solche Abgeordnete werden es der Regierung möglich machen, in einer oder der anderen Gestalt dem Lande und dem Reiche die positiven Wohlthaten schöpferischer Gesetzgebung zuzuwendcn, deren Land und Reich schon lange bedürfen, deren Aufschub dem gesamten Vaterlande nur zum schweren Nachteil gereichen kann.
Wenn jdagegeu die Vertretung des Liberalismus im Abgeordnetenhause überwiegend einer Partei zufallen sollte, welche als nächste Losung ausgegeben hat: „Steuererlasse mittelst Beschränkung der Ausgaben, vor allem der Ausgaben für die Wehrhaftigkeit", so würde schon die Durchsetzung dieser Losung das Reich schwer gefährden. Nach dem ersten Sieg aber würde die Partei fortschreiten zur Z rstörung einer Bürgschaft nach der andern, auf denen die äußere Sicherheit wie der innere Zusammenhalt ter Staaten im Deutschen Reich beruht. Für das Reich würde die Partei zusammenhaltende Institutionen über die jetzt vorhandenen Grundlagen hinaus nie zu stände kommen lassen.
Es auf eine solch: Entwickelung nicht ankommen zu lassen, dürften die Wähler alle Ursache haben.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Okt. Se. K. K. Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reiche« und von Preußen, geb. 1831, feiert heute im Neuen Palais bei Potsdam im Kreise
seiner Familienmitglieder sein GeburtStagSfest. Um an der Feier des heutigen Tages teilnehmen zu können, waren auch der Erbprinz und die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen vorgestern von ihrer Reise nach Meiningen rc. wieder nach Potsdam zurückgekehrt. Ferner weilen am heutigen Tage als Gäste der Kronprinzlichen Herrschaften im Neuen Palais der Prinz und die Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein und der Fürst Ernst von Meiningen, der Erlauchte Schwager des Großherzogö von Baden. Der Kronprinz nahm persönlich nur die Glückwünsche seiner Familienangehörigen und der Fürstlichen Gäste, sowie der Personen des prinzlichen Hofstaates entgegen. Für andere waren im Neuen Palais Einschreibebücher auSgelegt. Bon nah und fern gingen Glückwunsch-Telegramme und Gratulationsschreiben ein. In Potsdam und Berlin hatten öffentliche und Privatgebäude zu Ehren deS Tages geflaggt, Kriegervereine und Regimentskameraden veranstalteten Festlichkeiten; die Baruch - Auerbachschen Waisen- Erziehungsanstalten begingen den Geburtstag ihres Protektors in festlicher Weise. Die Kronprinzliche Familie wird mit den Fürstlichen Gästen und der nächsten Umgebung der Kronprinzlichen Herrschaften zur Feier des heutigen TageS zum Diner beim Prinzen und der Prinzessin Wilhelm im Marmor-Palais versammelt sein. AbendS findet dann beim Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin in den in der ersten Etage des Neuen Palais, rechts vom Marmorsaale gelegenen Räumlichkeiten eine Ballfest- lichkeit statt, zu der etwa 300 Einladungen ergangen sind. Dabei befinden sich auch die hier eingetroffenen Deputationen derjenigen Regimenter, deren Chef der Kronprinz ist. — Der Ausfall der kirchlichen Wahlen in Berlin und in Breslau ist, wie. die „Prov. Corresp." bei Erwähnung des Wahlergebnisses bemerkt, als erfreuliches Zeichen zu begrüßen. — Gegenüber der Meldung der „Crefelder Zeitung", der Kultusminister habe die Aufhebung der Simultanfchulen in Creselo verfügt, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": Nach eingezogener Erkundigung ist die letzte in dieser Angelegenheit vom Kultusminister ergangene Disposition ober Verfügung ein der PetitionSkommifston des Abgeordnetenhauses mitgeteilter Erlaß desselben vom 17. Januar, in welchem es heißt, der Minister habe gern davon Kenntnis genommen, daß der städtische Schulinspektor die Wünsche der Eltern betreffs der Aufnahme ihrer Kinder in die Konfessionsfchulen möglichst berücksichtige; der Minister veranlasse die Regierung, daS Verfahren des städtische» Schulinspektors nach Kräften zu unterstützen. — In betreff der evangelischen Taufen und Trauungen macht die „Kreuz-Ztg." folgende Mitteilungen, welche für einzelne Provinzen einen günstigen Prozentsatz der Trauungen als der Taufen ergeben: Im Jahre 1881 erhielten in der Provinz Hannover von 60118 neugeborenen Kindern evangelischer Eltern 57107 die Taufe; von 14 521 büc-
D t r schwarze Robert
ober
Meine Fra« und ich.
Humoreske von E. C. (Fortsetzung.)
„Laura l" rief ich ganz entsetzt, „maS machst Du denn — Du verlierst ja Deine Königin I"
„O weh," sagte sie kauend, „da muß ich wohl den Zug zurücknehmen, wie? Welcher war es denn?"
„Du spielst furchtbar zerstreut!" sagte ich nervös.
„Das macht die Apfelsine," erwiderte sie unbefangen, „sie schmeckt zu schön!"
„EinS kann man doch aber nur,“ beteuerte ich entrüstet, „entweder Apfelsine essen ober Schach spielen! Du verdirbst ja die ganze Partie!"
