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Nr 23»
Marburg, Mittwoch, 11. Oktober 1882
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Anzeigen nimmt entgegen: bi: Expedition d. Blattes, [oivu d.Annoncen-Bureaur o, Th- Dietrich u. Co. in staff.-l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln Rudolf Messe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureauk von G L. Daube u. C«. in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche |Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS SonntagSblatt- durch die Expedition <K ° ch'sche Buchdruckere,) bezogen 3'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr) - Jnsertionsgebühr für die gespaltene 8eile IV Bia ’
Für in der Expedition zu ertheilendc Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. *
@efefe vom 7. Juni 1871 war ein erster bedeutungsvoller Schritt in dieser Beziehung, indes die Erfahrung ließ manches in demselben mangelhaft und ungenügend erscheinen. Eine Erweiterung, resp. Neuschaffung des Gesetzes zeigte sich für notwendig. Das Unfallversicherungs- Gesetz, die JnvaliditätS- und Altersversicherung der Arbeiter, die Krankenversicherung derselben sind seitdem einer unmittelbaren Lösung nahe gerückt. Einig sind wohl alle politischen und wirtschaftlichen Parteien, in der freudigen Zustimmung zu den humanen Gedanken, die den genannten Gesetzen zu gründe liegen, der Gerechtigkeit, die durch solche Wohlfahrtseinrichtungen großen Klassen unserer Mitbürger gegenüber geübt wird, ein befriedigender Ausgleich dürfte darum nicht mehr fern sein. Durch die Schaffung aber der Unfall- und Krankenversicherung wird sich die Lage des deutschen Arbeiterstandes erfreulich heben. Zu einem wirklichen Emporblühen unserer Wirtschaft müffen indes, mehr als bisher geschehen, Staat und Private versuchen, die deutsche Ausfuhr zu beleben und zu sichern, die deutsche Auswanderung zu organisieren. Große Scharen von Auswanderern (1881: 182935, 1880: 106190) verlassen unser Landy weil zum guten Teil wenigstens ihnen die Möglichkeit des Arbeitsverdienstes benommen ist, und helfen in den nordamerikanischen Konkurrenzländern dazu mit, diese Arbeitsmöglichkeit für die Zurückgebliebenen nur noch mehr beengen. Darum Organisation der Auswanderung!
Dresden, 9. Oft. Der König ist heute von Wien zurückgekehrt und hat in seiner Villa zu Strehlen Aufenthalt genommen.
Deutscher Reich.
Berlin, 9. Okt. Es scheint sich neuerem Vernehmen nach doch zu bestätigen, daß Fürst Bismarck demnächst nach Friedrichöruh übersiedeln und bei dieser Gelegenheit mehrere Tage in Berlin verweilen wird. Bis dahin wird man jedenfalls auf eine sichere Feststellung bezüglich der parlamentarischen Dispositionen warten müssen. — Der Minister Lucius ist am Sonnabend nach Varzin gereist. — Im Laufe dieser Woche kehrt Graf Hatzfeld hierher zurück; damit dürfte die definitive Gestaltung einer Reihe bis jetzt schwebender Verhältnisse im diplomatischen Dienst zur Durchführung gelangen. — Wie aus Straßburg gemeldet wird, ist der Professor an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der dortigen Hochschule, Dr. Althoff, als Nachfolger des verstorbenen Geh. Reg.