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Marburg, Sonntag, 15. Oktober 1883
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öffentlichung der periodischen Sommer- und Winterfahrpläne, und zwar mindestens 14 Tage vor der Einführung der- selben, besonderer Wert gelegt werden müsse, und daß es daher unerläßlich sei, die bezüglichen Vorbereitungen demgemäß nach Möglichkeit zu beschleunigen. Indem der Minister die betreffenden Vorschriften in einem Zirkular- Erlaß vom 5. d. M. erneut in Erinnerung bringt, bemerkt derselbe, daß es sich hierbei vor allem darum handle, die für die Ausführung des Fahrplans erforderlichen geänderten Betriebsanordnungen so zeitig zu treffen, daß die auS- führenden Organe hinreichend Zeit behalten, sich damit eingehend vertraut zu machen und daß etwaige Unklarheiten beseitigt werden könnten. Dieser Zweck könne aber u. a. nur dadurch erreicht werden, daß der betreffende Fahrplan nach der erfolgten Genehmigung zur Einführung nicht ohne zwingende Gründe abermals geändert werde, da sonst zn befürchten sei, daß hierdurch die Vorbereitungen zur Einführung des neuen Fahrplans gehemmt bezw. in betreff der bereits getroffenen Maßnahmen unheilvolle Verwirrungen hervorgerufen würden. Es werde daher den sämtlichen Etsenbahnverwaltungen wiederholt zur dringenden Pflicht gemacht, sich über die für den durchgehenden, sowie für den Lokalverkehr wünschenswerten Aenderungen deS Fahrplans rechtzeitig zu informieren und den etwa beteiligten übrigen Eisenbahnverwaltungen hiervon vor den bezüglichen allgemeinen und besonderen Fahrplankonferenzen Kenntnis zu geben, damit in diesen Konferenzen eine Einigung über die einzelnen Fahrplanänderungen erzielt werden könne und nachträgliche Aenderungen vermieden würden. In letzterer Beziehung empfehle es sich, in geeigneter Weise darauf hinzuwirken, daß andere Behörden und das Publikum etwaige Wünsche rechtzeitig zur Sprache brächten, und zu dem Zweck letzteres davon in Kenntnis zu setzen, daß nach der demnächstigen Aufstellung des Fahrplane« eingehende Anträge in diesem nicht mehr Berücksichtigung finden könnten. Wenn daher nicht besonders wichtige Gründe vorlägen und die Aenderung eines Zuges nicht innerhalb eines Eisenbahn - Verwaltungsbezirkes ohne wesentliche Aenderung anderer Züge bewirkt werden könne oder eine Einigung mit den etwa beteiligten Verwaltungen in Zukunft der Anträge auf nachträgliche Aenderung des bereits zur Einführung genehmigten betreffenden Sommer- bezw. Winterfahrplans zu enthalten und dieser zu späterer Verfolgung zurückzulegen. Seitens des Ministers werde in Zukunft, wenn nicht ganz besonders wichtige Gründe für eine Ausnahme vorlägen, derartigen Anträgen, welche später als vier Wochen vor dem bezüglichen Einführungstermin, also nach dem 1. Mai bezw. 15. September eingehen, erst für die Zeit nach dem Beginn der betreffenden Fahrplanperiode, also nach dem 1. Juni bezw. 15 Oktober, nähergetreten werden. — Ein von den Sekretarien der resp. Konferenz gezeichnetes Schreiben ddto. London, 9. Oktober, benach-
Der Graf blickte sich hastig um, die schüchtern näher getretenen Diener ließen gleichfalls ihre Blicke durch das
