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Marburg, Dienstag, 26. September 1882.

XVII Jahrgang

Nr 22«

«»zeigen nimmt entgegen: bi; ©ypebition d. Blattes, soivi. d.Ännoncen-Bureaui 0. Th- Dietrich u. Co. in und Hannover; Th.

Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u- Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt a. DL rc-

ObnWscht jfitmig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie b.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; H errnans che «Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Stfieint täalich allster an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS 6otttttog8blottu durch die Expedition («och'sche Erschemt tagna» auyer an ven ^errr m Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) - InsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

«ueporuaetev - '* 'gür in btr Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

DM» Für das vierte Quartal werden Be­stellungen auf die

Oberhessische Zeitung

und deren Gratisbeilage

Illustriertes Sonntagsblatt von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengenommen.

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Deutsches Reich.

Berlin, 23. Sept. Heute, am zwanzigjährigen Jubi­läum des Eintrittes BiSmarckS in daS Ministerium, feiern sämtliche Blätter, selbst die oppositionellen, die letzteren unter Angriffen auf die innere Politik der Regierung, mit warmen Worten die hohe nationale Bedeutung des großen Staats­mannes als Begründer der deutschen Einheit. Gerade zur Wiederkehr des Tages, an welchem Fürst BiSmarck einst das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten übernahm, ist auS der Feder des Wirkst Geh. Ober - Re- gierungsrats vr. Hahn, Autors des großen Werkes:Fürst Bismarck. Sein politisches Leben und Wirken" eine Bro­schüre erschienen:Zwanzig Jahre. Rückblicke auf Fürst Bismarcks Wirksamkeit für das deutsche Volk" (Berlin, Verlag von Wilh. Hertz), welche nach der Intention des Verfassers rornehmlich dazu beitragen soll,daß über dem Streit dieser Tage des Dankes nicht vergessen werde, den das Vaterland dem Fürsten BiSmarck schuldig ist, und daß alle wahren Freunde von Kaiser und Reich ihm helfen, trotz vorläufig auseinandergehender Ansichten über die besten Wege, doch die hohen Ziele fürs Volk jedenfalls zu er­reichen." Offenbar durch daS Eisenbahnunglück bei Hugstetten, welches nach der ersten Nachricht durch eine Untecwühlung des Bahndammes infolge dcS Regens ent­standen sein sollte, veranlaßt, hat der Minister der öffent­lichen Arbeiten unterm 14. September folgenden Erlaß an die königlichen Eisenbahndirektionen und Kommissariate gerichtet: In neuerer Zeit sind mehrfach durch plötzliche Wasseransammlungen an einzelnen Stellen der Eifenbahnen Züge gefährdet, teilweise auch Unfälle herbeigeführt worden. Wenn auch derartige Einflüsse elementarer Gewalten durch Vorsichtsmaßregeln nicht völlig unwirksam gemacht werden können, so erscheint cs doch geboten, sorgfältig zu prüfen, ob die dem Bahnpersonal erteilten Weisungen bezüglich seines Verhaltens in Fällen der bezeichneten Art einerseits ausreichend und bestimmt genug sind, andererseits mit der

