Marburg, Sonnabend, 30. September 1882
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allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch den Landpostboten, entgegengenommen.
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stolzen Häupter wie zum Kuße gegen einander. Ein geheimnisvolles Leben regte sich in den hohen Bäumen, als erzählten sie sich Märchen aus verschwundener Zeit! Alles hauchte Frieden — nur in mir kämpfte und tobte es wild. Ich vermochte nicht in meiner Stube zu bleiben. Ich schien mir wie ein eingekerkerter Verbrecher, der nach Freiheit ringt, sich hinaussehnt aus den düsteren Mauern, die ihn umschließen — ach, ich, konnte mir doch nicht selbst entfliehen, ich konnte mein sündiges und doch süßes Gefühl nicht aus dem Herzen reißen. — Ich ging hinab- in den Park. Die Luft war so würzig, so duftig, ich sog sie mit Zügen der Wollust ein, als könnte der unschuldige Dust unschuldiger Frühlingsblumen mein Gefühl betäuben — doch er fachte es noch mehr an. Da gewahrte ich vor mir eine knieende Frauengestalt. Der silberne Mond warf sein Licht auf das schöne, aber blasie Antlitz Schwarzblätt. chcns. Sie kniete an dem Grabe der Tante Bertha, der
Zum Wiegenfeste der deutschen Kaiserin.
Heute am 30. September blickt Augusta, Königin von Preußen und Kaiserin von Deutschland auf 71 Jahre eines reichen und bewegten Lebens zurück. Ihr ist daö seltene Glück beschieden, an der Hand des hohen Gemahls, deS Kaisers Wilhelm, als Urgroßmutter auf drei Generationen hinauszuschauen, auf ein Vierkaiserbild wie keines die Weltgeschichte noch hatte, sproßt doch fort in frischer Jugendkraft das Reis am Stamm der Hohenzollern. An einem solchen Tage blickt das Volk empor zur Mutter des Landes, zur treuen Hüterin der ersten Familie des deutschen Reiches, deren Leben als Muster innigen Familienlebens weit und breit gepriesen wird; an einem solchen Tage mag auch in ernster Stimmung die weimarische Fürstentochter, zur Königin und zur Kaiserin erhoben, zurückdenken an die Zeit, da sie am heimischen Herde fortzog, um dem Prinzen von Preußen zu folgen.
Wohl sind unserer Kaiserin schwere Prüfungen des Lebens nicht erspart geblieben, die Gott ja denen zu teil werden läßt, die er liebt! Es will uns heute aber nicht bedünken, jener Zeiten zu gedenken, wo bitterer Schmerz das treue Herz der Gattin um bange Sorgen für den hohen Gemahl erfüllte, nach dessen Leben böse Buben trachteten, ja wer hätte im Deutschen Volke nicht gewünscht, eö wäre der hohen Fran in den jüngsten Jahren auch der Schmerz schwerer Krankheiten erspart geblieben!
Doch andererseits erscheint das Bild unserer Kaiserin durch all diese Prüfungen nur in heherem Glanze! Blieb sie doch in Leid und Freud immer dieselbe, konnte ihr doch die übelste Erfahrung nicht ihr seelengutes Herz verbittern! Wohin wir auch blicken auf dem weitverzweigten Gebiete der Wohlthätigkeit, überall springt uns das barmherzige Wirken der Kaiserin in die Augen; —wo wir nur immer mildthätige Stiftungen und Vereine wirken fehen, wo durch reiche Gaben unverschuldetes Elend zu lindern ist, im Kriege und im Frieden, zu Wasser und zu Lande, sogar über die Weltmeere hinaus, überall steht der Name der deutschen Kaiserin obenan. Und die Werke, welche sie so mächtig
daß ich auch da unten ruhen könnte unter kühlem Rasen. Höre mein Bruder I wenn ich sterben werde, dann laß mich hier neben Tante Bertha begraben, es ist ein so trauliches Plätzchen. Hörst Du? Und wenn mein Sterbetag kommt, dann besuche Dein Schwarzblättchen und bete ein Vaterunser für meine sündige Seele! Versprich mir das, mein Bruder!"
Sie sah mich bittenden Auges an, legte ihr Haupt an meine Brust und weinte. Mich faßte ein Gefühl von un-
an
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gefördert, die humanen Thaten unter dem Banner deS roten Kreuzes und der patriotischen Frauenvereine, sie werden fortwirken auf Jahrhunderte.
Wir preisen heute im ganzen Land die Landesmutter, die treue Hüterin der Hohenzollern-Fanülie, die erste Wohl- thäterin in Palast und Hütte. Liebe und Treue lassen den innigen Wunsch die deutschen Gauen durcheilen, dem unser Gebet eine höhere Weihe giebt: „Gott schütze und erhalte Deutschlands Kaiserin Augusta!"
lassend.
„Ach daS kann ich Dir nicht sagen!", „mich schauert, wenn ich daran denke; ich
Schwarzbliittcherr.
Von Karl Schrattenthal.
(Fortsetzung)
III.
„Da ist kein Widerstand und keine Wahl, Es löst der Mensch nicht, was der Himmel bindet."