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wachen will, wird zur Zeit am besten thun, bei der nationalltberalen Partei Unterricht zu nehmen. Eines der glänzendsten Beispiele in dieser Kunst giebt soeben die „Köln. Ztg.". Ihr Artikel: „Die Bildung einer Mittelpartei" verlangt nämlich ein total anderes Verhalten ihrer Partei erstens bei den Wahlen und zweitens nach den Wahlen; es ist offenbar eine Anleitung zur politischen Bauernfängerei, wie sie mit größerer Naivetät kaum ge- gegeben werden kann. Bei den Wahlen kommt es vor allem darauf an, mit Hülfe aller Liberalen, einschließlich der Fortschrittspartei, zunächst nur das sogenannte konservativ-klerikale Bündnis zu brechen, und zu diesem Zwecke will der Kölnische Moniteur, daß seine Freunde „nicht zu wählerisch" seien. Der zweite Teil der Aufgabe, sagt wieder die „Köln. Ztg.", die Wiederherstellung einer ruhig fortschreitenden Entwickelung unserer öffentlichen Verhältnisse, beginne erst nach den Wahlen und dazu sei nachher daS Bündnis mit den Freikonservativen zu suchen, mit denen eine Verständigung über einen friedlichen Fortschritt sogar leichter sei, als mit den Heißspornen deS Secessionis- mus, vollends aber sei dem eigentlichen Fortschritt gegenüber „einige Vorsicht" geboten, denn eine radikale Mehrheit würde nur zum Konflikt führen. Die Bildung einer fruchtbaren Mittelpartei müsse doch schon bei den Wahlen „einigermaßen" ins Auge gefaßt werden, obgleich sie sich erst später „im Landtage selber" werde vollziehen lassen. Wen glaubt die „Köln. Ztg." hier zu betrügen, den Fortschritt, mit welchem sie wählen will, oder die Freikonservativen, mit denen sie Politik machen will? Wir halten beide nicht für solche politischen Kinder, daß sie auf diese Leimruthen eingehen sollten.
DaS Programm dieser fruchtbaren Mittelpartei soll, wie wir schließlich erfahren, erst künftig gebildet werden; und zwar mit Hülfe derselben Negierung, welche man jetzt im Bunde mit allen Liberalen bekämpfen will. Die „Köln. Ztg." schließt mit einem verhältnismäßigen Lichtblick, indem sie sagt: „Weigert sich die Regierung dessen, so wird die Bildung einer solchen Mittelpartei schwer sein und vielleicht noch Jahre und noch neue Wahlen fordern".
Das glauben wir auch, und damit sei dieser unglückselige Artikel abgethan.
Liberale Wahlpolitik.
Die liberale Partei zeichnet sich bei den bevorstehenden Wahlen ganz besonders und mehr wie sonst durch ihre Haltung nach zwei Seiten aus, man kann das auch Mangel an Haltung nennen. Wir meinen hierbei nicht die öffentlichen Streitigkeiten zwischen dem Fortschritt und dem Nationalliberalismus, die zur Verherrlichung der großen liberalen Partei veranstaltet werden — zu denen die Reden der Herren EnnecceruS und Richter in Kassel eine vorzügliche Illustration geben — wir meinen hier die Widersprüche der einzelnen Parteien in sich und das Schönthun nach den verschiedensten Seiten. Nieder mit den Klerikalen! ruft entrüstet ein National- liberaler (Herr EnnecceruS sagt: „bis die Kirche die offene Auflehnung gegen die Staatsgesetze aufgegeben", muß mit Festigkeit ihren Uebergriffen entgegengetreten werden, „sehr richtig", sagt dazu der Kasseler Liberale). Nieder mit dem Kulturkampf! ruft ein anderer Liberaler. (Der Spezialparteigenosse deS Herrn EnnecceruS Amtmann Türk in Orb sagt in seiner Wahlrede, „es muß mit dem Kulturkampf und seinen Gesetzen, d. h. den Staatsgesetzen, ein Ende nehmen, eher kommen wir zu keiner ruhigen Entwicklung, der paritätische Staat muß Wahrheit werden — Bravo! ruft dazu der Liberale von Schlüchtern.) Diese verschiedene entgegengesetzte Stellung in der Kirchenpolitik erklärt sich aus den verschiedenen Bedürfnissen der Kandidaten, je nachdem sie die katholischen Stimmen brauchen oder nicht.
