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Marburg, Donnerstag, 5. Oktober 1882

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Anzeigen nimmt entgegen: di« Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C». in Frankfurt a.M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thiene? in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonutagsblatt" durch die Expedition lK o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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zM- Für das vierte Quartal werden Be­stellungen auf die

Oberhefsische Zeitung

und deren Gratisbeilage

Illustriertes Sonntagsblatt

von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch ;)on den Landpostboten, entgegengenommen.

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England und Rußland.

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dürfte hierzu namentlich auch der Hinweis auf den lang­wierigen und jedenfalls sehr blutigen Krieg beitragen, dem sich Rußland aussetzen müßte, wollte es sich wirklich Indiens bemächtigen. Ein Blick auf die Karte lehrt, daß die Russen nur von Westen, von Afghanistan her, oder von Norden,

DaS Engagement der Engländer in Egypten hat in dm Londoner leitenden Kreisen die Besorgnis hervorgerufen, »b nicht Rußland diesen günstigen Moment, in welchem Englands Aufmerksamkeit und Thatkraft in nicht geringem Maße durch die egyptischen Angelegenheiten in anspruch genommen wird, benutzen werde, um seine Machtsphäre in Asten zu erweitern. Die Londoner „Morning-Post" hat dieser Besorgnis sogar einen sehr weitgehenden Ausdruck verliehen, indem das genannte Blatt einen Artikel, betitelt: ,Der Marsch Rußlands nach Indien" brachte, in welchem auf das langsame, aber sichere Vordringen Rußlands nach dem Süden Asiens hingewiesen wird, als deffen Endziel

treueste Freundin eurer Mutter. Als ich mein gutes Weib heimführte und dem Leben in der Hauptstadt entzog, das sie übrigens sehr gerne mit dem friedlichen Aufenthalte °uf meinem Gute vertauschte, da fehlte ihre Freundin Bertha von Langen, die treue Ratgeberin, denn ihre Eltern

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'! hatten geglaubt, für die Erziehung ihrer einzigen Tochter

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Schwarzblättchen.

Von Karl Schrattenthal.

(Schluß.)

,Eö kann anders sein und soll auch anders fein 1"

„Und dies meine lieben Kinder, werde ich Euch hier sagen. Wenn es nur die Tote da unten hören könnte! hört ruhig zu; waS ich Euch zu sagen habe, wird Euer künftig Glück bestimmen. Doch unterbrecht mich nicht.

Die hier nun in Frieden Ruhende war die Tochter einer reichen, angesehenen Adelsfamilie der Residenz und

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schon ug gethan zu haben, indem sie ihr die besten sichrer und Lehrerinnen hielten. Zum Unglücke lernte das Mädchen einen schönen und gebildeten Offizier, Baron Bretten, kennen und lieben, von dem jedoch Berthas Vater absolut nichts wissen wollte, weil derselbe einst im Zwei- 'ampfc einen seiner Söhne tötlich verwundet hatte. Da ^sv cem Offizier der Eintritt in daS Haus nicht gestattet a>urde, wußten die Liebenden auf verbotenen Wegen zu- 3 ammenzukommen und sie irrten ab vom holden Pfade der # unschuld und Tugend. Bertha wollte es nicht zugeben, il baß Bretten zu ihrem Vater ginge, um durch ein Geständ- b n,6 ihren Bund für das Leben zu erzwingen, sondern sie * sandte sich an ihre Freundin. Eure Mutter lud sie dar- auf «in, auf das Schloß zu kommen und hier den Moment —> chzuwarten, wo die Unglückliche ein Wesen in die Welt

die „Morning-Post" die Verdrängung der Engländer aus jarbenu Indien hinstellt. — Der Artikel scheint in Petersburg sehr ' „ "' unangenehm berührt zu haben, denn daS offiziöse „Journal de St.Peteröbourg" veröffentlicht seinerseits einen längeren

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Opfer kosten würde. Diejenigen englischen Staatsmänner und Politik^, deren Steckenpferd die Sicherheit Indiens ifei, möchten nur diese Phantastereien endlich aufstecken, durch welche eine Annäherung Rußlands an England nur erschwert würde.