nötigen Präzision befolgt werden. Hierbei wird zunächst darauf ankommen, dem Bewachungspersonal diejenigen Stellen der Bahn speziell zu bezeichnen, an denen die Fahr­barkeit der Geleise durch starke Wasseransammlungen ge­fährdet werden könnte, namentlich also Dammstrecken auf sumpfigem Untergrund, Einschnitte, deren Böschungen infolge des Vorhandenseins wasserreicher, nach der Bahn zu fallen­der Schichten zu Rutschungen geneigt find, sowie Stellen, an denen bei starken Regengüssen das zusammcnströmende Wasser sich vorzugsweise konzentriert und durch Aufstauung das Planum zu beschädigen droht rc. Wenn solchen Stellen schon für gewöhnlich eine erhöhte Aufmerksamkeit zuzu­wenden und eventuell für verstärkte Bahnbewachung zu sorgen ist, so erscheint dies bei sehr anhaltendem oder bei ungewöhnlich starkem Regen doppelt nötig; da gerade bei solchen Witterungsverhältnissen die Bahnwärter viel eher in ihren Buden Unterkunft suchen, und auch die Bahn­meister, die vorschriftsmäßige Bahnreviston Hinausschi, bend, es vielleicht nicht immer für nötig halten werden, sich sofort nach Eintritt heftiger Gewitter oder ungewöhnlicher Regen­güsse von dem Einfluß derselben auf den Zustand des Bahnkörpers persönlich zu überzeugen, so empfiehlt es sich, dem gesamten mit der Bewachung und Unterhaltung der Bahn betrauten Personal unter Hinweis auf die erfahrungs- mäßtgen Vorkommnisse wiederholt die gewissenhafteste Revi­sion der ihnen zugeteilten Bahnstrecken gerade für solche Ausnahmefälle zur Pflicht zu machen und denjenigen Be­amten, welche durch Umsicht und treue Erfüllung ihrer Obliegenheiten den Gefährdungen von Eisenbahntransporten vorgebeugt haben, angemessene Belohnungen zu gewähren. Die Vorsteher derjenigen Stationen, zwischen denen sich Bahnstrecken der vorbeschriebenen Art befinden, sind anzu­weisen, daß sie sich bei den erwähnten Vorkommnissen in geeigneter Weise nötigenfalls durch rechtzeitige Entsendung von Boten über den fahrbaren Zustand der Bahn infor­mieren, und erscheint zu diesem Bchufe besonders ange­zeigt, diejenigen Wärteiposten, inneren Strecken Betriebs­störungen durch Wolkenbrüche, plötzliche Anschwellung von Flußläufen rc. vorzugsweise leicht herbeigeführt werden können, mit elektrischen Hilfsapparaten zu versehen, welche eine schnelle Verständigung mit den Nachbarstationen ge­statten. Den Lokomotivführern ist für alle Fälle die Anwendung ganz besonderer Vorsicht beim Passieren über­schwemmter oder von Wasser bedrohter Bahnstrecken vor­zuschreiben. Ich erwarte, daß die Eisenbahnverwaltungen sich angelegen sein lassen werden, sowohl die nötigen Sicherheitsmaßregeln zur thunlichsten Verhütung der in Rede stehenden Gefahren in Anwendung zu bringen, als auch das Beamten - Personal durch bestimmte

Instruktionen und strenge Ueberwachung zu umsichtigem Handeln bei drohender Gefahr anzuhalten. Die Kreuzzeitung" bestätigt, daß der Termin der Wahlen hinauögeschoben sei.ES handelt sich jedoch nur um einige Tage", schreibt sie,so daß der Termin, welcher ursprüng­lich für die Wahlen selbst angesetzt war, jetzt für die Wahlen der Wahlmänner auSersehen ist. ES wird dies insofern keinen Einfluß haben, als der Zusammentritt des Land­tags in diesem Jahre überhaupt nicht mehr in aussicht genommen zu sein scheint. In dem Prozesse gegen den Redakteur derOstendzeitung", Ruppel, wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft durch die anläßlich der Tisza-Eszlarer Affaire in einem Extrablatt enthaltene Be­hauptung, daß die Juden zu einem rituellen Zwecke Christenkinder schlachteten, erkannte die Strafkammer des Landgerichts frcisprechend, weil in dem inkriminellen Artikel ein direkt beschimpfender Ausdruck nicht enthalten sei.

