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Nr 282

«Marburg, Dienstag, 3. Oktober 1882

XVII Z-hkWg

Anzeigen nimmt entgegen: di: Expedition d. Blattes, soan< d.Annoncen-Bureaux o. LH- Dietrich u. Co. in und Hannover; Th.

Dietrich in Frankfurt a.M.; sraafenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Hoffe in Berlin, Frank- furt a. M. rc.

GrWHk Leitung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux Don ®. L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche fBuchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (K och'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

at» Mr das vierte Quartal werden Be­stellungen auf die

Oberhesfische Zeitung

und deren Gratisbeilage

Illustriertes Sonntagsblatt von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengenommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Sept. DieNordd. Allg. Ztg." bringt folgenden beachtenswerten Artikel: Aus halbamtlichen Aeuße- rungen läßt sich schließen, daß die Regierung nicht mehr beabsichtige, das Verwendungsgesetz dem Landtage wiederum vorzulegen. Dasselbe hatte den Zweck, 1) das Zeugnis dcS preußischen Landtages darüber herbeizuführen, daß eine Ab­hilfe des durch die direkten Steuern und die Zuschläge zu denselben herbeigesührtcn Druckes notwendm sei; 2) in Preußen gesetzmäßig festzustellen, daß die Verwendung der durch Reichssteuern (Tabaksmonopol) zu erlangenden Ein­nahmen auch gerade zur Ablösung von direkten Steuern und zu keinem anderen Zwecke stattzufinden hätte. Dieser zweite Zweck besteht vor der Hand nicht mehr, da das Tabaksmonopol abgelehnt ist und anderweite Vorlagen für den Reichstag, um aus indirekten Steuerquellen Mittel zur Erleichterung des Druckes der direkten Steuern zu er­langen, für den Augenblick nicht in Aussicht stehen. Bevor solche in Aussicht genommen werden, wird festgestellt werben müssen, ob der preußische Staat überhaupt ein Bedürfnis an erhöhten Einnahmen hat. Die Regierung ist von dem Bedürfnis des preußischen Staates überzeugt; sie hat für dasselbe aber weder im Reichstage, noch im preußischen Landtage bisher Anerkennung gefunden. Im Gegenteil hat der preußische Landtag im Frühjahr, durch das Drängen auf seinen Schluß, seine Gleichgültigkeit bei dieser Frage bekundet, und im Reichstage ist das Bedürfnis neuer Steuern und das Vorhandensein eines Steuerdruckes in Preußen, ungeachtet der Millionen von Klassensteuer­exekutionsfällen, bestritten worden. Die preußische Regie­rung bedarf daher, bevor sie im Reich Anträge auf Eröff­nung neuer Stcuerquellen stellt, einer volleren Legitimation, als bisher, für ihre Ansicht und Behauptung des in ihrem Lande bestehenden Steuerdruckes. Sie muß zu diesem Be- hufe das der Form nach kompetenste Zeugnis, das der eigenen Landesvertretung in Händen haben, bevor sie im

Schwarzbliittcheu.

Von Karl Schrattenthal. (Fortsetzung)

Das klingt wie Todcssehnsucht", sagte der Major düsteraus dem Munde der Jugend tönt sie doppelt bitter. Wir tragen alle unser Leid; der Soldat, dem das Leben keine Freudenkränze bot, kann doch in dem Gedanken Trost finden, daß er nicht selbst der qualvollen Lasten, die ihm ein herbes Schicksal aufgebürdet, sich zu entledigen nötig hat, um dann in den Augen der Ueberlebenden ge- brandmarkt zu erfcheinen, fondern vielmehr auf dem Feld der Ehre im Dienste der Menschheit, als tapferer Mann durch des Feindes Kugel die Leidenstage endet! Ha, sehen Sie dort auf den Anhöhen die dunklen Massen? Viel Glück, es wird blutige Arbeit geben!" damit drückte er dem Pferde die Sporen in die Weichen und sprengte davon.