Ein anderes Bild! Kein Vorwurf der Liberalen gegen die Konservativen erfreut sich größer« Beifalls als der, daß sie eine von der Regierung abhängige Partei fei— gouverncmentale Jasager! Anhänger von Bismarck sans Phrase rc. — So wie das gemeint ist von unfern Gegnern, ist eö ja nicht begründet — aber richtig ist, daß unsere Staatsregierung eine wesentlich konservative ist und daß wir uns in den großen Zielen eins wissen mit unserm großen Staatsmanne. Nun kommen die liberalen Redner und beklagen eö, daß aus der Regierung immer mehr liberale Männer ausschieden, sie wünschen sehnlich ein paar Ministersitze für liberale Größen, sie trösten ihre liberalen Gesinnungsgenossen damit, daß die offiziöse Presse die guten Liberalen in der letzten Zeit gar nicht mehr so schlecht behandelt habe, als vorher — die Herren scheinen also selbst recht lüstern zu sein — ein bischen gouverne- mentale Partei zu werden, sie haben ja immer eine besondere Neigung für gute Behandlung von Oben gehabt. Wir können ihnen vorläufig allerdings nur den Rat geben, sich erst gründlich zu beffern; denn wie wir annehmen, wird Fürst Bismarck keinen Vorspann — hinter dem Staatswagen brauchen können.
Zwischen zwei Stühlen Platz zu nehmen — ist bekanntlich ein sehr schlechter Sitz. Wer darin Studien
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Meine Fra« und ich.
Humoreske von E. C. (Fortsetzung.)
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Okt. Die „Post" bleibt mit großer Bestimmtheit bei ihrer Aufgabe stehen, daß die Einberufung des Landtags für Mitte November beabsichtigt fei. Es wäre eine wohl zu verlangende Rücksicht, daß man die parlamentarischen Bestimmungen endlich bekannt gäbe, bezw. sich über dieselben entgültig schlüssig machte. — Wiederholt ist von dem Minister der öffentlichen Arbeiten darauf hingewiesen worden, daß auf eine rechtzeitige Ver
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der Thür — und dort hinaus geht der Weg, auf dem die kecke Hand entkam!"
„Du hast Recht, Weib!" stöhnte der Graf dumpf, „ich ahne, was geschehen."
„Ihr ahnt es nur, ahnt es nur?" drängte die Alte lauernd. „Ei, ei, hihihi, erkennt Ihr nicht, wem die Krause gehört?"
„Ich erkenne fiel" sagte der Graf und sein Auge starrte düster auf das Stückchen Zeug In seiner Hand.
„Durch jene Thür, durch welche die Mörderhand entwich, geht der Weg nach dem stillen Turm — hört Ihr wohl? nach dem stillen Turm des Schlosses!,, raunte ihm die Alte näher tretend, leise zu. „Dort ist das Archiv,— nur er vermochte eö zu öffnen. Ja, zweifelt Ihr noch, wer Euern Sohn erschlug und warum er fiel?"
„Ich weiß eö!" sagte der Graf, dessen Stimme bebte, und deffen Gesicht tief erbleicht war. „Ich weiß eS und ich werde ihn rächen, furchtbar rächen!"
»Ja, ja, hm, hm, versucht«!" hüstelte die Alte, „ver- suchts, aber ritzet Euch dabei nicht an den Nägeln dieser Hand — sie sind scharf, wie daS blanke Metall dort, das die Krause festhielt und zerriß! Herr, Herr, hütet Euch, — die Hand ist furchtbar, die Euren Sohn erschlug, Ihr wißt eS l"
„Schweig!" donnerte der Graf ihr heftig zu und warf einen finsteren Blick auf die fernstehende Dienerschaft, welche scheu der Szene beiwohnte, „Ihr aber," herrschte er ihnen streng zu, „macht Euch hinweg, an Eure Arbeit! Richtet die Zimmer her im westlichen Teil des Schlöffe«, es kommen Gäste!"
(Fortsetzung folgt.)