„Mein Gott, ist denn aber Schachspielen etwas sa Wichtiges, daß man nicht einmal ein Stückchen Apfelsine dabei naschen kann?" sagte sie beleidigt. „Dann hättest Du sie mir nicht milbringen sollen — ich habe sie nur ge- geffen, um Dir eine Freundlichkeit zu erweisen!"
„Das mag schon sein," erklärte ich ärgerlich, „aber jedenfalls hat sie Dir so gut geschmeckt, daß Du darüber furchtbar zerstreut gespielt hast I"
„Du wirfst mir also vor, daß mir daS gut schmeckt, was Du mir mitgebracht hast?" rief Laura tief beleidigt und schob die Apfelsinenhälfte empört bei Seite. „Ich werde nicht mehr davon essen, keinen Bissen, wenn Du ihn mir doch nicht gönnst — ich werde überhaupt nicht mehr rsfin, was Du mir mi>bringst, Du liebloser Mensch!"
„Du kannst doch aber, zum Wetter, die Apfelsine auch ju anderer Zeit essen, nicht gerade beim Schachspiel, wo fie Dich stört!" erklärte ich ärgerlich, erregt durch den
lieblosen Menschen. „Du weißt, es macht mich nervös, Dich unaufmerksam Schachspielen zu sehen, und wenn ich Dir schon daS Opfer bringe, die Partie trotz meiner pressierten Zeit l icht ausfallen zu lossen, so kannst Du doch wenigstens bei der Sache sein, nicht beim Apsel- stneneffen!"
Mit dem Opfer hatte ich Oel in's Feuer gegossen — wahrhaftes Petroleum mit aufgelöster Schießbaumwolle darin! „Opfer!" schrie Laura entrüstet auf und brach in Thränen aus: „Es ist Dir aOo ein Opfer, wenn Du mir ein paar Minuten Deiner Zeit widmest und Du wirfst es mir vor?! Oh —" und sie sank schluchzend auf das Sopha, „ich werde nicht wieder solches Opfer von Dir verlangen, ich werde eö nicht wieder von Dir annehmen — ich weiß jetzt, daß Du nur mit Ueberwindung Deinem Pflichtgefühle zu mir folgst! Deine Liebe ist hin, Du hast nur noch Härte und Schonungslosigkeit für mich, alles ist nur noch Schein und mühsame Verstellung!"
„Laura," fuhr ich auf, „bringe mich nicht außer mir! Ich kann das nicht anhören, was Du da sagst!"
„Du willst überhaupt nichts mehr von mir anhören, ich weiß eS," fuhr sie fort und lief händeringend im Zimmer umher: „Du willst Deiner zügellosen Heftigkeit Raum geben, trotz all' meiner Sanftmut und Nachgiebigkeit! — Ach, ich unglückliches Weib, er ist meiner überdrüssig, er lehnt sich gegen meine Liebe auf, — oh, Ich werde Dich von meiner Gegenwart befreien!"
„Bist Du von Sinnen, Frau!" zitterte ich mit nur noch mühsam erhaltener Fassung, „ich biete das Aenßerste auf an Nachgiebigkeit und Liebe — —"
„Den ganzen Tag hat er mich gequält und ich habe eS wie ein Lamm ertragen," jammerte Laura, die bereits
nur noch in der dritten Person von mir sprach, „und nun dennoch, dennoch diese fürchterliche Katastrophe!"
„Ich Dich gequält?" tief ich entrüstet ans und faßte ktampfh rft meine beiden Rockklappen, die ich schüttelte, als hätten sie es verbrochen; „nervös gemacht hast Du mich den ganzen Tag mit Deiner Unvernunft, bis zum Aeußersten!"
„^.h, diese Worte, diese harten, rücksichtslosen Worte! Ich Dich nervös gemacht! Gefoltert hast Du mich, verletzt, beleidigt dis aufs äußerste!" schuchzte Laura zurück.
~ „Ich Dich beleidigt? Ein Lamm bin ich gewesen, ein Schaf au Sanftmut, ich habe alles ertragen —"
„Vernachlässigt hast Du mich, unbeachtet gelassen, bis die Goldfischschale umfiel!" argumentierte Laura händeringend, als sei die Goldfischschale von meinem Unbeachtet- taffen ihrer Person umgefallen, „krank gemacht hast Du mich vor Kummer, mich eingeschüchtert, wie eine Sklavin, daß ich Dir nicht mehr eine Tasse Kaffee anzubieten wagte, — beschämt, kompromittiert hast Du mich vor dem Dienstmädchen, mich armes, unglückliches, gedemütigteS
„Frau!" schrie ich jetzt wirklich außer mir, „hör' auf — ich ertrag' das nicht länger!"
„Du sollst es auch nicht — ich gehe von Dir!" jammerte sie und warf sich schluchzend wieder auf daS Sopha.
„Lama!"
„Ich kehre zu meinen Eltern zurück — ich will Dich von meiner Gegenwart befreien — ich bin unglücklich! Du hast mir das Glück meines Lebens geraubt — und daS alle« wegen so einer gottlosen Geschichte, einer Grille, einem unselig n unnützen Zeug I"
„Der Schwarze Robert ist eine ehrenvolle Ausgabe,