Der Führer der konservativen Fraktion im Abgeord­netenhause, von Rauchhaupt, hielt gestern in Berlin seine Kandidatenrede. Er sagte u. a.:Meine Beamtenstellung geht mir nicht über meine Ueberzeugung; aber andererseits möchte ich auch meine Pflichten als königlicher Beamter nicht außer Acht laffen. In der jetzigen Zeit muß ent­schieden Stellung genommen werden. Da sind Mittel­parteien nicht mehr am Platz. Aus der Mischung von Dämmerungs-Liberalen und Dämmerungs-Konservativen würde ein Zwielicht entstehen, das dem Vaterlande nicht frommt. Ein Mittelweg ist nicht mehr möglich. Die Vorlagen für die nächste Legislaturperiode des Abgeord­netenhauses werden nicht so schwerwiegend sein. Kirchen­politische Vorlagen sind nicht zu erwarten; da muß die konservative Partei warten lernen. Aber keinesfalls werden wir es unö gefallen lassen, daß die Ultramontanen mit uns spielen. Wir haben ihnen Opfer gebracht und wollen ihnen gern weiter entgegen kommen, aber wir werden auch sehen und es uns merken, wie die Gegenleistung bei den nächsten Wahlen sein wird. WaS die Selbstverwaltung betrifft, so erblicke ich in ihr die Grundlage zur Anerken­nung der Staatshoheit. Allerdings muß vorläufig, bis daS Volk zu dieser Selbstverwaltung reif ist, in derselben das Staatsbeamtentum dominieren. Eine sehr unheilvolle Frucht des Liberalismus ist der Wucher. Mit ihm ver­bunden ist die Judenfrage. Diese Frage lag in der Luft. Hosprediger Stöcker hat sie nicht geschaffen. Das Juden­tum darf dabei nicht an die Wand gedrückt werden. Der Wust der Bewegung erschwerte die Stellungnahme, und eS war die Formulierung bestimmter Wünsche, wie sie in Dresden erfolgte, unerläßlich; aber beherrschen wollen wir unS von den Juden auf keinen Fall lassen."

Die Berbreitmig des Getreides ans der Erde.

(Schluß.)

Verhältnismäßig wenig verbreitet ist der Roggen oder das Korn, trotzdem daß diese Getreidcart eine der wertvoll­sten Brotfrüchte bildet. Der Roggen ist in Deutschland, Polen, Rußland, Scandinavien, Dänemark, Holland und Belgien die hauptsächlichste Getreidefrucht; in Asten kulti­viert man ihn vorwiegend in den Gegenden westlich vom Caspischen Meer, im mittleren China und im südlichen Sibirien, in Nord-Amerika vom 40. bis etwa zum 45. Breitengrade. Weder die Indier noch die Egypter kannten den Roggen und die Bezeichnuug Egyptens als die Korn­kammer des Altertums erscheint daher, streng genommen, nicht richtig, man müßte vielmehr von einerWeizen­kammer" sprechen, indessen ist der AusdruckKornkammer" für Egypten ja auch mehr eine allgemeine Bezeichnung für die überraschende Fruchtbarkeit diese« Landes.

Im Gegensatz zu dem verhältnismäßig geringen Raume, den der Roggen auf der Erde einnimmt, ist der Weizen die verbreitetste Brotsurcht; namentlich herrscht er im mitt­leren und südlichen Frankreich, in England, in Polen, Ungarn, Galizien, Italien, den südlichen Donauländern, in der Krim und in den Ländern am Kaukasus unbedingt vor. In den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika ist der Weizen nächst dem Mais die Hauptgetreideart und überhaupt der bedeutendste Ausfuhrartikel unter den Kömer- frnchten. Sein G-biet erstreckt sich vom Norden Virginias bis in den fernen Westen und Californien, also aus eine Ländermasse, welche derjenigen Europas ziemlich gleichkommt. Weizen wird ferner vorwiegend gebaut in Australien, am Cap der guten Hoffnung und im mittleren Asten; den Chinesen war der Weizen schon 3000 Jahre vor Ehr. als Kulturpflanze bekannt. Die weite Verbreitung deS Weizens geht auch daraus hervor, daß derselbe in sei>.er

nördlichsten Grenze bis in die Gegend von Drontheim (Norwegen) reicht, während er im Süden bis in die Mais und Reis bauenden Länder hineinragt und dieser weite Gürtel, innerhalb dessen der Weizen mehr oder weniger vorherrscht, hat ihm seine Bedeutung jtl6 die wichtigste Brotfrucht mit verliehen. Der Weizen soll nach griechischen Mythen auf Sicilien heimisch sein, viel wahrscheinlicher ist es aber, daß er aus Klein-Asien stammt, wo man ihn noch gegenwärtig an den Ufern des Euphrat wild wachsend ge­funden haben will; jedenfalls gehört er zu den am läng­sten angcbauten Cerealien. Die große Mannigfaltigkeit der älteren Namen deS Weizens deutet hinlänglich auf den großen Verbreitungsbezirk hin, welcher dieser Pflanze schon ursprünglich zukam.