Wir wissen bis jetzt noch nicht, wie dieser hochoffiziöse Befchwichtigungsartikel an der Themse aufgenommen worden ist, da derselbe indessen entschieden viel Wahres enthält, so ist anzunehmen, daß er schließlich seinen Zweck erfüllen , RechE und die Besorgnisse der Engländer wegen des Vordringens linenält des russischen Kolosses in Asten zerstreuen wird. Viel

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Artikel, in welchem die Ausführungen der „Morning-Post" irempl« als Phantastereien verspottet werden und in dem namentlich betont wird, daß es Rußland absolut nichts nützen würde, ^ber b wenn es Indien der aufgeklärten englischen Herrschaft ent- ibillise reißen wollte, auch müßte eö sich zu diesem Zwecke in “"einen schrecklichen Krieg stürzen, der sich über alle Meere und Erdteile hinziehen und dem russischen Reiche ungeheure

von Turkestan her, in Indien eindringen können, auf beiden Seiten aber hat die Natur einem sich Indien nähernden Heere gewaltige Hindernisse entgegengesetzt. Im Westen würden die sterilen Plateaux von Iran und das unwirtliche Soliman-Gebirge daS Vordringen Rußlands ungemein erschweren, im Norden aber sind es vor Allem die schnee- und eisstarrenden Bergkolosse deS Himalaya, welche das Vordringen eines feindlichen Heeres nach den lachenden Gefilden Indiens von dieser Seite her fast un­möglich machen. Gesetzt aber auch, die Zähigkeit der Russen überwinde alle ihnen entgegenstehenden Hindernisse, so könnten jene doch nur dann Indien behaupten, wenn sie sich auch der Herrschaft zur See erfreuten, daran ist aber bei der verhältnismäßig schwachen Seekraft Rußlands gegenüber den gewaltigen Flotten des meergebietenden Albions gar nicht zu denken. Erwägt man ferner die großen finanziellen Opfer, welche Rußland ein Krieg mit England auferlegen würde und zieht man schließlich die gegenwärtigen unfertigen inneren Verhältnisse des „Kolosses mit den thönernen Füßen" in betracht, so wird man aller­dings zugeben müssen, daß ein Krieg zwischen England und Rußland Indiens wegen für lange Jahre zu den Unwahrscheinlichkeiten gehört. — Dagegen sind auf einem anderen Punkte Verwickelungen zwischen England und Ruß­land nicht ausgeschlossen. Es ist neuerdings die Behaup­tung aufgestellt worden, daß Rußland versuchen werde, den Bosporus gegen den Suezkanal auszuspielen und wenn man bedenkt, wie es von jeher das Bestreben Rußlands gewesen ist, auf der Balkanhalbinsel festen Fuß zu fassen, so hat die Annahme, Rußland werde einen Versuch machen, sich am Bosporus sestzusetzen, gerade nicht viel Unwahr­scheinliches für sich. Aber Rußland findet auf dem Wege nach Konstantinopel sich nicht nur England gegenüber, dessen Interessen am Bosporus mindestens ebenso wichtige sind als am Nil, sondern es würde hier auch dem Ein­sprüche ganz Europas begegnen und dieser Einspruch würde sich jedenfalls nicht blos auf Worte beschränken. Es ist darum auch die Annahme, Rußland und England könnten wegen des Besitzes von Konstantinopel feindlich zusammen­stoßen, wiederum eine ungerechtfertigte, wenigstens soweit es sich um die nächste Zeit handelt und ein englisch-russischer Weltkrieg dürfte uns darum vorläufig noch erspart bleiben.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Okt. Wie die „Voss. Ztg." gerüchtweise hört, kommt der Reichskanzler in den nächsten Tagen nach Berlin um nach kurzem Aufenthalt nach Friedrichsruhe überzusiedeln. Während seiner Anwesenheit wird wahr­scheinlich über die Einteilung der parlamentarischen Arbeiten Beschluß gefaßt werden. — Wie die „Köln. Ztg." meldet, wird der Hofmarschall Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen, setzen sollte, zugleich schrieb sie an Berthas Vater, der die Einladung um so lieber annahm, da er wünschte, daß seine Tochter ihre Grillen vergessen möge und da er gesonnen sei, mit seiner Frau eine große Reise nach Rußland zu seinem Bruder zu unternehmen; von der wahren Sachlage der Dinge wußte er mit keinem Worte.

