xvii Jahrgang
Marburg, Sonnabend, 23. September 1882
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Konservativer Wahl - Aufruf.
DieWahlen zum Abgeordnetenhause stehen binnen kurzem bevor.
Der Liberalismus, desien Führung jetzt der Fortschritt übernommen, setzt von neuem all die Mittel der Agitation in Bewegung, welche er bereits bei den letzten.ReichStagS- wahlen anwendete und welche noch in aller Gedächtnis sind. Es gilt deshalb für die konservative Partei, dieser Agitation mit vollem Nachdruck zu begegnen.
Die höchsten Güter der Nation stehen auf dem Spiel!
An Stelle des machtvollen Königlichen Regimentes unserer Hohenzollern will der Liberalismus die Herrschaft des Parlaments setzen; aus der Volksschule soll der Religions-Unterricht ganz entfernt werden und die Hausväter nicht mehr berechtigt sein, zu verlangen, daß in den Schulen ihre Kinder auch in dem Glauben ihrer Väter unterrichtet und erzogen werden.
Das zukünftige Abgeordnetenhaus soll nach dem Willen der Liberalen ein Hemmschuh werden für jeden gesunden Fortschritt auf dem Gebiete der sozialen Reform. Keine Hilfe den Kranken; kein Schutz den wirtschaftlich Schwachen, wie ihn die Kaiserliche Botschaft verheißt; keine Erleichterung »rr unteren Volköklassen und der produzierenden Stände von dem harten Druck der direkten Steuern; keine Herabminderung der schwer empfundenen Volksschullasten; keine Maßregel zur Erhaltung eines kräftigen Bauernstandes und des ehrlichen, soliden Handwerks gegenüber der ihnen durch Wucher und schrankenlose Gewerbefreiheit drohenden Vernichtung.
Das alles würde die Frucht einer liberalen Majorität im Abgcordnetenhause sein.
Dagegen darf von einer konservativen Majorität im Landtage die Förderung einer friedlichen Auseinander« fetzung zwischen Staat und Kirche, die Erhaltung der konfessionellen Schule, die Erleichterung und bessere Verteilung der direkten Steuern, die Entlastung besonders von drückenden Kommunal - Abgaben, erwartet werden. In der vergangenen Legislatur-Periode sind diese für das VolkLwohl notwendigen Maßregeln angcbahnt. Der neugewählte Land-
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Die Präposition „vor".
(Schluß.)
11. Als am 10. Januar 1552 eine große Wasserflut 3 Marburger Brücken zerstörte, nämlich die Stadtbrücke neben der Stadt- oder Herrenmühle, das kurze Brückchen in Wcidenhausen und die lange Brücke bei der untersten Sieche, wurde am 28. Januar 1552 in der Ratssitzung der Beschluß gefaßt, den Bau der Brücke „vor Weiden- Hausen" zu besichtigen und zu beratschlagen, wie dem zu helfen sei. Am 31. März j. I. wurde dem Maurermeister Heinrich Krafft diese Brücke mit 3 Bogen einen jeden 24 Schuh lang und 12 Schuh breit zu bauen verdingt und kostete 1000 Gulden. Nach Vollendung derselben wurde in der zweiten Hälfte des Jahres 1553 mit dem Wiederaufbau der Stadtbrücke begonnen, die nach 3 Jahren vollendet war nnd über 5000 Gulden kostete. Stadtprotokoll.
12. Ich Jacob Cleinhenn becker vnd bürger zu Mar- purgk — Bekennen — das wir verkaufft haben — Jacob von Lasphe — burger zu Marpurgk — vnsern garten daselbst vor weydenhnsen der Vorstadt am Cappeler Berge — gelegen — Geben trium Regum funfftzehen hundert vnd Siebentzig zwei.
13. Wir hier noch benannten hanße oleman Scheff zu Marpurgk — Vormünder — bekennen — Noch dem wir — verkaufst haben — Aßmo von Gindern — den halben garten vor wydcnhusen In der keppeler gaffen — gelegen — Dinstag noch medardi. Anno Domini funffi- zehcn hundert siebentzig vnd zwey.
14. Ich Herman Diedentzheuscr Bürger — zu Mar- purgk — thun kundt — das wir — verkaufft haben — dem — Armenkasten alhier — vnsern gartm — vor
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kündigen oder verschweigen, Minister v. Goßler seine Schul- und Kirchenpolitik geheim halten oder aller Welt verkündigen, Fürst BiSmarck mag über seine Sozial», Handelsund Finanzpolitik sprechen oder nicht, wir kennen ihre Tendenzen mit und ohne Programm und wiffcn, daß jeder Liberale sie mit aller Entschiedenheit bekämpfen muß".