Unter allen Getrcideartcn ist es aber der Reis, welcher einer weit größeren Menge von Menschen zum Nahrungs­mittel dient, als Roggen uud Weizen und insofern ist der Reis noch wichtiger als der Weizen. Man kann annehmen, daß über 760 Millionen Menschen in China, Japan, auf dem Malayifchen Archipel, in Indien, Persien, Arabien, in Nord-Afrika, in der Türket und Portugal mehr oder weniger ausschließlich von Reis leben. Auch in Europa gewinnt der Reis immer mehr an Bedeutung; in Deutschland wur­den 1855-59 durchschnittlich im Jahr 672451 Zentner eingeführt, 1870 74 aber durchschnittlich im Jahr 1891699 Zentner, ebenso in England in der Zeit von 1856 60: 2760369 Zentner, dagegen 1871 75: 6 376466 Zentner.

Als eigentliche Reisländer sind China, wo der Reis seit etwa 5000 Jahren kultiviert wird, Japan, die Sunda- Jnseln und Indien zu betrachten, Nammtlich die sumpfi­gen Niederungen der Gangcscbene und überhaupt Vorder- Jndiens kommen dem Reis, als einer Sumpfpflanze, ver­bunden mit dem feuchtwarmen Klima jener Gegenden vortrefflich zu statten, so daß hier der Reis im allgemeinen

nur wenig der Kultur bedarf. Angebaut wird ferner der Reis in Arabien, Egypten, Nordafrika, Kleinasien, Griechen­land und Italien, in Amerika endlich in dem Süden der Vereinigten Staaten, dann in Central-Amerika, West- Indien, Brasilien und einigen Gegenden am La Plata. Die Reiskörner, in kochendem Wasser erweicht, sind, fast ohne alle Zuthat, alsPilaw" im ganzen Orient ein Hauptteil aller Mahlzeiten, ebenso mit Fischen, Hühnern u. s. w. vermischt und stark gewürzt, alsCurry" ein Licblingsgericht in ganz Ostasten und aus gemahlenem Reis werden in Indien die verschiedensten Speisen, auch Brot bereitet. DaS Vaterland des ReiseS ist unbekannt, da man ihn nie in wildem Zustande gefunden hat.

Was endlich die letzte Art der wichtigeren Cerealien an­belangt, den Mais, so nimmt diese Getreideart einen gro­ßen Teil von Süd-Europa und der Levante ein und ist bis China und Japan, ja bis in daS Herz Afrikas vorge­drungen. In Amerika hat sich der Mais das ungeheure Gebiet vom 30. Grad südlicher bis zum 50. Grad nörd­licher Breite erobert und in den Cordilleren von Quito wird er noch in einer Höhe von 1900 Meter gebaut. An Nährwert steht jedoch der Mais dem Reis, dem Roggen und namentlich dem Weizen bedcntend nach; doch liefert er ein höchst schätzbares Fuller für Milchvieh, in Amerika wird der Mais, zerstoßen, vielfach zu Mehl verarbeitet und daffelbe zu Brot verbacken und Maisbrei bildet als Polenta" die gewöhnliche Kost deS italienischen Land­mannes.

Diese sechs Getreidearten bilden die hauptsächlichsten und Verbreitesten Cerealien, neben denen es noch einige andere Cerealien giebt, die aber nur eine untergeordnete Bedeutung haben; nur die gemeine Hirse steht in ihrer Verbreitung dem Rcis wenig nach und in China ist ihre Kultur fast noch älter als die des Reiffs.