Schiller
Es war eine herrliche Maiennacht; am Himmel glitzerten zahllosen Sterne und die dunkeln Tannen neigten ihre
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Deutsches Reich.
Berlin, 28. Sept. Der Kaiser ist nachmittags ö8/* Uhr nach Baden - Baden abgereist. Der Kronprinz und Prinz Heinrich, welche dem Kaiser vorher im Palais einen Abschiedsbesuch abgestattet hatten, gaben dem Kaiser bis nach Potsdam das Geleit. — Dem Herrn Reichskanzler sind soeben von hervorragenden Spritfabrikanten Petitionen zugegangen, welche um Abstellung eines in der That sehr großen, und die inländische blühende Spritfabrikation aufs empfindlichste schädigenden Mißstaildes bitten. Wie bekannt, ist Spanien ein Hauptabnahmeland für deutsche Sprite, welche dort auf gründ des deutsch - spanischen Meistver- günstigungs Vertrages eine Zollermäßigung von 15 Prozent genießen, wenn in beglaubigter Form der deutsche Ursprung der nach Spanien eingeführten Sprite nachgewiesen wird. Nun werden aber von Hamburg aus — also aus Fabriken, welche z. Z. noch außerhalb der deutschen Zollinie liegen — Sprite nach Spanien exportiert, deren Spiritus besonders aus Rußland und Polen, aber auch ans Dänemark, Schweden und Norwegen stammt. Trotzdem wird in Hamburg bei Spritversendungen nach Spanien in oben erwähnten Zertifikaten, welche von jeder Ortsbehörde, die zur Führung eines Amtssiegels berechtigt ist, ausgestellt werden können, bescheinigt, daß die Sprite deutscher Provenienz seien. Das Petitum der Eingabe an den Reichskanzler geht nun dahin, daß die Hamburger Behörden angewiesen werden, Ursprungszeugnisse für nach Spanien zu versendende Sprite nur dann auszufertigen, wenn nachgewiesen wird, daß der zur Rektifikation gebrachte Spiritus deutscher Herstammung sei. — Die Arbeiten, welche sich auf eine Revision des Aktien- gefetzes beziehen, werden, wie mehrere Zeitungen berichten, im Reichs-Justizamt fortgesetzt. Der erste Entwurf, welcher bereits abgeschlossen war, soll umfassende Erweiterungen erfahren und erneute Beratungen notwendig gemacht haben. Keinesfalls wird die Frage bereits die nächste Reichstags • Session beschäftigen; andererseits ist man aber auch nicht zu der Annahme berechtigt, daß, wie es früher hieß, die Angelegenheit bis zu dem Erscheinen des deutschen Zivilgesetzbuches vertagt bleiben würde. — einem längeren Aufenthalte auf dem Schlöffe eiageladen, hier in eine Krankheit verfiel und nach kurzem aber schwerem Leiden starb. Meine Mutter erfüllte den letzten Wunsch der Freundin und ließ dieselbe unter der schattigen Lindengruppe begraben, wo sie oft betete, wie Schwarzblättchen eben jetzt in duftiger Maiennacht.--
Ich blieb stehen und betrachtete die Knieende; sie hatte sich nach Vollendung ihres Gebets auf den weichen Rasen gesetzt und begann zu schluchzen. Ich konnte das Mädchen nicht »einen sehen und sprach daher, aus dem Dunkel der Bäume hervortretend: „Schwarzblättchen, welches Leid hat Dich betroffen und warum finde ich Dich an diesem Grabe?"
Sichtlich erschrocken, trocknete sie ihre Thränen und sagte:
„Die Mutter ersuchte mich heute am Grabe ihrer Freundin ein Vaterunser zu beten, es sei heute der Sterbetag! Ich willfahrte der Bitte, denn die gute Mutter fühlte sich unwohl und ich selbst vermochte nicht in der Stube zu bleiben, mir ist so wehe!"
