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Marburg, Freitag, 29. September 1882

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Nr 22»

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den Landpostboten, entgegengenommen.

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halben machte die Bildung fester und zuverlässiger Mehr­heiten die gleichen Schwierigkeiten und wiederholte sich die Erfahrung, daß die Parteien, welche den Anspruch auf Regierungsfähigkeit erhoben, nur so lange ihre Einheit wahrten, als sie in der Opposition waren.

Unser Vaterland ist Dank seinem starken monarchischen Königtum vor derartigen Experimenten bewahrt worden. Dieses starke Königtum gegen Bestrebungen zu schützen, welche auch bei uns auf die Einführung der parlamen­tarischen Regierungsform hinarbeiten, wird bei den nächsten Wahlen die Aufgabe aller derjenigen sein, welche mit uns der Uebcrzeugung sind, daß die Stärkung des Parlamen­tarismus zur Zersetzung nach innen und zur Schwächung nach außen führen und unfern nationalen Rückgang herbei­führen würde.

f Erfahrungen mit dem reinen Parlamentarismus.

An der letzten französischen Ministerveränderung war von uns Veranlassung genommen worden, auf die unge­heuren Schwierigkeiten hinzuweisen, welche einem der ältesten und begabtesten Kulturvölker unseres Weltteils durch den Versuch bereitet worden sind, die parlamentarische Regie­rungsweise bei sich einzuführen und den Gang der öffent­lichen Angelegenheiten durch wechselnde Kammermehrheiten bestimmen zu lassen.

Heute liegt eine Ueberstcht sämtlicher Regierungswechsel vor uns, die sich seit dem Jahre 1870 in Frankreich und den übrigen rein parlamentarisch regierten Großstaaten des europäischen Festlandes vollzogen haben. Einige Ziffern aus derselben dürften den Lesern, denen es mit der Kenntnis dessen, waö sie selbst erlebt haben, Ernst ist, um so will­kommener sein, als die Mehrzahl unserer liberalen Zeitungen über dergleichen für ihrSystem" unbequemen Thatsachen leichten Fußes hinweg zu schreiten pflegen.

Seit Begründung der dritten französischen Republik hat bei unseren westlichen Nachbarn die Leitung der auswär­tigen Angelegenheiten und der Marine je zwölfmal, die Verwaltung des Kriegs- und Justizwesens je dreizehnmal gewechselt. Die Zahl der französischen Unterrichts- und Finanzminister ist innerhalb dieses Zeitraums auf je vier­zehn angewachsen. Achtzehnmale wechselten die Minister für Handel und für öffentliche Bauten und nicht weniger als 27, sage stebenundzwanzig Minister des Innern haben einander binnen zwölf Jahren in rascher Reihenfolge ab­gelöst, um nahezu ebenso zahlreiche Veränderungen in der Besetzung der wichtigsten VerwaltungS - Aemter, der Prä­fekturen herbeizuführen!

Während desselben kurzen Zeitraums trugen sich in dem jungen Königreiche Italien acht totale Minister-Ver­änderungen zu, von denen nicht weniger als sechs auf die Jahre 1876 bis 1879 kommen.

Im gründe genommen ist die Geschichte dieser notge­drungenen Veränderungen überall dieselbe gewesen. Allent-

gegen uns schon einen mehr würdevollen Standpunkt ein; kein Wunder, wenn ich nur für Schwarzblättchen atmete und lebte. Uns war kein Berg, kein Baum zu hoch, kein Weg zu lang, kein Busch zu dicht! Wie oft, wenn wir des Abends in etwas ungeordneter Toilette im Schlosse ankamen, pflegte die gute Mutter verweisend zu sagen:Du bist ein wilder Range und verleitest Deine Schwester, die tollen Streiche mitzumachen." Wir erhielten dann gewöhn­lich eine nicht allzustrenge Strafe, die jedoch stets einen tiefen Eindruck auf uns zu machen pflegte, so, daß wir oft bittere Thränen weinten. Geteilter Schmerz ist halber Schmerz.

