Marburg, Sonntag, 1. Oktober 1882
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au8 seinen gewerblichen Unternehmungen zu berechnen ist. — Die Zahl der vakanten evangelischen Pfarrstellen steigt bet dem Mangel an evangelischen Theologen so erheblich, daß sich das Königliche Konsistorium der Provinz Schlesien veranlaßt gesehen hat, auf Aushilfe in dem Kirchendienst bedacht zu nehmen. In einer soeben an die Superintendenten und Geistlichen in der Provinz ergangenen Verfügung — in welcher zunächst die Mahnung ergeht, darüber wachen zu wollen, daß die Kandidaten der evangelischen Theologie nach dem Abgänge von der Universität möglichst bald die Zulassung zu der ersten theologischen Prüfung beantragen — wird folgendes bemerkt: „Da bei dem fortdauernden Mangel an geistlichen Kräften und bei der großen Zahl von geistlichen Stellen, die infolge dessen mit ordinierten Geistlichen nicht besetzt werden können,' diejenigen Kandidaten, welche die erste theologische Prüfung bestanden haben, zum Kirchendienst verwendet werden müssen, so sind die Kandidaten von den Herren Superintendenten und Geistlichen aufzufordern, vor der Ablegung der Prüfung pro venia concionandi ihre Verhältnisse so zu ordnen, daß sie nach bestandener Prüfung nicht durch anderweite Verpflichtungen gebunden sind, sondern sich dem Konsistorium alsbald zur Verfügung stellen können, um als Gehilfen im Kirchendienste verwendet zu werden." Ebenso erwartet das Königliche Konsistorium, daß zu diesem Zwecke diejenigen pro venia concionandi geprüften Kandidaten, die gegenwärtig noch durch anderweitige Verpflichtungen gebunden sind, diese sobald als möglich lösen und ebenso wie diejenigen, die sofort in den Kirchendienst Eintreten können, sich ohne Säumen dem Konsistorium zur Verfügung stellen. — Ein sehr beliebtes Agitationsmittel der fortschrittlichen Opposition besteht jetzt wieder darin, bei jeder Gelegenheit den VolkssckMehrern zu sagen: Trotz aller neuer Steuern haben die Regierung und die Konservativen für euch kein Geld, zumal nicht, um die Pensionsverhältnisse der Emeriten aufzubessern. Daß das eine Unwahrheit ist, verschlägt ja nichts, der Lehrer, dem das gesagt wird, kann es nicht merken, wie viel in den letzten 10 Jahren für Aufbesserung der Emeritengehälter geschehen ist, denn er hat ja den Etat nicht in der Hand, und wenn er auch wohl weiß, wie im Kreise seiner Bekannten Verbeflerungen stattgefunden haben, so sagt er sich doch, bei den Anderen, die du nicht kennst, steht es wahrscheinlich sehr schlimm, denn die Herren sagen es ja. Die Wahrheit ist nun die, daß, während 1872 im Etat nur 30000 M. für Zuschüsse zu Emeriteu- gehälteru ausgeworfen waren, diese Summe bis 1881/82 auf 631000 M. gesteigert worden ist, und daß im laufenden Etat, um die Emeritengehalte im Durchschnitt auf 600 M. zu bringen, wiederum 69000 M. mehr eingestellt sind, also 700000 M. zu Zuschüssen attSgeworfen wurden. Außerdem wurde die Witwenpension im Minimum von 150 auf 250 M. erhöht. Endlich aber hat der Kultus-
wortete ein Kamerad, „dann w'iß soll's geben? Der Feind ist nicht Stunden dürfte es heiß zugehen. Der Sprecher eilte weiter.
