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Nr 241

Marburg, Freitag, 13. Oktober 1882.

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Der Prozetz -er Aufständische« in Kairo.

Seitdem die englischen Kanonen und Bajonette den egyptischen Aufstand niedcrgeworfen und des Khedive wan­kendem Throne neue Stützen verliehen haben, sind natürlich die Führer deö Aufstandes, Arabi Pascha und circa achtzig Genossen, in eine sehr bedenkliche Lage geraten, denn, be­siegt und gefangen, sitzen sie nunmehr vor dem Kriegs­gerichte in Kairo, welches sicher keinen freundlichen Urteils­spruch fällen wird. Entsetzung aus ihren ehemaligen Aemtern und Würden ist allen gewiß, und ob außerdem Tod oder — Verbannung sie treffen wird, darüber schwankt das Zünglein in der Waage der Gerechtigkeit noch bedenklich. Der Khedive zumal, der nicht vergessen kann, daß die Auf­ständischen nach seinem Throne und Leben getrachtet haben, verlangt zu seiner und des Landes Beruhigung, aber wahr­scheinlich auch, um seinen Haß zu befriedigen, für Arabi Pascha und dessen Mitverschworene die Todesstrafe, und wenn es nur nach dem Khedive und seinem neuen Anhänge, lauter Gegner Arabis, geht, so dürfte dieser allerdings samt seinen Genossen bald am Galgen hängen oder aus dem Laufe der Flinten den Tod empfangen. Mächtiger aber als der Khedive und seine Getreuen sind in Egypten die Engländer, und was der englische Premierminister über die egyptischen Verschworenen beschließt, das wird wohl der Urteilespruch des Kriegsgerichts sein und die englische Regierung wird sich vielmehr von politischen Beweggründen in dieser Hinsicht leiten lassen, als von demjenigen des allgemeinen Rechts. Als gemeiner Verbrecher kann Arabi Pascha ohnedies nicht behandelt werden, denn daö Ziel seiner waghalsigen Thaten war eine politische Umgestaltung Egyptens und monatelang stand ja auch die Mehrheit der egyptischen Bevölkerung auf seiner Seite und wäre eS ihm möglich gewesen, Siege zu erringen, so wäre er jetzt ein gefeierter Nationalheld. Schlimm steht eö für Arabi Pascha, wenn ihm nachgewiescn werden kann, daß er den direkten Befehl zur Ntedermetzelung der Europäer und Plünderung derselben in Alexandrien gegeben hat. Aber auch hier könnte man Arabi Pascha als unter dem Zwange der Ereignisse stehend mild beurteilen, denn als die englischen Bomben auf Alexrndnen niederfielen und ganze Straßen in Schutt und Asche legten, konnte man die Menschen- und Völkerrechte zwischen Engländer und Egypter wohl als auf­gehoben betrachten, und der egyptische Pöbel verrichtete im Grunde genommen nur dasselbe Werk wie die englischen Bomben. UebrigenS fehlt es auch nicht an Beweisen, nach welchen gerade Arabi Pascha der Vernichtung der Europäer Einhalt geboten hat. So ist Herr von LessepS, der Er­

bauer des Suezkanals, voll Lobes über Arabi und stellte dem Kriegsgerichte von Kairo das Zeugnis zur Verfügung, daß durch die Anordnungen Arabiö Hunderte von Euro­päern über Jsmailia gerettet worden. Auch soll Arabi in Tanta und anderen egyptischen Ortschaften plündernde und das Leben von Europäern bedrohende Beduinen haben hängen lasien. Sehr wenig kommen bei dem Prozesse der Aufständischen die Verhandlungen des Kriegsgerichts in Kairo in betracht, denn erstens werden dieselben geheim geführt und zweitens hat kein in Egypten ansässiger Advokat die Verteidigung Arabis und seiner Genossen zu übernehmen gewagt, sondern ein englischer Advokat aus Tunis hat Arabis Verteidigung übernommen und wird wohl einen schweren Stand haben, wenn eine Ordre aus London an die Richter das Urteil nicht mildert. Englands politischer Ruhm, sowie die Stellung des Kabinetts Gladstone neigen zu einer glimpflichen Beurteilung Arabis und seiner Unglücks­gefährten und die Todesstrafe wird sie nur dann treffen, wenn auch nach der Meinung der englischen Regierung dieselbe zur dauernden Beruhigung Egyptens notwendig ist.