„Als des jungen Herrn Diener das Totengemach betrat, hatte ihn der Ton der Glocke Eures Sohnes hinein- gcrufen," fuhr die Alte hustend fort, ohne die Frage de« Grafen zu beantworten. „Wer hat geläutet, Herr? Die einen sagen: Der Teufel that es als ein Freudengeläut über fein Würgen. Die anderen sagen: Der Tote that
suchten Gegenstand zuerst erblickten. Die Glocke lag in der That aus einem Polstersessel, wie dorthin geworfen, entfernt von dem Lager an einer entgegengesetzten Thür des Gemaches. Der Gras nahm die Glocke in die Hand und erschrack heftig.
»Zeigt her, zeigt her!" tief die Alte begierig: „Sagt, was seht Ihr daran?"
Der Graf starrte ohne zu antworten auf das Glöckchen in seiner Hand, das er in anscheinend tiefer Bestürzung vor sein Gesicht hielt.
Die scharfen Augen der Zigeunerin hatten bereits wahrgenommen, wonach sie geforscht zu haben schien. „An dem Griffe sind silberne Verzierungen mit Blättern und Ranken von dem schmucken Metall," rief sie wie triumphierend. „Au den Ranken hängen Fäden und ein künstlich verschlungenes Gewebe von Zeug, da« sich daran verfitzt! Sehts Euch an: es ist ein Stücklein von den Spitzen, die ich Euch gebracht!"
„Weib, bist Du mit dem Teufel im Bunde?" rief der Graf in tiefer Erregung aus.
In der That hing von den Verzierungen des Glockengriffes, in dieselben verwickelt, ein Stück zerrissener Spitzen herab, ähnlich denjenigen, welche die Alte dem Grafen übersandt.
„Seht zu, ob's nicht paßt!" fuhr diese eifrig fort, „legt das Stücklein an die schmucke Handkrause, die ich Euch gegeben und schaut, ob e« nicht just das Stücklein ist, daS an der Handkrause fehlt! — Hihihi, Herr Graf: Zweifelt Ihr noch? Die Hand, die diese Krause trug, war's, die das Glöcklein rührte: die schmucke Krause verfing sich an den blanken Silberhäklein, die Hand riß es los und warf da« Glöcklein fort, dort auf den Sessel an
Atfu( Ä sage: Schaut Euch einmal das Glöcklein »ebltl'!*'«»• [39
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche «Buchhandlung daselbst; ynoalibenbanlin Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
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^gefunden; nur den Körper des Ermordeten hatte man 'N dem großen Prunksaal des Schloffes feierlich gebettet. Die Glocke, welche man suchte, stand nicht auf dem ar. Tischchen, vor der Lagerstatt, wo sie sich sonst zu befinden entaeo pflegte. Die forschenden Augen suchten vergebens nach ihr. - - »Dort liegt sie — auf dem Sessel an der Thür!" a8te, den dürren Arm ausstreckend, die Zigeunerin, deren -——Fur scheinbar blöde Augen, emsig umherspähend, den ge-
Änzeigen nimmt entgegen: bi: Expedition d. BlatteS, fo.ok d.Ännoncen-Bureaux o. Th- Dietrich u. Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; ßaofenftein u. Vogler in zrankfurt a. M., Berlin, Lei; zig, Köln rc.; Rudolf Mffe in Berlin, Frankfurt a. Ä. rc.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „IllnstrirteS BotttttaaSblatt" durch die Ervedition (Ä o tb’ftbe Buchdrucker«,) bezogen 2/* Wtart, bur^i die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (epi. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für tn der Expedition zu erthetlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
„Euer Sohu ist ermordet worden," wiederholte die Alte luffioß« sinnend nach einem flüchtigen Blick durch das Zimmer: a „Und die Leute sagen, der Teufel habe ihn erschlagen, Ihr selbst sagt, ein anderer habe es gethan, den Ihr gar wohl kennt. — Ihr habt beide unrecht!"
„Woraus schließt Du das?" fragte der Graf in hoher Spannung.