In kaum einer halben Stunde tobte bereits der Kampf von allen Seiten. Mehrere Regimenter waren zu unö gestoßen, um vereint den Gegner anzugreifen, der standhaft und mit unerschütterlicher Ausdauer den Andrang zurück- wjes. Der Feind, in einer bedeutenden Ueberzahl, hätte jedenfalls all' unsere Bemühungen bald zu nichte gemacht, doch um die Mittagszeit erschien uns Hilfe.

Der kommandierende General wollte nun mit gesamter Streitkraft zum Sturme übergehen. Zu diesem Behufe mußte das Bataillon des Majors Bretten die östlichen Anhöhen nehmen. Ich seh ihn noch jetzt vor mir, den schönen, stattlichen Offizier, wie er mit klaren festen Worten ausrief:

Soldaten, ich bin fest entschlossen nicht zu weichen, und wenn der Feind uns in zehnfacher Ueberzahl uns empfängt. Ich bin entschlossen, zu siegen oder zu sterben, und hoffe von Euch desgleichen! Vorwärts!"

Mit einem begeisterten Hoch auf den geliebten Kom Mandanten schritten wir zum Angriff. Es war ein kurzer,

Reiche neue Anträge auf Bewilligung von Mitteln für die Erleichterung des von ihr behaupteten Druckes stellen kann. Der oben angeführte Zweck des Verwendungsgesetzes: daö Zeugnis des preußischen Landtags über den in Preußen bestehenden Steuerdruck herbeizuführen, besteht also heutzu­tage in verstärktem Maße fort. Wenn wir uns auch über die zweite Aufgabe, über die Verwendung von Mitteln, nicht den Kopf zu zerbrechen brauchen, die wir nicht besitzen, und die uns vom Reichstage auch in anderer Form, als in der des TabaksmouopolS, vielleicht versagt werden, so bleibt es doch Pflicht der Regierung, daß sie über den guten Willen des Königs keinen Zweifel aufkommen läßt, sondern sich zunächst das Bedürfnis - Zertifikat vom preu­ßischen Landtage verschafft und mit demselben in der Hand von neuem die Reichssteuerquelle zu öffnen sucht. Stellt der preußische Landtag auch diesmal das Bedürfnis in Abrede oder läßt er die Kundgebung desselben an Form­fragen scheitern, so wird die Regierung zu ihrem Bedauern auch nicht in der Lage fein, den von ihr erkannten Not­ständen durch den Versuch der Eröffnung neuer Reichs- stcuerquellen abzuhelfen. Sie wird dann in der Notwen­digkeit sein, die Steuerfrage in Status quo liegen zu lassen, bis im Laufe der Zeit die Ueberzeugung zutage tritt, ent­weder, daß ein steuerlicher Notstand in Preußen vorhanden ist, oder daß die preußische Regierung sich bei der Voraus­setzung desselben im Irrtum befand. Wäre das letztere der Fall, und darüber muß daö preußische Volk sich selbst durch seine gewählten Vertreter schlüssig machen, so läge für die Negierung Preußens überhaupt kein Grund vor, den Reichstag mit weiteren Steueransprüchen zu belästigen. Bei der Bedeutung der Alternative, vor welcher die Re­gierung sich befindet, ist es also ein dringliches Bedürfnis unserer inneren Politik, daß der preußische Landtag die Frage, ob Preußen neuer Einnahmen behufs einer Steuer­reform bedarf, ohne Zeitverlust mitJa" oderNein" beantworte.