Mein Vater, der selbst dereinst dem Monarchen diente, hatte viele und gute Freunde in der Armee und hegte ge­gründete Hoffnung, daß mir nicht schwer werden dürfte, baldigst die goldene Säbelquaste zu erreichen. Schwarz­blättchen war eine schöne blühende Jungfrau geworden und bald war sie von einer beträchtlichen Zahl glühender Ver­ehrer umschwärmt, die, aus den angesehensten Familien der Residenz, sehr häufig das gastliche Schloß und deren Be­wohner besuchten.

Schwarzblättchen jedoch blieb stets zurückhaltend, sie wies die glänzendsten Anträge zurück und was mich am meisten wunder nahm, mein Vater hatte kein Wort dagegen einzuwenden, ja er schien mit einer geheimen Freude zuzu­sehen, wie all' die Verehrer mit ihren Körben von bannen zogen.

Für mich jedoch kam eine bange, qualvolle Zeit. Mein Gefühl für das blühende Mädchen ward immer stärker, ich vermochte in ihrer Nähe nicht mehr so unbefangen zu sein, wie ehedem und oft rief ich in schlaflosen Nächten, unter dem Einfluffc schrecklicher Seelenqualen:Ach, warum ist es denn meine Schwester!" Dieser Gedanke schien mir ein Verbrechen, ich hätte alles darum gegeben, wenn mir Schwarzblättchen weniger gut, weniger schön erschienen wäre, mein reiches Erbe hätte ich gern geopfert, wenn sie mich gehaßt hätte, nur um dieses verbrecherischen Gedanken- los zu werden doch das Gefühl hatte tiefe Wurzeln geschlagen, Schwarzblättchen suchte nur mich auf, fühlte sich nur in meiner Nähe glücklich, so daß der Gedanke in mir rege wurde, meine Schwester hege dieselben Empfin­dungen auch für mich. Ich litt namenlos unter dem Ein­drücke solcher Gedanken und doch, wenn ich dem holden Wesen in die tiefen, seelenvollen Angen schaute, wenn sich mir in jener Zauberwelt des liebenden Blickes ein nie ge­ahntes Glück erschloß da vergaß ich, daß mein Gefühl ein sündiges und zog die Sünde groß in meinem Herzen!

(Fortsetzung folgt.)

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von Bedeutung dabei fein werden, ist auch nicht bekannt. ES bleibt also, wie es scheint, diegroße liberale Partei" unter sich". Herr Hänel ist also bereits exkommuniziert. DieNat.-Ztg." schreibt: Von verschiedenen Seiten signali­siert man uns, daß Rußland den englischen Plänen bezüg­lich Egyptens die Aufwerfung einer Meerengenfrage gegen­überstellen will; die Schließung des Bosporus gegen fremde Kriegsschiffe bildet danach den Punkt, an welchem Rußland seine Orientaktion einsetzen will.