Nicht auf eine sachliche Prüfung der von der Regierung vorbereiteten Maßregeln kommt eS also der liberalen Opposition an. Diese Maßregeln sind schon längst gerichtet und verworfen, ehe sie überhaupt noch das Licht der Welt erblickt haben. Wenn aber eine derartige sachliche Prüfung nicht in frage steht, waS soll daS Verlangen nach einem Regicrungsprogramm bedeuten? Nichts anderes, als der Opposition neue Angriffsobjekte zu verschaffen und ihr neue Waffen in dem Wahlkampfe in die Hand zu geben, um der allmälig ermattenden Wahlagitation frisches Blut und frisches Leben zuzuführen. Dazu eignet sich das er« sehnte Programm der Regierung ganz vortrefflich.
Wir finden eS sehr erklärlich und begreiflich, daß die Liberalen den Wunsch haben, auf diese Weise ihre Position zu verstärken. Die Liberalen haben sich etwas früh in den Wahlkampf begeben. Bald nach den Reichstagswahlen wurden in den Provinzen große Versammlungen abgehalten, um die Parteigenoffen zu sammeln. Mit einem großen Aufwand von sittlichem Pathos wurde dabei den Hörern auseinandergesetzt, wie die „Freiheiten des Volkes" durch die „konservativ-klerikale Koalition" bedroht würden, und wie die „finstere Reaktion" immer mehr ihr Haupt erhebe. Diese Schlagworte, die übrigens bet allen Wahlen regelmäßig wiederkehren, muffen aber bei der ewigen, eintönigen Wiederholung schließlich ihre Wirkung verlieren, wenn sie nicht durch Thatsachen begründet werden. Nun räumen wir willig ein, daß sich die Liberalen die aller- erdenklichste Mühe geben, um solche Thatsachen heranzu- schaffen. Daß Konservative und Zentrum trotz aller Gegensätze sich in gewissen Fragen begegnen, wird zu einer „Koalition" gestempelt und den Wählern alS Schreckgespenst vorgeführt, dessen Verwirklichung zu mittelalterlichen Zuständen zurückführen würde. Wohlweislich wird aber dabei verschwiegen, daß gerade in beit wichtigsten Fragen, so namentlich bei der Verstaatlichung der Eisenbahnen, bei den Vorlagen über die Verwaltungsgesetzgebung, ja selbst bei dem kirchenpolitischen Gesetze vom Jahre 1880 sich Zentrum und Linksliberale zusammengefunden haben. Diese fortschrittlich-klerikale „Koalition" ist nach der Ansicht der Liberalen eine ganz selbstverständliche und bedarf daher auch in den Wahlversammlungen keiner weiteren Erwähnung, zumal sie gegen die Regierung nicht gut auSgenutzt werden kann. Um das Vorhandensein der „Reaktion" darzuthun, werden ferner alle Vorgänge des öffentlichen Lebens mit peinlichster Gewissenhaftigkeit beobachtet, und wenn sich auch nur die entfernteste Möglichkeit dazu bietet, wird sofort die
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arm), der vom Krummbogen aus nach Ost und Süd Stadt und Vorstadt schützte und bei der Hirsenmühle wieder in die Lahn mündete. Dieser breite Graben hieß vorzugsweise der „Erlcugrabeu", weil die Stadt an deffen Ufern Erlen zu Brunnenröhren pflanzte. Außer diesem Erlengraben waren noch mehrere Graben nm Weidenhausen herum vorhanden, die aber bis auf einen sämtlich verschüttet sind. Der letzte dieser verschütteten Graben führte mitten durch Weidenhausen unter dem kurzen Brückchen her und teilte die Vorstadt in die östliche und westliche Hälfte, in Zahlbach und Weidenhausen.
Sämtliche Festungswerke der Stadt als Brücken, Thore, Mauern, Türme, Graben, Stege und Schläge mußten von feiten der Stadt auf gründ gewisser Einnahmen in Bau und Besserung gehalten werden. Jene Brücke mit ihrer Kreuzkapelle war in alten Zeiten in Wirklichkeit die Hauptbrücke und nicht die Stadtbrücke, wie er Herr Verfasser meint; denn alles Fuhrwerk, was vom Krummbogen oder vom Lahnberg oder vom Kapplerberg herunter kam und nach Marburg wollte, hatte diese Brücke zu passieren; eine zweite Brücke über die Lahn wurde erst im Jahre 1723 von feiten des Staates und des deutschm OrdenS erbaut, an deren Stelle jetzt die Bahnhofsbrücke steht.
Kurz nach Einführung der Reformation wurden die vor Marburg gelegenen heiligen Kreuzkapellen, die am Ockerhäuser Weg und die bei der untersten Sieche, grauen« steche, abgebrochen.
Vor den Haupteingängen der Stadt ftanben große Kruzifixe. Das neben der Frauensteche gestandene Kruzifix wurde von der Flut im Jahre 1552 weggeschwemmt.
W. Bücking.
halt
duscht, siel?"
tag würde sie ihrer Vollendung entgegenführen. DaS Land bedarf dringend einer Politik der sozialen Versöhnung; der Liberalismus würde, wenn er zur Herrschaft gelangte, den sozialen Krieg verewigen.