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Meine Frau und ich.

Humoreske von E. C. (Fortsetzung.)

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„Du sagst das so leicht hin! Wenn aber Glas in der Wunde ist, wird es sehr schlimm .... ach und daran bin ich schuld mit meinem Ungeschick — ich habe die Schale umgestoßen, — mein liebes, süßes Männchen, ach bitte, verzeihe mir, ich bin so ungeschickt gewesen, so launisch und unfreundlich.....bitte, bitte, sei nicht böse!" meine

Frau fiel mir um den Hals und weinte.

Ich stand starr! Dann jubelte es hell in mir auf und überkam mich mit einem wahrhaft berauschenden Triumph! So einen Sieg hatte ich ja in meinem ganzen Eheleben noch nicht erkämpft — ich traute meinen Sinnen gar nicht! Dafür will ich mir ja zehnmal in den Finger ritzen, und das Experiment mit den Apfelsinen hätte ich sparen können! Zch mußte mich ordentlich zusammennehmen, um meine Frau nicht merken zu lassen, was in mir vorging. Ich ihat sehr ruhig, als ob sich das alles so ganz von selbst derstände, und zeigte ungemein viel Würde, indem ich meine Frau ermahnte, ruhig zu sein und von der Geschichte heut uivrgen doch nicht weiter zu sprechen. Man wird es gewiß höchlichst billigen, wenn ich nicht näher auf die Sache ein- Sing, denn meine Frau bedurfte d"'- Schonung. Junge Frauen bedürfen gewöhnlich der S. ; .'ng, wenn sie ein halbes Jahr verheiratet sind. ■ Mittel mit dem aiitz in dem Finger möchte ich Mte iPen lieben Ehe- "iktegen als wohl zu merken ane'ina>H'

Laura war die Licbenswüi K Was die «pfelsinen nicht vermocht, das'yäne vas'Wtpslaster im "U zu stände gebracht, die Kopfschmerzen waren fort und meine Frau versöhnt. Was sage ich, versöhnt? Besiegt, "'"^worfen, von Sanftmut zerschmolzen war sie! Ich 82 Zöchte die ganze Welt mit Englisch Pflaster umarmen und ^las in die Zeigefinger aller Ehen ritzen, um sie zum

Anzeigen nimmt entgegen: bii Expedition d. Blattes, [oiou d-Annoncen-Bureaux ». Th. Dietrich u. Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; Haosenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Uiuffe in Berlin, Frank­furt a. M. re.

b" Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet- 9 P ■ 1

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. C«. in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermans che Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