„Was gibt es?" fragte wie eine Kanone", ant- man freilich nichts. Was allzuweit und in einigen Gott zum Gruße!" —
Vaterland. Die Mutter gab mir weinend Schwarzblättchen? — doch ich will von dieser schwersten Stunde meines Lebens
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Minister in der letzten Etatsberatung ausdrücklich erklärt, er werde mit festem Willen und allem Ernste auf dem von seinem Vorgänger eingeschlagenen Wege, gerade diese Fonds zu erhöhen, fortschreiten. Die Bolksschullehrer können sich ein Bild davon machen, wie ihre Emeriten- Gehälter beschaffen sein würden, wenn diese Erhöhungen nicht eingetreten und sie allein auf die Leistungsfähigkeit der Gemeinden angewiesen geblieben wären. Aber der Fortschritt braucht ja zu seinen Wahlzwecken Unzufriedenheit, ohne die kann er nicht bestehen, warum also auch nicht den Lehrern sagen: „für euch ist nichts geschehen", wahrend er weiß, wie viel geschehen ist, und daß der eingeschlagene Weg nicht verlassen werden soll. — Die „Kreuz- Zeitung" schreibt: „Der Minister deS Innern v.Puttkamer verweilt entweder schon in Varzin oder begiebt sich in diesen Tagen dahin. Auch der Minister v. Bötticher ist heute dahin abgereist. Es versteht sich wohl von selbst, daß bei diesen Zusammenkünften vorzugsweise von der Einberufung des Reichstages und des Landtages und von den Vorlagen für beide Körperschaften die Rede sein dürfte. UebrigenS haben wir von einer früheren Einberufungs deS Reichstages als Ende November nichts gehört, und daS Gerücht ist wohl nur daraus entstanden, daß eS neuerdings wieder heißt, es sollte dem Reichstag außer dem nächstjährigen Budget auch das für 1884/85 alsbald vorgelegt werden." vadett-Badeu, 29. Sept. Der Kaiser ist heute früh 8 Uhr mittelst Extrazugs wohlbehalten hier angekommen und von dem Erbgroßherzog, dem Stadtdirektor v. Göler und dem Oberbürgermeister Gönner am Bahnhof empfangen worden. Alsbald nach der Ankunft auf dem Bahnhof erstattete der Leibarzt Dr. Schliep Bericht über das Befinden der Kaiserin. Die Stadt ist mit Fahnen geschmückt.
Stuttgart, 27. Sept. Dem am 7. und 8. k. MtS. in Darmstadt tagenden Armenpfleger-Kongreß wird ein städtischer Delegierter anwohnen. Zur Beratung stehen insbesondere zwölf von Dr. Rudolf Ebers zu Wernigerode aufgestellte Thesen über den UnterstützungSwohnsttz und das Landarmenwesen mit Rücksicht auf die vagabondierende Bettelei. Es ist darin namentlich die Beseitigung deS Landarmenwesens ins Auge gefaßt und zu diesem Behufe eine Abänderung des Unterstützungswohnsitzgesetzes in der Richtung vorgeschlagen, daß ein UnterstützungSwohnsttz nicht verloren gehen könne, so lange kein anderer erworben sei.
Müttchktt, 28. Sept. Vor kurzer Zeit brachte die „Augsb. Abendzeitung" ein Kommunique, inhaltlich dessen bei der Eisenbahnverwaltung bisher gegenüber dem gleichen Zeitraum des vorigen Jahres ein Mehr von ca. 1700 000 Mark erzielt worden und dieses Mehr nicht so sehr durch wesentliche Erhöhung der Einnahmen, obwohl auch diese merklich gestiegen seien, wie durch bedeutende Ersparungen in den Betriebskosten herbeigeführt worden sei. Später ging durch die Blätter die Nachricht, daß dem Minister
ertönte bas langgezogene Tmppenkörper setzte sich
Welt! Warum meine Schwester! O Liebe, wie viele sind in Deinen Rosenauen gewandelt und haben im Vollgenufle des adelnden Gefühls der verschlungenen Pfade nicht geachtet, die durch Deine Reiche ziehen, doch Du hast sie wieder in die rechte Bahn geleitet und hast ihre Seelen verwebt zu ewiger Harmonie — nur mich hast Du so elend gemacht und bietest mir nicht die leitende Hand, damit ich mich auf den rosenumblütcn Jrrpfaden zurechtfinde.