Was ich hier erzähle, wirft einen düsteren Schatten auf die so edle, gute Verstorbene, doch bin es ihr schuldig, sie hat es mit ihrem letzten Hauche von mir verlangt. — Die Zeit rückte heran, Bertha von Langen wurde Mutter eines Mädchens und dieses Mädchen —"

„Und dieses Mä scheu ist mein heißgeliebtes Schwarz­blättchen! Sprich es aus, Vater, sprich cs aus!" rief ich mit bebender Stimme, denn weiter vermochte ich nicht mehr dem Berichte gelassen zuzuhören.

„Vater, Du hast alles gehört, was ich hier am Grabe der Dahingeschiedenen gesprochen. Du kannst ein nie ge­träumtes Glück zur idealen Wirklichkeit gestalten."

„Faste Dich, mein Sohn", entgegnete er, „es ist so, wie Du gesprochen, doch höre ruhig zu Ende. Bertha Langen sollte nicht unter uns bleiben. Der Arzt vertraute mir an, daß sie den nächsten Tag nicht erleben werde, sie selbst mochte es ahnen und ihrer Bitte folgend, sandte ich nach der Residenz zu Bretten. Er kam an; als er das Vorgefallene vernahm, als er hörte, daß die Augenblicke gezählt, war er der Verzweiflung nahe, er stürzte an das Lager der Sterbenden — und weinte. Ich selbst konnte mich kaum zurechtfinden, denn mein gutes Weib hatte am selben Morgen ein Mädchen zur Welt gebracht, das jedoch nur wenige Stunden lebte. Plötzlich wurde ich zu Bertha gerufen. Sie lag bleich da, wie eine geknickte Blume. — „Mein letzter Wunsch", hauchte sie leise, „ist der, daß