den Wahlen zu vergegenwärtigen. Sie vertraut, daß die Kraft der fortschrittlich-liberalen Schlagwörter nicht groß genug sein werde, um die Wähler über die von fortschritt­lich-liberaler Seite verfolgten Ziele zu täuschen. Sie giebt sich aber auch der Hoffnung hin, daß die Wähler in der wichtigen Stunde der nahenden Entscheidung vorurteilslos genug sein werden, um anzuerkennen, daß die Staats- regierung mit der Fortsetzung der vor wenigen Jahren begonnenen und damals so lebhaft begrüßten Reformpolitik auf dem richtigen Wege ist, um die Volksinteressen zu fördern, und daß hiermit auch nicht die entfernteste Mög­lichkeit, geschweige denn die Absicht verbunden ist, die Frei- ' hüten des Volks und die Rechte des Parlaments zu schmälern. — Die Virements, denen man in der Diplo­matie entgegensieht, werden voraussichtlich erst nach Ein­treffen des Kaisers dahier sich vollziehen. Wie der „Nat.- Ztg." zufolge gerüchtweise verlautet, würde für den Fall der definitiven Uebernahme des Staatssekretariats durch den Grafen v. Hatzfeldt, Generalkonsul v. Saurma, der sich gegenwärtig hier befindet, den Herrn v. Radowitz in Athen ablösen und Herr v. AlvcnSleben nach dem Haag gehen. — In der „Kreuz-Ztg." lesen wir: Nachdem eine kurze Meldung angezeigt hat, daß der Wirkliche Geheime Legationsrat Bucher von seinem Aufenthalte in Varzin hierher zurückgekehrt ist und seine Amtsgeschäfte wieder übernommen hat, erfährt man, daß Geh. Rat Bucher seinen Abschied weder eingercicht, noch überhaupt eine solche Absicht gehegt hat. Derselbe hat vielmehr, wie schon früher öfter, eine Einladung nach Varzin erhalten und längere Zeit beim Reichskanzler verweilt, ohne daß die Frage seiner Verabschiedung, wie einzelnen Blättern von hier gemeldet wurde, dort überhaupt zur Sprache gekommen wäre. — Wie ein Privattelegramm der „Voss. Ztg." aus Kiel meldet, ist nach kriegsministerieller Verfügung vorläufig der Zeitpunkt der Entfestigung von Sonderburg - Düppel bis zum 1. April 1885 hinausgeschoben. — Der Abschluß ber Arbeiten für den preußischen Etat werden, wie die „B. P. N." hören, in kurzem erfolgen; es ist bereits die überwiegende Mehrzahl der Voranschläge für das neue Etatsjahr fertig gestellt, dagegen hat eine Feststellung des Etats selbst noch verschoben werden muffen, weil — her­vorgerufen durch die außerordentlich großen Arbeiten, welche durch den Uebergang der verstaattichten Privat­bahnen auf den Staat nötig wurden — namentlich int Ministerium der öffentlichen Arbeiten die eigentlichen Etat- arbeiten noch nicht haben vollendet werden können. Wie die „B. P. N." jedoch erfahren, sind gegenwärtig sowohl

das Mittagessen war vorüber, die neue Speise kam immer noch nicht und sie brannte am Ende an! Ich faßte mir endlich ein Herz und bemerkte vorsichtig: „Es riecht brenz­lich, liebes Kind!"

„Ja", erwiderte Laura unbefangen und schnüffelte mit ihrem Näschen in der Luft: „es kommt mir auch so vor!"

Sie schwieg.

„ Ich wurde unruhig. „Solltest Du vielleicht in der Küche noch etwas auf dem Feuer stehen haben?" sagte ich zögernd und mit leiser Erinnerung: „Es — wird doch nicht etwa anbrennen?"

„Anbrennen — hilf Himmel!" rief sie erschrocken anö: „ich habe ja ganz vergessen . . ." Sie sprang betreten auf und eilte aus dem Zimmer.

Nach einem Weilchen kam sie wieder mit gerötetem Gesicht, sehr verlegen, die Augen niedergeschlagen, mit den Händen bedächtig an der Schürze zupfend und sagte klein­laut: „Da habe ich etwas Schönes angerichtet!"

„Was denn?" fragte ich freundlich lauernd, denn mir machte ihre Bestürzung ungemein Spaß.

„Es--ist ein bischen angebrannt. . .!

„Daö Gebackene?" fragte ich lächelnd.

„Gebacken? Nein —" sie lachte hell auf und warf lachend das Köpfchen in den Nacken: „Gebacken ist er noch nicht, nur ein bischen angebrannt — sei nicht böse!"

„Angebrannt? Wer denn?"

«— der — der Dings da, Robert--Deine

Schreiberei ..."

»Der Schwarze Robert?" rief ich int höchsten Erstaunen auä: „Angebrannt — wie ist er denn dazu gekommen?"

»3^ ~ ich wollte aufmerksam sein und ihn Dir wieder hübsch trocknen — da — da ließ ich Feuer in dem einen Ofen machen und legte die Papiere sorgfältig in die Kachel und — und — da habe ich gar nicht bemerkt, daß diese eine eiserne Platte hat: sie wurde sehr heiß und — und ba ist er allerdings ein bischen angebrannt ..."

(Fortsetzung folgt.)