Wer daS nicht will, der lege nicht länger die Hände in den Schoß, sondern biete alles auf, um die liberal- fortschrittliche Agitation zu bekämpfen.
Vorwärts also: „Mit Gott, für König und Vaterland."
Mit dieser Parole, welche unseren Vätern Kraft gab zur Abschüttelung fremden Joches, wollen wir eintreten in den Wahlkampf, um den Bann des Fortschritts-Liberalismus zu brechen, dessen trügerische Lehre so viele noch gefangen hält I
Auf zur Wahl konservativer Männer!__
Liberale Wünsche.
Die „Prov.-Corresp." bringt hierüber folgenden Artikel: Schon feit Wochen vergeht fast kein Tag, an welchem nicht in der TageSpreffe und namentlich auch in fortschrittlichen Blättern die Forderung erhoben wird, daß die Regierung endlich mit einem klaren Programm für die Wahlen hervortreten möge.
Genau dieselbe Forderung wurde im vorigen Jahre vor den Reichstagswahlen gestellt. Damals wie heute wurde daS Schweigen der Regierung als ein Zeichen der in Re- gierungSkrcisen bestehenden Unsicherheit bezeichnet; damals wie heute wurde ihr zum Vorwurf gemacht, daß sie das Volk über ihre Ziele und Pläne im Unklaren lasse.
Es ist eigentümlich, daß gerade die liberale Opposition ein so dringendes Verlangen äußert, in die Absichten der Regierung einen näheren Einblick zu erhalten. Sicherlich würde dieses Verlangen durchaus berechtigt sein, wenn dasselbe aus der Absicht hervorginge, eine Verständigung mit der Regierung herbeizuführen und mit ihr in eine gewissenhafte und vorurteilsfreie Erörterung darüber einzutreten, was dem Wohle des Landes am besten dienen könnte. Von der Höhe eines derartigen Standpunktes, welcher das Sonderintereffe der Partei gegenüber dem Interesse der Allgemeinheit zurücktreten läßt, sind indessen unsere liberalen Oppositionsparteien längst zurückgekommen. Die Partei- Politik steht allein im Vordergrund; Alles wird nur durch die Parteibrille angesehen; die „Reinheit der Parteigrundsätze unentwegt aufrecht zu erhalten", ist die einzige Aufgabe der Parteileitung. Bezeichnend und charakteristisch für die Auffassung, welche in dieser Beziehung in oppositionellen Kreisen herrscht, ist die Ausführung eines hervorragenden sezessionistischen Blattes, welches in anerkennenswerter Offenheit die Karten aufdeckt und in anderer Tonart den Ausspruch jenes alten Demokraten: „wir kennen die Absichten der Regierung nicht, aber wir mißbilligen sie", mit den Worten wiedergiebt: „Der Minister v. Puttkamer mag fein Programm über Selbstverwaltung offen ver-
Weidenhausm zwischen Haus niclasen vnd boß henchen gelegen — Anno Domini tausend funffhundert Nenntzig vnd eins, 18. Juli.
Dieselbe Bedeutung wie „vor" haben auch noch andere Verhältniswörter:
1. Item uf donerötag nehst noch michel als die bürge« meister vnd buwemeister mit etlichen vom Rade ußwendigk wydenhusen besehen Han wie man den nuwen graben anheben solde sin sie uf dazmal In deS burgemeisters Huß gegangen mit den knechten an schone brobe wyn vnd hier gehabt dut 2 Schillinge. Stadtrechnung von 1451.
2. Item uf sonabint nach vincula petri als der Rentmeister die bnrgenteifter vnd etliche des radis von anbrachter harter warnunge wegen die gebrechen der vestenunge hinter widenhusen besucht vnd besehin — Stadtrechnung von 1464.
3. Dosenbach stein gebrochen vnd gearbeitet an der nuwen steinbrogken buffen wydenhusen. Stadtbaurechnung von 1479.
4. Item uf Mittwochen Sant galli tag Als der schul« theiß mit samt dem rabe die Gemein wege besichtigeten vor den barfußen vnd vff dem Reitzgraben vnd hinder Grinde vnd widenhusen vertzert dm obint In henchen kochs Huß 6 Pfd. 4 Schillinge. Stadtrechnung von 1493.
5. Gegeben hanß gilgiß von dem graben zcu Huden hinder widenhusen 1«/» Schillinge 2 Denare vnd 1 par schowe so gewonlich ist. Stadtbaurechnung von 1496.
WaS der Verfasser im zweiten Artikel unter 3 sagt, paßt wohl für die Gegenwart aber nicht für die Vergangenheit. Jene Brücke vor Weidenhausen war ein integrierender Teil der Befestigungswerke der Stadt Marburg und führte über einen breiten, künstlich angelegten, nunmehr aber zum größten Teil verschüttetm Grabm (Lahn-