Berlin, 30. Sept. Heute früh ist Herr v. Bötticher zum Fürsten Bismarck nach Varzin gereist. Gleichzeitig mit ihm hat sich auch der Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums und Minister des Innern, v. Puttkamer, nach Varzin begeben. Wie wir bereits andeuteten, handelt es sich bei diesen Reisen um die Angelegenheit wegen der Einberufung des Land- und Reichstages und die von den­selben, namentlich von dem letzteren zu erledigenden Ar­beiten, insbesondere um die Frage, ob dem Reichstage noch der Etat pro 1883/84 vorzulegen sei. Beide Minister werden schon in den nächsten Tagen aus Varzin hier zurück­erwartet. Bekanntlich sind an die Reichsregierung wiedcr-

aber blutiger Kampf; der Feind wollte nicht weichen, da sprang der Major vom Pferde.Mir nach!" rief er, und wer ein Herz im Leibe hatte, brach in des Feindes Reihen. Doch der Major war umringt, da stürzte ich in den wirren Knäuel und vertrieb mit Hilfe einiger Soldaten die Feinde, welche die Absicht kundgaben, unfern Kommandanten gefangen zu nehmen. Major Bretten war von dem Kampfe so ermattet, daß ich ihn mit dem Arme stützen mußte, b<r wanbten sich bie Gegner zur Flucht, feuerten ihre Gewehre ab, und ich sank in bem Fuß verwunbet zu Boben, in meinen Armen eine Leiche haltend, denn der Major war durch die Brust getroffen.

Da tönte es von allen Seiten:Sieg, Sieg!" mir stürzten Freudenthränen aus den Augen, doch bald schlossen sich dieselben, denn mir war Kraft und Bewußtsein ge­schwunden.

V.

Vor der Thüre meiner Lieben^ Häng' ich auf den Wanderstab.

W. Müller.

Nach zwei Monaten, die ich im Lazareth zubrachte, reiste ich zur vollkommenen Erlangung meiner Gesundheit in die Heimat. Mir wurde der sofortige Gebrauch eines Bades verordnet, doch ich konnte nicht umhin, zuerst meine Sieben zu besuchen, sodann Abschied zu nehmen für lange Jahre, damit Schwarzblättchen mich vergessen lerne. Dieser Ent­schluß gelangte in jenen qualvollen Wochen zur Reife, da ich an meiner Wunde krank darniederlag.

Es war ein herrlicher Sonntagnachmittag, als ich von Ferne das glitzernde Turmdach des Schlosses gewahrte; mir pochte das Herz gewaltig in der Brust, mir war noch nie so wohl, so wehe. Was sollte nun aus Schwarz­blättchen werden, wenn ich sie auf immerdar verließ?

Der Wagen bewegte sich langsam aus bem wohlgepfleg­ten KieSwege durch den Park; alles lag so friedlich um