-Rats Professor Dr. Göppert in das preußische Kultusministerium berufen worden, um das Referat für Unterrichtsangelegenheiten zu übernehmen. Es wird hinzugcfügt, daß Prof. Althoff die Berufung angenommen habe. — Es wird jetzt als wahrscheinlich bezeichnet, daß der Landtag noch vor dem Reichstage, anfangs November, einberufen werden wird. — Die Anlagen zum Reichshaushaltsetat pro 1883/84 sind, wie man berichtet, zu einem Teil bereits in den Druck gegeben und cs ist zu erwarten, daß der Bundesrat sich damit alsbald nach seinem Zusammentritt beschäftigen wird. Wir haben bereits mitgeteilt, daß der nächstjährige Etat von dem laufenden nur unwesentlich unterschieden sein wird. Erheblichere Veränderungen sind vielleicht im Marine-Etat und insofern für den Etat des Auswärtigen Amtes zu erwarten, als es sich in letzterem namentlich um Vermehrung der Zahl der deutschen Konsulate handeln dürfte. Doch sind die Etats der meisten Verwaltungszweige noch nicht abgeschlossen; das hindert aber nicht, daß bis zum 30. Nov. der Entwurf des ReichshauöhaltSetats bequem fertig gestellt werden tarnt. Bezüglich des allerdings in der Aufstellung begriffenen Etats für 1884/85 ist zu wiederholen, daß im Augenblick noch nicht abzusehen ist, zu welchem Zweck daS Experiment gemacht worden ist, ob dasselbe durch Vorlegung zweier Etats verwertet werden wird. — In den letzten Tagen ist wieder viel von einer ernsten Erkrankung des Herzogs von Braunschweig die Rede gewesen, und wie immer bei solchen Anlässen ist man dann auf die Thronfolge des Herzogs von Cumberland zurückgekommen. Zunächst waren die Krankheitsgerüchte übertrieben; der Herzog ist bereits vollkommen wieder hergestellt; bezüglich des Herzogs von Cumberland aber ist, wie die „Köfn. Zig." schreibt, alles beim alten geblieben. Von hier aus ist in keiner Weise ein Schritt geschehen, irgendwelche Veränderungen herbeizuführen. Wir hören, daß seit drei Jahren MI im .....4 ,r,n BBBSB
Der schwarze Robert ober
Meine Fran «ud ich.
Humoreske von E- C. (Fortsetzung.)
So war der Abend des schrecklichen TageS hereingebrochen, der ein Hochzeitstag hätte sein sollen und zu so schauerlichem Todestag geworden war, als . . . .
eine plätschernde Wasserflut über mein Papier hinströmte, Tinte und Schrift verwischte, sich schwärzlich gemischt vom Schreibtisch herab auf meinen Schoß ergoß, und nebst einem hellen Klirren ein lauter Schrei meiner Frau mich aus meinem Sinnen aufschreckte.
Entsetzt sah ich empor und blickte verstört meine Frau an, noch ganz unfähig mich soweit zu sammelu, um wahrzunehmen, was denn eigentlich geschehen sei und was ich thun solle.
Meine Frau stand vor mir, erzürnt, naß, die Stickerei in der Hand, in höchster Aufregung.
„Aber, Mann, hilfst Du mir denn gar nicht, bist Du von Stein?" schrie sie und Thränen stürzten ihr aus den Augen, während sie die Stickerei hoch hielt, wie um sie vor dem Ertrinken zu schützen.
Mir wurde erst allmählich klar, wie es um wich her aussah. Meine Schreiberei war naß, ich war naß, meine Frau war naß, ihre Stickerei triefte und auf dem glatt« gierten Tisch zwischen mir und meiner Gattin lag eine Menge Wafferö nebst vielen Glasscherben und zwei zappelnden Goldfischchen.
,, Ich strich mir über die Stirn und fragte ziemlich erschrocken: „Was ist denn nur los?"
»Hilf mir doch, Du gleichgültiger Mann!" jammerte meine Frau wcinend: „Nimm mir die Glasscherben ab, 'ch fürchte mich, ich kann mich ja nickt rühren, ohne mich 4» schneiden!"
keine irgendwie nennenswerte Verhandlung mit dem Herzog von Cumberland geführt worden ist und alles, was ander- weit verlautet, in das Gebiet der Erfindung gehört. — Der „Neichsauzeiger" publiziert die Ernennung des ständigen Hilfsarbeiters in der .'Reichskanzlei, des GerichtsaffesiorS Grafen v. Bismarck zum Regierungsrat. — Der deutsche Kriegertag nahm in seiner gestern abgehaltenen Versammlung den von Kamerad Harz empfohlenen württembergischen Statutenentwurf des deutschen Kriegerverbandes an. Namens des deutschen Kriegerbundes erklärte Stengel, daß der erstere dem „deutschen Kriegerbunde" nicht beitreten könne.