„Auf Kamerad", ertönte es an meiner Seite. Ich öffnete die Augen — es war bereits Tag geworden. Alles eilte durch einander, jeder trachtete in möglichst kurzer Seit in Reih und Glied zu stehen. - - ‘ -
ich. — „Ja, wenn man schläft
Ich blickte auf und sah meinen Major Baron Bretten, der mich seit meinem Eintritte in das Regiment durch besonders liebevolle Behandlung vor den andern auszeichnete, ohne daß es mir klar werden konnte, warum er dies that. *3n der That, Herr Major", entgegnete ich, „es fehlt mir bte rechte Weihe, trotzdem ich mit heißer Sehnsucht den. Moment erwarte, wo es draus und dran gehen soll!"
(Fortsetzung folgt.)
Es dauerte nicht lange, so Kommando des Obersten und der in Bewegung. Die Soldaten begannen zu fingen*— ich jedoch ging schweigsam und betrübt.
Plötzlich weckte mich eine Stimme aus meiner Träumerei: „Sie gehen nicht mit der Lust des eifiten Kriegers in den Kampf?" "
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die Geliebte meines Herzens fliehen, denn in ihrer Nähe loderte die mit aller Seelenkraft gedämpfte Glut zur Flamme empor. — Der Zufall war mir günstig, die Armee zog wider den Feind, ich trat in ihre Reihen und erfüllte dadurch einen längst gehegten Wunsch Meines Vaters, denn die männlichen Glieder seiner Familie hatten sich stets als treue Kämpfer um den Thron des Monarchen geschaart, also sollte auch ich einstehen mit Gut und Blut für den Fürsten und das Vaterland. Die Mutter gab mir weinend
war eben goldig rot hinter bewaldeten Hügelreihen zur Ruhe gegangen, als das Regiment, bei dem ich diente, in das Lager auf freier Ebene einrückte. Endlich sollte den ermatteten Gliedern Rast und Ruhe werden; die Wachtposten wurden ausgestellt, die Feuer angezündet und bald herrschte Stille rings umher, denn die Erschöpfung war allenthalben eine große. Trotzdem auch ich der Ruhe bedurfte, fand ich doch keinen Schlaf. Meine Gedanken schwebten in der Heimat zu den geliebten Eltern zu Schwarzblättchen. Dachte sie jetzt wohl an mich, der ich einer ungewissen Zukunft entgegenging? Und was sollte aus dem edlen, schönen Wesen werden, wenn mich des Feindes Kugel ereilte ?
!, „Warum war sie meine Schwester!" — Nie war mir dieser Gedanke qualvoller, als eben jetzt, da die Nacht ihren milden Schleier auf die Augen der (Ermatteten senkte, um sie auf kurze Zeit hinüberzuführen in das Reich des träumenden Vergessens; als eben jetzt, da die Sternlein am Himmel wach wurden und wie versöhnende Augen liebender Verklärung herniederschauten in daö sündige Getriebe dieser
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Schwarzblättcheu.
Von Karl Schrattenthal. (Fortsetzung)
Ich schwieg, die Augen zu Boden senkend, denn mir bangte vor dem strafenden Blick des heißgeliebten Mädchens — doch Schwarzblättchen zog mein glühendes Haupt an ihre wogende Brust und sprach meine Wangen mit Thränen benetzend, leise und doch mit sicherem Ausdrucke: „Mein Bruder; wir ruhen hier vereint unter Gottes fd" önem Himmel! Wenn es eine Sünde ist, daß Du mich lii bst, so trägst Du sie nicht allein. Auch ich rang ver- goens unter dem Eindrücke dieses Leidens und dieser Wonne. Ich finde keinen Ausweg als einen: Gott, der das Gefühl in unsere Herzen legte, möge uns die Sünde verzechen! Wir werden uns trennen können, doch das tief- wurzelnde Gefühl im eigenen Busen töten, das vermögen wir nicht! Daö schwache Herz wird riesenstark durch die Liebe, und der eisenfeste Wille bricht ohnmächtig zusammen, wenn sich der Liebe Allgewalt im Herzen reget!"