Graf Eulenburg, an stelle des verstorbenen Grafen Stillfried, dessen Stelle er bisher schon vertrat, als Oberzeremonien­meister in den Dienst Sr. Maj. deö Kaisers treten. — Die „Berl. B.-Ztg." schreibt: Unter bett Beschwerden, welche die fortschrittliche Opposition unaufhörlich wiederholt, wird keine so häufig vernommen, wie die Klage darüber, daß die neubewilligten Steuern unverhältnismäßig höher seien als die eingetretenen Steuernachlässe. Indem man be­rechnet, wieviel an neuen Zöllen und Steuern im letzten Jahre eingegangen und wie wenig an alten Steuern er­lassen worden, thut man, als ob die vereinnahmten Gelber in unerklärlicher Weise von einem geheimnisvollen Abgrunde verschlungen feien, und als ob es nur einer „besteren" Regierung bedürfe, damit die bereits vorhandenen Mittel für alle Staatsbedürfnisse ausreichten. Ziemlich unum­wunden hat der Abg. Richter das ausgesprochen, als er bei Gelegenheit der letzten Reichstagsberatungen die Behauptung aufstellte, bei einiger Sparsamkeit werde es möglich sein, ohne die Bewilligung irgend welcher neuen indirekten Steuern durchzukommen, und die allseitig als notwendig anerkannten Nachlässe an direkten Steuern dennoch eintreten zu lassen. Dem gegenüber muß mit allem Nachdrucke daran erinnert werden, daß die Verantwortung für den Staatshaushalt gerade so von der Volksvertretung wie von der Regierung getragen und daß kein Heller der Staats­kasse entnommen wird, ohne daß vorher die Zustimmung des Landtages eingeholt worden ist. Ferner mnß daran erinnert werden, daß dem Gerede von der Möglichkeit, durch erhöhte Sparsamkeit die für weitere Steuerer­mäßigungen erforderlichen Summen zu beschaffen, nicht nur von konservativer, sondern ebenso nachdrücklich von ge­mäßigt liberaler Seite entgegengetreten worden ist, und daß z. B. der Abgeordnete v. Bennigsen Herrn Richter die Unmöglichkeit von Ersparungen im größeren Stil direkt nachgewiesen hat. Nichts ist darum sinnloser, als das Ge­schrei über neue Steuern, welche der Regierung für ihre Zwecke bewilligt werden sollen. Die Zwecke der Regierung sind genau dieselben wie die Zwecke deS Volkes, und die Bewilligung neuer indirekter (Steuern, welche der Reichs­kanzler für notwendig hält, soll nicht für RegiemngS- und Verwaltungszwecke, sondern für Volkszwecke verwendet werden. Was hat die Regierung im speziellen davon, wenn dir auf die ärmeren Schichten der Bevölkerung schwer drückende Klassensteuer aufgehoben, wenn die unerträgliche Last der Kommunalzuschläge erleichtert und daS Schulgeld erlaffen werden soll. Kann dabei irgend ein anderer Zweck ob­walten, als für diejenigen, welche die Steuern aufbringen müssen, eine Erleichterung eintreten zu lassen und daraus hinzuwirken, daß die öffentlichen Lasten in einer möglichst bequemen Weise verteilt werden? Wer dazu mitwirkt, leistet nicht sowohl der Regierung als sich selbst einen Dienst. Nicht Regierungs-, sondern Volkslasten sollen er«

meine Eltern nie von diesem Kinde erfahren, ich übergebe es der treuen Freundin, sie möge ihm Mutter fein."

„Wenn es Gott gefällt, sie in sein Reich abzurufen, so nehmen Sie den Trost hinüber, daß dieser letzte Wunsch heilig gehalten wird," antwortete ich tröstend. „Herr Baron Bretten, Sie geben mir das Wort als Mann, daß Nie­mand von dem erfährt, was hier vorgegangen. Sollte eS einmal nötig fein, so will ich der Einzige fein, der Auf­klärungen erteilt. — Ich will nun manches stillschweigend übergehen, es gemahnt mich bitter. Wir begruben Bertha, und ließen Dich süßes Kind auf den Namen Deiner Mutter taufen; Du galst fortan als die Tochter meiner Frau, und nur der Pfarrer war in das Geheimnis eingeweiht.

Daß er schwieg, dafür forste ich ernstlich. Nun komme ich noch, mich meiner Verschlossenheit wegen zu rechtfertigen; Als Du, Schwarzbättchen, größer wurdest, da sah ich im Vereine mit meinem geliebten Weibe mit großer Freude, daß Ihr Euch lieb gewannt. Es war mein seligster Wunsch, Eure Hände in einander zu legen. Hätte ich ge­ahnt, daß Eure Liebe so mächtig, so würde ich Euch schon lange die bitteren Qualen erspart haben. Doch da nun der Krieg ausbrach, wollte ich, mußte ich unbedingt schwei­gen; denn fiel mein Sohn im Kampfe, dann hättest Du, mein Schwarzblättchen, nie etwas erfahren, und hättest um den gefallenen Bruder getrauert — ein jäher Schmerz fürwahr, doch nicht so furchtbar, als wenn Du mit Deinem Bruder zugleich den Geliebten Deiner Seele verloren hättest Jetzt, da mein Sohn zurückgekehrt, wollte ich sprechen, heute noch wollte ich ihm alles enthüllen und stehe, so wurde mir die Gelegenheit."

„Und Bretten?", fragte ich athcmlos.

„Baron Bretten ist derselbe, den Du, mein Sohn in