— Die jetzt in München erscheinende „Allgemeine Zeitung" beschäftigt sich mit dem am 4. d. M. veröffentlichten 1881er Jahresberichte der Handels- und Gcwerbe- kammer von Oberbayern. Wir entnehmen dem betreffenden Artikel folgende Stellen: Erfreulich ist das in jüngster Zeit lebhaft sich geltend machende Bestreben der Handwerkerkreise, sich zu gegenseitigem Schutz zu organisieren. Wie dies zu geschehen habe, darüber freilich gehen die Meinungen unter den Beteiligten noch weit auseinander. Während der letzte (Stuttgarter) Gewerbetag mit überwiegender Mehrheit den seitens des September - Kongresses der sächsischen Gewcrbevereine bestätigten Beschluß faßte: „es sei ungeachtet der mancherlei Klagen und Anstände, welche gegen das Gesetz (vom 18. Juli 1881) erhoben sind, eine Pflicht der Gewerbetreibenden, nunmehr unverzüglich mit der JnnungSbildung vorzugehen, beziehungsweise die bestehenden Innungen auf der neuen Grundlage umzuge- gestalten", hat der von Süddeutschland lebhaft beschickte Magdeburger Handwerkertag ein solches Versuchen mit freien Vereinigungen abgclehnt und die obligatorische Innung als dringende Notwendigkeit hingestellt. Wir hoffen, daß möglichst bald eine Einigung der widerstreitenden Ansichten erreicht wird; damit über dem Kampfe nicht das Ziel auö dem Auge verloren und dem Handwerkertum noch auf lange hinaus die Vorteile einer geeigneten Organisation vorenthalten werden. . , . In bezug auf das Lehrlings- wesen bezeichnet es der Bericht als sehr wünschenswert, daß die GewerbSmeisier in ihrer sittlichen und fachlichen Ausbildung mehr als bisher dem Publikum die Bürgschaft geben, zur Heranziehung tüchtiger Lehrlinge auch befähigt zu sein. Hierauf fährt der Bericht fort: „Der „Versicherung der Arbeit" haben wir zu jeder Zeit unsere vollsten Sym- pathieen zugewendet, und es war unserem Anträge zufolge, daß dieselbe auf die Tagesordnung des Stuttgarter Gewerbetages gesetzt wurde. Der Schutz des Arbeiters, d. h. die wirksame Fürsorge für ihn bei jeglichem Unfall und dessen nachteiligen Folgen, innerhalb des Gewerbebetriebes wird mehr und mehr als eine der wichtigsten sozialen Aufgaben deS Deutschen Reiches betrachtet. Das Haftpflicht-
Jch sah jetzt erst, daß meine Frau wie zum Schmuck mit mehreren funkelnden Glasstücken besetzt war, die in den Falten ihres Kleides und in der Stickerei hingen. Ich entfernte den unwillkommenen Zierrat, so gut es ging, wobei ich mich nur in einen Finger stach (leider war es gerade der Zeigefinger der rechten Hand, alo der Schreibefinger I) entfernte schnurrend die Glasstücke, die zu ihren Füßen lagen und fragte, noch immer etwas verwirrt: „Was hast Du denn nur gemacht?"
„Die Goldfischschale ist umgefallen--meine schöne
Stickerei!" jammerte Laura und putzte kläglich an dem nassen Werk ihrer Nadel, um es von Glas und Waffer zu reinigen.
„Die Goldfischschale — umgefallen —? Nein so was .... wie ist denn das nur gekommen? fragte ich verblüfft.
„Ganz verdorben fft sie!" klagte Laura weinend und meinte damit ihre Stickerei: „Ich muß sie von vorn anfangen, und nun werde ich nicht mehr damit fertig! Ich hatte sie Dir zum Geburtstag bestimmt!"
„Nun, da bist Du um so fleißiger und schaffst es dennoch fertig bis dahin", suchte ich sie zu beschwichtigen.