holt Anträge ergangen, die Koupons der Reichsanleihe bei allen Reichskassen, insbesondere bei allen Kassen der Ver­waltung der indirekten Steuern und bei allen Reichspost­ämtern in Zahlung anzunehmen. Die Reichsregierung hat dies seither mit aller Entschiedenheit abgelehnt, und ist, wie wir hören, dabei von folgender Anschauung anSge- gangen: Außer bei der König!. Staatsschulderl-Tilgungs- kasse in Berlin und bei der ReichSbank-Hauptkasse erfolgt die Einlösung der Zinskoupons der Reichsanleihe bei 17 Reichsbank - Hauptstellen und 43 Reichsbankstellen, sowie bei 10 Oberpostkassen, an deren Sitz sich keine solche Bankanstalt befindet. ES seien somit insgesamt 72 Eiu- lösestellen, welche sich über daö ganze Deutsche Reich ver­teilen, vorhanden, und ein Bedürfnis zur Vermehrung dieser Einlösungsstellen bis jetzt nicht hervorgetreten. Da aber durch eine Vermehrung, wie sie beantragt worden, die Betriebsfonds der Reichskasse in verstärktem Maße in Anspruch genommen würden, so würde eS ans diesem Grunde schon nicht wünschenswert fein, eine Vermehrung eintreten zu taffen. Durch die Annahme der Zinskoupons von Reichsfchuldverfchreibnngen zur Berichtigung von Reichs­steuern bei den Kaffen der Verwaltung der indirekten Steuern würde der Verwendung dieser Zinskoupons als Zahlungsmittel im Privatverkehr naturgemäß ein sehr er­heblicher Vorschub geleistet werden und dadurch ein Uebel- stand im Kleinverkehr gefördert, dessen Beseitigung viel eher wünschenswert sei. Die Reichsverwaltung hat aus diesen Gründen alle derartige Anträge ablehneu zu müssen geglaubt. Die Ministerien des Innern, sür Handel und Gewerbe, für landwirtschaftliche und für geistliche und Medizinal-Angelegenheiten weisen ans das häufige Vor­kommen des Mutterkorns (cornutum secale) in bem auö ben Häfen des Schwarzen Meeres kommenden vorjährigen Roggen hin und auf die Notwendigkeit einer sehr sorg­fältigen Reinigung desselben, um den gesundheitsgefährlichen Folgen, die sich au den Konsum des durch Vermahlen eines derartigen Roggens gewonnenen MehleS knüpfen, zeitig entgegenzuwirken. Da der Genuß eines mit Mutterkorn behafteten Mehles immer gesundheitsschädlich und um so gefährlicher ist, je länger er fortgesetzt wird, so sind auf gründ des NelchsgesetzeS vom 14. Mai 1879 (R.-G.-B. Nr. 145) umfassende und sorgfältlgst vorzunehmende poli­zeiliche Untersuchungen der Mühlenprodukte geboten. Mit dem durch Mutterkorn verunreinigten Roggen hängt noch ein im vetermärpolizeilichen Interesse wichtiger Umstand zusammen insofern, als die bei der Reinigung eines der­artigen Roggens entstehenden Abfälle für das Vieh ge­fährlich werden können, wenn sie dem Futter zugesetzl werden.

mich her, die Vögeleln zwitscherten ein fröhliches:Will­kommen in der Heimat!" Ich erteilte dem Kutscher den Auftrag, daö Gefährte nach dem Schlosse zu bringen, in­dem ich ausstieg und einen kürzeren Pfad einschlug.

Mit einem, ich möchte sagen schmerzlichen Behagen be­trachtete ich die einzelnen schönen Plätze unter den schatten­spendenden Bäumen, wo wir dereinst als Kinder gespielt und später, zürn Vollbcwußtseln unserer gegenseitigen Nei­gung gelangt, oft verstimmt neben einander schritten, und von allem andern lieber sprachen, nur nicht von unserer Liebe. O, wie schwer wurde es mir oft, diese mächtigen Gefühle nicht kundgeben zu dürfen, Einhalt zu thun dem stürrnifch bewegten Herzen.

Ich stand plötzlich still, blickte bewegt auf den Baurn, in dessen Rinde ich dereinst in kindlichem Scherze ben Namen meiner Schwester schnitt, ohne zu ahnen, baß er später sich mit Flammenzügen in meine Seele graben sollte.

Bruder, mein geliebter Bruder l." hörte ich plötz­lich Schwarzblättchens Stimme, und im nächsten Augenblicke ruhte das lockige Haupt des Mädchens an meiner bewegten Brust. Mit Thränen in den Augen blickte sie zu mir empor, keines Wortes mächtig o, wer fände da bie Sprache! Wir stauben minutenlang fest umschlungen; mit wollte das Hetz zerspringen vor Schmerz, als ich bie bleichen, eingefallenen, von Kummet unb Thränen durch­furchten Wangen erblickte aufjauchzen hätte ich mögen in unsäglicher Wonne, als ich au« den süßen Augen nur ein Empfinden las die Freude übet meine Zurücks"

Schwarzblättchen", nahm ich endlich das warum bist Du so blaß, wo find die lieben t Wänglein?"

Ach, laß das, mein Bruder! komm fort ins S zu den Eltern, da wird's eine Freude geben I" - in Hand eilten wir hinauf in bie Anne bet har Lieben. (Fortsetzung fo