DieProv.-Korresp." bespricht an der Spitze ihrer bieSwöchentlichen Nummer dieWahlaufrufe der konser­vativen Parteien", zu denen sie im wesentlichen folgender­maßen sich äußert:Wenn in dem Wahlaufruf der Konservativen den zwischen den liberalen Fraktionen be­stehenden Unterschieden nicht die gehörige Rechnung ge­tragen und vielfach so geurteilt worden ist, als wäre die Gesamtheit der Liberalen für alle Maßlosigkeiten der fort­schrittlichen Führer verantwortlich, so ist das wesentlich aus dem Gang der diesmaligen Wahlbewegung zu erklären. Auch von feiten der gemäßigten Liberalen ist auf das Gemeinsame der liberalen Parteien" und auf die Not­wendigkeit der Bildung einer großen liberalen Mehrheit entscheidendes Gewicht gelegt worden. Man hat an dieser Aufstellung auch festgehalten, nachdem von fortschrittlicher Seite das Losungswort ausgegeben worden war, es werde sich diesesmal nicht nur um die Beseitigung der Pläne deS Reichskanzlers, sondern außerdem darum handeln, einer entschieden liberalen Parteiregierung die Stätte zu bereiten. Es darf nicht Wunder nehmen, wenn die konservative Partei sich nach Vorgängen solcher Art darauf eingerichtet hat, das künftige Verhallen aller Liberalen durch fortschritt­liche Einflüsse bestimmt zu sehen. Den beiden Wahl- Aufrufen erhebliche sachliche Meinungsverschiedenheiten nach­zuweisen, ist der Presse der Opposition nicht gelungen. Beide Programme bewegen sich rückstchtlich der Beurteilung der bisherigen Ergebnisse der Entwickelung und der zunächst zu lösenden Aufgaben wesentlich auf demselben Boden. Gemeinsam ist beiden Parteien die Absicht, die verfassungs­mäßig verbürgten Rechte der Krone zu wahren und gegen Angriffe zu schützen, deren Vorhandensein die freikonser­vative Partei ebenso anerkennt, wie die konservative. Ge­meinsam ist beiden der Wunsch nach friedlicher Auseinander­setzung zwischen Kirche und Staat. Wenn von freikonser­vativer Seite dabei hervorgehoben wird, daß in einer konfessionell gemischten Bevölkerung dieAufrechterhaltung starker staatlicher Rechte" unentbehrlich sei, so scheint darin vor allem die Mahnung zu liegen, daß der Regierung die Möglichkeit eines den Verhältnissen entsprechenden Ge-

jNachdruck verboten.)

Lchwarzblättchea.

Von Karl Schrattenthal.

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Mein Kind, wir waren Kinder, Zwei Kinder, klein und froh!" H. Heine.

II.

Blume, Laub und weiße Blüth' Muß sich rasch entfalten Schwarzbraun Kind, Dein Herz behüt', Wirst es nicht behalten."

E. Geibel.

Wir wuchsen auf, wie die Blumen im Walde; bewacht von der zärtlichen Fürsorge einer liebenden Mutter, in Schranken gehalten durch die gerechte Strenge unseres Vaters. Doch die Jahre waren schnell, fast unbemerkt vorübergezogen, und in demselben Maße der forteilenden Zeit warm unsere übermütigen Streiche geringer geworden. Ich fühlte mich in Schwarzblättchens Nähe glücklich, ohne auf Bäume zu klettern und in Vogelnester zu gucken wir saßen nunmehr oft stundenlang unter den schatten­spendenden Linden, ließen die Vöglein ihre muntern Weisen trillern, indes wir unsere Aufmerksamkeit einer schönen Geschichte weihten, die wir lasen wir waren, mit einem Worte, keine Kinder mehr! Der Lehrer, den mein Vater au8 der Residenz nach dem Schlosse kommen ließ, hatte über uns nicht zu klagen; ich studierte eifrig zur vollkommenen Zufriedenheit meiner Eltern und gedieh zum kräftigen Jünglinge; mit erreichtem zwanzigsten Jahre sollte ich dem Soldatenstande gewidmet werde».

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Deutsches Reich.