Deutsche« Reich.

Berlin, 11. Okt. Die „Prov.-Korresp." schreibt in einem Artikel zu den Wahlen: Ein Sieg deö Liberalismus, namentlich die Stärkung des vorgeschrittenen Liberalismus würde die Rückkehr zu der schrankenlosen Willkür in den gewerblichen Verhältnissen, die Aufrechterhaltung und be­ziehungsweise die Vermehrung des harten Drucks der direkten Steuern, eine Preisgebung der nationalen Arbeit, das Fallenlassen der für den Schutz der Arbeiter geplanten organisatorischen Gesetze bedeuten, ganz zu geschweigen von den Bestrebungen, namentlich der vorgeschrittenen Liberalen, auf kirchlichem und religiösem Gebiet, die hier nicht näher bezeichnet zu werden brauchen. Daß nicht alle diese Fragen im Landtage zur Entscheidung stehen, ändert nichts an der Bedeutung, welche eine Vermehrung der Macht deö Liberalis­mus überhaupt zur Folge haben würde. Vor allem aber würde — darüber kann kein Zweifel möglich fein — ein Wahlsieg des Liberalismus denjenigen radikalen Elementen der liberalen Parteien das Uebergewicht verschaffen, welche dahin streben, die parlamentarische Negierungsform an stelle des verfassungsmäßigen KönigStums zu setzen. Die Staats- Regierung vertraut, daß die Mehrzahl der Wähler ein­sichtig genug sein werde, sich diese Konsequenzen der Herr­schaft deö Liberalismus auf wirtschaftlichem, sozialem, kirch- lichem und politischem Gebiet klar zu machen und sich bei

Paradiese zu machen! So ein guter Mensch bin ich — oder war ich wenigstens damals in meiner Herzensfreude!

Meiner Frau, welche gar nicht wußte, was alles sie mir zu liebe thun solle, schien plötzlich etwas Besonderes einzufallen. Sie rief aus: „Halt, ich hab's, womit ich Dich wieder gut mache!" lächelte verschmitzt und eilte aus dem Zimmer. Es ging zum Mittagessen und gewiß wollte sie schnell noch eines meiner Lieblingsgerichte Herrichten lassen und mir extra auftischen, das liebe, gute Weibchen! Richtig, cs wurde ein Weilchen hin- und hergelaufen zwi­schen Zimmern und Küche, woran sie eifrig teilnahm und dann kam sie wieder zu mir. Ich that, als ob mir dies alles gar nicht auffalle, um mittags auch ja recht über­rascht fein zu können und wäre für mein Leben gern wie­der an den Schwarzen Robert gegangen . . . aber das durfte ich doch nicht! Bei so viel Liebenswürdigkeit von ihrer Seite jetzt von ihr fortgehen, mich in mein Zimmer zurückziehen und arbeiten, wo eö so wie so bis zum Mittag­essen nur noch ein Stündchen hin war — nein, das ging nicht! Ich blieb also bei ihr und wir plauderten.

Dabei rauchte eS. Mir ist Rauch in den Zimmern etwas Füchterliches und unsere Küche war bisher mit ihrem Schornstein musterhaft in Ordnung gewesen. Aber gewiß war irgend ein neuer Brat- oder Backofen für mein Extragericht in Thätigkeit gesetzt worden und daher der Rauch — ich that also, als bemerkte ich ihn nicht Das Stündchen verging und der Tisch wurde gedeckt. Es war recht rauchig und ziemlich warm im Zimmer geworden, faft so, als ob geheizt sei und eS war zum Heizen noch viel zu früh in der Jahreszeit. Wir aßen bei guter Laune und ich wartete neugierig auf mein Extragericht — es kam a6er nicht, es war wohl noch nicht fertig. Dabei bemerkte ich aber mit einiger Unruhe — denn ich habe eine sehr empfindsame Nase — daß eS anfing brenzlich zu riechen, als ob etwas zu scharf gebacken würde oder anbrenne. Mir wurde, meines armen Frauchens wegen, bange um ihr Extragericht, daö sie vergessen zu haben schien. Denn