„Und welches Leid quält Dich gutes Kind?" fragte ich in möglichst ruhigem Tone, mich auf den Rasen nieder-
Die vielfach verbreitete Annahme, daß die wirtschaftlichen Vorlagen, welche dem Reichstage unterbreitet sind und in dessen Kommissionen schweben, resultatlos bleiben würden, findet in Regierungskreisen keinen Glauben. Vielmehr giebt man sich der bestimmten Erwartung hin, bezüglich der Unfallversicherung und namentlich der Krankenkassen zu greifbaren Ergebnissen zu gelangen. Es heißt, daß zu dieser Zuversicht die Wahrnehmungen des Staatssekretärs des Innern, v. Bötticher, bei seinem jetzigen Aufenthalte in den westlichen Provinzen erheblich beigetragen haben. Man scheint sich besonders Erfolge von der Art der Verwendung dieser Wahrnehmungen teils durch die geplante Denkschrift, teils bei Verteidigung der Entwürfe im Reichstage zu versprechen. — Gleich nach Verstaatlichung einer Anzahl preußischer Privatbahnen, insbesondere der Thüringischen Eisenbahn, beschwerte sich die offiziöse Presse des Königreichs Sachsen darüber, daß dadurch die sächsische Staatsbahnverwaltung hart getroffen werde. Jetzt findet man in dem offiziellen Organ der württembergischen Regierung, dem „Staatsanzeiger für Württemberg", eine Korrespondenz aus dem Königreich Sachsen, in welcher es heißt: „Vom 1. Januar 1883 ab werden die preußischen Staatsbahn- Ankäufe ihre volle Rückwirkung auf die sächsischen Staatsbahnen, deren Verkehr jetzt in erfreulichem Aufschwung begriffen ist, ausüben. Zwar werden Verhandlungen zwischen preußischen und sächsischen Bevollmächtigten statt- fiuden, welche die künftig einzuschlagenden Anschlüsse des sächsischen Verkehr« regeln, da jedoch die auf 20 pCt. des zurückzulegenden Weges festgesetzte Umwegsgrenze in nicht seltenen Ausnahmesällen noch überschritten worden ist, so dürften die sächsischen Bahnen einen beträchtlichen Verkehrsausfall zu gewärtigen haben, da sich der gesamte schlesisch-thüringische Verkehr auf den Linien Kohlfurt- Eilenburg-Halle oder Leipzig und in wenigen Jahren, nach Vollendung der Verbindungslinie Stockheim-Eilschicht, der norddeutsch-baierische Verkehr auf der Linie Halle-Gera- Stockheim mit völliger Umgehung des fächsischen Gebietes bewegen wird." — Nach der „Vossischm Zeitung" wird die jüngste Audienz des Ministers v. Puttkarner beim Kaiser mit den Fragen in Verbindung gebracht, die gegenwärtig innerhalb der Regierung über die frühere Berufung des Reichstags schweben. Es wird in dieser Hinsicht nament- lich angeführt, daß durch die Vertagung bis zum 30. Nov. die Kommissionen zu übermäßig langer Unthätigkeit verurteilt seien, während die Zurückschiebung des Termins für den Wiederzusammentritt des Plenums es möglich machen würde, daß dieselben ihre Arbeiten schon 14 Tage bis 3 Wochen früher aufnehmen könnten. Man denkt sich hiernach das neue Arrangement so, daß der Reichstag am 6. ober 8. Nov. seine erste Sitzung nach den Ferien abhält, nennbarer Liebe und Wehmut, ich drückte die holde Gestalt an mein Herz und rief:
„Nein Schwarzblättchen, nein, sprich nicht so, Du darfst nicht sterben, Du darfst mich nicht verlassen!"
Ich hatte kaum diese Worte ausgesprochen, als sich das Mädchen meiner Umarmung entzog und mich mit einem Ausdrucke in ihren dunkeln Augen anblickte, der mir eine ängstliche Frage und ein süßes Geständnis zugleich schien. Ich faßte den Entschluß zu antworten. „Schwarzblättchen", sagte ich zitternd, „versuche es, mir ruhig zuzuhören. Ich habe Dir ein Geheimnis zu enthüllen, das nur Du allein teilen sollst, ein Geheimnis, dessen Offenbarung Dir Grauen und Bangen einflößen wird vor Deinem einzigen Bruder. Schwarzblättchen, sieh mich an, mit Deinen frommen Augen, damit ich im Strahlenglanze der Unschuld eine Sünde enthüllen darf, wie's größere keine giebt. Schwarzblättchen — ich liebe Dich! Doch nicht wie der Bruder die Schwester liebt, ich liebe Dich mit einer verzehrenden Glut, die mich zu vernichten droht! — Ich weiß, daß ,cS mir die Lebensfreuden verbittert, ich weiß, daß ich bei Dir Granen einflößen muß — ach, und doch kann ich nicht anders, als Dich lieben, aus Deinen Augen die höchsten Wonnen irdischen Glückes lesen — Dich anbeten! Ermessen magst Du nun selbst, welch' fürchterlicher Kampf in meinem Innern wütet! Teilst Du mein Gefühl, so sind wir Beide verdammenswert und unsere Zukunft ist eine Wüste, auf deren öder Fläche, zumal zur Nachtzeit, die grinfenden Gespenster des Kummers, des tiefsten Leiden« und der zehrenden Seelenqual und Selbstschuld ihr Wesen treiben Teilst Du mein Gefühl nicht, dann bin ich elend, selbst um die so schön geträumte Hoffnung sündiger Gegenliebe betrogen! Ach, und keine Rettung ans diesem Meer der Leiden!" (Fortsetzung folgt.)
Anzeigen nimmt entgegen: di- Expedition d. Blattes, soivil d.Annoncen-Bureaux 0. Th. Dietrich u. Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M-; kiaafenstein u. Vogler in Frankfurt a. töt-, Berlin, Leipzig, Köln Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M- k.
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toten Freundin unserer geliebten Mutter. Wir hatten Tante Bertha nie gekannt und ihr diesen 9?amen gegeben, weil die Eltern es wünschten. Wenn wir von der Toten sprachen, da pflegte meine Mutier sie als einen Engel, «ich an Milde und Herzensgüte darzustellen und so er- sUhren wir mit der Zeit, daß Tante Bertha eine treue Geidt^ Jugendfreundin unserer Mutter gewesen, von dieser zu