Berlin, 27. Sept. Der Kaiser empfing heute in längerer Audienz den gestern abend von Varzin zurück- gekehrten Botschafter Grafen Münster. Die Abreise deS Kaisers nach Baden - Baden erfolgt erst am Donnerstag, nachmittags. Durch den Abgang des Geh. Archivrats, Dozenten an der Universität, Dr. Hassel, der bekanntlich die Leitung des Hauptstaatsarchivs in Dresden mit dem 1. Oktober übernimmt, ist an dem Kgl. geheimen Staats­archiv in Berlin eine etatsmäßige Stelle erledigt. Wie jetzt dieMontagSztg." auszuverlässiger Quelle" erfährt, ist hier Dr. Neinhold Koser für die erledigte Stelle be­stimmt. Dr. Koser, ebenfalls Dozent an der Universität, ist der Herausgeber derPolst. Korrespondenz Friedrichs des Großen", ein Werk, das auf Veranstaltung der König­lichen Akademie der Wissenschaften in Berlin erscheint und von dem bereits mehrere Bände vor! egen. Der Justiz­minister bringt durch eine allgemeine Verfügung vom 16. d. M. einen Erlaß des Ministers des Innern vom 20. Dezember 1877, nach welchem der Standesbeamte nicht befugt ist, von dem Anzeigepflichtigen die Beschaffung eines Nachweises über die erfolgte Eheschließung der Eltern des neugeborenen Kindes zu verlangen, da die Geburtsurkunde nicht die Bestimmung habe, als Beweis der erfolgten Ehe­schließung zu dienen, zur Kenntnis der Justizbehörden. Für die Verhältnisse innerhalbder großen liberalen Partei" ist die folgende Notiz derVolks-Ztg." bezeichnend, deren Absicht offenbar ist. Sie schreibt:Zu Gotha werden die Herren Hänel und Dr. Lasker ihren Parteitag am 1. Oktober abhalten. Die Fortschrittspartei hält sich, wie schon ge­meldet, von diesem Unternehmen fern; daß Nationalliberale

stellungen auf die

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von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch

innigen nimmt entgegen: Me ISypebition d. Blattes, foffli. d.Annoncen-Bureaux d. Th- Dietrich u. Co. in Aass-l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; fiaafenftein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, geipzig, Köln rc.; Rudolf llioffe in Berlin, Frank- furt a. M. rc-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von ® L. Daube u. C«. in Frankfurt a. M.; JSaerfche Buchhandlung daselbst; Hermans che ^Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrkrteS SountagSblatt" durch die Expedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen 2*A Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Ja, Dn warst ein kleines, frohes Kind, Du mein herz- liebesSchwarzblättchen". Wie hüpftest Du an meiner Seite durch die Wälder und Gärten; wie ließest Du mich m Deinen tiefschwarzen Augen all' das Glück, all' den Frohsinn einer goldigen Kindheit schauen! DaS waren schöne Tage, sorgenlose, wonnige Zeiten; wir glaubten beide, es müsse ewig so bleiben!

Das große Schloß, das in der Nähe der Residenz im anmutigen Thale lag und der Schauplatz unserer Kinder­spiele war es steht nach wie vor in der Mitte belaubter Bäume und blickt ernst hinaus in die grünenden Wälder: sein Bilo zitiert in dem schönen Teiche, in welchem silber­weiße Schwäne ihre Kreise ziehen; es sind vielleicht noch dieselben, die wir einst im kindlichen Uebermute neckten. In den Marmorgängen deS Schlosses aber wandeln andere Gestalten als zu unserer Zeit; es sind ganz fremde Men- Mn, sie haben den Rittersitz gekauft sie gehen in die Residenz, handeln und wuchern an der Börse, und nur zeitweilig ziehen sie aufs Land hinaus und pflanzen dort Küchengewächse, wo wir duftende Rosen pflegten. Die Grausamen, sie haben auch die alte Linde abgesägt, in deren Rinde ich einst Deinen Namen schnitt, Du herzliebeS «Schwarzblättchen".---

Schwarzblättchen" war meine jüngere Schwester. Ich

N ®,tte ihr diesen Namen gegeben, weil sie wie ein munteres M ^gelein fang und ihre Augen ebenso schwarz waren, wie 99iBtc decken, die gewöhnlich lose um Hals und Wangen hingen. _7wL Wohl hatte ich noch eine ältere Schwester, Anna, der zärtlich zugethan war, doch sie war ernst und nahm

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