„Fleißiger sein! Läßt mich denn die Wirtschaft dazu kommen?" weinte Laura außer sich. „Das soll also gewiß heißen, daß ich Dir nicht fleißig genug bin, Du meinst, daß ich müßig gehe und ich gebe mir doch so große Mühe, Dir alles recht zu Dank zu machen! — Nein, nein, nun werde ich nicht fertig damit .... aber Dir ist es ja auch gleichgültig, wenn mir eine so große Freude verdorben wird! Du wolltest doch so gern solch ein Kissen haben! Ach Gott, die schöne Seide! Muß mir denn auch die unselige Goldfischschale diesen Streich spielen 1"
„Ja!" klagte ich mitfühlend, eö ist jammerschade! Daran ist daS Mädchen schuld: weshalb stellt sie auch die
Auölaud.
Wie«, 9. Okt. Der König von Sachsen ist gestern abend nach Dresden zurückgereist, der Kaiser gab demselben bis zum Bahnhofe das Geleite. Se. königl. Hoheit der Prinz Wilhelm von Preußen tritt heute abend die Rückreise nach Berlin an; im Laufe des gestrigen Tages war derselbe beim König von Serbien vorgefahren, um demselben einen Besuch abzustatten, hatte denselben aber nicht angetroffen.
Rom, 9. Okt. Das gestrige Bankett der Wählerschaft von Stradella zu Ehren des Ministerpräsidenten DepretiS begann 5 Uhr abends. DepretiS wurde bei seinem Eintritt in den Bankettsaal mit lebhaftem Beifall empfangen. Er sprach zunächst den Wählern Stradellaö seinen Dank aus, welche ihn achtzehnmal zum Deputierten gewählt hätten; er verdanke dieser wiederholten Wahl die Ehre, daß er seinen Namen mit der Wahlreform, einer der schönsten Errungenschaften der Regierung deS König« Humbert, verknüpfen könne. Vor Bekanntgabe der Pläne des Ministeriums will der Ministerprästoent an den authen- Schale so unsicher hin!" (Denn ich sagte mir: wozu ist sie denn Mädchen für alles, wenn nicht auch dafür, bei solchen Gelegenheiten der Blitzableiter zu sein!)
Aber Laura dachte anders. „Das Mädchen? Du schlechter Mann, Du hast heut eben durchaus den Wunsch, mit mir zu zanken! klagte sie. „WaS kann denn da« Mädchen dafür: ich habe ihr gesagt, daß sie die Schale hierherstellen solle, und sie stand auch ganz fest!'
„Ganz fest? Ja, wie ist sie denn da umgefallen? fragte ich naiv.
»Ich habe sie umgestoßen, und daran bist nur Du schuld!" weinte Laura.
.Ich?!!" -
»Ja! Ich beugte mich vor, um Dich so recht liebevoll anzublicken, wie Du es immer so gern hast, und dabei habe ich sie urngestoßen l"
„Ach soll" -
Ich sagte weiter gar nichts, sondern suchte meine Frau durch Freundlichkeit und Hilfeleistungen zu beruhigen, und dann gingen wir beide an das Kurieren des Schadens. Ich zog mich um, meine Frau zog sich um, die nasse Stickerei wurde versuchsweise zum Trocknen aufgehängt und das Zimmer von Glasscherben, Wafferflnt und Goldfischchen gesäubert. Dabei fiel mir plötzlich der schwarze Robert wieder ein und halb angekleidet stürzte ich mich an mein Schreibpult um nach ihm zu schm. Er schwamm! Außerdem war die Schrift zu einer blauwolkigen, düsteren Fläche verwischt, denn das vorsorgliche Mädchen für alles hatte emsig mit eitlem zusammengeballten Tuch darauf getupft, um ihn zu trocknen. Ich konnte ihn nicht aufhängen wie die Stickerei — aber trocken hätte ich ihn wirklich gern gehabt, denn wenn das Papier nicht gerade aufweichte, blieb doch wenigstens die Schrift erhaltm.
(Fortsetzung folgt.)