IV.
O Liebe, waS soll eS bedeuten. Daß Du vermischtest mit Todesqual All' Deine Seligkeiten!
H. Heine.
Drei Monate nach jener Nacht, in deren poestetrnnkenern Frieden ick meinem Schwarzblättchen mein Herz enthüllte — stand ich als Soldat vor dem Feinde. Meiner Seele wollte ich den Athemzug der Freiheit und des Ungebundenseins erringen, ich wollte im wilden Toben der Schlachten die mahnende Stimme meiner Schuld zum schweigen bringen. Zn der Heimat konnte ich nicht bleiben; ich wagte nicht, wemer Mutter in die treuen Augen zu schauen, ich mußte
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bure-ux von G- 8. Daube u. 6e. in Frankfurt a.M.;JSaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche ^Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin: W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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Anzeigen«^ bi: Expedi X soivi. d.Ann '* v. Th. Dietr Kaff.'l und H, Dietrich in Fr«. Haasenstein u. Frankfurt a. SB. Leipzig. Köln rc Atoffe in Berlin, furt a. M. .
Erscheint täglt Buchdr
Deutscher Reich.
Berlitt, 29. Sept. Der „RelchSanzelger" meldet: Die Wahlmännerwahl ist auf den 19. Oktober, die Abgeordnetenwahl auf den 26. Oktober festgesetzt. — Hebet zwei bedeutsame Gesetzesvorlagen hören die „B. P. N." folgendes: Bekanntlich war von cem Abgeordneten v. Tiedemann in der letzten Legislaturperiode der Antrag gestellt und von dem Abgeordnetenhause angenommen worden, die Staats- regierung auszufordern, künftig bei Begebung von Staatsanleihen neben der Ausgabe von Jnhaberpapieren auch auf den Namen lautende Schuldtitel in Anwendung zu bringen. Eine solche wahrscheinlich in der Form der Buchschuld zu verwirktlchende Art der Begebung der Staatsschulden würde den Wünschen derjenigen Korporationen und Personen eni- gegeukommen, welche eine dauernde Kapitalsanlage bezwecken und daher mehr auf die Sicherheit als die leichte Umsetzbarkeit dcS Schuldbriefes Wert legen, und somit den Kreis der inländischen Abnehmer von Staatsschuldverschreibungen nicht unwesentlich erweitern. Nachdem ein dem Beschlüsse deS Abgeordnetenhauses entsprechend ausgearbeiteter Gesetzentwurf dem Volkswirtschaftsrate zur Begutachtung vorgelegt war, ist jetzt, wie verlautet, im Finanzministerium die nochmalige Durcharbeitung desselben in angriff genommen, so daß die Materie voraussichtlich den Landtag schon in feiner ersten Session beschäftigen wird. Das Nämliche dürfte mit einem zweiten, gleichfalls aus der Mitte der freikonservativen Fraktion zur Anregung gebrachten Gesetzentwürfe der Fall fein. Der betreffende Antrag Stengel bezweckte, diejenigen Gemeinden und Kommunalverbände, welche, wie die Landgemeinden in den 7 östlichen und einem Telle der neuen Provinzen, den Fiskus und die anderen juristischen Personen nach Maßgabe ihres Einkommens zu den Kommunallasten gar nicht oder nur sehr unvollständig heranziehen können, den besser berechtigten Landesteilen gleichzustellen. Derselbe wurde zwar nicht erledigt, aber nur deshalb nicht, well die Staatsregierung die Zusicherung erteilte, spätestens in der nächsten Session einen Gesetzentwurf in der Richtung des Antrages vorzulegen. Die Schwierigkeiten der Materie liegen hauptsächlich nach der Seite der Feststellung der Regeln, nach denen das Einkommen des FlskuS
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